mini|hochkant|Ernst Gorsemann
Ernst Moritz Gorsemann (* 15. Februar 1886 in Bremen; † 19. Juli 1960 in Bremen)XII. Die Toten der Berichtszeit 1959 bis Dezember 1960. In: Bremisches Jahrbuch. 47. Band. 1961, S. 333 (Daten Gorsemann); brema.suub.uni-bremen.de war ein deutscher Bildhauer und Direktor der Nordischen Kunsthochschule in Bremen. Er schuf zwischen 1914 und 1960 zahlreiche Plastiken, Denkmäler, Grabsteine und Medaillen.
Leben mini|Wohnhaus von Ernst Gorsemann in Bremen-Horn mit der im Krieg beschädigten Skulptur des Denkmals Altmannshöhe mini|Inschrift über der Eingangstür des Wohnhauses hochkant|mini|Skulptur Steinbock in der Eilenriede in Hannover hochkant|mini|Skulptur December (Garten der Egestorff-Stiftung) mini|hochkant|Ehrenmal der hannoverschen Königs-Ulanen in der Eilenriede in Hannover
Kindheit, Ausbildung und Wanderzeit Ernst Gorsemann wuchs in ärmlichen Verhältnissen im Bremer Stadtteil Walle in einer Arbeiterfamilie auf. Sein Vater Friedrich Gorsemann war Bauarbeiter und starb früh. Ernst Gorsemann musste mit Hilfstätigkeiten schon während der Schulzeit seine Mutter Anna geb. Beltner genannt Klussmann unterstützen. Mit 14 Jahren erlernte er zunächst das Maurerhandwerk, bildete sich u. a. in den arbeitslosen Wintermonaten durch den Besuch des Technikums in Bremen weiter und wurde mit 18 Jahren Bauführer. Seine ersten Arbeiten waren Bauzeichnungen für die ersten Wasserklosetts in Bremen, da die oft mittelalterlichen Aborte in Bremen in Wasserspülklosetts, aufgrund der Erfahrungen aus der Choleraepidemie von 1892 in Hamburg, umgebaut werden mussten. Seine Bauführertätigkeit wurde zu einer Lehr- und Wanderzeit.Historische Gesellschaft Bremen (Hrsg.), Wilhelm Lührs (Bearb.): Bremische Biographien 1912–1962. Bremen 1969, S. 180–181; brema.suub.uni-bremen.de In dieser Zeit begann, durch die zunehmenden Kontakte zu Studierenden, Künstlern und Wissenschaftlern, durch das Studium von Dichtung und Philosophie, sein Engagement bei der theosophischen Gesellschaft. Er gehörte seit 1905 der theosophischen Gesellschaft an.Generalanzeiger für Dortmund, 31. Mai 1906, S. 12. Am 4. bis 6. August 1906 nahm er am 4. Allgemeinen theosophischen Kongress in Nürnberg als Redner teil.Kongress. In: Generalanzeiger für Halle und den Saalekreis. 2. Beilage, 26. August 1906, S. 2; doi:10.25673/opendata2-50553 Dort lernte er Friedrich Jaskowski kennen und wanderte mit ihm durch das Fichtelgebirge. Jaskowski schrieb für Zeitungen und arbeitete an einem Buch. Das machte Gorsemann Mut, selbst Bücher zu verfassen. Im Januar 1907 machte er eine Vortragsreise und hielt Vorträge in Deutschland, Österreich und der Schweiz so u. a den Vortrag Der Tod und was dann als „Ingenieur E. Gorsemann“ und in Duisburg,Duisburg-Ruhrorter Zeitung, 9. Januar 1907, S. 10.Duisburg-Ruhrorter Zeitung, 10. Januar 1907, S. 2. KarlsruheKarlsruher Tagblatt, Drittes Blatt, 24. Januar 1907, S. 8. in MannheimReise. In: Generalanzeiger der Stadt Mannheim und Umgebung – Badische neuste Nachrichten. 28. Januar 1907; druckschriften-digital.marchivum.de und in Berlin „Die Religion in Gothes Faust“, erläutert durch Zeichnungen vom „Ingenieur und Schriftsteller Ernst Gorsemann“.Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, 6. Februar 1907, S. 13. Er veröffentlichte Schriften wie Eine suchende Seele mit Buchschmuck vom Verfasser 1905, Das Geheimnis des Glücks – Aus dem Tagebuche eines Wanderers zusammengefaßt 1907,Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, Fachzeitschrift für Verlagswesen und Buchhandel, 15. Mai 1907, S. 5. Wonach wir alle streben 1908Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, Fachzeitschrift für Verlagswesen und Buchhandel, 30. Juni 1908, S. 7. und Lebenslicht – Ein Jahrbuch zur Förderung einer höheren Lebenskunst 1914. Weitere Vorträge waren Wie und Wo erlangt man die Erkenntnis höherer Welten? in Leipzig.Leipzig. In: Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Amtsblatt des Rates und des Polizeiamtes der Stadt Leipzig, 23. April 1907, S. 2; digital.slub-dresden.deLeipzig. In: Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Amtsblatt des Rates und des Polizeiamtes der Stadt Leipzig, 22. Mai 1907, Morgenausgabe, S. 6; digital.slub-dresden.de 1908 und 1909 reiste er weiterhin, besonders in den Wintermonaten, durch Deutschland und hielt seine Vorträge wie in Leipzig 1909 „Die Macht der Gedanken und ihre Beherrschung“.Leipziger Tageblatt und Handelszeitung, Amtsblatt des Rates und des Polizeiamtes der Stadt Leipzig, 13. Januar 1909, S. 18. Ein Thema war auch Die Baukunst, der Ausdruck geistigen Lebens eines Volkes.Baukunst. In: General-Anzeiger für Halle und den Saalkreis. 