mini|Standort Düsseldorf Die BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, kurz BDO, ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Hamburg, das betriebswirtschaftliche Prüfungen (insbesondere Abschlussprüfungen) durchführt und prüfungsnahe Dienstleistungen sowie Steuerberatung, wirtschaftsrechtliche Beratung und Unternehmensberatung anbietet. Es ist hinter den sogenannten Big Four die fünftgrößte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Deutschland.
BDO ist Gründungsmitglied im internationalen Netzwerk BDO Global. Dieses Netzwerk ist in 169 Ländern und Hoheitsgebieten mit mehr als 90.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (sowie mehr als 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Alliance Firms) und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2024/2025 (inklusive der Alliance Firms) einen Umsatz von 16 Mrd. USD (Stichtag: 30. September 2025).
Organisation und Profil Die BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist das Mutterunternehmen des BDO-Konzerns. In ihren Konzernabschluss werden weitere 15 Gesellschaften einbezogen. Daneben ist sie an fünf weiteren Gesellschaften beteiligt (Stand: 30. Juni 2023).Jahres- und Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.07.2022 bis zum 30.06.2023 der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. In: Bundesanzeiger, 20. September 2024 (siehe die Website unternehmensregister.de). BDO betreibt in Deutschland 28 Niederlassungen (Stand: Dezember 2024).Liste der Standorte, abgerufen am 10. Dezember 2024.
BDO gliedert seine Tätigkeiten in vier Geschäftsbereiche:Angaben nach Homepage der Website, abgerufen am 16. Dezember 2024. Audit & Assurance (Prüfung und prüfungsnahe Dienstleistungen) Tax & Legal (Steuern und Recht) Advisory (Beratung) Business Services Outsourcing (Übernahme von Aufgaben im Rechnungswesen und in der Personalwirtschaft)
Neben den vier klassischen Geschäftsbereichen mit dem Kernsegment Wirtschaftsprüfung hat das Unternehmen auch Kompetenz in Transformationsthemen aufgebaut und gefördert, insbesondere bei Künstlicher Intelligenz,Tax & Audit-News: Deloitte, BDO, EY. In: Finance+, 20. Juli 2023. Digitalisierung, Cyber Security und Nachhaltigkeit.Falk Sinß: Exklusive Analyse: So viel verdienen die Big Four im Non-PIE-Segment. In: Finance+, 13. August 2024. So beraten BDO-Experten für Cyber Security präventiv und reaktiv;Andreas Schulte: Berater im Abwehrmodus. In: Handelsblatt (Beilage Spezial: Unternehmensberater), 4. Juli 2024. das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik listet die BDO-Gesellschaft für Cyber-Sicherheit als qualifizierten APT-Response-Dienstleister auf. Im Bereich Sustainability hat das Unternehmen ebenfalls Personal und Kapazitäten aufgebaut; es ist in entsprechenden Themengebieten beratend und prüfend tätig, auch bei den erweiterten Berichtspflichten durch die Europäische Union (CSRD) und ähnlicher Vorgaben.Sabine Reifenberger: „Vielzahl an FAQ ist eine Herausforderung“. In: Börsen-Zeitung, 28. August 2024.
Das Unternehmen kooperiert mit Hochschulen und Universitäten. An der Universität Osnabrück beteiligt sich die BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beispielsweise zusammen mit einem weiteren Unternehmen an der Forschung zu Innovationen in der Wirtschaftsprüfung. Im Jahr 2024 stiftete das Unternehmen eine Professur zur „Digitalen Prüfungsunterstützung und Datenanalyse in der Wirtschaftsprüfung“ an der Technischen Hochschule Deggendorf. Ab 2025 fördert das Unternehmen Projekte des Studiengangs Wirtschaftsrecht der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung mit 10.000 Euro. Ziel ist es, studentische und lehrergänzende Projekte zu ermöglichen.Hochschule HTWG. Spende von 10.000 Euro für Wirtschaftsrecht. In: Südkurier, 08.11.2024, S. 19.
BDO-Mitarbeiter sind zudem als Fachautoren tätig, so zum Beispiel zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, Jens Freiberg, Andrea Bruckner (Hrsg.): Corporate Sustainability. Kompass für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. 3. Auflage, Haufe. Freiburg etc. 2024, ISBN 978-3-648-18130-0. zu den International Financial Reporting StandardsNorbert Lüdenbach, Wolf‑Dieter Hoffmann, Jens Freiberg: Haufe IFRS-Kommentar Das Standardwerk. 22. Auflage. Haufe. Freiburg etc. 2024, ISBN 978-3-648-17007-6. oder zum Wandel der Wirtschaftsprüfung.Jens Freiberg, Nora Otte, Katharina Yadav (Hrsg.): Wirtschaftsprüfung im Wandel. Relevanz von Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Regulierung für die geprüfte Finanzberichterstattung. Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2022, ISBN 978-3-7910-5532-9.
