Die Geschichte Koreas umfasst die Entwicklungen auf der koreanischen Halbinsel von der Urgeschichte der Altsteinzeit bis hin zur Gegenwart. Sie beginnt mit den ersten Spuren menschlicher Besiedlung vor 700.000 bis 400.000 Jahren, darunter Werkzeuge wie Faustkeile und Pfeilspitzen oder Harpunen aus Stein und Knochen. Um 6.000 v. Chr. begann der Übergang zur Jungsteinzeit, gekennzeichnet durch Auftauchen der ersten Kammmuster-Keramiken der Chŭlmun-Zeit. Die Petroglyphen von Ulsan aus dieser Epoche weisen auf eine zunehmende Komplexität der sozialen Strukturen hin. Das Ende der Vorgeschichte wird durch die Zeit der Mumun-Keramik von etwa 1500 bis 300 v. Chr. und die Verbreitung der Pip’a-Bronzedolchkultur begleitet, die durch Funde einer charakteristischen Stilart lautenförmiger Bronzeklingen gekennzeichnet ist. Die Frühgeschichte wird durch die ersten schriftlichen Überlieferungen über das teilweise prähistorische, bronzezeitliche Go-Joseon eingeleitet, und führt schließlich in die Zeit der Proto-Drei-Königreiche, welche Korea um die Jahrtausendwende prägen sollte. Sie sah den Aufstieg der Drei Reiche von Korea – Shilla, Koguryŏ, Paekche und der Kaya-Konföderation, die für die nächsten 500 Jahre in einem anhaltenden Machtkampf verwickelt sein würden. Während dieser Zeit wurden die koreanischen Schriftsysteme Idu, Kugyŏl und Hyangchal entwickelt, welche die altkoreanische Sprache überlieferten.

Im Jahr 676 gelang es Shilla, Korea durch die Eroberung von Koguryŏ und Paekche erstmals zu vereinen. Ein prägendes Merkmal des Shilla-Reiches war eine Gruppe aristokratischer Jugendlicher, die sich als Hwarang (dt. „Blumenjungen“) bezeichneten. Sie dienten als eine Art Bildungs- und Militärorden, der darauf ausgelegt war, junge Adlige auf Führungspositionen in Staat und Armee vorzubereiten. Gegen Ende des 9. Jahrhunderts wurde das Vereinigte Shilla-Reich vermehrt von Naturkatastrophen und sezessionistischen Aufständen heimgesucht. Taejo Wanggeom gründete 918, während der Zeit der Späteren Drei Reiche Koreas, das Reich Koryŏ, das Korea bis 936 wiedervereinigen sollte. Die Zeit ab 1232 war geprägt von sechs ergebnislosen mongolischen Invasionen und der darauffolgenden Unterwerfung an die Mongolen. Während dieser Zeit entstand der Sŏn-Buddhismus und 1290 die koreanische Schule des Neokonfuzianismus, gegründet durch den Gelehrten Ahn Hyang. 1356 gelang es Koryŏ die mongolische Präsenz zu beenden, jedoch kam es verstärkt zu inneren Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Generälen. Im Jahre 1377 wurden mit der Jikji die ersten beweglichen Lettern der Welt entwickelt. Es trat auch die Gelehrtenklasse der Yangban in Erscheinung, die fortan die politische und intellektuelle Praxis des Landes maßgeblich lenken sollte. Nach dem Sturz der Monarchie durch den General Yi Sŏnggye wurde 1388 die der Chosŏn-Dynastie ausgerufen. Im Jahr 1393 führte diese die Umbenennung nach einem antiken Vorgängerstaat durch.

Die ersten 200 Jahre unter der neuen Dynastie waren von relativem Frieden und innenpolitischer Stabilität geprägt. Aufgrund landwirtschaftlicher Fortschritte und administrativer Umstrukturierung erlebte das Land einen wirtschaftlichen Aufschwung und zunehmenden Wohlstand. Die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts sah die Kreation des Han'gŭl-Alphabets, das 1443 unter Beauftragung und Beteiligung von Sejong dem Großen geschaffen wurde und den Aufstieg des konfuzianischen Einflusses im Land. Taejong und Sejong förderten maßgeblich Kunst, Wissenschaft und Astronomie. Sie gründeten unter anderem ein meteorologisches Institut, das die Regenzeiten vorhersagen sollte, und reformierten das Steuersystem. Während der Mittelperiode der Chosŏn-Zeit kam es zu erbitterten ideologischen Spaltungen innerhalb der konfuzianischen Gelehrtenklasse, welche für die Leitung der Staatsangelegenheiten zuständig war. Die Sarim-Faktion geriet während der Herrschaft Seonjos in Konflikt mit den etablierten Bürokraten, spaltete sich jedoch nach der Machtübernahme wiederum in eine westliche und östliche Faktion. Die westliche Faktion spaltete sich wiederum in die Noron und Soron, während die östliche Faktion sich in einer nördlichen und südlichen Faktion aufging.

