Werther (Westf.) ist eine Stadt in Nordrhein-Westfalen, Deutschland, und gehört zum Kreis Gütersloh. Sie liegt im Ravensberger Hügelland am Nordrand des Teutoburger Waldes. Die Stadt Werther ist Namensgeberin des dort entstandenen Karamellbonbons Werther’s Original. Wegen des dort geborenen Expressionisten Peter August Böckstiegel (1889–1951) trägt Werther auch den Beinamen Böckstiegelstadt. Der Künstler lebte und arbeitete ab 1913 in Dresden, kehrte aber 1945 in sein Elternhaus zurück, wo er sechs Jahre später starb. Am zählte die Stadt Einwohner.
Geografie Geografische Lage Werther liegt am Nordhang des Teutoburger Waldes. Der Höhenzug ist an dieser Stelle Teil der Weser-Ems-Wasserscheide.
Die Kleinstadt mit rund 11.500 Einwohnern ist 10 km von der Universitätsstadt Bielefeld entfernt und als einzige Stadt im Kreis Gütersloh der Ravensberger Mulde zugeordnet. Im Norden und im Osten ist die Stadtgrenze gleichzeitig Kreisgrenze (zum Teil gebildet durch die Warmenau), im Norden teilweise gleichzeitig Landesgrenze zum Bundesland Niedersachsen. Das Stadtgebiet weist große Höhenunterschiede auf, der niedrigste Punkt befindet sich auf am Zufluss des Grenzgrabens in die Warmenau nördlich von Rotenhagen, direkt an der Grenze zu Niedersachsen und zum Kreis Herford. Der Hengeberg ist mit die höchste Erhebung.
Im Stadtgebiet entspringen unter anderem die Warmenau und der Schwarzbach.
Geologie Das Gebiet von Werther, das vollständig nördlich des Kamms des Teutoburger Waldes liegt, wird zum Ravensberger Hügelland gerechnet und besteht im Wesentlichen aus Tonmergel-, Kalk- und Sandsteinen des Erdmittelalters, also Trias, Jura und Kreide. Die ein bis zwei Kilometer starken Sedimente wurden im Verlauf der Erdgeschichte herausgehoben und durch gebirgsbildende Vorgänge in Sättel, Mulden, Horste und Gräben zerlegt. In diesem Bruchfaltengebirge sind die früher ungestört übereinanderfolgenden Gesteinsschichten heute nebeneinander und zum Teil in überkippter Lagerung angeordnet. Im tieferen Untergrund sind wieder die Gesteine des Erdaltertums anzutreffen. mini|hochkant=1.2|Geothermische Karte von Werther
Auf dem Kamm treten nährstoffarme, saure, steinige Heideböden (Podsole) aus Unterkreide-Sandstein auf. Die nordöstlich vorgelagerten Kuppen aus Muschelkalk des Erdmittelalters tragen flachgründige, basenreiche, tonig-lehmige Böden (Rendzinen). Das Ravensberger Hügelland ist von einem mehlartigen Flugstaub (Löß) des Eiszeitalters überzogen, der zu fruchtbaren braunen Böden (Parabraunerden) verwittert ist. Teilweise verhindern undurchlässige Schichten die Versickerung des Bodenwassers. Diese staunassen Böden (Pseudogleye) aus Löß sind vielfach zur besseren Ackernutzung drainiert. Die Täler, die nur noch stellenweise ihre ursprüngliche V- oder Muldenform aufweisen, wurden überwiegend im 19. und 20. Jahrhundert zu Kastentälern umgeformt, um den Ertrag dieser Grünlandstandorte zu erhöhen. Hier dominieren Grundwasserböden (Gleye), die bis in den Oberboden mit Wasser erfüllt sind.
Werther eignet sich mittelmäßig, in Hanglagen jedoch gut bis sehr gut, zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die obenstehende Karte). (PDF; 369 kB).
mini|hochkant=1.2|Flächennutzung in Werther
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Die Stadt umfasst eine Fläche von 35,32 km². Der überwiegende Teil besteht aus landwirtschaftlich genutzter Fläche und Waldfläche, zusammen etwa 82 %, gefolgt von bebauter Fläche und Verkehrsfläche, zusammen etwa 17 %. Die größte Ausdehnung in Nordsüdrichtung ist etwa 7,8 km, in Ostwestrichtung etwa 8,3 km. Flächenach Nutzungsart Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche Gebäude-, Betriebs-und Freifläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 23,86 5,20 4,13 1,81 0,20 0,22 0,07 Anteil an Gesamtfläche 67,55 % 14,72 % 11,69 % 5,12 % 0,57 % 0,62 % 0,2 %
Nachbargemeinden Melle-Neuenkirchen Spenge Borgholzhausen Datei:Windrose klein.svg Bielefeld Halle Werther grenzt im Osten an die kreisfreie Stadt Bielefeld sowie im Süden an die Stadt Halle (Westf.), im Westen Borgholzhausen (beide zum Kreis Gütersloh gehörend), im Nordwesten an Melle (Landkreis Osnabrück) in Niedersachsen und im Norden an Spenge (Kreis Herford).
