Abū ʿAbd Allāh Muhammad ibn ʿUmar Fachrad-Dīn ar-Rāzī al-TabaristaniIbn Challikan. Wafayat Al-a'yan Wa Anba' Abna' Al-zaman. Translated by William MacGuckin Slane. (1961) Pakistan Historical Society. pp. 224. (; * 1149 in Rey, Seldschuken-Reich (heute Iran); † 1209 in Herat, heute Afghanistan) war ein bedeutender persischer Richard Maxwell Eaton, The Rise of Islam and the Bengal Frontier, 1204-1760, University of California Press, 1996, 29 Shaikh M. Ghazanfar, Medieval Islamic Economic Thought: Filling the Great Gap in European Economics, Routledge, 2003 () sunnitischer Theologe und Philosoph und Universalgelehrter. Seine Werke umfassen Schriften zur Medizin, Physik, Astronomie, Literatur, Geschichte und Rechtswissenschaft.
Biographie Faḫr ad-Dīn ar-Rāzī gilt als einer der umfassendsten und vielseitigsten Gelehrten der islamischen Tradition. Seine Bedeutung liegt nicht nur in seinem berühmten Korankommentar, sondern auch in seiner breiten Gelehrsamkeit in den überlieferten, rationalen und philosophischen Wissenschaften. Seine Gelehrtenpersönlichkeit erscheint so vielschichtig, dass sie selbst in seinem großen Korankommentar nur ausschnitthaft fassbar ist. Der Kommentar wird daher als schwer zugänglich kritisiert, weil er Exegese, Philosophie und verschiedene Wissenschaftsgebiete miteinander verbindet. Letzteres wird von vielen als Hauptkritik seines berühmten Korankommentars genutzt.
In den Quellen wird als Geburtsort die Stadt Rayy genannt. Bekannt wurde er vor allem unter den Ehrennamen Faḫr ad-Dīn ar-Rāzī und al-Faḫr b. al-Ḫaṭīb; als kunya werden Abū ʿAbdallāh bzw. Abū l-Faḍl überliefert. Als besonders prägend gilt der Einfluss seines Vaters Ḍiyāʾ ad-Dīn, des „Predigers von Rayy“, von dem er seine erste wissenschaftliche Ausbildung, seine sprachliche Gewandtheit und seine frühe Hinwendung zum Kalām erhalten haben soll.
Ar-Rāzīs Bildungsweg war stark durch Reisen geprägt. Seine erste Reise führte ihn nach Ḫwārazm, wo er mit muʿtazilitischen Vertretern in Glaubensdebatten geriet und das Gebiet schließlich verlassen musste. Um 580/1184 reiste er nach Buḫārā und traf unterwegs den Arzt ʿAbd ar-Raḥmān b. ʿAbd al-Karīm as-Saraḫsī, bei dem er zeitweise in Saraḫs verweilte. Danach gelangte er nach Buḫārā, wo er seine Auseinandersetzungen unter anderem mit ar-Rāḍī an-Naisābūrī fortsetzte. Weitere Stationen waren Samarqand, Ḫudschand, Banākat, Ġazna und Teile Indiens. Später wurde er von bedeutenden Herrschern aufgenommen und geehrt, bevor er sich schließlich in Herāt niederließ.
In wissenschaftlicher Hinsicht erscheint ar-Rāzī als Gelehrter von außerordentlicher intellektueller Weite. Besonders hervorgehoben wird seine Stellung im Kalām, den er als die vornehmste Wissenschaft betrachtete. Zugleich verfügte er über tiefgreifende Kenntnisse in Philosophie, Logik, Disputationslehre, uṣūl al-fiqh und weiteren Disziplinen. Seine Reisen gelten dabei als wichtiger Motor seiner intellektuellen Reifung.
Ar-Rāzī wird außerdem als streitbarer, jedoch nicht engstirniger Denker beschrieben. Ihm werden profunde Kenntnisse der Lehren und Methoden verschiedener islamischer Gruppen zugeschrieben. Er kritisierte etwa aš-Šahrastānī, wenn er dessen Darstellung der Sekten für methodisch unzuverlässig hielt, und blieb auch gegenüber al-Ġazālī in einzelnen Fragen kritisch. Ebenso setzte er sich intensiv mit philosophischen Autoren wie Ibn Sīnā, al-Fārābī und Abū Sahl al-Masīḥī auseinander.
