Pohlheim ist eine Stadt im mittelhessischen Landkreis Gießen. Nach der Stadt Gießen ist Pohlheim (Stand: 31. Dezember 2020) nach Einwohnern die größte Gemeinde im Landkreis Gießen. Aufgrund des Verlaufs des Obergermanischen Limes durch die Stadt bezeichnet sich Pohlheim selbst als „Limesstadt“; ein entsprechender amtlicher Namenszusatz besteht jedoch nicht.
Geografie Geografische Lage Die Stadt Pohlheim liegt im südlichen Teil des Landkreises Gießen, direkt an der Gemarkung der Universitätsstadt Gießen. Pohlheim liegt am Lückenbach (fließt über den Kleebach in die Lahn).
Nachbargemeinden Pohlheim grenzt im Norden an die Stadt Gießen und die Gemeinde Fernwald, im Osten an die Stadt Lich, im Süden an die Stadt Münzenberg (Wetteraukreis), sowie im Westen an die Gemeinde Langgöns und die Stadt Linden.
Stadtteile, Einwohnerzahl Zur Stadt Pohlheim gehören folgende Stadtteile, die zugleich jeweils einen Ortsbezirk mit Ortsbeirat bilden: (PDF; 23 kB) vom 7. März 2005 (GVBl I S. 142) zuletzt geändert durch Gesetz vom 24. März 2010 (GVBl I S. 119)
Dorf-Güll, Garbenteich, Grüningen, Hausen, Holzheim, Watzenborn-Steinberg. Jahr (Datum) EinwohnerHessisches Statistisches Landesamt 31.12.1999 17.119 31.12.2000 17.153 31.12.2002 17.442 31.12.2004 17.830 31.12.2005 17.909 31.12.2006 18.043 31.12.2007 18.051 30.09.2009 18.072 30.06.2010 18.108 30.06.2013 18.711 31.12.2016 18.09430.06.2019 18.57230.06.2025 17.598
Geschichte Die Gemeinde Pohlheim wurde am 31. Dezember 1970 im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch freiwilligen Zusammenschluss der Gemeinden Dorf-Güll, Garbenteich, Grüningen, Hausen, Holzheim und Watzenborn-Steinberg gegründet. Der Name Pohlheim geht auf eine zentral im Gemeindegebiet gelegene, im Dreißigjährigen Krieg untergegangene Ortschaft zurück. Für alle ehemals selbständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet. Am 4. September 1974 wurde Pohlheim zur Stadt erhoben.
Durch das Gebiet von Pohlheim führt der Obergermanische Limes. Nördlich von ihm liegen Hausen, Watzenborn-Steinberg und Garbenteich; südlich liegen Grüningen, Dorf-Güll und Holzheim. Der Name Pohlheim lässt sich auf das ehemalige Dorf „Fahlheim“ zurückführen. Im Kopiar Lorscher Codex heißt es 793/796: „... in Wetereiba in Holzheim et in Logenehe in Fahlheimer marca ...“Karl Glöckner: Codex Laureshamensis (CL) = Arbeiten der historischen Kommission für den Volksstaat Hessen. Darmstadt 1929. Band 3: Kopialbuch; Die übrigen fränkischen und die schwäbischen Gaue, Güterlisten, späte Schenkungen und Zinslisten, Gesamtregister, Fotomechan. Nachdruck der Ausgabe von 1936, Darmstadt. Hessische Historische Kommission 1963. CL III, Nr. 3760, S. 244 f.
Das wiederum auf den Limes hinweist („Dorf an den Pfählen“).
Der Ortsname Garbenteich wird auf den Rufnamen Garuwand zurückgeführt, welcher aus den Wortstämmen garwa und warda hergeleitet wurde. Außerdem beinhaltet der Ortsname das mhd. Wort eich, welches nicht einen Baum, sondern einen Eichenwald meint.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage Berlin 1967. bearbeitet von Walther Mitzka. S. 154. Demnach ist Garbenteich die „Siedlung am Eichenwald des Garuward.“Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 127. Die nördlichen Dörfer gehörten im Mittelalter der Gerichtsbarkeit von Hüttenberg an, die südlichen zum Amt Gambach (1464 an Solms verpfändet). Holzheim wurde 790 erstmals urkundlich erwähnt, Grüningen und Dorf-Güll 799, Hausen 886 und als jüngste Garbenteich und Watzenborn („Wazenburne“) im Jahr 1141. Die beiden Urkunden von 1141 sind unecht bzw. gefälscht. Grüningen hatte bereits im Mittelalter – als einzige der früheren Einzelgemeinden – seit dem Jahre 1400 Stadtrechte.
Nördlich an Pohlheim angrenzend liegt zu Füßen des Schiffenbergs die in den 1960er-Jahren gegründete, zu Gießen gehörende Siedlung Petersweiher.
Religionen Die Bevölkerung Mittelhessens ist überwiegend evangelisch. In den Jahren 1954/1955 wurde in Watzenborn-Steinberg die Christuskirche erbaut und am 24. Juli 1955 geweiht. Die erste Pfarrei bestand in dem Ort aber bereits im Jahr 1606/1607. Die Alte Kirche wurde als das erste Gotteshaus auf dem Gebiet der heutigen Stadt Pohlheim wahrscheinlich im Jahre 1141 errichtet, in zeitlicher Nähe zur Gründung des Klosters Schiffenberg. Sie wurde 2006 umfassend renoviert. In den Stadtteilen befinden sich mehrere historische Dorfkirchen, so die Evangelisch-reformierte Kirche Dorf-Güll (1737), die Evangelische Kirche Garbenteich (12. Jh.), die Evangelische Kirche Grüningen (12.–16. Jh.), die Evangelische Kirche Hausen (13. Jh.) und die Evangelisch-reformierte Kirche Holzheim (1632).
Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen viele katholische Flüchtlinge und Vertriebene auch in die Dörfer Pohlheims. In dieser Zeit wurde die St.-Hedwig-Kapelle in Hausen gegründet. Diese wurde nach dem Neubau der katholischen Kirche St. Martin in Watzenborn-Steinberg an eine syrisch-orthodoxe Glaubensgemeinschaft verkauft. Nach Abriss der abgängigen St.-Hedwig-Kapelle entstand 2013 an gleicher Stelle die syrisch-orthodoxe Kirche Mor Had’Bschabo. In Garbenteich wurde 1999 die Kirche Mor Barsaumo fertiggestellt, eine dritte aramäische Gemeinde besteht in Watzenborn-Steinberg.
Das kirchliche Leben von Pohlheim wird mitgeprägt durch die Freie evangelische Gemeinde Pohlheim und die Evangelische Stadtmission, die in drei Ortsteilen vertreten ist. Des Weiteren gibt es eine Neuapostolische Kirche in Watzenborn-Steinberg.
Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Pohlheim erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Pohlheim 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 34,5 13 30,6 11 38,6 14 39,1 14 41,2 15 39,4 15 30,1 11 34,3 13 31,8 12 34,5 13 35,5 13 40,4 15 15,7 6 12,6 5 14,2 5 9,8 4 11,8 4 9,1 3 14,8 5 16,0 6 9,6 4 13,9 5 7,3 3 6,7 2 4,9 2 6,5 2 5,8 2 2,7 1 4,1 2 4,2 2 Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 Wahlbeteiligung in % 56,4 52,7 51,0 49,2 47,6 58,5
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Pohlheim neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und vier weitere Stadträte angehören (abweichend davon für die Wahlzeit 2021 bis 2026 sieben weitere Stadträte).siehe: Hauptsatzung § 4 - Magistrat, Nr. 2 und 3 - Gremien: Magistrat Bürgermeister ist seit dem 1. Februar 2021 der parteiunabhängige Andreas Ruck. Er setzte sich am 1. November 2020 im ersten Wahlgang gegen Amtsinhaber Udo Schöffmann (CDU), der sich um eine zweite Amtszeit beworben hatte, bei 49,24 Prozent Wahlbeteiligung mit 61,75 Prozent der Stimmen durch.Votemanager: Bürgermeisterwahl Stadt Pohlheim 2020 - hessenschau: Bürgermeisterwahl am 1. November 2020 in Pohlheim
Amtszeiten der Bürgermeister - Gießener Anzeiger, 21. September 2024: 50 Jahre Stadt Pohlheim im Zeitraffer: mit Amtszeiten der Bürgermeister 2021–2027 Andreas RuckGießener Allgemeine, 31. Januar 2021: Bei der Amtseinführung eines Bürgermeisters unter normalen Bedingungen wäre der Saal brechend voll gewesen. - Gießener Anzeiger, 9. Februar 2024: Unerfüllbarer Wunsch nach Abwahl: „Die CDU bedauert …, dass die Ampelkoalition an Ruck festhalten wolle. … Stattdessen habe die Ampel mit Inthronisierung von zwei Dezernenten der SPD sich dafür entschieden, die Aufgaben des Bürgermeisters auf ehrenamtlicher Basis selbst zu übernehmen.“ 2015–2021 Udo Schöffmann (CDU)Gießener Allgemeine, 29. Januar 2021: Pohlheim: Bürgermeister Schöffmann tritt ab - „Wird kein Gespräch mit Herrn Ruck geben“ - „Ab dem 1. Februar wird Andreas Ruck Schöffmann im Amt des Bürgermeisters nachfolgen.“ 1997–2015 Karl-Heinz Schäfer (SPD) 1979–1997 Hermann Georg (CDU) 1971–1979 Karl Brückel (SPD)Gießener Allgemeine, 30. Dezember 2020: Pohlheim wird an Neujahr 50: „durch Erlass des Regierungspräsidenten (RP) am 23. Dezember 1970 Karl Brückel als Bürgermeister … bestellt … Nach der Kommunalwahl am 14. März 1971 wählte die Gemeindevertretung am 21. April 1971 Karl Brückel zum ersten Bürgermeister“ - Gießener Allgemeine, 30. Dezember 2020: Bürgermeisterwahl in Pohlheim: Ein Rekord deutet sich an - „Karl Brückel trat 1979 mit 65 Jahren in den Ruhestand, sein Nachfolger - und übrigens Schwiegersohn - Hermann Georg trat 1996 aufgrund einer schweren Krankheit nicht mehr an.“
Wappen und Flagge Wappenbeschreibung
Flaggenbeschreibung „Zwischen den mit einem goldenen Faden belegten roten Randbahnen des Flaggentuchs in der verbreiterten weißen Mittelbahn das Stadtwappen.“
Städtepartnerschaften Die Stadt Pohlheim unterhält Städtepartnerschaften mit der Marktgemeinde Admont in Österreich, der Stadt Zirc in Ungarn und dem sächsischen Strehla.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Kulturdenkmäler
Naturdenkmäler
Kinogeschichte Die Kinogeschichte der Stadt Pohlheim geht bis zu den Anfängen des 19. Jahrhunderts zurück, doch erst durch die Einrichtung eines Lichtspieltheaters in Watzenborn-Steinberg durch Wilhelm Vogt (1915–1978) aus Hungen professionalisierte sich das Angebot. Vom kleinen Ladenkino in der Gastwirtschaft "Zur Krone" zog der Filmtheaterbesitzer Vogt 1955 in einen Kinoneubau um, der in nur wenigen Wochen errichtet wurde. Sämtliche Bildarten – bis hin zum CinemaScope – konnten vorgeführt werden. Auch 3-D-Erlebnisse waren möglich. Doch wie überall fiel das Kino dem Fernsehen und der wachsenden Mobilität zum Opfer. Die Rex-Filmtheaterbetriebe wurden 1966 abgemeldet.
Auch im Stadtteil Holzheim befand sich ein Filmtheater. Dort betrieb Anton Richter (1921–1978) die „Lichtspiele Holzheim“ im Gasthaus Sames in der Eichstraße 25. Er übernahm das seit 1955 bestehende Wanderkino des Wilhelm Vogt ca. 1958, professionalisierte es durch den Anbau eines Bildwerferraumes und betrieb es bis in die späten 1960er Jahre hinein. 1968 musste das Gewerbe aufgrund rückgängiger Zuschauerzahlen abgemeldet werden. Später sollte sich in diesem Haus eine Diskothek ansiedeln, die unter den Namen „Zarap Zap Zap“ (1982–1989), „La Boum“ (1990–1993), „Fantasy“ (1994–1998) und „Drop Inn“ (1998–2000) bekannt war.
Sport Größter Sportverein der Stadt ist der TV07 Watzenborn-Steinberg mit 1700 Mitgliedern. Die Angebotspalette reicht von Aerobic, Tauchen, Turnen und Tennis bis hin zu Herzsport und Seniorensportkursen. Neben zahlreichen Breitensportangeboten wird auch der Leistungssport – vor allem im Turnen und Schwimmen – besonders gefördert. 1927 wurde der Fußballverein SC Teutonia Watzenborn-Steinberg gegründet. Der Verein hat über 500 Mitglieder. Nach einer Spielzeit in der Fußball-Regionalliga Südwest in der Saison 2016/17 spielte die 1. Mannschaft ab der Saison 2018/19 unter neuem Namen als FC Gießen, der aus der Fusion mit dem VfB Gießen hervorging, in der Hessenliga. Am Ende der Saison 2018/19 erfolgte der direkte Wiederaufstieg in die Fußball-Regionalliga Südwest. Aktuell spielt der Verein in der Hessenliga. 1962 wurde die Segelfliegergruppe Steinkopf gegründet. Der Verein hat aktuell über 100 Mitglieder. Seit 1973 betreibt der Verein das Segelfluggelände Pohlheim. Angeboten wird die Ausbildung in den Sparten Segelflug, Motorsegler und Ultraleicht. Im Stadtteil Holzheim spielt der aramäische Fußballverein FC Turabdin-Babylon Pohlheim. Dieser spielt seit der Saison 2025/26 erstmals in der Hessenliga. 1928 wurde der Sportverein Garbenteich gegründet. Der Verein hat über 1000 Mitglieder. Langjähriges Vorstandsmitglied (seit 1948) und seit 1967 Präsident ist Ewald Stumpf.