mini|Luftbild von Rudersberg Rudersberg ist eine Gemeinde im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg.
Geographie Geographische Lage Rudersberg liegt am westlichen Rand des Welzheimer Waldes im Wieslauftal in 270 bis 536 Meter Höhe zwischen Schorndorf und Backnang. Das Gemeindegebiet hat Anteil an den Naturräumen Schurwald und Welzheimer Wald, Schwäbisch-Fränkische Waldberge und Neckarbecken.Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009 Über die südliche Gemarkung der Gemeinde verläuft die Transalpine Ölleitung von Osten nach Westen.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet ist in die vier Ortsteile Rudersberg, Asperglen, Schlechtbach und Steinenberg gegliedert. Diese teilen sich auf insgesamt 29 separat gelegene Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser sowie einige Wüstungen auf. Für die Ortsteile Asperglen, Schlechtbach und Steinenberg, die erst im Rahmen der baden-württembergischen Gebietsreform in den 1970er Jahren eingemeindet wurden, sind Ortschaften mit eigenem Ortschaftsrat, Ortsvorsteher und Ortsamt eingerichtet. none|498px|alternativtext=Grafik mit den Ortschaften und Ortsteilen der Gemeinde Rudersberg|Ortsteile der Gemeinde Rudersberg
Zur Ortschaft Asperglen gehören die Dörfer Asperglen, Krehwinkel und Necklinsberg. Zum Ortsteil Rudersberg gehören die Dörfer Rudersberg, Klaffenbach, Mannenberg, Oberndorf und Zumhof, die Weiler Königsbronnhof, Steinbach und Waldenstein, die Höfe Berghäusle, Birkenberg, Burghöfle, Buschhöfle, Edelmannshof, Grauhaldenhof, Kirchenacker, Kirschhaldenhof, Schafhaus, Schloßhöfle und Seelach und die Wohnplätze Sauerhöfle und Strümpfelhof sowie die abgegangenen Ortschaften Commenthurhof, der möglicherweise zu Rodmannsweiler gehörte, Hofstatt, Hofstetten, Ödin und Rodmannsweiler. Zur Ortschaft Schlechtbach gehören das Dorf Unterschlechtbach, die Gemeindeteile Mittelschlechtbach und Oberschlechtbach, die Weiler Lindental und Michelau, das Gehöft Kirschenwasenhof sowie die abgegangene Ortschaft Weiler. Zur Ortschaft Steinenberg gehören das Dorf Steinenberg sowie der abgegangene Hof Glaffheim.
Alte Wappen der Ortsteile
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Rudersberg.
Nachbargemeinden Rudersberg grenzt (im Uhrzeigersinn) an die Gemeinden Allmersbach im Tal, Weissach im Tal, Althütte, Kaisersbach, Welzheim, Schorndorf und Berglen.
mini|„Ruedersperg“ auf der Übersichtskarte zu den Gadnerschen Forstkarten (1596) Geschichte Rudersberg im Mittelalter mini|Rudersberg 1686 im Kieserschen Forstlagerbuch Die erste urkundliche Erwähnung von Rudersberg in einer Urkunde von Papst Innozenz IV. stammt aus dem Jahre 1245. Im Hochmittelalter gehörte der Ort zur Herrschaft Waldenstein und kam mit ihr in der Mitte des 13. Jahrhunderts an Württemberg.
Geschichte der Ortsteile Schlechtbach wurde 1298 als Minneslechbach im Rahmen einer Übergabe eines Hofteils an das Kloster Adelberg erwähnt. Bereits 1181 findet Diepoldus de Slechbach, ein Gefolgsmann von Kaiser Friedrich I., Erwähnung.
Steinenberg wurde im Jahre 1234 erstmals urkundlich erwähnt.
Die Ortschaften Asperglen und Krehwinkel wurden 1411 im Rahmen einer Übereignung von Gütern des württembergischen Grafen Eberhard III. an Georg von Urbach erwähnt.
Der Ortsteil Michelau liegt an der südlichen Gemeindegrenze als „Tor zur Gemeinde Rudersberg“ und wurde 1284 in einer Urkunde von Konrad von Waldenstein erstmals erwähnt. Dieser Konrad von Waldenstein war Dienstmann am kaiserlichen Hof und verspricht einem Albert von Michenlowe, dass dieser das Kloster Lorch wegen eines im Dorfe gelegenen Gutes nicht mehr anfechten wolle. Der Name Michelau stammt aus dem altdeutschen und bedeutet „Hof in der Au“. Im Jahre 1821 wurde Michelau kirchlich und schulisch der damaligen Gemeinde Steinenberg zugeordnet. Kommunalpolitisch gehörte der Ort jedoch zu Unterschlechtbach.