Im Jahr 1592 wurde das Land vom Einfall einer japanischen Invasionsstreitmacht im Südosten überrascht und verlor innerhalb weniger Wochen die Kontrolle über einige der wichtigsten Städte. Bis 1598 war Chosŏn-Korea mit der Rückeroberung der verlorenen Gebiete beschäftigt. 1627 fielen die Mandschu aus dem Norden ein, erreichten trotz militärischen Fehlschlägen die Hauptstadt Seoul und zwangen Korea in die Neutralität. Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts erreichte der Neokonfuzianismus, der üblicherweise für die gelehrte Aristokratie vorbehalten war, auch die Allgemeinbevölkerung. Die meisten in der koreanischen Kultur gebräuchlichen konfuzianischen Riten stammen aus dieser Zeit. Korea genoss im 18. Jahrhundert ein letztes Mal erneut eine Periode des Wohlstands und der Stabilität. In dieser Zeit gab es eine verstärkte künstlerische Betätigung, die als typisch für die späte Chosŏn-Zeit gilt, bevor das Land im 19. Jahrhundert aufgrund angehender politischer und wirtschaftlicher Stagnation einen starken Niedergang erlebte. Gegen Ende der Dynastie brachte Korea durch seinen kompromisslosen Isolationismus im Westen den Ruf des „Einsiedlerreichs“ ein. Das „Land der Morgenstille“, wie sie ebenfalls genannt wurde, wurde ab etwa 1860 zur Zielscheibe expansionistischer Bestrebungen der europäischen Kolonialmächte als auch vom benachbarten Russland, Japan und China. 1910 wurde Korea mit der Eroberung durch das Nachbarland Japan erstmals von einer Fremdmacht annektiert und blieb bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs unter japanischer Besatzung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es unter den Besatzungsmächten Sowjetunion und Vereinigten Staaten zur Teilung Koreas: Am 15. August 1948 wurde südlich des 38. Breitengrades die Republik Korea gegründet und als Reaktion darauf am 9. September 1948 im Norden die kommunistische Demokratische Volksrepublik Korea. Durch den Koreakrieg (1950–1953) wurde die Spaltung des Landes vertieft. Der anhaltende Wettstreit zwischen den beiden Staaten war eines der treibenden Kräfte für das Modernisierungsbestreben im zunächst zurückhängenden Süden. Prähistorisches Korea

Altsteinzeit (ca. 700.000 bis 10.000 v. Chr.) mini|links|Altpaläolithischer Faustkeil aus dem Imjin-Hantan-Gebiet|216x216px Die koreanische Halbinsel wurde vermutlich zum ersten Mal während des Altpaläolithikums besiedelt. Darauf deuten etwa 30 Fundorte aus der Altsteinzeit hin, die sich über die gesamte koreanische Halbinsel und über Teile von Nordostchina erstrecken. Ein großer Teil der Funde besteht aus Stein-, Horn- und Knochenwerkzeugen, wobei die geschliffenen Steinwerkzeuge deutlich dominieren. Die ersten Spuren menschlicher Präsenz werden auf ein Alter von 700.000 Jahren datiert. Eine dauerhafte Besiedlung gab es jedoch nicht.

Weitere Funde beinhalten steinerne Tierskulpturen oder in Stein gravierte Tiergestalten, die auf künstlerische oder magisch-religiöse Tätigkeiten hindeuten. Des Weiteren wurden Knochen von Homo erectus gefunden, darunter zwei vollständig erhaltene Kinderskelette. Mit Hilfe der Radiokarbon-Datierung konnten einige der Funde auf ein Alter von 400.000 bis 500.000 Jahre geschätzt werden.

Die paläolithischen Fundstätten verteilen sich über die gesamte koreanische Halbinsel und konzentrieren sich hauptsächlich in den Becken der großen Flüsse in Zentralkorea, wie dem Taedong, Imjin, Hantan und Han.

Die frühen Bewohner der koreanischen Halbinsel lebten in Höhlen oder Hütten, die sie selbst erbauten und sich oft an sonnigen Plätzen in der Nähe von Wasserquellen befanden. Sie nutzten Feuer zum Heizen und Kochen und lebten von der Jagd, dem Fischfang sowie dem Sammeln von Obst, Beeren und genießbaren Wurzeln. Die heutigen Koreaner sind keine Nachkommen der Menschen, die hier vor rund einer halben Millionen Jahren lebten. mini|206x206px|Tontopf mit Kammmuster aus Amsa-dong

