mini|Dampflokomotive »2« an der Talstation vor ihrer Überdachung (2005)

Die Drachenfelsbahn ist die älteste betriebene Zahnradbahn in Deutschland. Sie ist als Eisenbahn konzessioniert und wird nach der betriebseigenen „Bau- und Betriebsordnung für die Drachenfelsbahn“, kurz „BO-Drach 2011“,Vom Wendelstein über die Zugspitze auf den Drachenfels auf ibzellerer.de, abgerufen am 30. Juli 2024 von der Bergbahnen im Siebengebirge AG betrieben, die seit dem 7. Juli 2022 als GmbH firmiert. Diese fungiert sowohl als Eisenbahnverkehrsunternehmen als auch als Eisenbahninfrastrukturunternehmen. Die meterspurige Bahn mit Riggenbach-Zahnstange verbindet seit 1883 die im Rheintal gelegene Altstadt von Königswinter mit dem Siebengebirge und endet knapp unterhalb des Drachenfels-Gipfels. Die 1520 Meter lange Strecke überwindet dabei 220 Höhenmeter, die maximale Steigung beträgt 20 Prozent. Die Drachenfelsbahn ist eine der meistgenutzten Zahnradbahnen Europas, bis 2008 beförderte sie mehr als 35 Millionen Fahrgäste.Bonner General-Anzeiger, 16. Juli 2008, Seite 9 Neben der Bayerischen Zugspitzbahn, der Wendelsteinbahn und der Zahnradbahn Stuttgart ist die Drachenfelsbahn eine von nur noch vier betriebenen Zahnradbahnen in Deutschland. Die Strecke ist komplett mit Stahlschwellen ausgerüstet.

Geschichte

1881 beantragte die Deutsche Lokal- und Straßenbahngesellschaft aus BerlinDie Anlage einer Zahnradbahn von Königswinter auf den Drachenfels, Centralblatt der Bauverwaltung, 21. Oktober 1882, S. 384, abgerufen am 13. Dezember 2012 die Konzession für eine Bergbahn auf den Drachenfels. Die Genehmigung wurde am 29. August 1881 vom Kölner Regierungspräsidenten erteilt.Zusammenstellung der bis 1896 in der Rheinprovinz erteilten Genehmigungen Am 13. Juli 1883 fand die erste Personenfahrt statt; vier Tage später wurde die Drachenfelsbahn als erste deutsche Zahnradbahn mit öffentlichem Personenverkehr feierlich eröffnet.Die Bad Honnefer Wochenzeitung: vom 28. März 2008. Die Bahn galt als technische Sensation und wurde ein Publikumsmagnet. Durch sie konnten die Besucher den Drachenfels-Gipfel und die Burgruine Drachenfels erstmals ohne den beschwerlichen Aufstieg erreichen. Auch das von der Mittelstation aus erreichbare, 1884 fertiggestellte Schloss Drachenburg, wurde zu einem beliebten Ausflugsziel per Bahn. Der ursprüngliche Sommerfahrplan sah sieben Berg- und Talfahrten sowie eine weitere Fahrt an Sonn- und Feiertagen vor, während laut Winterfahrplan nur an Sonn- und Feiertagen gefahren wurde.

1912 trennte sich die Deutsche Lokal- und Straßenbahngesellschaft wieder von ihrer Bergbahn. Neuer Eigentümer wurde der Kölner Unternehmer Ferdinand Mülhens, Chef und Inhaber des weltbekannten Hauses 4711. Neun Jahre später, am 13. Juli 1923, fusionierte er schließlich die Drachenfelsbahn mit der benachbarten Petersbergbahn zur bis heute bestehenden Bergbahnen im Siebengebirge AG. mini|links|Fahrplan der Drachenfelsbahn (um 1900) mini|Talstation mini|Bf Schloss Drachenburg mit Zahnstangenweiche mini|Infotafel zum Streckenverlauf mini|Besucherzentrum, Tourismus-Bahnhof, Talstation 1951 wurde die Talstation der Drachenfelsbahn neugebaut. Am 12. Juni 1953 wurde die Oberleitung in Betrieb genommen, anfangs verkehrte jedoch nur ein elektrischer Triebwagen (ET I). Nach und nach wurden weitere Triebwagen angeschafft, welche die Dampflokomotiven und Vorstellwagen sukzessive ersetzten. Diese Fahrzeuge aus den 1950er Jahren werden dabei bis heute genutzt, außer ET I. Im Sommer 1957 erfolgte ein umfassender Umbau der seither durch Beton, Stahl und Bruchsteinwände charakterisierten Talstation.

Am 14. September 1958 kam es zu einem schweren Unfall: Die Dampflokomotive der letzten Talfahrt an diesem Tag entgleiste durch überhöhte Geschwindigkeit, weil die Bremsen versagten. 18 Menschen starben, 112 wurden darüber hinaus verletzt.

alternativtext=Drachenfelsbahn Ausblick Bonn|mini|Drachenfelsbahn Bergfahrt Königswinter Im März 1976 wurde die Mittelstation von der Nibelungenhalle 200m bergwärts zum Schloss Drachenburg verlegt und zur gleichen Zeit an der Bergstation das zweite Gleis abgebaut.Sabine Opheys: Die Drachenfelsbahn. In: Manfred van Rey, Ansgar Sebastian Klein (Hrsg.): Königswinter in Zeit und Bild, Band II, 17. Teillieferung, Königswinter 2008. Von Oktober 2004 bis März 2005 wurde die Talstation zu einem „Drachenfels Tourismus-Bahnhof“ als Kombination aus Bahnhof, Touristeninformation und Ausstellungsstätte umgebaut und erweitert. Die Mittelstation am Schloss Drachenburg wurde von März 2010 bis Mai 2011 in modernisierter Form neu aufgebaut. Von 2012 bis 2013 folgte im Zuge der Umgestaltung des Drachenfels-Plateaus auch ein Umbau der Bergstation.

Angedachte Seilbahn nach Rhöndorf Anfang der 1950er Jahre gab es Überlegungen, eine Seilbahn von Rhöndorf zum Drachenfels zu bauen. Die örtlichen Unternehmen – allen voran der Bäckermeister und CDU-Stadtrat Peter Profittlich († 1963) – versprachen sich Mehrumsätze durch die erwarteten Touristen. Ein Gegner dieses Projektes war der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer, der in Rhöndorf wohnte und die erwartete Unruhe durch Touristen ablehnte. Ende Februar 1959 wurde der im April 1953 eingebrachte Antrag von der NRW-Landesregierung „aus Naturschutzgründen“ abgelehnt.Petra Pluwatsch: Der Kampf der Gladiatoren, Kölner Stadtanzeiger, 4. April 2016, Seite 9

Betrieb Die Züge verkehren regulär im 30-Minuten-Takt. Die Abfahrt an der Talstation erfolgt dabei immer zur vollen und zur halben Stunde, die an der Bergstation entsprechend um eine Viertelstunde versetzt. Bei hohem Besucherandrang und Verfügbarkeit der Fahrer verkehren die Züge alle 15 Minuten.Fahrplan auf drachenfelsbahn.de, abgerufen am 20. April 2023 Die Fahrtzeit über die Gesamtstrecke beträgt acht Minuten, es gilt ein Sondertarif.

Touristische Bedeutung Die Drachenfelsbahn zählt heute zu den bekanntesten touristischen Verkehrsmitteln im Siebengebirge und verbindet die Altstadt von Königswinter mit dem Drachenfelsplateau. Gemeinsam mit Schloss Drachenburg, der historischen Burgruine auf dem Drachenfels und weiteren Sehenswürdigkeiten gehört sie zu den wichtigsten Ausflugszielen der Region am Mittelrhein.

Besondere touristische Bedeutung besitzt die Mittelstation der Drachenfelsbahn. Von dort erreichen Besucher Sehenswürdigkeiten wie Schloss Drachenburg, die Nibelungenhalle und die Drachenwelt Königswinter. Die Kombination aus historischer Zahnradbahn, Aussichtspunkten, Rheinromantik und Sehenswürdigkeiten macht die Drachenfelsbahn zu einem zentralen Bestandteil des Tourismus im Siebengebirge. alternativtext=Aussichtspunkt Gedenkstein auf Mittelstation Drachenfelsbahn|mini|Ausblick auf die Mittelstation der Drachenfelsbahn

Drachenfels Tourismus-Bahnhof mini|Im Foyer des Drachenfels Tourismus-Bahnhofs: originaler Treibradsatz mit Getriebe, Triebzahnrad und Bremstrommel der Klinkenbandbremse Am Fuße des Drachenfels liegt der im März 2005 in der heutigen Form eröffnete Drachenfels Tourismus-Bahnhof.Drachenfelsbahn – Geschichte, Bergbahnen im Siebengebirge AG In der teilweise umgebauten Talstation der Drachenfelsbahn ist neben der Tourist-Information eine Ausstellung über die Sehenswürdigkeiten des Siebengebirges untergebracht. Dort findet sich die gläserne Werkstatt der Bahn und eine Ausstellung über die Geschichte der Drachenfelsbahn. Im Obergeschoss des Bahnhofes wird auf einer Fläche von 22 m² eine Modellbahnanlage vorgeführt. Diese zeigt einen Teil der Altstadt von Königswinter, die Talstation, die Strecke mit den Villen und Schloss Drachenburg sowie die Bergstation mit dem Drachenfels im Jahre 1927. mini|Treibradsatz mit Antrieb Die Dampflokomotive Nr. 2II, die im Jahre 1927 als Nr. 4185 in der Maschinenfabrik Esslingen hergestellt wurde, steht seit 1968 als Denkmal vor der Talstation. Bei ihrer Restaurierung 2005 in Polen wurden die Schienenräumer links und rechts der beiden Zahnräder vertauscht eingebaut, einige Fehlteile nicht ergänzt und die Lokomotive mit einem grünen Farbton versehen, welcher nicht dem Ursprungszustand entspricht. Da diese Dampflokomotive ein Kulturdenkmal ist und unter Denkmalschutz steht, wurden in der Zwischenzeit die Schienenräumer wieder korrekt angebracht.

Briefmarken Anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Drachenfelsbahn wurde am 3. Juli 2008 eine von dem Grafiker Lutz Menze gestaltete Briefmarke herausgegeben.Die Bad Honnefer Wochenzeitung: vom 30. Juni 2008.

Fahrzeuge Seit 1982 werden die Fahrzeugnummern in arabischen Ziffern angeschrieben. Diese ersetzen die zuvor in römischen Zahlen angegebenen Fahrzeugnummern.

Dampflokomotiven Betriebs-Nr. Bauart Hersteller Baujahr Fabriknummer Drachenfelsbahn weitere Nutzung Abbildung 1 2/a-n2t Esslingen 1883 1982 1883–1929 ++1929 mini|Eine der Lokomotiven 1–3 mit zwei der Vorstellwagen 1–6 im Talbahnhof, Originalzeichnung Rudolf Lichtenberg, 1883 mini|Eine der Lokomotiven 1–3 mit einem Vorstellwagen (1900) 2 2/a-n2t Esslingen 1883 1983 1883–1927 ++1927 3 2/a-n2t Esslingen 1883 1984 1883-1927 ++1927 1II (2)1’/b-h2t Esslingen 1929 4225 1929–19xx 19xx–1958 Petersbergbahn ++1958? 2II (2)1’/b-h2t Esslingen 1927 4185 1927–1958 +nach 14.10.1958, 1959 kalt abgestellt, seit 1968 am Talbahnhof der Drachenfelsbahn Königswinter als Denkmal aufgestellt, 2005 äußerlich aufgearbeitet und überdacht mini|Dampflokomotive 2II als Denkmal an der Talstation nach Überdachung (2022) 3II (2)1’/b-h2t Esslingen 1927 4187 1927–14.09.1958 bei Unfall am 14. September 1958 schwer beschädigt und anschließend zur Klärung des Unfallhergangs untersucht 4 (2)1'/b-h2t Esslingen 1928 4220 1928–1951 1951–1958 Petersbergbahn ++1958?mini|Drachenfelsbahn und Petersbergbahn, Dampflokomotive 4, Maschinenfabrik Esslingen 4220/1928 5 (2)1'/b-h2t Esslingen 1926 4161 1926–1938 ?–1938 Petersbergbahn; 1938–1939 Niederwaldbahn, Rüdesheim als „Saar“; 1939–1952 ? ++1952

Vorstellwagen Betriebs-Nr. Bauart Hersteller Baujahr Fabriknummer Drachenfelsbahn weitere Nutzung Abbildung 1 1883 1883–1958 1950 Umbau zum geschlossenen Wagenkasten mit Dampfheizung für den Dienstbetrieb der Alliierten Hohen Kommission zum Petersberg; 1950–1953 Petersbergbahn; 1953 Umbau zum ET I +1963; 1963 abgestellt bei der stillgelegten Petersbergbahn; 1963–? als Baubude in Bonn-Beuel mini|Eine der Lokomotiven 1–3 mit zwei der Vorstellwagen 1–6 im Talbahnhof, Originalzeichnung Rudolf Lichtenberg, 1883 mini|Eine der Lokomotiven 1–3 mit Vorstellwagen (1900) 2 1883 1883–1958 +14.10.1958 nach Unfall ++ 3 1883 1883–1950 um 1950 ausgemustert, ersetzt durch Wagen 3II 4 1883 1883–1958 +14.10.1958 nach Unfall ++ 5 1883 1883–1958 infolge Kriegsschäden mit neuem Aufbau mit halbgeschlossener Plattform versehen, nach 1958 verschrottet 6 1883 1883–1958 infolge Kriegsschäden mit neuem Aufbau mit halbgeschlossener Plattform versehen, nach 1958 verschrottet 3II 1884 1952–58 1884–1950 Niederwaldbahn Rüdesheim 5; +14.10.1958 nach Unfall ++

Die Vorstellwagen 1 bis 6 hatten vier Abteile, der Vorstellwagen 3II ex. Niederwaldbahn fünf.

Güterwagen Betriebs-Nr. Bauart Hersteller Baujahr Fabriknummer Drachenfelsbahn weitere Nutzung Abbildung (1) Niederbordwagen Esslingen 1883 5775 1883II zwischen 1889 und 1957 auch bei der Petersbergbahn i. E.; 2022 bei der Drachenfelsbahn als Werkstattwagen i. E. mit nachgerüsteten Streckenscheinwerfern. mini|Drachenfelsbahn, Niederbordwagen (1) 1883, zwischen 1889 und 1957 auch bei der Petersbergbahn i. E., Werkstatt, Talstation Drachenfels (2018)

Triebwagen