Die auf sehr alten Verkehrswegen und Poststraßen verlaufende Reichsstraße 2 (Abkürzung: R 2) existierte bis zum Jahre 1945 als Staatsstraße des Deutschen Reiches. Im 19. Jahrhundert wurde sie in einzelnen Abschnitten ausgebaut und erhielt im Jahre 1932 auf dem damals zum Deutschen Reich gehörenden Hauptabschnitt die Bezeichnung Fernverkehrsstraße 2 (FVS 2), ab 1934 Reichsstraße 2.
Allgemeines Ursprünglich nahm die 1932 eingeführte Fernverkehrsstraße 2 ihren Anfang an der deutsch-polnischen Grenze bei Groß BoschpolCarsten Wasow: Die Bundes- und ehemaligen Reichsstraßen in Deutschland. Reichsstraßen 1934. Eingesehen am 13. Dezember 2014., wurde dann aber während der 1930er Jahre durch Einführung der Reichsstraßen-Nummerierung im Gebiet der Freien Stadt Danzig nach Dirschau (Tczew) zurückverlegt. Eingesehen am 13. Dezember 2014., wo sie im polnischen Korridor, dem Gebiet der früheren Provinz Westpreußen, an der Weichselbrücke Dirschau Anschluss an die Reichsstraße 1 hatte, die von der litauischen Grenze bei Eydtkuhnen über Königsberg (Preußen) und Berlin an die niederländische Grenze bei Aachen reichte. Die Einbeziehung der auf polnischem Territorium liegenden Abschnitte in die beiden so nummerierten Straßen war jedoch bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges lediglich theoretischer Art.
Die R 2 verlief von Dirschau zunächst nordwärts über Danzig (polnisch: Gdańsk) und schwenkte dann westwärts, um über Köslin (Koszalin) nach Stettin (Szczecin) zu gelangen, von wo aus sie südwärts in Berlin die R 1 noch einmal kreuzte, bevor sie über Potsdam, Leipzig, Nürnberg, Augsburg und München die österreichische Grenze bei Mittenwald erreichte. Die gesamte Straßenlänge betrug 1360 Kilometer.
Zwischen 1939 und 1945 lag der gesamte hier beschriebene Verlauf der R 2 als Reichsstraße im Deutschen Reich, bis dann nach Ende des Zweiten Weltkriegs der gesamte deutsche Osten an Polen kam.
Im heutigen Polen nehmen die polnischen Landesstraßen Droga krajowa 1 (DK 1 = Europastraße 75), Droga krajowa 6 (DK 6) und Droga krajowa 13 (DK 13), unterstützt zwischenzeitlich von der Woiwodschaftsstraße Droga wojewódzka 468 (DW 468) die Aufgaben der früheren R 2 wahr, bis sie nach den ersten etwa 400 Kilometern den heutigen polnisch-deutschen Grenzübergang Rosówek/Rosow erreicht und dann die Bezeichnung der deutschen Bundesstraße 2 erhält.
Zwischen 1945 und 1990 existierte an der Grenze zwischen Polen und der SBZ wie auch der späteren DDR kein Übergang. Der Verkehr führte wenige Kilometer weiter nördlich über die Autobahnen Autostrada 6 / heutige Bundesautobahn 11 (Grenzübergang Kołbaskowo/Pomellen). Bis zur Grenze zur Bundesrepublik Deutschland bei Gefell/Töpen führte die R 2 den Namen Fernverkehrsstraße 2 (F 2). Der Grenzübergang Töpen-Juchhöh an der F 2 bestand zwischen 1951 und 1966 an der Umleitungsstrecke für die im Krieg zerstörte Saalebrücke im Verlauf der Bundesautobahn 9.
Heute verbindet die alte R 2 auf polnischem Gebiet die beiden Woiwodschaften Pommern und Westpommern mit ihren beiden Hauptstädten Danzig und Stettin.
Streckenverlauf Dirschau–Rosow Über etwa 400 Kilometer verlief die Reichsstraße 2 im ersten Abschnitt vom westpreußischen Dirschau über Danzig und Stettin bis in das ehem. pommersche und heute brandenburgische Rosow, dem heutigen Grenzort an der polnisch-deutschen Grenze.
Provinz Westpreußen/Danzig Dirschau–Danzig 25px/25px (Heutige Droga krajowa 1 = Europastraße 75) mini|Die Dirschauer Weichselbrücke
An der Weichselbrücke in Dirschau (polnisch: Tczew, kaschubisch: Dërszewò) in der heutigen Woiwodschaft Pommern zweigte die R 2 von der R 1 ab, die von Eydtkuhnen (heute russisch: Чернышевское/Tschernyschewskoje) und Königsberg (Preußen) (Калининград/Kaliningrad) kam und auf direktem Wege nach Berlin und weiter bis Aachen führte. Der heutige Schnittpunkt beider Straßen liegt vier Kilometer weiter südlich, wo die heutige DK 1 von der DK 22 abzweigt.