Stadtgliederung mini|links|hochkant=0.9|Gliederung der Stadt Werther (Exklaven der Ortsteile nicht dargestellt) Werther besteht neben Werther aus den Ortschaften Häger, Isingdorf, Rotenhagen, Rotingdorf und Theenhausen. Lediglich Werther, Häger und Theenhausen sind geschlossene Ortschaften. Bis 1973 war auch Schröttinghausen eine Gemeinde im Amt Werther. Im Zuge der dann erfolgten kommunalen Neugliederung wurde das Gebiet der Gemeinde zwischen Bielefeld und Werther aufgeteilt. Das Kerngebiet wurde nach Bielefeld eingemeindet und der nur dünn besiedelte Westen blieb in Werther. Die Hauptsatzung der Stadt unterscheidet keine verschiedenen Ortschaften oder Stadtteile.Hauptsatzung der Stadt Werther (Westf.) 27. Dezember 1999 in der Fassung der 1. Änderung vom 28. Januar 2005.
Zwischen Rotenhagen, Rotingdorf und Theenhausen liegt Langenheide. Es handelt sich dabei nicht um die Zusammenfassung dieser Ortsteile, sondern um eine Orts- und Flurbezeichnung, die sich in erster Linie von der Grundschule Langenheide und dem gegenüberliegenden Gemeindehaus ableitet. Es gibt kein Dorf und keine Siedlung mit diesem Namen; doch ein Sportverein, der TuS Langenheide 1949 e. V., sowie der CVJM Langenheide und der Löschzug Langenheide der Freiwilligen Feuerwehr Werther sorgen für die Bekanntheit dieser Ortsbezeichnung.
Klima mini|Niederschlagsdiagramm Werther Werther gehört der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas an. Es liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild und die Sommer mäßig-warm. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei ca. 9–10 °C.
Durch die Lage im subatlantischen Seeklima herrscht ganzjährig ein humides Klima mit relativ gleich verteilten Niederschlägen vor. Insgesamt fallen an der Messstation Werther im langjährigen Mittel 931 mm Niederschlag je Jahr. Somit fällt durch die Regenfängerwirkung des Teutoburger Walds aufgrund von Steigungsregen ganzjährig deutlich mehr Niederschlag, als im deutschen Mittel (700 mm), und auch deutlich mehr als südlich des Teutoburger Walds, an den Werther angrenzt.
Zum Klima in der Region Ostwestfalen-Lippe, zu der die Stadt gehört, siehe auch den Artikel Klima in Ostwestfalen-Lippe.
Geschichte Erstmals urkundlich erwähnt wird Werther in einer Abschrift des Freckenhorster Heberegisters um 1050. Dort wird ein „Boso“ erwähnt (Van Wartera Boso enon scilling pennigo). Ein in der Vergangenheit hieraus teils in der Sekundärliteratur abgeleiteter „Bodo von Werther“ im Sinne eines Adeligen lässt sich anhand dieser Schriftquelle jedoch nicht erkennen. „Boso aus Werther“ könnte auch ein wohlhabender Bauer oder ähnliches gewesen sein.
Die Kirche Sankt Jacob in Werther mit romanischem Turm und gotischen Schiff dürfte im 12. Jahrhundert ihre Grundsteinlegung erfahren haben.
Mit dem Kirchspiel Dornberg gehörte das Kirchspiel Werther zur Vogtei Werther im Amt Sparrenberg der Grafschaft Ravensberg. Mittelpunkt jener Vogtei wurde das im 14. Jahrhundert erstmals erwähnte „Haus Werther“. Damals erfolgte die Belehnung des Henrich von Cappel durch den Grafen von Ravensberg. 1380 erhielt der Belehnte das Rittergut „Haus zu Wengeringtorpe“ („Wentrup“) und 1386 „Overbeckinghuys“ (Overbeck). Bis 1508 hatten die Familien von Cappel und Droste-Erwitte Anrecht auf den Besitz, danach ging er bis 1804 in die Hände der Familie von Hatzfeld. Aus den beiden Gutshöfen entwickelte sich das 1526 bezeichnete „rechte Haus Werther“. Dieses „Haus Werther“ bildet den Kern der „Herrschaft Werther“ zu der etliche umliegende zugehörige Höfe gehörten, die den „Herren von Werther“ zu Abgaben und Diensten verpflichtet waren. Die alten Höfe der Stadt lagen vornehmlich an der alten Handelsstraße von Bielefeld nach Osnabrück.
