mini|hochkant=1.3|Friedrichsberg auf einem Stadtplan von 1902; die blaue Linie markiert die Grenze der damaligen Gemeinde Lichtenberg
Friedrichsberg bezeichnet ein historisches Stadtviertel beiderseits der heutigen Grenze zwischen den Berliner Ortsteilen Friedrichshain und Lichtenberg.
Lage Friedrichsberg grenzte im Süden an die Kolonie Boxhagen, bis 1912 Teil der Gemeinde Boxhagen-Rummelsburg. Die Grenze verlief an der Boxhagener Straße und Weserstraße. Im Norden bildete die Frankfurter Allee die Grenze. Im Westen endete Friedrichsberg an der Niederbarnimstraße und im Osten etwa an der heutigen Schulze-Boysen-Straße.
Geschichte mini|hochkant|Friedhofskapelle und ehemalige Verheißungskirche mini|hochkant|Ehemaliger Bahnhof Friedrichsberg, heute Bahnhof Frankfurter Allee mini|hochkant|Ehemaliges Geschäftshaus der Friedrichsberger Bank, 2008
Mit königlicher Unterstützung wurde Friedrichsberg um 1770 als Kolonie auf der Lichtenberger Feldmark gegründet. Zunächst wurden hier böhmische und hugenottische Kolonisten angesiedelt. Über 100 Jahre wurde das Bild Friedrichsbergs vor allem von Gärtnereien geprägt.
Im Jahr 1867 wurde auf Friedrichsberger Gebiet ein Friedhof der Berliner Parochial-Gemeinde angelegt (seit 1968 Georgen-Parochial-Friedhof IV). Zwölf Jahre später wurde die noch heute dort stehende Friedhofskapelle errichtet.
Am 12. November 1877 nahm das erste deutsche Telegrafenamt mit Fernsprechbetrieb im Friedrichsberger Postamt, Jungstraße 1, seinen Betrieb auf.
Nach Vorgaben des Bebauungsplans von James Hobrecht entstanden in Friedrichsberg an der Wende zum 20. Jahrhundert typische Berliner Mietskasernen im Stil der Neorenaissance. Zu Beginn der Bebauung lebten nur rund 3.000 Menschen in Friedrichsberg. Innerhalb weniger Jahre wuchs die Bevölkerung auf etwa 20.000 Einwohner an. Am 1. Mai 1872 wurde der Bahnhof Friedrichsberg eröffnet, 1889–1891 wurde er etwas nördlicher neu gebaut und später in Bahnhof Frankfurter Allee umbenannt. 1891–1892 wurde in Friedrichsberg die römisch-katholische Pfarrkirche St. Mauritius erbaut.
Lichtenberg, zu dem Friedrichsberg gehörte, erhielt 1907 das Stadtrecht. Zu diesem Zeitpunkt lebten in Friedrichsberg über 40.000 und in den anderen Teilen Lichtenbergs etwa 25.000 Menschen. Der Name Friedrichsberg verschwand aus den offiziellen Dokumenten.
Lichtenberg – und somit auch das damalige Friedrichsberg – wurde 1920 Teil von Groß-Berlin, Friedrichsberg gehörte zunächst vollständig zum Bezirk Lichtenberg. Mit der Neugliederung der Berliner Verwaltungsbezirke am 1. April 1938 wurde das vormalige Friedrichsberg entlang der Trasse der Ringbahn zwischen Friedrichshain (damals: Horst-Wessel-Stadt) und Lichtenberg aufgeteilt und verschwand damit endgültig aus dem Bewusstsein der Berliner.
Mit der Berliner Bezirksreform im Jahr 2001 wurden die Bezirke Friedrichshain und Kreuzberg zusammengelegt. Friedrichsberg war ein Kandidat für den Namen dieses neuen Bezirks.
Bei den preußischen Volkszählungen wurden separate Einwohnerzahlen für Friedrichsberg erhoben: Jahr Einwohner Quelle 1858 483 Ortschafts-Statistik des Regierungsbezirks Potsdam. Richard Boeckh, Berlin 1861, S. 74; books.google.de 1871 2.065 Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung 1873, S. 33 Fußnote 52 1885 13.822 Gemeindelexikon für das Königreich Preußen 1888. S. 39, Fußnote 59; books.google.de 1895 24.810 Gemeindelexikon für das Königreich Preußen 1898. S. 41, Fußnote 58. 1907 41.993 Verwaltungs-Bericht der Stadt Berlin-Lichtenberg 1907/1909. S. 32, Lichtenberger Bezirke III–IX. 1913 55.116 Verwaltungs-Bericht der Statistisches Jahrbuch der Stadt Berlin 1912/1914. S. 78, Lichtenberger Bezirke III–IX.
Spuren Die kleine Friedrichsberger Straße in der Nähe des Strausberger Platzes erinnert noch an diese Siedlung, liegt aber nicht im ehemaligen Friedrichsberg. Die Friedrichsberger Bank errichtete 1905 ein repräsentatives Geschäftshaus in der Finowstraße 1 und hatte dort bis 1943 ihren Sitz. Dieses Haus steht heute unter Denkmalschutz.
Im Jahr 2010 wurde das 1907 in der Friedrichsberger Scharnweberstraße errichtete Schulgebäude als Offene Ganztagsschule neu eröffnet. Bis zu ihrer Schließung 1999 trug die Schule den Namen Friedrichsberger Grundschule. Das Gebäude ist im Wesentlichen in seinem ursprünglichen Zustand erhalten. Seit Anfang 2017 trägt die Schule den Namen Jane-Goodall-Grundschule.Schimpansen-Forscherin als Namenspatin für Grundschule. In: Berliner Morgenpost, 23. Juni 2016; abgerufen am 5. Oktober 2018
In Friedrichsberg geborene Persönlichkeit
Albert Hotopp (1896–nach 1942), Schriftsteller
Weblinks
Geschäftshaus Friedrichsberger Bank typisches Bauensemble Friedrichsberg Wasserpumpe um 1895 Geschichte Friedrichberg. Homepage der Friedrichsberg-Apotheke. Friedrichsberg – Spuren einer verschwundenen Großsiedlung. Friedrichshainer Zeitanzeiger (mit Karte um 1770 und Fotos).
Einzelnachweise
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