Berlin war allerdings auch eine Station der R 2, die dieses Ziel jedoch auf dem Weg über Danzig/Stettin zwischen Ostseeküste und Pommerscher Seenplatte ansteuerte. Nach mehr als 500 Kilometern werden die R 1 und R 2 sich am Berliner Alexanderplatz begegnen, kurze Zeit später noch einmal in Potsdam am Alten Markt, um dann wieder getrennte Wege zu nehmen.
Dirschau gehörte zwischen 1920 und 1939 zu Polen und war Grenzort zwischen der Freien Stadt Danzig und dem polnischen Korridor. Zwischen 1939 und 1945 war der Landkreis Dirschau wieder zum Deutschen Reich gehörig und gehört seither wieder zu Polen.
Mühlbanz (Miłobądz/Mëłobònc) – heute bereits zum Powiat Gdański/Kreis Danzig gehörig – und Hohenstein (Pszczółczi/Pszczółczi) sind die ersten Orte hier in der Region Pommerellen und der Kaschubei, die die R 2 durchfährt. Wenige Kilometer hinter dem Stadtzentrum von Dirschau stößt die alte R 2 auf die heute geltende DK 1, die – als zur Europastraße 75 gekürte – Landesstraße bis Danzig auf der Trasse der R 2 führt.
In Hohenstein hat die R 2 die alte Reichsbahnlinie (und heutige polnische Staatsbahnstrecke) von Dirschau nach Berent (Kościerzyna) gekreuzt, und im nächsten Ort Russoschin (Rusocin) kreuzen die neue A 1 und die Schnellstraße S 6 den Lauf der R 2. Jetzt ist der ehemalige Landkreis Danziger Höhe erreicht, der zwischen 1920 und 1939 in die Freie Stadt Danzig integriert war, die unter Völkerbundaufsicht stand.
mini|Die St.-Marien-Kirche in Danzig
Nach der Durchfahrt durch Praust (Pruszcz Gdański/Pruszcz Gdóńsczi) mit der Querung der heutigen Staatsbahnlinie 229 und der Überquerung des Flüsschens Radaune (Radunia) erreicht die R 2 das heutige Stadtgebiet von Danzig (Gdańsk/Gduńsk), in das die Ortschaften Guteherberge (Gd.-Lipce/Gd.-Lëpicz) und Ohra nach 1945 eingemeindet wurden.
In der Danziger Innenstadt (Gdańsk-Śródmieście) traf die R 2 auf die R 130, die – heute anfangs als DK 7 (Europastraße 77) u. a. über Elbing (Elbląg) nach Allenstein (Olsztyn) führte. Während die heutige DK 1 jetzt die ehemalige Trasse der R 2 verlässt und ins Danziger Hafengelände (Fähre nach Helsinki u. a.) führt, folgt die neu eingeführte DW 468 nun dem alten Pfad der R 2 durch die heutige Dreistadt Gdańsk (Danzig) – Sopot (Zoppot) – Gdynia (Gdingen).
Danzig–Zoppot–Gdingen 25px (heutige Droga wojewódzka 468)
Von Danzigs Stadtmitte führt der Weg der R 2 an der Ostseeküste entlang mit Blick auf das Wasser im Osten bzw. auf große Waldungen im Westen, die heute zum Trójmiejski Park Krajobrazowy, dem Landschaftsschutzpark der Dreistadt gehören. Die R 2 wird jetzt fast 250 Kilometer weit von der alten Reichsbahnstrecke Danzig–Stettin–Berlin begleitet, die jetzt als polnische Staatsbahnlinie Nr. 202 von Gdański verkürzt bis Stargard (Stargard in Pommern) geführt wird und den Straßenweg oft kreuzen wird.
Über den Stadtteil Langfuhr (Gd.-Wrzeszcz) erreicht die R 2 jetzt den Ort Oliva (Gd.-Oliwa/Gd.-Òlëwô) mit der berühmten Kathedrale und den unvergänglichen Klängen ihrer Orgel.
mini|Das Kurhaus in Zoppot um 1900
Nach Verlassen des Danziger Stadtgebiets durchläuft die R 2 den früheren Landkreis Neustadt (Westpr.), der heute hier dem Gebiet der Dreistadt gewichen ist. Mit Zoppot (Sopot/Sopòtë) erreicht die R 2 einen früher oft und gerne aufgesuchten Bade- und Kurort, der heute auch Bischofssitz der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen geworden ist. In Zoppot überquert die R 2 zum ersten Male die schon genannte Bahnlinie nach Stettin und Berlin.
In Adlershorst ist mit Gdingen (Gdynia/Gdiniô) die dritte Stadt der Dreistadt erreicht, deren Name kurzzeitig auch Gotenhafen war. Auch hier kommt die besagte Bahnstrecke der R 2 wieder „in die Quere“, und wenig später endet die DW 468 in Ciessau (Gdynia-Cisowa/Gd.-Cësowô), um in die DK 6 einzumünden, die nun bis vor Stettin der Trasse der alten R 2 folgt.