Zwar erhielt Werther 1488 gemeinsam mit Halle und Borgholzhausen bereits Weichbildgerechtsame verliehen, blieb aber mit seinen umliegenden Gemeinden unbedeutend. Die bewohnte Fläche des Jahres 1556 zählte in Werther 44, Rotenhagen mit Häger (zu den „freien Hagen“ gehörend) 47, Isingdorf 22, Schröttinghausen 19, Rotingdorf 13 und Theenhausen 12 Wohnstätten.
Ende des 16. Jahrhunderts verließ die Familie von Hatzfeld das Haus Werther; seither wird es durch einen Pächter verwaltet.
Im Jahre 1654 bestätigte der Große Kurfürst das Privileg der Weichbildgerechtsame. Damit bekam Werther Handelsrechte, die sich zwar in einem sehr bescheidenen Rahmen hielten, dennoch für Werthers Entwicklung eine Wende bedeuteten; es entstand eine geschlossene Bebauung und somit eine Abkehr von der reinen Landwirtschaft. Noch heute stehen in der Innenstadt von Werther Häuser, die Zeugnisse von jener Wende ablegen.
Die Verleihung der Stadtrechte für Werther durch König Friedrich Wilhelm I. von Preußen im Jahre 1719 war ein Markstein in der Geschichte der Entwicklung der Stadt Werther. Die wirkliche Bedeutung zeigte sich nicht in den verwaltungstechnischen Änderungen, die die Verleihung der Stadtrechte mit sich brachte, sondern auf wirtschaftlichem Gebiet. Für die Stadt Werther fielen die Handelsschranken, so dass sich jetzt Gewerbetreibende nach ihrem freien Willen in Werther niederlassen konnten. Im Jahre 1787 zählten die Landgemeinden um Werther 5568, die Stadt Werther selbst 1013 Einwohner. Rund 100 Kaufleute und Handwerker lebten hier in dieser Zeit. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts bestimmte das wirtschaftliche Leben in der Stadt nicht mehr der Handel, sondern das Handwerk der Zigarrenmacher und der Leineweber.
Nachdem die Grafschaft Ravensberg 1807 an das Königreich Westphalen gefallen war, wurde Werther Sitz des Kantons Werther im Distrikt Bielefeld im Departement der Weser des Königreichs.Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.); Projekt Westfälische Geschichte : "Königliches Decret, wodurch die Eintheilung des Königreichs in acht Departements angeordnet wird", mit: "Verzeichniß der Departements, Districte, Cantons und Communen des Königreichs" Nach der Annexion großer Teile Norddeutschlands durch Napoleon Bonaparte verlief die neue Staatsgrenze zwischen dem Königreich Westphalen und Frankreich seit 1811 entlang des südöstlichen Ortsrandes von Werther. Die Stadt gehörte nun zum Kaiserreich Frankreich und war bis 1813 Sitz der Mairie (Bürgermeisterei) Werther, die zum vergrößerten Kanton Werther im Arrondissement Minden des Départements der oberen Ems gehörte. Nach der napoleonischen Niederlage fiel Werther 1813 zurück an Preußen. 1815 kam die Stadt zur neuen Provinz Westfalen und 1816 zum neuen Kreis Halle. Im Kreis Halle war die Stadt Sitz des Amtes Werther.
Der Bau der Kleinbahnlinie nach Bielefeld im Jahre 1901 brachte dem gewerblichen Leben neuen Auftrieb. Die Schmalspurbahn (1000 mm) fuhr bis zum Februar 1954 über Dornberg, Schildesche (dort Anschluss nach Enger) zum Bielefelder Kreisbahnhof (Streckenlänge 14 km). Seither haben Betriebe der verschiedensten Industriezweige in Werther Fuß gefasst. Die heute vorhandene Zahl der Gewerbebetriebe zeugt davon, dass die Landwirtschaft in der Stadt Werther nicht mehr die dominierende Bedeutung hat. Die ehemaligen Landgemeinden dagegen sind bis auf geringe Ausnahmen in Häger industriearm und in starkem Maße der Landwirtschaft verbunden.
In Isingdorf befand sich ab 1937 (vermutlich) eine Außenstelle des Strafgefangenenlager Oberems. Eine weitere wurde ab 1942 bei der Firma Süßwarenfabrik Storck eingerichtet.
Im Jahre 1949 zählte die Stadt Werther bedingt durch den großen Zustrom von Flüchtlingen und Vertriebenen 4391 Einwohner. Die Bevölkerungszahlen der Stadt und der umliegenden Landgemeinden stiegen stetig an. Wirtschaft, Wohnungsbau und die sonstigen Einrichtungen einer Stadt dieser Größenordnung erfuhren einen wesentlichen Aufschwung.