In Michelau waren eine Mahlmühle sowie eine Ölmühle ansässig. Diese Mühlen wurden durch einen ca. 2,5 km langen Mühlbach angetrieben, dessen Wasser aus der Wieslauf entnommen wurde. Die Ölmühle dient heute als Museum.
Entwicklungen in der Neuzeit Rudersberg befand sich bei der Errichtung des Königreichs Württemberg 1806 im Oberamt Schorndorf. Im Jahre 1807 wurde es ins benachbarte Oberamt Welzheim umgegliedert. 1905 erhielt Rudersberg durch den Bau der Wieslauftalbahn Anschluss an das Streckennetz der Württembergischen Staatseisenbahnen.
Bis 1910 wurde in den heute zu Rudersberg gehörenden Ortschaften Weinbau betrieben. Weil die Reblaus den gesamten Rebenbestand vernichtete, wurde auf Obstbau umgestellt. Auf dem Gemeindegebiet befinden sich die größten zusammenhängenden Streuobstwiesen der Region, was Rudersberg zur Gemeinde mit dem im Verhältnis höchsten Streuobstwiesenanteil Deutschlands macht.
Rudersberg während der NS-Zeit Bei der Gebietsreform während der NS-Zeit in Württemberg wurde Rudersberg 1938 dem Landkreis Waiblingen zugeteilt. alternativtext="Arbeitserziehungslager für Frauen Rudersberg” in den Jahren 1942–1945|mini|"Arbeitserziehungslager für Frauen Rudersberg” in den Jahren 1942–1945 Im Jahre 1942 übernahm die Stapoleitstelle Stuttgart die Gaststätte „Zur Ritterburg“ und ließ sie zum Arbeitserziehungslager (AEL) für 140 Frauen umbauen. Unter miserablen Lebensbedingungen und Schikanen mussten sie Zwangsarbeit im Holzwerk Horn in Rudersberg, bei der Firma Bauknecht in Welzheim und in der Landwirtschaft verrichten, Aufseherin war unter anderen Gertrud Gönnenwein. Nach den Bombardierungen der Polizeigefängnisse von Stuttgart war das Lager mit über 300 Personen total überbelegt. Das Lager fungierte auch als Durchgangsstation für die Deportation in Konzentrations- und Vernichtungslager wie Ravensbrück und Auschwitz.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd.I, Bonn 1995, S. 73, ISBN 3-89331-208-0 Insgesamt durchliefen rund 3500 Frauen das Lager.Ingrid Bauz, Sigrid Brüggemann, Roland Maier (Hrsg.): Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern. Stuttgart 2013, 2. Aufl. ISBN 3-89657-145-1, S. 154ff.
Nachkriegszeit 1945 wurde Rudersberg Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Land Baden-Württemberg aufging.
Die Aufarbeitung der NS-Zeit in Rudersberg gestaltete sich schwierig und langwierig. So wurde beispielsweise ein Antrag der SPD Gemeinderäte im Herbst 1979, eine Gedenktafel zur Erinnerung an das von Nationalsozialisten eingerichtete Frauenarbeitslager anzubringen, von der Freien Wählervereinigung, die über die absolute Mehrheit im Gemeinderat verfügte, zu Fall gebracht.
Am 1. November 1981 stellten sich unter anderem die VVN, der DGB Rems-Murr, der Stadtjugendring Schorndorf, der Bund der Katholischen Jugend Stuttgart und weitere Organisationen, hinter dieses Vorhaben. Die Kundgebung fand mit einem Schweigemarsch zum Friedhof ihren Abschluss. Am Grabe von Marcelle Gramond, einer Französin, die im Lager Rudersberg starb, weil ihr die notwendige medizinische Hilfe verweigert wurde und am Grabe von Iwan Wanjawin, eines ebenfalls dort beigesetzten sowjetischen Zwangsarbeiters, wurden Kränze niedergelegt. alternativtext=Stolperschwelle bei der Rittersburg in Rudersberg|mini|Stolperschwelle bei der Rittersburg in Rudersberg Es ist nicht bekannt, dass sich jemals in Rudersberg ein Protest erhoben hat, als sich der Kommandant der KZ-Lager Heuberg, Oberer Kuhberg, Schutzhaftlager Welzheim, Rudersberg und zuletzt des Sicherungslagers Schirmeck-Vorbruck im Elsass, Karl Buck, nach seiner Entlassung aus der Kriegsverbrecherhaft in Frankreich, ausgerechnet in Rudersberg niedergelassen hat. In einem offenen Brief an Bürgermeister Stiefel und den Gemeinderat von Rudersberg forderten die oben genannten Organisationen, sich öffentlich von diesen kriminellen Akten zu distanzieren. In der Folge konnte die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen im Rems-Murr-Kreis am 9. Oktober 1982 eine Mahn- und Gedenktafel auf dem Friedhof Rudersberg errichten. Sie erinnert an das Schicksal der inhaftierten Frauen.