Gdingen – Neustadt (Westpreußen) – Strebielin (Strebelsdorf) 25px/25px (heutige Droga krajowa 6 = Europastraße 28)
Die R 2 hat die enge Straßenführung durch die Dreistadt verlassen und macht eine weitläufige Biegung westwärts. Der Blick wird frei für die beschauliche Landschaft des früheren Landkreises Neustadt (Westpr.), der heute Powiat Wejherowski genannt wird. Durch die nördliche Kaschubei zieht sich die alte Reichsstraße auf leicht hügeliger Ebene und lässt im Süden die großen Waldflächen des Landschaftsschutzparks liegen.
mini|Die Kirche in Rheda von 1903
Die R 2 führt nun durch die Städte Rahmel (Rumia/Rëmiô) und Rheda (Reda/Réda), verläuft entlang des gleichnamigen Flüsschens Rheda (Reda) und erreicht die Kreisstadt Neustadt in Westpreußen (Wejherowo/Wejrowò), nicht ohne vorher noch einmal die alte Eisenbahnstrecke nach Stettin–Berlin und die Bahnlinie Rheda–Hela (heute Staatsbahnlinie Nr. 213: Reda–Hel) gekreuzt zu haben.
Neustadt ist das nördliche Zentrum des Kaschubenlandes mit dem berühmten Kreuzweg mit 26 Kapellen und dem im Süden gelegenen 102 Meter hohen Schlossberg (Zamkowa Góra).
Die R 2 verläuft weiter in westlicher Richtung und erreicht nach drei Kilometern Bohlschau (Bolszewo/Bólszéwò) und danach Strebielin (1942 Stromeck, 1943–1945 Strebelsdorf, heute Strzebielino/Strzebielëno). Hier ist nun die zwischen 1920 und 1939 bestehende Grenze zwischen Polen (Polnischer Korridor) und der Provinz Pommern des Deutschen Reichs erreicht, die vordem auch die Grenze zwischen den preußischen Provinzen Westpreußen und Pommern markierte.
Provinz Pommern Strebielin (Strebelsdorf) – Lauenburg (Pommern) – Stolp Strebielin (Strebelsdorf) war auch Grenzstation an der Reichsbahnstrecke Danzig – Stettin – Berlin, die jetzt in Klein Boschpol (Bożepole Małe/Môłe Bòżépòlé) wieder die R 2 kreuzt, kurz nachdem das Flüsschen Leba (Łeba) überquert wurde, das nun auf nördlicher Seite die Straße begleitet.
mini|Die St.-Jakobi-Kirche in Lauenburg
Mit dem Dörfchen Klein Boschpol ist der ehemalige Landkreis Lauenburg in Pommern (heute Powiat Lęborski) erreicht, und nach weiteren zehn Kilometern ist die R 2 im Zentrum der pommerschen Kreisstadt Lauenburg (Lębork/Läbòrg) angelangt.
Der Turm der das Stadtbild prägenden und weithin sichtbaren St.-Jakobi-Kirche mag auch Orientierung gewesen sein derer, die über die Reichsstraße 158 nach Lauenburg reisten. Die R 158 ist neben der R 1 und R 2 die dritte wichtige Verbindungsstraße von Berlin nach Pommern, die ihren Ausgang in Berlin-Weißensee an der R 2 (!) nimmt (heute verlegt nach Berlin-Biesdorf) und über Pyritz, Dramburg, Neustettin und Bütow nach Lauenburg ihren Weg nahm, heute ersetzt von der DK 20 und die den Schluss ausgleichenden DW 212 und DW 214. In Lauenburg überquert die R 2 die ehemalige Reichsbahnstrecke Lauenburg–Narwitz, die heute als Staatsbahnstrecke Nr. 229 vom Küstenort Łeba (Leba) bis nach Pruszcz Gdański (Praust) reicht, wo sie schon einmal die R 2 kreuzte.
Nun auch die Brücke über die Leba (Łeba) hinter sich lassend, führt die R 2 in Richtung Stolp (Słupsk/Stôłpsk), bis Lischnitz (Lésnice/Lésnëce) begleitet von der Leba, die dann nordwärts schwenkt, und durchzieht die Dörfer Langeböse (Pogorzelice/Pogorzelëce), Karlshöhe (Chlewnica), Darsin (Darzyno/Dôrżënò), Poganitz (Poganice/Pògóńce), Dumröse (Domaradz/Domaréza) und Mahnwitz (Mianowice/Miônójce), die alle schon zum Landkreis Stolp (Powiat Słupski) gehören. 50 Kilometer von Lauenburg entfernt fährt die R 2 in der früheren Residenzstadt Stolp ein.
Stolp–Schlawe–Köslin mini|Der Blücherplatz in Stolp um 1900
Die R 2 – hier weiterhin von der polnischen DK 6 wahrgenommen – führt mitten hinein in die von den Türmen der St.-Marien- und St.-Johannis-/Schloss-Kirche bestimmten Stadt Stolp (Słupsk/Stôłpsk), die ihren Namen dem sie durchquerenden Fluss Stolpe (Słupia) verdankt. In der vormaligen Residenzstadt kreuzt die R 125 den Weg der R 2. Sie kommt von Stolpmünde (Ustka) und führt weiter nach Rummelsburg (Miastko), und ihre Funktion nimmt heute die DW 210 in Ergänzung der DK 21 wahr.