mini|Haupteingang Vogelsanger Str. 1 (2017)

Das Gymnasium Kreuzgasse ist ein städtisches Gymnasium in der Kölner Nordstadt. Es zeichnet sich durch Bilingualität mit dem Abschluss des Baccalauréat und seine zahlreichen nebenschulischen Aktivitäten aus. Seit 2008 führt es wegen seiner methodischen Standards und interkulturellen Zusammenarbeit den Beinamen Europaschule.

Geschichte Der Quatermarkt vor Gründung der Schule mini|Der alte Quatermarkt 1571 Mercator Im 13. Jahrhundert errichtete eine alte Kölner Familie, die Quatermarts, an dem nach ihr benannten Quatermarkt, der als Plätzchen bis heute noch existiert und in dessen unmittelbarer Nähe die Pfarrkirche Alt St. Alban steht, ein Patrizier-Haus, in dem sie bis etwa 1400 wohnte. Danach diente das Gebäude nicht länger als Wohnung, sondern für Festlichkeiten, wie Hochzeitsessen, Doktorschmäuse und 1579 sogar für Friedensverhandlungen zwischen Spanien und den Niederlanden (Achtzigjähriger Krieg). Direkt neben dem Patrizierhaus stand das Haus des städtischen Münzmeisters. Die Stadt kaufte das Gebäude daher im Jahre 1561, um es für derartige Feste zu erhalten und baute es neu auf. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude baufällig, daher wurde es abgerissen. Das Grundstück wurde später zur Errichtung der Höheren Bürgerschule genutzt.

Höhere Bürgerschule – Realschule 1. Ordnung – Realgymnasium – Gymnasium Die Schule wurde am 7. November 1828 mit 85 Schülern als Höhere Bürgerschule am Quatermarkt gegründet. Bereits im Jahr 1835 besuchten 300 Schüler die Höhere Bürgerschule, die lediglich für 240 Schüler eingerichtet war.

Thomas Eschweiler, Schulleiter der Höheren Bürgerschule von 1830 bis 1858 merkt bezüglich des unmittelbar nach ihrer Gründung bereits auftretenden Platzmangels an:

1868 zählte die Schule 654 Schüler. Es gab Klassen mit bis zu hundert Schülern. Da der Schulhof viel zu klein war, hielten sich die Schüler während der Pausen in den Klassenräumen und auf den Gängen auf.

1868 wurde die Schule daraufhin – als Realschule 1. Ordnung – in das neu errichtete Schulgebäude in der Kreuzgasse, einer Seitenstraße der Schildergasse, verlegt. Der neue Standort gab der Schule den neuen Namen. Sie vollzog im 19. Jahrhundert mehrfach einen Wandel der Schulform: von der Höheren Bürgerschule zum Realgymnasium, über die darauf folgende Doppelanstalt als Gymnasium und Realgymnasium bis hin zum Humanistischen Gymnasium.

Die jüdische Tradition der Schule Die Kreuzgasse verdankt ihre Gründung im Jahr 1828 der damals entstehenden konfessionellen Konkurrenz zwischen einer katholischen und protestantischen Dominanz in der Schulpolitik Kölns. Eine Gruppe Kölner Bürger stellte daraufhin an den Rat der Stadt Köln den Antrag, eine nicht konfessionell gebundene Bürgerschule im Zentrum Kölns zu gründen. Dieser Ausgangslage fühlte sich die Kreuzgasse auch im folgenden Jahrhundert verpflichtet, Religion war Privatsache. Diese liberale Schulpolitik führte auch dazu, dass eine immer größer werdende Anzahl jüdischer Kölner ihre Söhne an die Kreuzgasse schickten. Seit 1868 wurde in der Kreuzgasse parallel zum katholischen und evangelischen auch jüdischer Religionsunterricht erteilt, bis 1875 von Rabbiner Israel Schwarz, sodann von den Gemeinderabbinern Abraham Frank (bis 1906) und Adolf Kober (bis 1908) und zuletzt, von 1908 bis 1933, von Rabbiner Isidor Caro (im August 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt umgekommen) und, daneben, von 1920 bis 1926, von Lasar DünnerDünner, Lasar, in: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. Saur, München 1980, S. 140., gest. 1950 in Rotterdam.

Dies führte zu einem Anteil von zeitweise bis zu 17 % jüdischer Schüler vor dem Ersten Weltkrieg, angesichts des Anteils von 2,3 % jüdischer Kölner an der Gesamtbevölkerung Kölns und 0,9 % jüdischer Deutscher an der Gesamtbevölkerung des Deutschen Reiches um 1910 ein sehr bemerkenswerter Prozentsatz.

