Die Schleifenblumen (Iberis) sind eine Pflanzengattung in der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Zu ihr gehören mehrere Arten, die beliebte Zierpflanzen für Steingärten sind. Der Verbreitungsschwerpunkt der etwa 30 Arten umfassenden Gattung liegt im Mittelmeerraum.

Beschreibung mini|links|Illustration aus Flora Batava, Volume 15 von Doldige Schleifenblume (Iberis umbellata) mini|Illustration aus Favourite flowers of garden and greenhouse, Tafel 29 von Iberis gibraltarica mini|Illustration aus Curtis's Botanical Magazine, Tafel 2788 von Iberis aurosica subsp. nana

Vegetative Merkmale Die Schleifenblumen sind einjährige bis ausdauernde krautige Pflanzen oder Zwergsträucher. Sie sind kahl oder besitzen unverzweigte Haare. Ihre Laubblätter sind oft etwas fleischig.

Generative Merkmale Die meist schirmtraubigen Blütenstände verlängern sich zu einem traubigen Fruchtstand.

Die zwittrigen Blüten sind vierzählig. Die Kelchblätter sind fast aufrecht. Von den vier weißen, rosafarbenen oder violetten, verkehrt-eiförmigen Kronblättern sind die beiden von der Blütenstandsachse abgewandten oft deutlich vergrößert. Es sind sechs Staubblätter vorhanden. Die Staubbeutel sind länglich bis eiförmig. Der Griffel ist etwa so lang wie der Fruchtknoten.

Die Schötchen sind eiförmig, rundlich oder verkehrt-herzförmig und am oberen Ende meist ausgerandet; die Fruchtklappen sind gekielt oder geflügelt. Pro Frucht werden zwei meist geflügelte Samen gebildet.

Systematik und Verbreitung Taxonomie Die Gattung Iberis wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus 2, Seite 648 aufgestellt. Typusart ist Iberis semperflorens Synonyme für Iberis sind Arabis non , Biauricula , Metathlaspi .

Etymologie Der von Linné gewählte Gattungsname Iberis leitet sich vom lateinischen hiberis für eine als giftig angesehene, der Kresse ähnliche Pflanzensippe ab und wurde aus der älteren Literatur übernommen. Dort wurde er aber nicht immer im heutigen Sinne benutzt und beispielsweise auch für Arten der Gattung Kressen (Lepidium) verwendet. Die älteste Quelle soll die Erwähnung durch Galen sein, der damit eine heilkräftige Pflanzenart aus Spanien („Iberien“) bezeichnete. Ob bereits Dioscurides über Iberis schrieb, ist umstritten. Möglicherweise wurde das entsprechende Kapitel von einem späteren Kopisten eingefügt.

Äußere Systematik Die Gattung der Schleifenblumen (Iberis) wird meist zusammen mit der Gattung Bauernsenf (Teesdalia) in die Tribus Iberideae gestellt. Die Verwandtschaft mit morphologisch ähnlichen Gattungen wie Kressen (Lepidium), Hellerkräutern (Thlaspi) oder Hirtentäschel (Capsella) wird durch molekularbiologische Untersuchungen nicht eindeutig gestützt. Diese sprechen eher für eine gemeinsame Abstammung mit den Gattungen Heliophila, Chamira und Löffelkräuter (Cochlearia).

Arten und ihre Verbreitung Die Gattung Iberis ist in Südeuropa, Nordafrika, in Vorder- und Zentralasien verbreitet. Wegen ihrer Beliebtheit als Sommerblumen oder Steingartenpflanzen werden einige Arten auch außerhalb ihrer natürlichen Verbreitungsgebiete kultiviert und können in warmgemäßigten Klimazonen gelegentlich verwildern. mini|Bittere Schleifenblume (Iberis amara) mini|Iberis carnosa subsp. carnosa mini|Immergrüne Schleifenblume (Iberis sempervirens) mini|Habitus und Blüten von Niedrige Schleifenblume (Iberis spathulata) mini|Doldige Schleifenblume (Iberis umbellata)

Je nach Bearbeiter sind 25 und 40 Arten in der Gattung Iberis enthalten:

Bittere Schleifenblume (Iberis amara , Syn.: Iberis affinis , Iberis apricorum , Iberis arvatica , Iberis bicolor , Iberis bicorymbifera , Iberis ciliata subsp. vinetorum , Iberis contracta subsp. vinetorum , Iberis crenata , Iberis decipiens , Iberis forestieri , Iberis linifolia var. vinetorum , Iberis liviensis , Iberis lusitanica , Iberis martini , Iberis montolivensis , Iberis panduriformis , Iberis pinetorum , Iberis sabauda , Iberis serotina , Iberis vinetorum ): Sie kommt in Spanien, Frankreich, Belgien, Deutschland, Großbritannien, Italien und in der Schweiz vor. Sie ist in vielen Gebieten der Welt ein Neophyt. Iberis atlantica : Sie kommt in Marokko und in Algerien vor. Aurouze-Schleifenblume (Iberis aurosica ): Es gibt zwei Unterarten: Iberis aurosica subsp. aurosica: Dieser Endemit kommt nur in den Südwestalpen vor. Iberis aurosica subsp. nana (Syn.: Iberis candolleana , Iberis epirota , Iberis nana ): Sie kommt im südöstlichen Frankreich, im nordwestlichen Italien und im nordwestlichen Griechenland vor. Iberis bernardiana (Syn.: Iberis bubanii ): Dieser Endemit kommt nur in den französischen und spanischen Pyrenäen vor. Iberis carica : Sie kommt in der südwestlichen Türkei vor. Iberis carnosa (Syn.: Iberis pruitii ): Sie kommt in Südeuropa und Tunesien vor. Es gibt mehrere Unterarten: Iberis carnosa subsp. carnosa (Syn.: Iberis aurosica subsp. cantabrica ) Iberis carnosa subsp. embergeri ( Iberis carnosa subsp. granatensis Iberis carnosa subsp. hegelmaieri Iberis carnosa subsp. rhomarensis Iberis carnosa subsp. senneniana Bewimperte Schleifenblume (Iberis ciliata ): Sie kommt in Südeuropa, Nordafrika und Westasien vor, in Europa. Es gibt etwa drei Unterarten: Iberis ciliata subsp. ciliata Syn.: Iberis balansae Iberis ciliata subsp. contracta Iberis ciliata subsp. welwitschii Iberis contracta : Sie kommt in mehreren Unterarten in Spanien, Portugal und Marokko vor. Iberis corifolia (Syn.: Iberis saxatilis var. corifolia ) Iberis fontqueri : Dieser Endemit kommt nur in Südspanien vor. Iberis gibraltarica (Syn.: Iberis dentata , Iberis speciosa ): Sie kommt in Spanien und Marokko vor. Iberis grosii : Sie kommt im südlichen Spanien vor. Iberis halophila : Sie wurde 2012 aus der Türkei erstbeschrieben. Mittlere Schleifenblume (Iberis linifolia , Syn: Iberis intermedia ): Sie kommt in drei bis sechs Unterarten in Spanien, Frankreich, in der Schweiz, in Deutschland und im früheren Jugoslawien vor. Darunter: Bopparder Schleifenblume (Iberis linifolia subsp. boppardensis ) Iberis linifolia subsp. stricta (Syn. Iberis stricta ): Sie kommt nur in Frankreich und Italien vor. Iberis nazarita : Dieser Endemit kommt nur in Südspanien und in Marokko vor. Iberis odorata : Sie kommt in Griechenland, der Türkei, in Nordafrika, auf den Kanaren und Westasien bis zum Iran vor. Iberis pectinata : Sie kommt ursprünglich in Marokko, Portugal und Spanien vor. Iberis peyerimhoffii : Sie kommt nur in Marokko vor. Fieder-Schleifenblume (Iberis pinnata ): Sie kommt ursprünglich in Spanien, Frankreich, Italien, auf den Balearen, im früheren Jugoslawien und auf der Krim vor. Früher kam sie auch in der Schweiz vor. In Deutschland, Tschechien, Österreich, Belgien und Rumänien kommt sie eingeschleppt vor. Iberis procumbens : Sie kommt nur in Westportugal und Nordwestspanien vor. Iberis runemarkii : Sie kommt nur auf Inseln in der Ägäis vor. Felsen-Schleifenblume (Iberis saxatilis ): Es gibt etwa vier Unterarten: Iberis saxatilis subsp. cinerea (Syn.: Iberis cinerea , Iberis latealata , Iberis saxatilis var. cinerea , Iberis subvelutina , Iberis sampaioana ): Sie kommt nur vom zentralen bis südlichen Spanien vor. Iberis saxatilis subsp. magnesiana : Sie kommt in der Türkei vor. Iberis saxatilis subsp. pseudosaxatilis Iberis saxatilis subsp. saxatilis (Syn.: Iberis garrexiana , Iberis saxatilis var. malacitana , Iberis saxatilis subsp. valentina , Iberis vermiculata , Iberis zanardinii ): Sie kommt von Spanien über Frankreich, Italien bis zur Schweiz, und im ehemaligen Jugoslawien, in Bulgarien, Rumänien, bis Griechenland und auf der Krim vor. Immerblühende Schleifenblume (Iberis semperflorens ): Sie kommt ursprünglich in Sizilien und Tunesien vor. Immergrüne Schleifenblume (Iberis sempervirens ) Iberis simplex (Syn.: Iberis taurica , Iberis oschtenica ): Sie kommt in Osteuropa, in Westasien und im Kaukasusgebiet vor. Niedrige Schleifenblume (Iberis spathulata ): Dieser Endemit kommt nur in Pyrenäen vor. Doldige Schleifenblume oder Dolden-Schleifenblume (Iberis umbellata ): Sie kommt ursprünglich in Frankreich, Italien, Albanien und im früheren Jugoslawien vor.

Ökologie Der überwiegend in Südeuropa heimische Karstweißling legt seine Eier in der Schleifenblume ab.Naturgucker 37, 2018, S. 13.

Quellen Literatur Saiyad Masudal Hasan Jafri: Flora of West Pakistan, Volume 55: Brassicacae. Stewart Herbarium, Rawalpindi 1973: A. R. P. Da Silva, J. A. Franco: Iberis L. In: Kit Tan: Iberis L. In: R. Franzen: Iberis L. In: Ian C. Hedge: Iberis L. In: K. B. Datta: Chromosome studies in Iberis L. with a view to find out the mechanism of speciation of the genus. In: Cytologia. Band 39, Nr. 3, 1974, S. 543–551, doi:10.1508/cytologia.39.543. (PDF-Datei). M. Moreno Sanz: Iberis L. In: J. Reichling, K. H. Horz: Iberis. In: Rudolf Hänsel, Konstantin Keller, Horst Rimpler (Hrsg.): Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. Band 5: Drogen E–O. 5. Auflage. Springer, Berlin/Heidelberg 1993, ISBN 3-540-52638-2, S. 501–506.

Einzelnachweise Ihsan A. Al-Shehbaz, M. A. Beilstein, E. A. Kellogg: Systematics and phylogeny of the Brassicaceae (Cruciferae): an overview. In: Plant Systematics and Evolution. Band 259, Nr. 2–4, 2006, S. 89–120, doi:10.1007/s00606-006-0415-z. Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, S. 302. David Aeschimann, Konrad Lauber, Daniel Martin Moser, Jean-Paul Theurillat: Flora alpina. Band 1 und 2. Bern, Stuttgart, Wien Haupt-Verlag, 2004, ISBN 3-258-06600-0. Jaakko Jalas, Juha Suominen: Atlas florae europaeae. Band 10 Cruciferae (Sisymbrium to Aubrieta). Helsinki 1994, ISBN 951-9108-09-2. Iberis auf S. 168–182. Datenblatt Iberis bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science. Karol Marhold, 2011: Brassicaceae.: Datenblatt Iberis In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. M. A. Koch et al.: Datenblatt Iberis bei BrassiBase.

Weblinks

Links zu den Steckbriefen der in Österreich vorkommenden Arten.

Kategorie:Kreuzblütengewächse