Sein Ruf in der Gelehrtenwelt war scheinbar außerordentlich hoch. Seine Ideen und Schriften verbreiteten sich bereits zu Lebzeiten weit. Autoritäten wie al-Qifṭī, Ibn Ḫaldūn und Ibn Ḫallikān würdigten ihn als herausragenden Gelehrten seiner Epoche, besonders in den rationalen Wissenschaften, der Theologie, der Logik und der Disputation. Manche betrachteten ihn sogar als den Erneuerer (mudschaddid) des 6. islamischen Jahrhunderts.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen ar-Rāzīs Auseinandersetzungen mit religiösen Gegnern, vor allem mit der Karrāmiyya. Diese Konflikte sollen so heftig gewesen sein, dass sogar seine Familie Ziel schwerer Vorwürfe wurde. Dennoch erscheint er nicht als wahlloser Polemiker. Er betrieb im Allgemeinen keine vorschnelle Exkommunikation (takfir) und zeigte gegenüber vielen theologischen und philosophischen Gegnern eine vergleichsweise breite Toleranz. Gegen bāṭinische bzw. ismailitische Deutungen wandte er sich jedoch ausdrücklich.
Ar-Rāzī soll von mittlerer Gestalt, etwas korpulent, mit langem Bart, eindrucksvoller Stimme und würdevoller Erscheinung gewesen sein. Zugleich wird eine asketische und fromme Seite hervorgehoben. Trotz dieser Frömmigkeit erscheint er als selbstbewusster Gelehrter, der seine Überzeugungen offen vertrat.
Für die letzten Lebensjahre wird berichtet, dass ar-Rāzī, obwohl er anfangs arm gewesen sei, später durch Zuwendungen von Herrschern zu Wohlstand gelangte. Zwei Söhne, Ḍiyāʾ ad-Dīn und Šams ad-Dīn, hätten sich ebenfalls den Wissenschaften gewidmet; außerdem wird eine Tochter erwähnt. Als Todesdatum wird der erste Tag des Ramaḍānfestes 606/1210 genannt. Es wird überliefert, dass die Karrāmiyya ihn vergiftet hätten, ohne dass sich dies bestätigen lässt.
Werke Berichten zufolge hat ar-Rāzī über 200 Werke verfasst; jedoch sind nicht alle erhalten geblieben, und einige der ihm zugeschriebenen Schriften stammen nachweislich nicht von ihm. Als seine wichtigsten Werke gelten die folgenden:
Mafātīḥ al-ġayb (مفاتيح الغيب) al-Mabāḥiṯ al-mašriqiyya (المباحث المشرقية) al-Maṭālib al-ʿāliya (المطالب العالية) al-Muḥaṣṣal (محصل أفكار المتقدمين والمتأخرين) Kitāb al-Arbaʿīn fī uṣūl ad-dīn (كتاب الأربعين في أصول الدين) Asās at-taqdīs (أساس التقديس) Maʿālim uṣūl ad-dīn (معالم أصول الدين) Lawāmiʿ al-bayyināt (لوامع البينات) ʿIṣmat al-anbiyāʾ (عصمة الأنبياء) Iʿtiqādāt firaq al-muslimīn wa-l-mušrikīn (اعتقادات فرق المسلمين والمشركين) al-Manṭiq al-kabīr (المنطق الكبير) Šarḥ al-Išārāt wa-t-tanbīhāt (شرح الإشارات والتنبيهات) al-Mulaḫḫaṣ fī l-ḥikma wa-l-manṭiq (الملخص في الحكمة والمنطق) al-Maḥṣūl fī uṣūl al-fiqh (المحصول في أصول الفقه) al-Kāšif ʿan uṣūl ad-dalāʾil (الكاشف عن أصول الدلائل) Nihāyat al-ʿuqūl (نهاية العقول) Ḥudūṯ al-ʿālam (حدوث العالم) Munāẓarāt (المناظرات) ʿAǧāʾib al-Qurʾān (عجائب القرآن) Nihāyat al-īǧāz fī dirāyat al-iʿǧāz (نهاية الإيجاز في دراية الإعجاز)
Sein wohl berühmtestes und zugleich bedeutendstes Werk ist sein großer Korankommentar, der „Mafātīḥ al-ġayb“ (مفاتيح الغيب).Aus den Datierungen am Ende einiger Suren sowie aus dem zuletzt im Zusammenhang mit der Sura al-Fatḥ genannten Jahr 603 (1206–1207) lässt sich erschließen, dass das Werk in den letzten Lebensjahren des Autors verfasst wurde. Faḫr ad-Dīn ar-Rāzī erklärt selbst, dass sein Ziel beim Verfassen dieses Werkes darin bestand, Angriffe auf den Qurʾān mithilfe rationaler Prinzipien und argumentativer Methoden abzuwehren, die Beweise für den islamischen Glauben zu stärken und gegensätzliche Auffassungen zu widerlegen.
