Unter dem Handelsgleichgewicht versteht man ein zwischenstaatliches Tauschgleichgewicht. Es besteht, wenn Import und Export einer Volkswirtschaft wertgleich sind. Das Handelsgleichgewicht führt in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zur Ausgeglichenheit der Handelsbilanz, die dann weder im Soll noch im Haben einen Saldo aufweist.

Solange das Handelsgleichgewicht besteht, kann man sich den gesamten Außenhandel einer Volkswirtschaft als Naturaltausch aller exportierten Güter gegen alle importierten Güter vorstellen. Der Im- und Export verursacht zwar den Warenströmen entgegenlaufende Geldströme. Da aber Import und Export wertgleich sind, entsteht per Saldo weder ein Geldzufluss in die betrachtete Volkswirtschaft, noch ein Geldabfluss aus der betrachteten Volkswirtschaft.

Standardmodell einer handeltreibenden Volkswirtschaft Das Standardmodell, das dazu dient, reale Probleme zu analysieren, ist eine Zusammenführung des Ricardo-Modells und des Heckscher-Ohlin-Modells. Diese Kombination der beiden einzelnen Modelle liegt darin begründet, dass sie jeweils bestimmte Teile der Realität ausblenden und von unterschiedlichen Annahmen über die Produktionsmöglichkeiten ausgehen.

Maßgebliche Theorien Ricardo-Modell

Das Ricardo-Modell behandelt den komparativen Vorteil, lässt aber keine Aussagen über die Einkommensverteilung zu. Die Produktionsmöglichkeiten werden durch die Zuweisung der Arbeit auf die verschiedenen Bereiche bestimmt.

Heckscher-Ohlin-Modell

Im Heckscher-Ohlin-Modell betrachtet man die Auswirkung des Handels auf die Einkommensverteilung. Dieser Effekt erfolgt durch verschiedene Produktionsfaktoren, die Ressourcenunterschiede hervorrufen und somit die Handelsstruktur beeinflussen.

Gemeinsamkeiten der beiden Modelle Zwar weisen beide Theorien Unterschiede auf, besitzen aber gemeinsame Merkmale, die man als Kennzeichen für das Standardmodell einer handeltreibenden Weltwirtschaft interpretieren kann. Daher können beide Theorien als Spezialfälle des Standardmodells verstanden werden.

Die Gemeinsamkeiten beider Modelle und somit die Merkmale des Standardmodells liegen zum einen darin, dass die Produktionskapazität einer Volkswirtschaft durch Transformationskurven dargestellt werden kann und die Unterschiede in deren Verlauf ursächlich für den Handel sind. Zum anderen bestimmen die Produktionsmöglichkeiten die relative Angebotsstruktur eines Landes. Eine letzte Gemeinsamkeit der beiden Theorien besteht darin, dass das Welthandelsgleichgewicht, das zwischen den nationalen relativen Angebotskurven liegt, von der relativen Weltnachfrage und dem relativen Weltangebot bestimmt ist.Paul R. Krugman, Maurice Obstfeld: Internationale Wirtschaft: Theorie und Politik der Außenwirtschaft. 8., aktualisierte Auflage. Pearson, München 2009, S. 154.

Eigenschaften des Handelsgleichgewichts Zu den Eigenschaften des Handelsgleichgewichts gehören verschiedene Spezialisierungsmuster, Handelsbeschränkungen und Wohlfahrtseffekte.

Spezialisierungsmuster Die Eigenschaften des Handelsgleichgewichts beziehen sich auf verschiedene Spezialisierungsmuster, welche die wichtigsten Schwerpunkte des Modells darstellen. Laut Paul R. Krugman und Maurice Obstfeld bezieht sich das Handelsgleichgewicht auf die: Beziehung zwischen Transformationskurve und Angebotskurve, Beziehung zwischen relativen Preisen und relativen Nachfrage, Bestimmung des Weltgleichgewichts durch das relative Weltangebot und die relative Weltnachfrage Auswirkung der Terms of Trade auf die Wohlfahrt eines Landes.Paul R. Krugman, Maurice Obstfeld: Internationale Wirtschaft: Theorie und Politik der Außenwirtschaft. 8., aktualisierte Auflage. Pearson, München 2009, S. 134.

Gleichstellung von Exporten und Importen Ein weiteres Spezialisierungsmuster dieses Modells ist das Übereinstimmen von Exporten und Importen, das von den Preisverhältnissen abhängt. Als Folge muss ein Gut, das im Inland produziert wird, exakt dem Import des Auslandes entsprechen. Umgekehrt muss der Import des anderen Gutes dem Export des Auslandes gleichen.

Komparativer Kostenvorteil Auch das auf David Ricardo zurückgehende Modell des komparativen Kostenvorteils als Teil des Ricardo-Modells stellt ein Spezialisierungsmuster im Sinn der Eigenschaften des Handelsgleichgewichts dar. Der komparative Kostenvorteil hat hier den Charakter einer vollständigen Spezialisierung, so dass bei zwei Ländern im Modell jedes Land exakt ein Gut produziert und exportiert.

Handelshemmnisse

Die zweite Eigenschaft ist der Effekt von Handelshemmnissen. Handelshemmnisse wie Import-Zölle oder Export-Subventionen werden üblicherweise nicht eingeführt um, die Terms of Trade eines Landes zu verändern. Vielmehr unterstützen diese staatlichen Eingriffe die Einkommensverteilung, dienen der Förderung von wichtigen Industriezweigen und wirken sich tatsächlich auf den Handel aus. Die Charakteristika von beiden zeichnen sich insoweit aus, als sie einen Preisunterschied bewirken.

Zölle Zölle sind Abgaben, die bei der Einfuhr von Waren (Einfuhrzoll) oder bei der Ausfuhr von Waren (Ausfuhrzoll) erhoben werden. Bei Erhebung eines Einfuhrzolls steigt der Preis im Inland im Gegensatz zum Ausland. Der direkte Effekt eines Einfuhrzolls besteht darin, dass er die importierten Güter im Inland teurer als im Ausland macht. Er fördert damit die Produktion im Inland.

Exportsubventionen

Daneben sind Exportsubventionen Zahlung an inländische Produzenten, die ihr Gut im Ausland verkaufen, ohne dass von den Unternehmen eine Gegenleistung gefordert wird. Diese Form der Handelshemmnisse soll insbesondere Branchen unterstützen, die am Markt Probleme haben.

Subventionen stellen infolgedessen eine staatliche Förderungszahlung dar. Der vom Verkäufer erlangte Preis übersteigt die Zahlung, die der Kunde tätigt. Die Differenz aus beiden Werten wird als Subvention angesehen. Die direkte Auswirkung von Exportsubventionen äußert sich durch einen Exportanreiz für die Produzenten. Denn solang der Preis im Inland nicht höher ist, erscheint der Verkauf im Ausland vorteilhafter. Die Exportsubventionen erhöhen folglich den Preis des Gutes im Inland.

Durch die Preisveränderung beider Handelshemmnisse werden das Angebot und die Nachfrage verändert. Parallel ändern sich hierdurch auch die Terms of Trade und dementsprechend auch die Wohlfahrt.

Wohlfahrtseffekte Wohlfahrt Wohlfahrt ist die Summe aus Konsumentenrente und Produzentenrente, das heißt der Gewinn oder der Nutzen der Produzenten oder der Konsumenten.

Konsumentenrente Eine sogenannte Konsumentenrente ist der Unterschied zwischen dem Wert, den ein Gut hat, und dem Preis, den man dafür bezahlen muss. An einem einfachen Exempel lässt sich diese Definition bezeichnend darstellen: Nimmt man ein Brot, das einen persönlichen Wert von 5 Euro hat, bekommt als Käufer dieses Brot dagegen zum Preis von 3 Euro, so beläuft sich die Konsumentenrente auf den Wert von 2 Euro.

Produzentenrente Mit der Produzentenrente verhält es sich ähnlich. Sie stellt den Unterschiedsbetrag dar zwischen dem Geld, das der Verkäufer für den Verkauf eines Gutes erhält, und den Kosten, die der Verkäufer für Herstellung und Verkauf dieses Gutes hatte. Am Beispiel des Brotes lässt sich dies wie folgt darstellen: Der Verkäufer veräußert das Brot für 3 Euro, seine Produktionskosten belaufen sich auf 1 Euro. Somit hat er eine Produzentenrente in Höhe von 2 Euro erzielt.

Beispiel Wohlfahrt an Volkswirtschaft „A“ und „B“ Am Modell einer Volkswirtschaft lässt sich zum Thema Wohlfahrt folgendes fiktiv gewähltes Beispiel konstruieren.

Name der Volkswirtschaft Produzierendes Gut 1 produzierendes Gut 2 A Textilien Lebensmittel B Lebensmittel Textilien

Volkswirtschaft „A“ exportiert ausschließlich Textilien an Volkswirtschaft „B“, wozu Volkswirtschaft „A“ aufgrund ihrer innovativen Produktionsverfahren in der Lage ist. Dementsprechend erhöht sich die Produktivität der Textilproduktion. Volkswirtschaft „A“ bevorzugt daher immer stärker die Produktion von Textilien im Vergleich zur Lebensmittelproduktion. Bei der Volkswirtschaft „A“ liegt damit ein Wachstum vor. Als weitere Folge importiert „A“ Lebensmittel von der Volkswirtschaft „B“. Die Auswirkungen des Wachstums auf die Volkswirtschaft „A“ belaufen sich auf vier Effekte: Die Transformationskurve verschiebt sich in Richtung der Textilien. Die relativen Preise sinken, da immer mehr Textilien im Vergleich zur Nachfrage zur Verfügung stehen. Die Terms of Trade, sprich das Verhältnis zwischen den Preisen von Ex- und Importen, sinken durch Senkung der relativen Preise. Die Wohlfahrt sinkt durch die Verschlechterung der Terms of Trade. Bei Volkswirtschaft „B“ erfolgt diese Abfolge analog, nur ergeben sich andere Effekte. Volkswirtschaft „B“ exportiert Lebensmittel und importiert Textilien. Somit profitiert sie von der Spezialisierung der Volkswirtschaft „A“, indem sie einen günstigen Preis beim Import für die Textilien erzielen kann. Dieser günstigere Preis begründet sich in dem hohen Angebot an Textilien, das Volkswirtschaft „A“ durch seinen spezialisierten Produktionsprozess zur Verfügung stellen kann.

Bei der Volkswirtschaft „B“ liegt daher ein gegensätzliche Wachstum zu Volkswirtschaft „A“ vor. Die Auswirkungen dieses Wachstums auf die Volkswirtschaft „B“ belaufen sich auf vier Beziehungen: Die Transformationskurve verschiebt sich in Richtung der Textilien. Die relativen Preise sinken, da immer mehr Textilien im Vergleich zur Nachfrage zur Verfügung stehen Die Terms of Trade steigen durch Senkung der relativen Preise. Die Wohlfahrt steigt durch die Verbesserung der Terms of Trade. Ein Handelsgleichgewicht entwickelt sich infolgedessen, sofern sich die Werte der Ex- und Importe (Terms of Trade) egalisieren und im Besonderen die Importe den Exporten und umgekehrt entsprechen. Es vermag ein neues Handelsgleichgewicht zustande zukommen, vorausgesetzt jede Beziehungen kann sich kompensieren. Folglich ist die Nachfrage der Textilen wieder rückläufig, somit sinkt demgemäß das Angebot und folgerichtig ebenso der Preis. Die Werte würden ein neues Gleichgewicht anstreben.

Allgemeine Auswirkungen der Wohlfahrt Allgemein: Effekt Exportpreis Effekt Wohlfahrt Steigt der Exportpreis Steigt die Wohlfahrt Sinkt der Exportpreis Sinkt die Wohlfahrt Sinkt der Importpreis Steigt die Wohlfahrt Steigt der Importpreis Sinkt die Wohlfahrt

Herleitung des Relativpreises im Gleichgewicht bei Außenhandel Prämissen mini|Relative Nachfrage und relatives Angebot

Zur Herleitung des Relativpreises im Gleichgewicht bei Außenhandel gelten mehrere Annahmen bzw. Prämissen. Es wird davon ausgegangen, dass die bestehende Weltwirtschaft aus zwei Ländern besteht. Hierbei exportiert das Inland Textilien und das Ausland exportiert Lebensmittel. Dies ist nur ein Beispiel von Gütern auf die sich eine Volkswirtschaft fokussieren kann und dient der Erläuterung des Sachverhalts. Des Weiteren gehen wir von Handelsmustern aus, die unterschiedliche Produktionskapazitäten von Inland und Ausland aufweisen. Diese Handelsmuster werden durch die relativen Angebotskurven in der Abbildung dargestellt.

Zudem haben beide Länder bezüglich ihrer Nachfrage dieselben Präferenzen. Dies führt zu einer identischen relativen Nachfragekurve. Die Nachfrage beider Länder nach dem jeweiligen Gut (hier Textilien und Lebensmittel) geht in die relative Weltnachfrage ein. Die relative Weltnachfrage ergibt sich mathematisch demnach wie folgt: (DC+ DAC) / (DF+ DAF). DC steht für die Nachfrage von Textilien im Inland, DAC steht für die Nachfrage an Textilien am Ausland, DF steht für die Nachfrage an Lebensmitteln im Inland und DAF steht für die Nachfrage an Lebensmitteln im Ausland. Aufgrund der identischen Präferenzen beider Länder überschneidet sich die relative Nachfragekurve mit den Kurven der relativen Nachfrage der einzelnen Länder.

Das Inland produziert bei jedem gegebenen Relativpreis PC/PF Textilien (QC) und Lebensmittel (QF).