„Als erster Jude wurde am 27. Oktober 1828 der zehnjährige Philipp Wolff, wohnhaft an Klein St. Martin 3, zur höheren Bürgerschule angemeldet und als Nr. 4 in das große, heute weit in die Tausende reichende Schüleralbum eingetragen.“ Der erste jüdische Schüler, der an der Kreuzgasse sein Abitur ablegte, war Moses Heimann Bier aus Deutz im Jahre 1836. Eine Kopie seines Zeugnisses hat sich im Aufsatz von Ernst Löwenthal erhalten.

In den Schulakten und den jährlich publizierten Jahresabschlussberichten der Schule vor 1933 finden sich die Bezeichnungen „katholisch“, „evangelisch“ und „israelitisch“, nicht dagegen „jüdisch“. Dies zeigt die schon seit der Gründung der Schule strikte religiöse Sachlichkeit: das neutralen Adjektiv „israelitisch“ setzte neue Maßstäbe und knüpfte auch sprachlich nicht an die Verfolgung jüdischer Gemeinden durch Christen im Mittelalter an.

Die aktuellen Recherchen ergaben, dass in der Zeit von 1900 bis 1935 mindestens 400 Schüler aus israelitischen Kölner Familien die Kreuzgasse besuchten, die Jahrgänge seit 1880 einbezogen mehr als 600 Schüler. Die Erinnerung an die religiöse Toleranz der Kreuzgasse beinhaltet aber auch die Erkenntnis, dass diese Toleranz mit dem Beginn der NS-Herrschaft und der Gleichschaltung im NS-Staat ab 1933 fast sang- und klanglos verschwand. Genauso wie in der Weimarer Republik im Großen versagten die bürgerlichen Eliten in Köln und in der Kreuzgasse auch im Kleinen und boten keinen ausreichenden demokratisch-bürgerlichen Widerstand gegen den aggressiven rassistisch-antidemokratischen Nationalsozialismus.

Von den oben genannten 500 ehemaligen Schülern aus israelitischen Familien wurden mehr als 50 – oft mit ihrer ganzen Familie – in Konzentrationslagern ermordet oder in den Tod getrieben. Erinnerungskonzept Das Erinnerungskonzept der Kreuzgasse setzt sich seit 2010 zum Ziel, die Tradition weltanschaulicher Liberalität der Kreuzgasse vor 1933 zurück ins Gedächtnis der Schulgemeinde und Öffentlichkeit zu rufen und zugleich an diejenigen ehemaligen Schüler zu erinnern, die nach 1933 dann Opfer rassistischer Verfolgung wurden, da sie aus jüdischen Familien stammten.

Mit dem Beginn der NS-Herrschaft wurde die Kreuzgasse wie alle übrigen Schulen auch schnell und ohne Widerstand von Seiten der Betroffenen gleichgeschaltet. Dies bedeutete für Schüler aus jüdischen Familien, dass viele von ihnen die Schule vorzeitig verlassen mussten, rassistisch verfolgt wurden, so dass sich viele Familien entweder dafür entschieden, mit der ganzen Familie aus Deutschland zu fliehen oder doch wenigstens die Kinder in Internate ins Ausland zu geben. Viele der in Deutschland gebliebenen ehemaligen Schüler der Kreuzgasse, aber auch einige derjenigen, die ins Exil geflüchtet waren, wurden später ermordet.

Die individuellen Schicksale der verfolgten Schüler, soweit sie sich aus den vorhandenen Quellen erschließen lassen, werden unter der Fragestellung „Was konnte jüdischen Kölnern passieren, die ab 1933 im NS-Regime verfolgt wurden?“ im Geschichtsunterricht der Stufen 9 im Rahmen eines Projekttages behandelt werden. Durch das gemeinsame Band der Schulzugehörigkeit der heutigen Schüler und Schülerinnen mit den Opfern, die ebenfalls die Kreuzgasse besuchten, kann nicht nur eine persönliche Betroffenheit entstehen, sondern auch eine kritische Auseinandersetzung damit, wie eine vormals demokratische Gesellschaft die Zerstörung ihrer Grundlagen hinnimmt und was das in der Folge dann für diejenigen bedeutet, die nicht mehr integriert sind.

Ein weiteres Ziel ist die namentliche Erinnerung an die Opfer, soweit möglich auch mit persönlichen Informationen über das Leben vor der Verfolgung, über die Familie, die individuellen Interessen, dann aber auch über ihr persönliches Schicksal, geprägt durch Flucht, Vertreibung und tödlicher Bedrohung. Damit soll die endgültige Auslöschung der jüdischen Persönlichkeiten, wie sie das NS-Regime geplant hatte, verhindert werden: Die Opfer wurden zwar ermordet, die Menschen sollen aber nicht vergessen werden.