In seinem Kommentar verbindet der Autor die Methoden von Überlieferung (riwāya) und rationaler Analyse (dirāya). Dabei greift er in großem Umfang auf vernunftbasierte Argumentationen zurück, um überlieferte Inhalte durch logische Beweise zu untermauern, und vertieft diese häufig durch philosophische Diskussionen.
Es wird zudem berichtet, dass der Tafsir in einer Lebensphase entstanden sei, in der ar-Rāzī eine stärkere Neigung zum Sufismus (tasawwuf) entwickelte. Entsprechend finden sich zahlreiche mystische Deutungen und Bewertungen im Werk. Dabei wird hervorgehoben, dass er mitunter aus einzelnen Worten eines Verses unerwartete symbolische Bedeutungen ableitet und sogar aus Versen, die von Sufis sonst nicht als Beleg herangezogen werden, Argumente zugunsten mystischer Interpretationen erschließt.
Mit diesem Werk übte Faḫr ad-Dīn ar-Rāzī einen nachhaltigen Einfluss auf die spätere Gelehrsamkeit aus. Insbesondere wurde es zu einer zentralen Grundlage für diejenigen Qurʾānexegeten, die die dirāya-orientierte Tafsir-Methode anwenden.
Yavuz erwähnt, dass er sowohl in den Grundlagen (Usûl) als auch in den abgeleiteten Rechtsfragen (Fürûʿ) die schafiitische Rechtsschule verteidigte. Obwohl er der schafiitischen Schule angehörte, soll er dennoch dazu geneigt haben, Urteile nach dem offensichtlichen Wortlaut der religiösen Texte zu fällen und vertrat die Ansicht, dass der Koran nicht durch Analogieschluss (Qiyâs), sondern durch einzelne Überlieferungen (الخبر الواحد) Khabar al-Wâhid spezifiziert werden könne. Innerhalb der religiösen Wissenschaften sind die Bereiche, in denen ar-Râzî besonders hervorgetreten ist, die Koranauslegung (Tafsîr) und die Theologie (Kalâm). Râzî verfasste die meisten seiner Werke im Bereich des Kalâm. Seiner Auffassung nach ist die Theologie die edelste aller Wissenschaften.
Literatur Georges Anawati, Fakhr al-Din al-Razi, in: Encyclopaedia of Islam, 2. A., Bd. 2, 751-5. Öktem, Kamil: Faḫr ad-Dīn ar-Rāzīs Texthermeneutik : Sprache, Sprachphilosophie und Transzendenz in der sunnitischen Koranexegese, Dissertation, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, 2023, Berlin : De Gruyter, 2025, ISBN 978-3-11-914981-5
Weblinks
John Cooper: Fakhr al-Din al-Razi, Artikel in der Routledge Encyclopedia of Philosophy (engl.) Biographie (engl.)
Einzelnachweise
Kategorie:Islamischer Theologe (12. Jahrhundert) Kategorie:Islamischer Philosoph Kategorie:Koranexeget Kategorie:Schafiit Kategorie:Aschʿarīya Kategorie:Geboren 1149 Kategorie:Gestorben 1209 Kategorie:Mann