Geschichte Von der Gründung bis 1933
Das Unternehmen wurde am 28. Februar 1920Reinhard Pöllath: HO, HHO + BDO, BDF: gute Herausforderungen, überall, in China, digital, international. In: Jens Freiberg, Nora Otte, Katharina Yadav (Hrsg.): Wirtschaftsprüfung im Wandel. Relevanz von Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Regulierung für die geprüfte Finanzberichterstattung. Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2022, S. 163–167, hier S. 164, ISBN 978-3-7910-5532-9. von Max M. Warburg und Paul von Mendelssohn-Bartholdy als Deutsche Waren-Treuhand-Aktiengesellschaft (DWT) gegründet. Zu den Teilhabern zählten neben den durch die Gründer vertretenen Banken weitere im Auslandsgeschäft tätige Bank- und Handelshäuser wie Joh. Berenberg, Gossler & Co., Conrad-Hinrich-Donner, A. Levy & Co. oder Sal. Oppenheim.Gründung einer Treuhand-Gesellschaft. In: Hamburger Fremdenblatt, 28. Februar 1920. Digitalisat im Pressearchiv 20. Jahrhundert (siehe Weblinks). Ziel war die Förderung des nach dem Ersten Weltkrieg darniederliegenden Außenhandels durch „Sicherung von Warenkrediten, insbesondere von ausländischen Rohstoffveredelungskrediten“.Gesellschaftsvertrag von 1920, digitalisiert im Pressearchiv 20. Jahrhundert (siehe Weblinks). Den Vorstandsvorsitz der DWT übernahm August Lattmann., abgerufen am 14. August 2024. Bereits zum Jahresende 1920 war das neue Unternehmen in Berlin und Frankfurt am Main vertreten.Bericht zum Geschäftsjahr 1920, digitalisiert im Pressearchiv 20. Jahrhundert (siehe Weblinks).
Ab Mitte der 1920er Jahre betätigte sich die DWT in einem zweiten Geschäftsfeld: in der Buchprüfung und Revision. Im Sommer 1932, nachdem deutschen Aktiengesellschaften und Kommanditgesellschaften auf Aktien, ausgelöst durch Banken- und Firmenzusammenbrüche in der Weltwirtschaftskrise, im September 1931 per Notverordnung die Pflicht zur unabhängigen Prüfung von Jahresabschlüssen auferlegt wurde,Zu ihrer Genese Ute Pothmann: 75 Jahre Wirtschaftsprüfer im IDW. Rückblicke. IDW Düsseldorf 2007, S. 9–12 und S. 15. zählte die DWT zu den ersten Gesellschaften, die als Wirtschaftsprüfer zugelassen wurden.Klaus-Peter Naumann, Melanie Sack: Zur strategischen Aufstellung größerer mittelständischer Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. In: Jens Freiberg, Nora Otte, Katharina Yadav (Hrsg.): Wirtschaftsprüfung im Wandel. Relevanz von Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Regulierung für die geprüfte Finanzberichterstattung. Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2022, S. 169–188, hier S. 169, ISBN 978-3-7910-5532-9. In diesen Jahren erwarb sich die DWT Spezialkenntnisse durch umfangreiche Abwicklungs- und Sanierungsaufträge beispielsweise zur Frankfurter Allgemeinen Versicherungs-AGZur Relevanz des Zusammenbruchs der Frankfurter Allgemeinen Versicherungs-AG für die Etablierung der Wirtschaftsprüfung in Deutschland siehe oder zu den Fürst Pleß’schen Vermögenswerten.Ansprache von Hans-Heinrich Otte beim Festakt am 14. Juli 1995. Abgedruckt in: BDO Deutsche Warentreuhand Aktiengesellschaft, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft: Bei uns hat Zukunft Tradition: 75 Jahre BDO Deutsche Warentreuhand Aktiengesellschaft im Wandel der Zeit 1920–1995, Hamburg 1995, S. 22–35, hier S. 24 f. ISBN 978-3-00-000069-0.
