mini|hochkant=0.95|Guerrillero HeroicoFoto von Alberto Korda, 5. März 1960 mini|211x211px|Unterschrift von Che Guevara Ernesto „Che“ GuevaraIn der Geburtsurkunde steht allein Guevara als Nachname. Dieser Name wurde unter anderem auch in einem Universitätsdokument verwendet (siehe Internet-Archive). In spanischsprachigen Ländern ist es eigentlich üblich, sowohl einen Nachnamen des Vaters als auch der Mutter zu tragen. Argentinien weicht davon jedoch ab (siehe Nachnamen im Spanischen). In vielen Quellen wird der Name Ernesto Guevara de la Serna bzw. Ernesto Guevara Serna angegeben. De la Serna ist ein Nachname von Guevaras Mutter. (* offiziell 14. Juni 1928, nach anderen Quellen 14. Mai 1928Siehe die Geburtsurkunde. Jon Lee Anderson vertritt in seiner 1997 publizierten Biographie die These, dass Guevara bereits am 14. Mai 1928 geboren worden sei. Guevaras Mutter habe von einer befreundeten Ärztin das Datum auf der Geburtsurkunde um einen Monat verschieben lassen, um zu vertuschen, dass sie bei ihrer Hochzeit schon im dritten Monat schwanger war.Jon Lee Anderson: Che Guevara – A Revolutionary Life. Grove Press, New York 1997. in Rosario, Argentinien; † 9. Oktober 1967 in La Higuera, Bolivien) war ein marxistisch-leninistischer Revolutionär, Guerillaführer und Autor. Er war von 1956 bis 1959 ein zentraler Anführer () der Rebellenarmee der Kubanischen Revolution und ist neben Fidel Castro ihre wichtigste Symbolfigur.

Guevara stammte aus einer bürgerlichen argentinischen Familie. Bereits seine während des Medizinstudiums erstellten Reisetagebücher hatten literarische Qualität und wurden mehrmals verfilmt. Einzelne seiner Schriften und Reden beeinflussten revolutionäre Strömungen weit über Kuba hinaus. Sein Leben wie auch die Umstände seines Todes und der posthume Personenkult um ihn waren und sind Gegenstand vielfältiger Betrachtungen in Filmen, Büchern und anderen Medien.

Die US-Zeitschrift Time zählte ihn 1999 zu den 100 einflussreichsten Menschen des 20. Jahrhunderts.Ariel Dorfman: CHE GUEVARA: The Guerrilla. In: Time Magazine. 14. Juni 1999 (englisch). Alberto Kordas Fotografie von Guevara, als Guerrillero Heroico betitelt, gilt als berühmtestes fotografisches Abbild einer PersonChe Guevara photographer dies. In: BBC News. 26. Mai 2001 (englisch). und zählt zu den Medienikonen.

Überblick mini|Das Originalbild von Alberto Korda, 5. März 1960 Guevaras Vorfahren waren argentinische Großbürger. Bereits während seines Medizinstudiums unternahm Guevara zahlreiche Reisen, die er umfangreich kommentierte und dokumentierte. Er empörte sich über die vielfach angetroffene wirtschaftliche Ungleichheit und soziale Ungerechtigkeit in Latein- und Mittelamerika. In Guatemala lernte er seine erste Frau kennen, eine Regierungsangestellte, die ihn mit weiteren politischen Aktivisten bekannt machte. Nach dem von den USA betriebenen Sturz der dortigen Regierung Jacobo Árbenz Guzmáns (am 27. Juni 1954) ging er nach Mexiko und traf dort 1955 auf Fidel Castro. Er schloss sich dessen Bewegung des 26. Juli an und ließ sich militärisch ausbilden. Im Dezember 1956 nahm er an der Landung von Castros Revolutionären auf Kuba teil, die den von den USA unterstützten Diktator Fulgencio Batista stürzen wollten. Er wurde während der Kubanischen Revolution zum Kommandanten („Comandante“) ernannt und spielte eine wichtige Rolle im – 1959 letztlich erfolgreichen – Guerillakrieg.

Guevara wurde von Castro als Industrieminister und danach als Leiter der kubanischen Zentralbank eingesetzt. Er strebte eine vollständige Verstaatlichung der kubanischen Wirtschaft und den Aufbau einer Schwerindustrie an. Kapitalflucht und die Auswanderung von über 10 % der Bevölkerung, nahezu der gesamten früheren Oberschicht, führten zu einem drastischen Rückgang von Wirtschaftsleistung und Produktivität. Auch die von Guevara mit anderen Ländern geschlossenen Handelsverträge verursachten in der Praxis erhebliche Schwierigkeiten. Weiterhin brachten Ches kritische Haltung gegenüber der „entstalinisierten“ Sowjetunion und seine politischen Sympathien für das China der Kulturrevolution Konflikte mit Fidel Castro. Che trat 1964 nach der Rückreise von einem Konferenzauftritt in Algier, der großes internationales Aufsehen erregte, von allen Ämtern zurück und verschwand komplett aus der kubanischen Öffentlichkeit. Er versuchte vergeblich, in anderen Ländern das kubanische Revolutionsmodell voranzutreiben, so im Kongo und später in Bolivien. In Bolivien wurde er 1967 von Regierungssoldaten gefangen genommen und kurz darauf erschossen. Von Kubas kommunistischer Partei wird „el Che“ noch heute als Idol dargestellt.

Neben seinen Reiseaufzeichnungen und Tagebüchern, die mehrfach sehr erfolgreich herausgegeben und verfilmt wurden, seinen theoretischen Schriften und seinem politischen und militärischen Handeln ist insbesondere die posthume Wirkung Che Guevaras als Märtyrer und Idol der 68er-Bewegung und der lateinamerikanischen Linken von Bedeutung. Bereits 1968 erschien die erste kommerzielle Verfilmung seiner Biografie in dem US-amerikanischen Film Che!.In Che! wurde er von Omar Sharif dargestellt, zu den politischen Hintergründen vgl. auch Richard Fleischer#Widerstände.

Ches Selbstverpflichtung zu revolutionären Idealen machte ihn zu einem bedeutenden gesellschaftlichen Führer in Kuba. Sein Anspruch, den „Neuen Menschen“ weniger mit materiellen Anreizen als mit moralischen Ansprüchen, Selbstdisziplin und auch gewaltsamen Mitteln zu erzwingen, führte zu erheblichen Konflikten im nachrevolutionären Kuba. Seine Wirtschaftspolitik war wenig erfolgreich. Kritiker machen ihn darüber hinaus für politische Unterdrückung und die Exekution zahlreicher Gegner verantwortlich.Wolf Schneider: Che Guevara, sexy Scharfrichter. In: NZZ Folio. November 2006.

Als „romantischer Held“, nach Sean O’HaganSean O’Hagan: Just a pretty face? In: The Observer. 11. Juli 2004 (englisch). in der Nachfolge Lord Byrons, gilt er bei seinen Anhängern – weit über Kuba und Südamerika hinaus auch in den Industrieländern – als Synonym für Widerstand, Emanzipation und Rebellion.

Auch Ches bekannte Abbilder entwickelten sich zu allgegenwärtigen Symbolen für Widerstand und Protest.Ralf Hanselle: „Sein Konterfei ist Sprengstoff“. In: einestages. 2. Juni 2008 (Interview mit René Burri). Als Medienikone der 1960er Jahre wird das berühmte und nicht geschützte (das revolutionäre Kuba hatte Vereinbarungen zum Urheberrecht gekündigt) Porträt Guerrillero Heroico weltweit vermarktet. Dieses Porträt wurde auch auf der 3-CUP-Banknote abgebildet.

Leben Kindheit und Jugend mini|hochkant=1.1|links|Als Junge (links) mit seinen Eltern und Geschwistern, ca. 1942. Rechts von ihm: Celia (Mutter), Celia (Schwester), Roberto, Juan Martín, Ernesto (Vater) und Ana María. mini|hochkant=0.7|Um 1945 in Argentinien

Ernesto Guevara wurde während einer Schiffsreise bei einem Zwischenhalt in Rosario geboren. Seine Eltern Celia de la Serna y Llosa (1906–1965) und Ernesto Rafael Guevara Lynch (1901–1987) hatten auch baskische und irische Vorfahren und waren aus gutbürgerlichen Verhältnissen ausgebrochen. Sie waren kurz nach der Hochzeit im November 1927 von Buenos Aires nach Puerto Caraguatay in der Provinz Misiones gezogen, um dort eine Mateplantage zu betreiben. Das Unternehmen lief nicht besonders gut, zeitweilig litt die Familie auch unter finanziellen Engpässen, wobei sie auf geerbte Wertpapiere zurückgreifen konnte.Jon Lee Anderson (1997), 17, 21 f., 25: … sah sich Guevara Lynch oft nicht in der Lage, die Miete zu zahlen. […] Nach Meinung von Freunden und Verwandten waren es hauptsächlich die Einkünfte aus Celias Wertpapieren, die der Familie in den dreißiger Jahren über die Runden halfen. Sie hatten zwar kein Geld, doch sie gehörten der „richtigen“ Gesellschaftsschicht an, sie hatten einen Namen und das entsprechende Auftreten. Die Guevaras hatten „Stil, das konnten alle ihre Bekannten bestätigen.“ 56: … im Haus der Guevaras [herrschte] ständig Geldnot …

Im Alter von zwei Jahren erlitt Guevara seinen ersten Asthmaanfall. Die Krankheit begleitete ihn sein Leben lang und prägte seine Persönlichkeit und Entwicklung. Im Jahr 1932 zog die Familie auf ärztlichen Rat in die Stadt Alta Gracia, Argentinien. Zunächst wurde er zu Hause von seiner Mutter unterrichtet, las viel – unter anderem Werke der europäischen Literatur in der bedeutenden Bibliothek seiner Familie – und lernte Französisch, das er noch als Erwachsener fließend sprach.Richard L. Harris: Che Guevara: A Biography. S. 4, Greenwood, Santa Barbara 2011 (englisch).L’interview de Che Guevara (1964). Auf Französisch geführtes TV-Interview in Genf, auf YouTube, abgerufen am 30. Mai 2014 (französisch). Als die Asthmaschübe später seltener wurden, wurde er dazu verpflichtet, doch die Schule zu besuchen. Die Krankheit hinderte ihn auch nicht daran, mit anderen Kindern zu spielen und intensiv Sport zu treiben.Stephan Lahrem: Che Guevara – Leben Werk Wirkung. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005, S. 15 f.

Durch seine Familie, die inzwischen durch die Geburten seiner Geschwister Celia (* 1929), Roberto (* 1932), Ana Maria (* 1934) und Juan Martín (* 1942) auf sieben Personen angewachsen war, wurde er schon früh politisch geprägt. Als nach dem Militärputsch Francos 1936 der Spanische Bürgerkrieg ausbrach, wurde ihr Haus zum Treffpunkt spanischer republikanischer Exilanten. Im Jahr 1941 wechselte er auf das Dean-Funes-Gymnasium in Córdoba, was bedeutete, dass er für den Schulweg insgesamt täglich 70 km zu bewältigen hatte.

Im Jahr 1943 wechselte Ernestos Schwester Celia auf eine Schule in Córdoba – die Eltern zogen dorthin, um den Kindern den beschwerlichen Schulweg zu ersparen. 1946 trennten sich seine Eltern. Guevara erlebte im selben Jahr das Sterben seiner Großmutter unmittelbar mit. Auch deswegen entschied er sich nach bestandener Abiturprüfung in Buenos Aires, wo er bei seiner Mutter lebte, Medizin zu studieren.Stephan Lahrem: Che Guevara – Leben Werk Wirkung. S. 20.

Trotz der asthmatischen Anfälle war Guevara in seiner Jugend ein hervorragender Sportler, der Schwimmen, Fußball, Golf und Schießen liebte und außerdem ein „unermüdlicher“ Radfahrer war. Vor allem aber war er ein begeisterter Rugbyspieler und spielte beim Club Universitario de Buenos Aires auf der Position des Verbinders. Aufgrund seines aggressiven Spielstils lautete sein Spitzname Fuser – eine Verschmelzung von el Furibundo (der Furiose) und dem Nachnamen seiner Mutter (de la Serna).

Studium und Reisen mini|1952: Che Guevara (links) mit der Poderosa II genannten Norton 18 (Baujahr 1935) Guevara unterbrach sein Medizinstudium mehrmals für umfangreiche Reisen durch Argentinien und Südamerika. Im Oktober 1950 lernte er Maria del Carmen Ferreyra, eine Millionärstochter, kennen und lieben. Die Beziehung war nicht von Dauer.Stephan Lahrem: Che Guevara – Leben Werk Wirkung. S. 26. Ein Jahr vor Guevaras Staatsexamen brach er im Dezember 1951 zusammen mit einem Freund, dem angehenden Biochemiker Alberto Granado, in Córdoba auf, um mit einer Norton Modell 18 den lateinamerikanischen Kontinent zu erkunden und unter anderem – ein sehr prägendes Erlebnis – eine Lepra-Kolonie in Peru zu besuchen. Guevara war mit der Ansicht aufgebrochen, in ganz Südamerika seien die Verhältnisse ähnlich wie in Argentinien, doch durch die Reise wurde er sich angesichts des Elends der Landbevölkerung und großer sozialer Gegensätze bewusst, welche Ausnahme sein Wohlstand darstellte.Guevaras Rastlosigkeit und seine zeit seines Lebens bedeutende Reisetätigkeit und deren literarische Verarbeitung wurden mit Jack London und Lord Byron verglichen. Er wäre mehr am Abenteuer Revolution als an praktischer Regierungstätigkeit interessiert gewesen und als Abkömmling der argentinischen Oberklasse von einem tiefen Schuldgefühl gegenüber den Armen Lateinamerikas getrieben gewesen. Vgl.Sean O’Hagan: Just a pretty face? In: The Observer. 11. Juli 2004 (englisch).