mini|hochkant|Mario Zatelli (1943) Mario Zatelli (* 21. Dezember 1912 in Sétif, Algerien; † 7. Januar 2004 in Sainte-Maxime, Département Var) war ein französischer Fußballspieler und -trainer. Er gewann über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten in beiden Funktionen insgesamt zehn nationale Titel, dazu zwei als Sportdirektor, und spielte sowohl für Marokko als auch für Frankreich international. Obwohl er bei zahlreichen Vereinen unter Vertrag gestanden hatte, wird sein Name bis heute insbesondere mit Olympique Marseille (häufig zu OM abgekürzt) verbunden, für den er viele Jahre arbeitete. Er ist dort bis in die Gegenwart (Stand: Dezember 2012) der Trainer, der während der größten Zahl von Pflichtspielen für Marseilles Mannschaft verantwortlich war.

Spielerkarriere In seinen Klubs Vereine als Spieler von … bis Union Sportive Marocaine de Casablanca 1929–1935 Olympique de Marseille 1935–1938 Racing Club de Paris 1938–1940 Toulouse Football Club 1940–1943 Équipe Fédérale Marseille-Provence 1943/44 Olympique de Marseille 1945–1948 Union Sportive de Saint-André-les-Alpes(als Spielertrainer in der Division d’Honneur,der damals höchsten Amateurspielklasse) 1948–1950 Sporting Club de Draguignan(als Spielertrainer in der DH) 1950/51

Der als Sohn italienischer Einwanderer in Algerien geborene und in Marokko aufgewachsene Mittelstürmer trat mit 12 Jahren einem Verein aus der katholischen Sportbewegung (Patronage) in Casablanca bei.Wahl/Lanfranchi, S. 74 Seine Laufbahn im Erwachsenenbereich begann 1929 im französisch beherrschten Nordafrika bei der US Marocaine Casablanca; von 1932 bis 1934 gewann er mit dieser Mannschaft dreimal nacheinander die nordafrikanische Fußballmeisterschaft und stand in diesen drei Jahren mit der USM auch im Pokalendspiel.Pécheral, S. 187–191; Mannschaftsaufstellungen für diese Wettbewerbe, die Zatellis Einsätze belegen, finden sich für 1932 (Meisterschaft) und 1934 (Pokal) in Roland H. Auvray: Le livre d’or du football pied-noir et nord-africain. Maroc–Algérie–Tunisie. Presses du Midi, Toulon 1995, ISBN 2-87867-050-7, S. 84 bzw. 87. Mario Zatelli war ein torgefährlicher „Strafraumstürmer“ mit einem harten Schuss und einem spektakulären Volley, besaß aber auch ein gutes Auge für den besser postierten Mitspieler.Chaumier, S. 318 Just Fontaine, der viele Jahre später ebenfalls bei USM gespielt hat, bezeichnete Zatelli als eines seiner frühen Vorbilder.Just Fontaine: Reprise de volée. Solar, o. O. 1970, S. 38 1935 kam er auf Empfehlung eines dem Verein immer wieder Spieler aus dem Maghreb vorschlagenden Pieds-noirs zum Erstdivisionär Olympique Marseille, der schon seit den 1920ern als „Filiale Algeriens“ galt.Rethacker/Thibert, S. 147 Dieser Transfer beschäftigte kurzzeitig sogar die französische Polizei: Olympique führte die Vertragsverhandlungen mit Zatelli und Georges Janin, einem weiteren Algerienfranzosen, per Telegramm; darin verwendeten Verein und Spieler die Decknamen „Lisette“ und „Jeanette“, um zu vermeiden, dass die Konkurrenz von den beabsichtigten Engagements erfuhr. Da in dem regen Telegrammverkehr zwischen Marseille und Nordafrika unter anderem auch längere Zeit über die Höhe der Handgeldzahlungen verhandelt wurde, vermutete die Gendarmerie die Vorbereitung eines Frauenhandels und stellte entsprechende Ermittlungen an.Artikel „Wie ‚Jeanette und Lisette‘ als Profifußballer engagiert wurden“ aus dem österreichischen Sport-Tagblatt vom 31. Oktober 1935 (vollständiger Artikel hier nachzulesen)