14. Mai 1909, 2. Beilage, S. 1; opendata2.uni-halle.de Weitere Vortragsreisen in den Jahren 1909 und 1910 schlossen sich an, im September 1910 noch als „Ernst Gorsemann aus Bremen“.Bremen. In: Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Amtsblatt des Rates und des Polizeiamtes der Stadt Leipzig, 28. September 1910, Frühausgabe, S. 7; digital.slub-dresden.de
Studium, Erster Weltkrieg und Weimarer Republik Sein Interesse galt immer mehr der Bildhauerei. Ab dem Wintersemester 1910 studierte er an der Kasseler Kunstakademie bei Louis Kolitz und Carl Hans Bernewitz. In der Kasseler Zeit konnte er eine kleine Tierplastik aus Holz als erste Bildhauerarbeit für 20 Mark verkaufen. 1912 hielt er vor der Schopenhauer-Gesellschaft in Kiel einen Vortrag als „Bildhauer Ernst Gorsemann (Kassel)“ über den Wert der Philosophie für die Kunst.Bildhauer. In: Sächsische Dorfzeitung und Elbgaupresse. mit Loschwitzer Anzeiger, Tageszeitung für das östliche Dresden und seine Vororte, 6. Juni 1912, S. 1; digital.slub-dresden.de 1913 besuchte Louis Tuaillon aus Berlin die Kasseler Kunstakademie und wurde auf Ernst Gorsemann aufmerksam. Er nahm ihn in seine Meisterklasse auf.August Winnig: Der Bildhauer Ernst Gorsemann. In: Westermanns Monatshefte, Juli 1936, Band 160, II, Heft 959, S. 401–408. Er erhielt 1914Nordische Kunsthochschule. StAB 4.114 158. Staatsarchiv Bremen. auf Empfehlung des späteren Bremer Bürgermeisters Hermann Hildebrand ein Stipendium, das ihm das Studium dort ermöglichte. Die Schüler der Akademie hatten Freikarten für den Zoologischen Garten Berlin und konnten so die unterschiedlichsten Tiere skizzieren. Da er keinen Dienst mit der Waffe leisten wollte, meldete er sich freiwillig bei Beginn des Ersten Weltkriegs bei einer Sanitätskolonne. Während der Sanitäter Ausbildung lernte er den Bildhauer Wilhelm Lehmbruck kennen. In ihrer Freizeit waren sie zusammen in Gorsemanns Atelier. Gorsemann wurde einem Lazarettzug zugeteilt. Nach einigen Monaten wurde er Zugführer. Wenn der Zug längere Zeit in einer Stadt stand, nutzte er die Zeit für Besuche bei Künstlern oder von Vorlesungen. Im ersten Urlaub 1915 fertigte er zum 70. Geburtstag von Paul Deussen eine Büste. 1917 wurde er vom Stab des Generalfeldmarschalls August von Mackensen abkommandiert, um Soldatenfriedhöfe zu gestalten. Einer davon war in Topraisar in der Dobrudscha in Rumänien. Durch Einquartierung bei einem katholischen Feldgeistlichen lernte er den katholischen Erzbischof von Bukarest Raymund Netzhammer kennen. Es entwickelte sich eine freundschaftliche Verbindung, die auch seine Gläubigkeit vertiefte. Von Netzhammer fertigte er auch eine Büste. 1917 war er Teilnehmer der Tagung für Kriegerehrungen in Dresden als „Bildhauer Gorsemann Berlin“.Sächsische Staatszeitung, Staatsanzeiger für den Freistaat Sachsen, 17. Juli 1917, S. 9. Bereits im Juni 1917 stellt er auf der Sommerausstellung der Königlichen Akademie der Künste eine Büste aus.Sommerausstellung – Kriegsbilderausstellung. In: Schwäbischer Merkur. mit Schwäbischer Kronik und Handelszeitung, Süddeutsche Zeitung, 5. Juni 1917, S. 6 (Büste Gorsemann 1917); digital.wlb-stuttgart.de Er kehrte an die Preußische Akademie der Künste in Berlin zurück und studiert als Meisterschüler weiter bei Tuaillon bis zu dessen Tod im Februar 1919 und dann bei Hugo Lederer bis 1922.Matrikelverlängerung um ein Jahr durch die Akademie am 29. April 1921. Akte 0717, S. 338; |titel=Matrikelverlängerung archiv.adk.de Ab 1920 war er regelmäßig auf Ausstellungen zu finden und konnte vom Verkauf seiner Werke leben.
Am 4. August 1922 heiratete er vor dem Standesamt Berlin-Charlottenburg Lisbeth (Liesbeth) Drückhammer (* 1891 bis?).Namensregister Heiratsliste, Standesamt Charlottenburg, 1922, Nr. 727, S. 125; content.landesarchiv-berlin.de Ein Wohnhaus mit Werkstatt baute er 1923 in Berlin-Dahlem Falkenried Nr. 30, das er bis zum Umzug nach Bremen 1934 bewohnte und 1935 an das jüdische Fabrikanten Ehepaar Marianne und Otto Wechselmann verkaufte.Grundbuch in der Akte B Rep. 025-06: JRSO/276/51 - Verfahren Otto Wechselmann und Marianne Wechselmann gegen das Deutsche Reich, Bestände (West-) Berliner Behörden bis 1990 Um das Jahr 1928 wurde er zum Professor ernannt.Professor. In: Deutsche allgemeine Zeitung. (DAZ), 10. September 1928, S. 5; ZEFYS 1930 machte er zusammen mit seiner Mutter Anna Marie (* 1855), die 1932 verstarb und auf dem Friedhof Bremen-Walle beigesetzt wurde, eine Kur im Radiumbad Oberschlema.Kurliste vom 25. Juli 1930. In: Erzgebirgischer Volksfreund. mit Schwarzenberger Tageblatt, 30. Juli 1930, S. 7; digital.slub-dresden.de Als Auftragsarbeiten erstellte er überwiegend Porträtbüsten und Grabmale, aber auch das Ulanen Ehrenmal und den Steinbock für den Stadtwald Eilenriede in Hannover.
Nordische Kunsthochschule Im April 1934 wurde Gorsemann als Professor für Bildhauerei an die Nordische Kunsthochschule in Bremen berufen. Er wurde durch den Direktor Fritz Mackensen bis zum Beginn des Wintersemesters beurlaubt, damit er sein Atelier und seine Aufträge abwickeln konnte. Der Unterrichtsbetrieb startete ab Oktober 1934.Mackensen am 19. April 1934 an seinen Bruder Otto. Zitiert nach: Susen Krüger-Saß: Die Nordische Kunsthochschule und Handwerkerschule in Bremen: Nationalsozialistische Kultur- und Hochschulpolitik. Hochschule für Künste, Bremen 2014, S. 51 und S. 78. Ende 1934 übernahm Gorsemann an Stelle von Mackensen die Leitung der Schule, bis er im Februar 1935 von Carl Horn abgelöst wurde. In den folgenden Jahren gestaltete Gorsemann eine Reihe von Denkmälern und Plastiken. 1938/1939 war er Mitglied des Ausschusses zur Wiederherstellung des Bremer Rolands.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Gorsemann stellvertretender Direktor der Kunsthochschule, erkrankte jedoch bald darauf und war arbeitsunfähig. 1946 wurde er aus gesundheitlichen Gründen pensioniert.
Pensionszeit Bis zu seinem Tod arbeitete er weiter, ohne öffentliche Aufträge zu erhalten, und verfasste seine Lebenserinnerungen „Vom Morgen bis zum Mittag“. 1960 wurde Gorsemann auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde im Bremer Stadtteil Horn beigesetzt. Seinen Grabstein hatte er selbst geschaffen. Sein Wohnhaus mit Werkstatt an der Leher Heerstraße 127 wurde – bis zu dessen Abriss – von seiner Tochter bewohnt.
Werk 1924 erhielt Gorsemann den ersten Preis für seinen Entwurf eines Denkmals für die Hannoverschen Königsulanen und wurde mit der Ausführung beauftragt. Die Reiterskulptur wurde 1927 in der Eilenriede in Hannover aufgestellt.
Am 6. Oktober 1933 beschloss der Bremer Senat, Gorsemann mit dem Entwurf für ein Ehrenmal zu Ehren der Gefallenen des Ersten Weltkriegs zu beauftragen. Im Dezember legte er gemeinsam mit dem Architekten Wiepking einen Entwurf vor. Auf der Altmannshöhe in den Wallanlagen sollte eine Ringmauer aus 10.000 Klinkern mit den Namen der Gefallenen errichtet und durch die Aufstellung einer Skulptur ergänzt werden. Am 13. Oktober 1935 fand die Einweihung in Anwesenheit von General von Fritsch, Bürgermeister Karl Heider und Landesbischof Heinz Weidemann statt.