NS-Zeit Unmittelbar nach Machtantritt der Nationalsozialisten wurde die DWT zum Ziel antisemitischer Boykott-Aktionen, weil zu ihren Gründern Juden zählten. Die Kampagne führte zu deutlichen Umsatz- und Gewinneinbußen. Die als Juden angegriffenen Aufsichtsräte Fritz M. Warburg und Paul von Mendelssohn-Bartholdy legten ihre Aufsichtsratsmandate Anfang 1934 nieder.Zur Ausgrenzung von Juden aus der Wirtschaftsprüfung siehe Ute Pothmann: 75 Jahre Wirtschaftsprüfer im IDW. Rückblicke. IDW Düsseldorf 2007, S. 42. Das Bankhaus Mendelssohn & Co. machte den Vorschlag, Eduard Hamm und Wilhelm Kiesselbach zu ihren Nachfolgern zu wählen, was auch geschah. In den Folgejahren zog das Geschäft wieder an, dabei nahm die Bedeutung von Wirtschaftsprüfungen zu. Ein Luftangriff auf Hamburg führte im Sommer 1943 zum Verlust der Firmenzentrale; Buchhaltung und Revision wurden anschließend nach Schlesien verlegt.
Von der Währungsreform bis Ende der 1960er Jahre 1948 erfolgte eine Neuordnung der Eigentumsverhältnisse, teilweise als Restitution organisiert: 50 Prozent der Anteile gingen an die Warburg Bank, 25 Prozent übernahm eine Finanzierungs- und Beteiligungsgesellschaft, die restlichen 25 Prozent hielten die DWT-Vorstände. Mit der Währungsreform belebte sich das Geschäft, zum einen, weil die Unternehmen Dienstleistungen für die notwendigen Schlussbilanzen in Reichsmark und Eröffnungsbilanzen in DM nachfragten; zum anderen, weil in Westdeutschland anschließend das Wirtschaftswunder begann. Dabei machte sich in den 1950er Jahren der Bedarf nach Unternehmensberatung bemerkbar, zudem der nach Steuerberatung, für die die DWT 1954 die Zulassung erhielt. Waren-Treuhandschaften nahmen jedoch ab, denn Banken drängten in das Warenkredit-Geschäft.
Anfang der 1960er bis Ende der 1980er Jahre Das Unternehmen verfolgte seit den 1960er Jahren drei Ziele: Internationalisierung, Wachstum und Wahrung der Eigenständigkeit. Eine zentrale Rolle spielte dabei Hans-Heinrich Otte, von 1969 bis 1992 Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, dann bis 2006 Aufsichtsratsvorsitzender.Professor Otte gestorben. In: Lübecker Nachrichten, 22. März 2020.
1963 begann die Internationalisierung des Geschäfts durch einen noch eher lockeren Zusammenschluss mit vier Unternehmen aus den Vereinigten Staaten, Kanada, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich – die Binder Seidman International Group. Zehn Jahre später wurde daran anknüpfend und die Zusammenarbeit vertiefend die Binder Dijker Otte & Co. gegründet, die nach und nach dazu überging, das internationale Geschäft der Partnerunternehmen unter dem BDO-Label abzuwickeln.Neue Strategie für die Nummer 9 in der Wirtschaftsprüfung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. November 1988.
Innerhalb Deutschlands wuchs das Unternehmen auch deshalb, weil es immer wieder Wettbewerber übernahm.Siehe beispielsweise die Meldung BDO/DWT-Gruppe vergrößert ihr Netz. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Oktober 1989. Dabei handelte es sich um kleinere und größere (wie 1981 die Kontinentale Treuhandgesellschaft mbH in Düsseldorf)Wirtschaftsprüfer rücken weiter zusammen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. August 1980. und zum Teil um solche mit besonderer Branchen-Expertise wie 1985 die Dr. Lauter & Fischer GmbH (Gesundheitswesen) und die Dr. Schneider GmbH (Krankenkassen). Um vor Übernahmeversuchen durch angloamerikanische Wirtschaftsprüfer geschützt zu sein, nutzte Hans-Heinrich Otte Klauseln der 1986 in Kraft getretenen Änderungen im Bilanzrichtlinien-Gesetz. Es schrieb vor, dass nur noch Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Anteile an Wirtschaftsprüfungsunternehmen besitzen durften.Gesetz zur Durchführung der Vierten, Siebenten und Achten Richtlinie des Rates der Europäischen Gemeinschaften zur Koordinierung des Gesellschaftsrechts (Bilanzrichtlinien-Gesetz – BiRiLiG) vom 19. Dezember 1985, publiziert im Bundesgesetzblatt am 24. Dezember 1985.Ute Pothmann: 75 Jahre Wirtschaftsprüfer im IDW. Rückblicke. IDW Düsseldorf 2007, S. 90. Die Warburg Bank veräußerte ihr Anteilspaket. Otte wurde zum Ankeraktionär.
Seit der Wiedervereinigung