Mittel- und Jungsteinzeit (10.000 bis 1.500 v. Chr.) Archäologische Funde deuten darauf hin, dass die Halbinsel vor rund 18.000 bis 12.000 Jahren dauerhaft besiedelt war. Die Urbevölkerung der Halbinsel setzte sich aus nordostasiatischen Küstenbevölkerungen und einer den Menschen der Jōmon-Kultur nahestehenden Bevölkerungsgruppe zusammen. Der Name Chŭlmun bedeutet „Kammkeramik“ und leitet sich von den Fischgrätenmustern her, die so aussehen als wären sie mit einem Kamm durchzogen worden. Die Menschen dieser Zeit führten einen halbnomadischen Lebensstil als Sammler, Jäger und Fischer und betrieben den Anbau von Wildfrüchten und Wildgräsern wie Wildreis, Hirse, Gerste und Sorghum. Der Hirseanbau begann etwa um 4500 v. Chr.

Die Kultur der Chŭlmun-Zeit, die von 6000 bis 1500 v. Chr. datiert wird, zeigt Ähnlichkeiten mit der archäologischen Kultur des japanischen Archipels aus der gleichen Epoche. Die Menschen der Jōmon-Zeit im benachbarten Japan weist eine breite genetische Verwandtschaft zu Küstenbevölkerungen Ostasiens auf wie den Ainu, Japanern, Koreanern, Ultschen, Niwchen und den Ureinwohnern Taiwans (Amis und Atayal) auf.

Die Chŭlmun-Kultur endete zwischen 1500 v. Chr. und 700 v. Chr. Im Neolithikum bildete sich aus ihr die Mumun-Kultur heraus.

Von der Bronzezeit bis zur Frühgeschichte (Mumun-Zeit)

mini|Lautenförmige Bronzeklingen Die ersten in Korea entdeckten Bronzeobjekte stammen aus der Zeit um 700 v. Chr. Ihr Stil, geprägt von mispelförmigen Bronzeklingen, findet sich entlang des Liao-Flusses, auf der Liaodong-Halbinsel und im westlichen Korea.

Zunächst wurde kälteresistenter Trockenreis angebaut. Der Nassreisanbau in Korea und Japan entwickelte sich später, ausgehend von Shandong, und erreichte über die Liaodong-Halbinsel um etwa 1500 v. Chr. Korea. Diese Verbreitung wird mit der Mumun-Kultur nach 1500 v. Chr. auf der koreanischen Halbinsel und der Yayoi-Kultur nach 950 v. Chr. im japanischen Archipel in Verbindung gebracht.

Die Seidenherstellung, Spinnerei und Weberei sind für das 1. Jahrtausend v. Chr. nachzuweisen. Etwa 35,000 Dolmen, rund 40 % der weltweiten Megalithfunde, stammen aus Korea, so dass Korea auch das „Königreich der Dolmen“ genannt wird. In diesen Dolmen wurde Bronze- und Jadeschmuck gefunden.

Eine Genstudie von Siska et al. (2017) zeigt, dass moderne Koreaner eine starke Affinität zu den Knochenfunden in der archäologischen Ausgrabungsstätte Devil’s Gate in der Region Primorje im heutigen Russland, nahe Nordkorea, zeigen, zusammen mit den Ultschen, den Oroqen, den Hezhen (Nanai) und den Japanern.

Die gängige Meinung zur sprachlichen Einordnung der Menschen der Mumun-Zeit ist, dass bereits Sprachen gesprochen wurden, die mit den späteren koreanischen und japanischen Sprachfamilien verwandt waren.links|Verbreitung verschiedener Typen von Bronzeklingen in Nordostasien.|mini|450x450px

Im 3. Jahrhundert v. Chr. verschwinden Reisanbau-Stätten aus dem archäologischen Befund und tauchen im 1. Jahrhundert n. Chr. wieder auf. Die Unterbrechung der Nassreisanbaus fällt zeitlich mit dem Aufkommen der Bronzedolch-Kultur im 3. Jahrhundert v. Chr. zusammen. Die mit Go-Joseon in Verbindung stehende Bronzedolch-Kultur verschwindet westlich des Liao mit der Eroberung des Flussoberlaufes durch den Yan-Staat in Nordchina.

Go-Joseon

Nach den Zeitangaben der Samguk Yusa soll das erste Staatentum Koreas, Go-Joseon (고조선, 古朝鮮, wörtlich „Alt-Joseon“) in den 2300ern v. Chr. vom mythologischen Halbgott Dangun Wanggeom gegründet worden sein. Der Präfix Go- „alt“ ist eine moderne Konvention um den antiken Staat vom späteren Joseon zu unterscheiden. Der tatsächliche Name war Joseon.

Joseon wird erstmals in chinesischen Schriften aus der Zeit der Frühlings- und Herbstannalen (8. bis 5. Jhd. v. Chr.) erwähnt und lag laut den Quellen im Nordosten des damaligen Chinas und der Bohai-Bucht.