Erst am 19. November 2024 beschloss der Gemeinderat einstimmig, zur Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus im ehemaligen „Arbeitserziehungslager für Frauen Rudersberg“ in den Jahren 1942–1945, eine Stolperschwelle vor der „Rittersburg“ zu verlegen. Am 26. Mai 2025 wurde diese Stolperschwelle von Gunter Demnig unter großer Anteilnahme der Bevölkerung verlegt.
Gebietsreform – Eingemeindung Die heutige Gemeinde Rudersberg entstand im Rahmen der Gemeindereform in Baden-Württemberg durch folgende Schritte:
25. Februar 1972: Eingemeindung von Asperglen nach der Altgemeinde Rudersberg. 1. Oktober 1972: Vereinigung der Altgemeinden Rudersberg und Steinenberg zur neuen Gemeinde Rudersberg, wobei die Weiler Obersteinenberg und Steinbruck der Stadt Welzheim zugeordnet wurden.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 540–544 1. Januar 1975: Vereinigung der neuen Gemeinde Rudersberg mit der Gemeinde Schlechtbach (so seit dem 16. Februar 1967, vorher Unterschlechtbach).
Seit dem 1. Januar 1973 gehört Rudersberg im Zuge der Kreisreform in Baden-Württemberg zum Rems-Murr-Kreis.
Hochwasserkatastrophe 2024 mini|Starkregenschäden im Rudersberger Ortsteil Klaffenbach mini|Schäden im Rudersberger Ortsteil Schlechtbach nach dem Starkregenereignis im Juni 2024Während des Hochwassers in Süddeutschland trat in der Nacht auf den 3. Juni 2024 aufgrund von extremem Starkregen die Wieslauf über die Ufer. Im Ortsteil Steinenberg konnten der Boden und die Kanalisation die Niederschläge nicht mehr aufnehmen, was zum Abfluss des Regenwassers in den Ortskern hinein führte. Das hatte massive Überschwemmungen zur Folge, bei denen Teile der Gemeinde unter Wasser standen und die enorme Schäden hinterließen. In der Folge kam es in Rudersberg auch zu Problemen mit der Trinkwasserqualität. Die Landstraße zwischen Rudersberg und Welzheim wurde teilweise zerstört. Die Gleise der Wieslauftalbahn wurden unterspült und Fahrzeuge durch das Wasser beschädigt, sodass bis April 2025 ein Ersatzverkehr eingerichtet werden musste. Viele ehrenamtliche Helfer aus dem Ort selbst und den umliegenden Gemeinden, Feuerwehren und das DRK, auch aus dem Umland, sowie das Technische Hilfswerk und weitere Organisationen und Privatpersonen halfen bei der Beseitigung der Schäden und der teilweisen Wiederherstellung der Infrastruktur. Religionen Evangelische Kirche Seit Einführung der Reformation im 16. Jahrhundert ist das württembergische Rudersberg evangelisch-lutherisch geprägt. Heute gibt es zwei evangelische Gemeinden vor Ort, Rudersberg und Schlechtbach, die zusammengeschlossen sind in der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Rudersberg-SchlechtbachWebsite der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Rudersberg-Schlechtbach im Kirchenbezirk Schorndorf der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Katholische Kirche Katholiken kamen in nennenswerter Zahl erst nach dem Zweiten Weltkrieg nach Rudersberg. Die römisch-katholische Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit wurde 1957 erbaut und seit 1960 mit einem eigenen Pfarramt ausgestattet, welches nun zur Seelsorgeeinheit Rudersberg / Welzheim im Dekanat Rems-Murr gehört.
Sonstige Religionsgemeinschaften Zudem gibt es eine evangelisch-methodistische und eine neuapostolische Gemeinde im Ort.
Politik mini|Das Rudersberger Rathaus
Gemeinderat