Zatelli erhielt für seine Vertragsunterschrift schließlich ein Handgeld in Höhe von 50.000 Francs; sein Anfangsgehalt betrug monatlich gut 1.500 FF – in etwa das Doppelte eines Arbeiterlohns –Wahl/Lanfranchi, S. 63–66 zuzüglich Erfolgsprämien.Pécheral, S. 188 Daneben arbeitete er als Bankangestellter.Wahl/Lanfranchi, S. 87 Mit Marseille gewann Zatelli unter Trainer Eisenhoffer 1937 den Meistertitel und wurde 1938 Vizemeister sowie, nach einem 2:1-Finalsieg über den FC Metz, Pokalsieger. In diesem Endspiel stand er trotz einer schweren Grippe auf dem Platz.L’Équipe/Ejnès: Coupe, S. 157 Zu seinen Mitspielern in den drei Spielzeiten gehörten unter anderem Alcazar, Aznar, Ben Bouali, Kohut, Weiskopf und die Torhüter Di Lorto bzw. „Jaguar“ Vasconcelos.Pécheral, S. 385f.

Zatelli selbst platzierte sich in diesen Jahren bei Olympique immer unter den besten zehn Ligatorschützen: 1935/36 Rang 9 mit 15 Treffern, 1936/37 Zweiter (28) und 1937/38 Siebter (20). „Der schöne Mario“, wie er wegen seines sanften Blicks,„regard de velours“ (wörtlich: Samtblick) – Rethacker/Thibert, S. 141. der stets ondulierten Frisur und der außerhalb der Stadien lockeren Lebenseinstellung schnell genannt wurde, blieb gleichwohl zeit seines Lebens ein „leidenschaftlicher und bescheidener Mensch“.

1938 wechselte Zatelli für eine Ablösesumme von 380.000 FF – damals Ligarekord – zu Racing Paris, mit dem er bei Saisonende den dritten Platz in der Division 1 belegte und seine zweite Coupe de France gewann; dabei konnte er verletzungsbedingt nur 14 der 30 Punktspiele bestreiten und auch im Pokalendspiel nicht eingesetzt werden. In der ersten Saison der „Kriegsmeisterschaften“ (1939/40) bestritt Racing überhaupt nur neun Ligapartien, wurde aber erneut Pokalsieger. Auch in diesem Finale stand Zatelli nicht in der Mannschaft und es ist nicht sicher, ob er überhaupt noch zu Einsätzen kam.Zahlen für 1935 bis 1940 aus Sophie Guillet/François Laforge: Le guide français et international du football éd. 2007. Vecchi, Paris 2006, ISBN 2-7328-6842-6, S. 137–141; Pokaleinsätze 1938 bis 1940 aus L’Équipe/Ejnès: Coupe, S. 95.

Nach Kriegsausbruch und Besetzung Frankreichs kehrte er in den Süden des Landes zurück und erzielte dort seine Treffer bis 1943 für den Toulouse FC, zu dem mit Dupuis, Diagne und Keller weitere Nationalspieler stießen – und insbesondere auch Jean Bastien, der schon in Marseille und Paris Zatellis Mannschaftskamerad gewesen war. Auch hier war er erfolgreich und wurde 1941 Pokalsieger im unbesetzten Teil Frankreichs; dabei erzielte er den Treffer des Tages im Endspiel gegen AS Saint-Étienne –http://tfc.wifeo.com/infos-club.php anschließend scheiterte der TFC auf dem Weg ins Landesfinale allerdings am Sieger der besetzten Zone, den Girondins AS du Port. 1943 folgte die Meisterschaft in der Südstaffel der ersten Liga; beide Titel gelten in Frankreich jedoch nur als inoffizielle. Direkt danach wieder in Marseille, gehörte Mario Zatelli der Équipe Fédérale Marseille-Provence an, die in der Meisterschaft mit 15 anderen Regionalauswahlen (anstelle von Klubteams) in einer landesweiten Punkterunde den 9. Platz belegte; Zatelli bestritt nur 14 der 30 Spiele und schoss zwei Tore. Über die Saison 1944/45 ist lediglich bekannt, dass er bei Olympique kein Spiel absolvierte;Pécheral, S. 387f. weshalb dies so war und ob er für einen anderen Verein antrat, ist bisher nicht zu ermitteln.

Ab Sommer 1945 stand er wieder regelmäßig im Angriff von Olympique Marseille, wenn auch 1947/48 nur noch bei wenigen Begegnungen. Diese Saison beendete der Klub auf dem ersten Platz der Tabelle der Division 1; für Mario Zatelli war das sein zweiter offizieller Landesmeistertitel. Anschließend beendete er seine Profikarriere, in der er für OM insgesamt 129 Punktspiele mit 87 Treffern absolviert hatte,Pécheral, S. 379 schnürte seine Fußballstiefel die nächsten drei Jahre bei zwei Amateurklubs als Spielertrainer und erwarb 1950 das Trainerdiplom; sein Prüfungsthema lautete „Das Spiel des Mittelstürmers und dessen Volleyschuss“.Chaumier, S. 318; Pécheral, S. 189

In der Nationalmannschaft International hatte Zatelli schon in seiner Zeit bei USM Casablanca für Marokko gespielt, damals noch keine offizielle Nationalelf; unter anderem war er am 4:1-Sieg gegen Frankreichs B-Team beteiligt. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1938 gehörte er zum französischen Kader, kam dort jedoch nicht zum Einsatz, weil Nationalmannschaftssélectionneur Barreau auf der Position der Sturmspitze Jean Nicolas vertraute – und nach diesem Turnier Désiré Koranyi.L’Équipe/Gérard Ejnès: La belle histoire. L’Équipe de France de football. L’Équipe, Issy-les-Moulineaux 2004, ISBN 2-9519605-3-0, S. 307/308 So bestritt Mario Zatelli im Januar 1939 sein einziges A-Länderspiel für die Bleus beim 4:0 über Polen, wobei ihm auch ein Treffer gelang.

Laufbahn als Trainer und Sportdirektor Vereine als Trainerbzw. Sportdirektor von … bis Union Sportive de Saint-André-les-Alpes(als Spielertrainer in der Division d’Honneur,der damals höchsten Amateurspielklasse) 1948–1950 Sporting Club de Draguignan(als Spielertrainer in der DH) 1950/51 Olympique Gymnaste Club de Nice(1951/52 als Sportdirektor) 1951–1953 Olympique d'Hussein-Dey (Algerien) 1953/54 Club Sportif La Voulte Valence 1954–1959 Football Club de Nancy(1959/60 und 1963/64 in D2) 1959–1964 Olympique de Marseille(1964–1966 in D2;Januar 1971–März 1972 als Sportdirektor) 1964–1966Nov.1968–Dez.1970Jan.1971–Mrz.1972Mrz.1972–Sep.1973

In Nizza und Nancy Auch in seiner neuen Funktion konnte Mario Zatelli, der in den 1950er Jahren etliche Vereine in Frankreich und Algerien betreute, Erfolge vorweisen. Bei seinem ersten Profiklub OGC Nizza arbeitete er 1951/52 als Sportdirektor, weil Trainer Numa Andoire keine Fußballlehrerlizenz besaß;Rethacker/Thibert, S. 213f. in diesem Jahr gewann die Mannschaft den Doublé (Sieg in Meisterschaft und Pokal während derselben Saison) und unterlag im Finale der Coupe Latine dem FC Barcelona mit 0:1.Pierre Delaunay/Jacques de Ryswick/Jean Cornu: 100 ans de football en France. Atlas, Paris 1982, 1983² ISBN 2-7312-0108-8, S. 196/197; dort auch ein Foto Zatellis neben Andoire auf der Trainerbank während des Landespokal-Endspiels. In der folgenden Spielzeit übernahm er dort zusätzlich das Traineramt, vermochte den Abstieg aus der Division 1 nur knapp zu verhindern und kam im Pokal nicht über das Viertelfinale hinaus. Dafür führte er nach fünfjähriger Tätigkeit bei einem Amateurverein aus ValenceFrance Football: Olympique de Marseille. Spécial – Clubs de légende, 2008, S. 24 den FC Nancy 1960 aus der zweiten in die höchste Spielklasse zurück und erreichte dort 1962 Rang 4, brachte es zudem bis in das Pokalendspiel (0:1 gegen AS Saint-Étienne). 1963 allerdings stiegen die Lothringer wieder ab und schafften den Wiederaufstieg nicht mehr.

Wieder in Marseille