Die Automobil- und Aviatik A. G. in Mülhausen im Elsass, kurz Aviatik, war vor und während des Ersten Weltkriegs ein deutscher Hersteller von Fahr- und Flugzeugen.

Geschichte mini|Aviatik-Eindecker 1911 Das Unternehmen wurde am 10. Dezember 1909 als Aviatik GmbH von Julius Spengler, Georges Châtel, Henri Jeannin und Ludwig Holzach mit einem Kapital von 30.000 Mark in Mülhausen im Elsass gegründet.Vgl. Flugsport - Illustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für die gesamte Flugschiffahrt, Jahrgang 1910, Heft 1, S. 18. Nach einem erfolglosen und flugunfähigen Eigenbau begann Aviatik mit der Lizenzproduktion von Flugzeugen der französischen Hersteller Farman und Hanriot. Emile Jeannin, dessen Bruder Henri das Unternehmen mitbegründete und Motoren für die Flugzeuge lieferte, wurde der erste Pilot und Fluglehrer bei Aviatik. Zu den später recht bekannten Flugschülern bei Aviatik gehörten Gustav Otto, Thaddäus Robl, Ernst Schlegel und Bruno Büchner.

Auf dem Flugplatz Johannisthal eröffnete Aviatik Mitte 1911 eine Niederlassung. Zum Ende des Jahres 1911 wurde die Aviatik GmbH in eine Aktien-Gesellschaft mit 1 Million Mark Aktienkapital umgewandelt.Vgl. Flugsport - Illustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für die gesamte Flugschiffahrt, Jahrgang 1911, Heft 11, S. 385. Kurz darauf verließen die Brüder Jeannin das Unternehmen. In Gotha betrieb Aviatik seit Mitte 1912 die Herzog Carl Eduard Herren-Fliegerschule. Eigene Flugzeugkonstruktionen entstanden bei Aviatik ab 1913, ein Jahr später gründete das Unternehmen in Österreich-Ungarn die Tochtergesellschaft Österreichische Aviatik.

Unmittelbar nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, am 1. August 1914, wurde die gesamte Flugzeugproduktion aus dem frontnahen Mülhausen auf 50 Eisenbahnwaggons verladen und nach Freiburg im Breisgau evakuiert. Der Konstrukteur Robert Wild kehrte in seine schweizerische Heimat zurück, und der Firmenchef Georges Châtel, der ständig seine Abreise hinausgezögert hatte, wurde bei den Kämpfen um Mülhausen am 12. August 1914 zusammen mir seiner Frau in seinem Haus von einer Granate getötet. Angesichts der Bedrohung Freiburgs durch französische Bombenangriffe verlegte Aviatik 1916 nach Leipzig-Heiterblick, wo auch auf dem Flughafen Leipzig-Mockau ein Zweigwerk und die "Fabrik-Fliegerschule Leipzig-Mokau" entstand, die 1917 niederbrannte. Im Juni 1917 wurde dafür die Grade-Luftfahrtschule in Bork bei Berlin erworben, in deren Werkstätten etwa 100 Menschen arbeiteten. Insgesamt stieg die Zahl der Mitarbeiter ständig an: Zum Zeitpunkt der Evakuierung von Mühlhausen aus beschäftigte das Unternehmen 200 Personen, in Freiburg stieg ihre Zahl auf 700; bei Kriegsende arbeiteten bis zu 1.800 Personen für die Aviatik und machten die Firma zu einem der größten deutschen Flugzeughersteller.https://www.airwar.ru/enc/other1/aviatb1.html

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Friedensvertrags musste Aviatik ab 1920 den Flugzeugbau einstellen. Die Auflösung der Aktiengesellschaft Leipzig-Heiterblick erfolgte am 22. Dezember 1921.

Entwicklungen mini|Aviatik-Doppeldecker auf einem Eisenbahnwaggon in Deutsch-Südwestafrika, um 1914 (Firmenangaben auf dem Seitenleitwerk links) mini|Messestand von Aviatik zur Leipziger Herbstmesse 1919 Unbewaffnete Aufklärer/Schulflugzeuge Aviatik B-Typen 1914: Aviatik B.I (P.15B) 1914: Aviatik B.II (P.15A)

Aufklärer Aviatik C-Typen 1915: Aviatik C.I (P.25) 1915: Aviatik C.II 1915: Aviatik C.III 1916: Aviatik C.V 1916: Aviatik C.VI – in Lizenz hergestellte DFW C.V 1917: Aviatik C.VIII 1918: Aviatik C.IX

Jagdflugzeuge Aviatik D-Typen 1916: Aviatik D.II 1917: Aviatik D.III 1918: Aviatik D.VI 1918: Aviatik D.VII

Siehe auch Liste von Flugzeugtypen

Literatur Peter Supf: Das Buch der deutschen Fluggeschichte. Verlag Hermann Klemm, Berlin 1935 Heinz J. Nowarra: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914–1918. J. F. Lehmann, München 1959 Karl Rudolf Pawlas: Deutsche Flugzeuge 1914–1918. Eine Dokumentation. (Luftfahrt-Dokumente, Bd. 20), Publizistisches Archiv Pawlas, Nürnberg 1976, ISBN 3-88088-209-6 Günter Kroschel, Helmut Stützer: Die deutschen Militärflugzeuge 1910–1918. In 127 Vierseitenrissen im Maßstab 1:144. Lohse-Eissing, Wilhelmshaven 1977, ISBN 3-920602-18-8 Günter Schmidt: Als die Oldtimer flogen: Die Geschichte des Flugplatzes Johannisthal. Transpress, Berlin 1987

Weblinks

Einzelnachweise

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