Die Schule während des Zweiten Weltkrieges und der Aufbaujahre In der Nacht vom 29. auf den 30. Juni 1943 brannte das Schulgebäude nach einem Bombenangriff aus. Zwei Schüler der Brandwache verloren in dieser Nacht ihr Leben: Anno Klinkenberg und Paul Erpenbach. Der stellvertretende Anstaltsleiter Josef Sauer schildert die Situation, basierend auf der Erzählung der Hausmeisterfamilie, in einem späteren Bericht wie folgt:

Bis zum Zusammenbruch des Schulsystems 1944 fand der Unterricht zunächst in der Schule Dagobertstraße statt, anschließend in den Räumen der Oberschule in der Gyrhofstraße. Am 26. November 1945 wurde der Schulbetrieb mit 330 Schülern wieder aufgenommen, die Schulform der „Deutschen Oberschule“ aus dem Nationalsozialismus wurde abgeschafft, und das Gymnasium erhielt von da an den Namen Städtisches humanistisches Gymnasium in der Kreuzgasse zu Köln. Da es nach wie vor an einem Schulgebäude mangelte, fand der Unterricht vorerst im Erzbischöflichen Irmgardis-Gymnasium Köln statt.

Die Schule bis zur Gegenwart Der Stadtrat Kölns beschloss 1953, ein neues Schulgebäude im Inneren Kölner Grüngürtel anzulegen. Am 11. Februar desselben Jahres wurde der Grundstein des heutigen Gebäudes gelegt. Trotz des neuen Standortes behielt die Schule ihren traditionsträchtigen Namen bei. Neben den 600 Schülern der Kreuzgasse kamen auch die Schüler des 1954 neu gegründeten Elisabeth-von-Thüringen-Gymnasium sowie die Schüler des 1956 wiedergegründeten Schiller-Gymnasiums vorerst in dem Neubau unter. 1958 folgten eine Turnhalle und ein Sportplatz mit einer 400-m-Laufbahn, einem Ascheplatz und einer Weitsprunggrube. Im Jahr 1963 fand unter der Leitung des Architekten Karl Hell ein weiterer Schulausbau statt, der die heutige Aula mit ihren 770 Plätzen, einen Musiksaal, naturwissenschaftliche Fachräume sowie einen Verwaltungstrakt enthält. Mit diesem letzten Ausbau der Schule nach zwölf Jahren des Planens und Bauens endete der Ausbau der Schulgebäude vorerst.

War das humanistische Gymnasium Kreuzgasse zuvor eine reine Jungenschule gewesen, so wurde es 1970 erstmals Mädchen ermöglicht, die Schule zu besuchen. Dem Jahrgang 1970/71 war es auch das erste Mal möglich, den bilingualen deutsch-französischen Zweig zu wählen.

1985 wird die Schule ein letztes Mal um einen Neubau mit moderneren naturwissenschaftlichen Fachräumen für die Fächer Biologie, Chemie, Physik und Informatik, einer Brücke, die den Alt- und Neubau verbindet, sowie einer in drei Teile gliederbare größere Sporthalle erweitert. Somit endet der Ausbau an Gebäuden der Kreuzgasse nach 16 Jahren bis heute.

1998 wird es den Schülern, die den bilingualen Zweig deutsch-französisch einschlagen, ermöglicht, die Allgemeine Hochschulreife gleichzeitig mit dem französischen Baccalauréat zu erwerben.

Gebäude Quatermarkt vor Gründung der Schule Das ehemalige Patrizierhaus, das durch die Stadt erneut erbaut wurde, stand am noch heute existierenden Quatermarkt, in unmittelbarer Nähe zur Pfarrkirche Alt St. Alban. Es besaß Kreuzfenster im Saal der oberen Etage; die Außenmauer war durch Zinnen abgeschlossen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude baufällig, weswegen es einschließlich des Hauses des Münzmeisters 1827 abgerissen wurde.

1828–1868–1943 Bei der Gründung der Höheren Bürgerschule 1828 entschied sich die Stadt, die Schule auf dem Gelände des ehemaligen Quatermarktshauses und des danebenliegenden Hauses des städtischen Münzmeisters anzulegen.

Der Neubau von 1868 entstand auf dem Grundstück des bis 1804 bestehenden Kreuzbrüderklosters. Es war im Zuge der Säkularisation von den Franzosen aufgehoben und dann abgerissen worden. Erbaut wurde die Schule nach Plänen des Stadtbaumeisters Johann Peter Weyer. Sie bestand aus einem Hauptgebäude mit den Klassenräumen sowie einem Nebenbau, in dem der Direktor wohnte. Zum Neubau in der Kreuzgasse heißt es in einem Verwaltungsbericht der Stadt: