mini|Eine Ausweitung der Produktion von auf führt aufgrund von Größenvorteilen zu geringeren fallenden Durchschnittskosten. mini|Die Ausweitung der Produktion von auf führt in diesem Beispiel aufgrund von Größennachteilen zu steigenden Durchschnittskosten. Als Größenvorteile () werden in der Produktionstheorie der Volkswirtschaftslehre Kostenvorteile bezeichnet, die sich aus der Betriebsgröße eines Unternehmens oder seiner Produktion ergeben.
Allgemeines Solange Größenvorteile vorliegen, ist es für ein Unternehmen grundsätzlich sinnvoll, mehr Einheiten eines Gutes oder einer Dienstleistung zu produzieren, um niedrigere Stückkosten zu erreichen. Dabei werden zumeist die Fixkosten auf eine größere Menge umgelegt (Fixkostendegression). Es wirkt das Gesetz der Massenproduktion.
Unter Umständen kann eine Steigerung der produzierten Menge auch zu Größennachteilen () führen. So nimmt mit wachsender Unternehmensgröße typischerweise der (nicht unmittelbar produktiv wirkende) Koordinationsaufwand in einem Unternehmen zu, die Verwaltung kann schwerfälliger werden.
Definition mini|Größenvorteile und ihre Grenzen beim Produktionsprozess Größenvorteile werden auch als Größenkostenersparnisse, Skaleneffekte oder zunehmende SkalenerträgeVgl. Robert S. Pindyck, David L. Rubinfeld: Mikroökonomie. München 2003, 6. Auflage, Pearson Studium, S. 324 ff., 330, 343, ISBN 3-8273-7164-3. bezeichnet.Vgl. Gabler: Wirtschaftslexikon. Größenvorteile. 16. Auflage. Gabler Verlag, Wiesbaden 2005, S. 1296, ISBN 3-409-10386-4. Größenvorteile liegen vor, falls eine proportionale Erhöhung aller Produktionsfaktoren (bspw. um 1 %) eine überproportionale Erhöhung aller Outputkomponenten (um mehr als 1 %) bewirkt.Vgl. Günter Knieps: Wettbewerbsökonomie: Regulierungstheorie, Industrieökonomie, Wettbewerbspolitik. 3. Auflage, Berlin 2008, Springer Verlag, S. 5, 13, 58, 68, 74, 223, ISBN 3-540-78348-2. Nimmt also der Output einer Produktionseinheit zu, können die durchschnittlichen Kosten des Unternehmens für die Produktion dieses Outputs bis zu einem gewissen Punkt sinken. Anders ausgedrückt: Um den Output eines Unternehmens zu verdoppeln, müssen die Kosten weniger als das Doppelte gesteigert werden. Dieser Verlauf wird als Größenvorteil bezeichnet.Vgl. Charles van Marrewijk: International Economics. 1. Auflage. Oxford University Press, New York 2007, S. 211, ISBN 0-19-928098-3.
Größenvorteile werden auch als Kostenvorteile definiert, die aus der Unternehmensgröße und/oder der Kapazitätsgröße resultieren. Dabei sind die anteiligen Fixkosten pro Produktionseinheit abhängig von der Größe der Unternehmung bzw. des Produktionsvolumens; je größer das Unternehmen umso geringer sind die anteiligen Fixkosten.
Bei freiem Wettbewerb führen Größenvorteile zu einer so starken Ausweitung der Unternehmensgröße, dass die vollkommene Konkurrenz in diesen Wirtschaftsbereichen nicht mehr gesichert ist und in einer Industrie nur wenige Unternehmen aktiv sind – oder sogar nur ein Einziges. Im Einproduktfall führen fallende Durchschnittskosten aufgrund hoher Fixkosten zu unmittelbaren Anreizen für Fusionen mit dem Ziel einer Effizienzsteigerung. Das Vorliegen von Größenvorteilen maximiert die Wohlfahrt durch eine bestimmte Zahl von Unternehmen.Rabah Amir: (PDF; 554 kB) Discussion Paper FS IV 00-08, Wissenschaftszentrum Berlin, 2000, S. 3. Handeln die Unternehmen unter dieser volkswirtschaftlichen Annahme, dann nutzen sie den (Größen-)Vorteil in einer Branche. Dadurch besitzen die Unternehmen im Vergleich zur Größe der Branche (des Marktes) eine große Betriebsgröße.Vgl. Hans G. Nutzinger, Walter Elberfeld: Regulierung, Wettbewerb und Marktwirtschaft: Größenvorteile, potentielle Konkurrenz und Eintrittsbarrieren. Göttingen 2003, Vandenhoeck und Ruprecht, S. 151, ISBN 3-525-13236-0. Das hat zur Folge, dass sie einen großen Anteil der Nachfrager bedienen und so nur wenige weitere Unternehmen in den Markt eintreten können, um den restlichen Anteil der Nachfrager zu bedienen. Joe Bain definiert dieses Phänomen 1949 als Ursache für das Auftreten einer Eintrittsbarriere in den Markt.
Die Methode der Größenvorteile ist direkt anwendbar für die Analyse von intra- und interindustriellem Handel. Bedient ein Unternehmen den heimischen Markt mit einem bestimmten Produkt, kann es dieses Produkt in ein anderes Land exportieren. Im Gegenzug dafür könnte es ein anderes Gut importieren, dass es selbst nicht herstellt, aber eine Nachfrage für dieses Produkt auf dem heimischen Markt vorhanden ist. Damit könnte das Unternehmen mehr Gewinne erzielen.Vgl. Roehlano M. Briones: Market Size, Differentiated Scale Economies and Interindustry Trade (engl.) Ateneo de Manila University 2004, S. 2, 23.
Globale Betrachtung
Der Größenvorteil ist in erster Linie nicht im Bezug zu anderen Unternehmungen (Konkurrenten) zu sehen, sondern im Vergleich der eigenen Input- und Output-Mengen. Das soll heißen, welcher Input ermöglicht der Unternehmung den größtmöglichen Output. Damit ist die Gewinnmaximierung (Wirtschaftlichkeitsprinzipien im Hinblick auf das Maximalprinzip) als Unternehmensgrundsatz, in der Kosteneffizienz (Kosten so gering wie möglich halten) umgesetzt.
„Zur Analyse der Beziehungen zwischen der Betriebsgröße und den Kosten des Unternehmens müssen wir erkennen, dass der Expansionspfad (durch die Tangentialpunkte der Isokostengerade und Isoquanten eines Unternehmens verlaufende Kurve) des Unternehmens bei Änderung der Inputproportionen keine Gerade mehr bildet und das Konzept der Skalenerträge (Inputs werden bei Steigerungen des Outputs in konstanten Verhältnissen eingesetzt, im Gegensatz zu den Größenvorteilen, bei denen die Inputproportionen variabel sind) nicht mehr zutrifft. Stattdessen können wir sagen, dass das Unternehmen Größenvorteile genießt, wenn es seinen Output zu weniger als dem Doppelten der Kosten verdoppeln kann. Der Begriff Größenvorteile umfasst zunehmende Skalenerträge als Sonderfall, ist aber allgemeiner, da er ändernde Inputproportionen widerspiegelt, wenn das Unternehmen sein Produktionsniveau verändert.“
Auftreten
Im Bereich der Medien liegen Größenvorteile vor, wenn einer Reduzierung der Ausbringungsstückkosten einer Steigerung der Ausbringungsstückzahl folgt. Die wesentlichen Größenvorteile bei den Medien fallen aufgrund der erheblichen First Copy Costs an. Diese Kosten bestehen in den Kosten der gesamten Erstellung des redaktionellen und des Anzeigeninhaltes sowie in den Kosten der Produktion. In dieser Branche entstehen die Kosten unabhängig von der Zahl der späteren Nutzer.Vgl. Hermann Richter: Pressekonzentration und neue Medien. Göttingen 1988, S. 80 f., ISBN 3-525-12276-4.
Neben Unternehmensstrategien (Produktdifferenzierung, Preisdifferenzierung u. a.) spielen Größenvorteile in der Produktion eine wichtige Rolle, um einen funktionsfähigen Wettbewerb zu realisieren.
Im Vertrieb und Marketing sind Größenvorteile ebenfalls von Bedeutung: groß angelegte Werbemaßnahmen und Marktpräsenz sind hier der Schlüssel zum Erfolg.Vgl. Helmut Elben, Martin Handschuh: Handbuch Kostensenkung. Methoden, Fallstudien, Konzepte und Erfolgsfaktoren, Weinheim 2004, S. 36 f., ISBN 3-527-50039-1.
Im operativen Vertrieb stellt der spezifische Vertriebsaufwand eine wichtige Rolle dar, da dieser durch ein höheres Absatzvolumen sinkt und somit auch die Stückkosten fallen.
Größenvorteile treten ebenfalls bei der Beschaffung von Ressourcen auf, denn bspw. werden bei der Beschaffung von größeren Mengen Mengenrabatte erzielt und so sinken die Kosten pro beschaffter Einheit für das Unternehmen.
Selbst im Bereich der Forschung und Entwicklung können Größenvorteile genutzt werden, indem ein generierter Informationsvorsprung und die damit verbundenen Entwicklungskosten auf möglichst hohe Stückzahlen gelegt werden.
Aber nicht nur aus unternehmensinternen, sondern auch aus unternehmensexternen Zusammenhängen resultieren Größenvorteile. Denn eine dominierende Marktstellung des Unternehmens bringt Vorteile für Kunden und Marktpartner und führt so zu sich selbst verstärkenden Effekten.
Berechnung
Um Größenvorteile zu erzielen, werden diese häufig anhand einer Kosten-Output-Elastizität EC gemessen. EC ist die aus einer Steigerung des Outputs um ein Prozent resultierende prozentuale Änderung der Produktionskosten:
Um zu untersuchen, in welcher Beziehung EC zu dem herkömmlichen Kostenmaß steht, wird die oben dargestellte Gleichung wie folgt umgeschrieben:
C = Kosten q = Menge GK = Grenzkosten DC = Durchschnittskosten
EC = 1, wenn die Grenzkosten gleich den Durchschnittskosten sind. In diesem Fall bestehen weder Größenvorteile noch Größennachteile, da sich die Kosten proportional mit dem Output erhöhen.
Ist EC < 1, existieren Größenvorteile, denn die Kosten erhöhen sich unterproportional zum Output und die Grenzkosten sind niedriger als die Durchschnittskosten.
Ist EC > 1, existieren Größennachteile, da die Grenzkosten höher als die Durchschnittskosten sind.
Messung
Ob Größenvorteile bestehen oder nicht, verdeutlicht der Index der Größenvorteile SCI. Diese Kennzahl wird wie folgt definiert:
Ist EC = 1 gilt, SCI = 0 und es bestehen weder Größenvorteile noch Größennachteile. Ist EC > 1, ist SCI negativ und es bestehen Größennachteile. Ist EC < 1, ist SCI positiv und es bestehen Größenvorteile.
Beispiele Die folgenden BeispieleVgl. Elben/Handschuh: Handbuch Kostensenkung. Methoden, Fallstudien, Konzepte und Erfolgsfaktoren. Weinheim 2004, S. 37 ff., ISBN 3-527-50039-1. sollen verdeutlichen, dass relevante Größenvorteile immer dann an Bedeutung verlieren, wenn Fixkosten reduziert werden und die Flexibilität gesteigert wird. Um eine marktbeherrschende oder zumindest wettbewerbsfähige Größe zu erlangen, gehen Unternehmen deshalb oft über ein rein intern basiertes, organisches Wachstum hinaus. Sie versuchen durch den Zusammenschluss mit anderen Unternehmen auf eine Größenordnung zu kommen, bei der Kostenvorteile gegenüber der Konkurrenz erzielt werden können. Beispiele hierfür sind u. a.: die Luftfahrtindustrie: Airbus und Boeing erzielen Größenvorteile in Forschung und Entwicklung, Einkauf, Produktion, Vertrieb und Service, da sie sich den entsprechenden Markt für Großflugzeuge teilen. die Stahl- und Computerindustrie: Der Computerhersteller Dell hat konsequent ein Direktverkaufsmodell über Telefon und Internet etabliert und gleichzeitig die Logistik optimiert, sodass innerhalb kürzester Zeit ein nach den Kundenwünschen individueller Computer den Auftraggeber erreicht. Da Dell seine Monitore direkt vom Hersteller bezieht, reduziert das Unternehmen seine Kapital-, Lagerhaltungs- und Produktionskosten. die Automobilindustrie: da viele kleinere und mittlere Autohersteller nicht über das Volumen verfügen, um die enormen Entwicklungskosten neuer Modelle zu tragen, wurden diese im Laufe der Jahre von ihren großen Konkurrenten übernommen.
Ein weiteres Beispiel ist der Automobilhersteller Toyota. In den 1980er Jahren reduzierte der Konzern die Fixkosten u. a. durch eine innovative Reduzierung des Bestandes innerhalb des Produktionsprozesses, die Verkürzung der Rüstzeiten der Anlagen sowie die Serienfertigung so weit herunter, dass die in dieser Branche vorherrschenden Skaleneffekte eine immer geringere Rolle spielten.
Forstwirtschaft Beispieldiagramm für Größenvorteile