Der Lu Shan (; Pinyin: LúShān) ist ein Berg auf dem Gebiet der kreisfreien Stadt Lushan der Stadt Jiujiang in der chinesischen Provinz Jiangxi. Er ist einer der berühmtesten Berge in China und wurde von der UNESCO zum Welterbe und zu einem Global Geopark erkoren. Von der chinesischen Regierung wird er mit 5A in die höchste Kategorie touristischer Ziele eingestuft. Besonders gerühmt wird seine Landschaft als großartig (雄), überraschend (奇), gefährlich (险) und schön (秀). Seine vielfältige Landschaft und Schönheit gilt in China unter den berühmten Bergen als unübertroffen (匡庐奇秀甲天下). Bereits seit dem Altertum ist er ein wichtiges touristisches Ziel.

Der Lu Shan entstand während der Eiszeit im Quartär. Er befindet sich nördlich der Ebene von Poyang Hu, auf dem Südufer des Jangtsekiang, etwa 200 km südöstlich der Großstadt Wuhan und 100 km nördlich von Nanchang, der Provinzhauptstadt von Jiangxi. Seine Ausläufer erreichen nach Osten und Nordosten den größten Süßwassersee von China, den Poyang Hu. Der höchste Punkt des Berges ist der Hanyang-Gipfel (汉阳峰), 1474 Meter über dem Meeresspiegel. Da auch im Hochsommer die Temperatur auf dem Berg angenehm kühl bleibt, ist er ein beliebter Ort, um der Sommerhitze zu entkommen.

Der Lu Shan ist auch ein berühmter Kulturberg in China, er wird als eine Miniatur der chinesischen Landschaftskultur angesehen. Seit der Östlichen Jin-Dynastie haben viele berühmte Literaten, Mönche und Politiker hier Spuren hinterlassen. Es gibt über 4000 überlieferte Gedichte, die den Lu Shan beschreiben. Literaten, die großen Einfluss auf den Lu Shan als einen Kulturort haben, gab es bereits seit dem Altertum: Sima Qian, Tao Yuanming, Wang Xizhi, Huiyuan; während der Tang- und Song-Zeit waren es Bai Juyi, Li Bai, Su Shi, Zhu Xi und andere, in der Neuzeit sind es Chiang Kai-shek, Mao Zedong und andere.

In der Neuzeit fanden einige wichtige politische Ereignisse auf dem Lu Shan statt. Seit 1895 begannen Großbritannien, Frankreich, die USA und andere westliche Staaten auf dem Lu-Shan-Gebäude zu errichten. Sie hinterließen bis heute viele westliche Bauten, die den Ursprung der Stadt Guling bilden. Nach dem Nordfeldzug versammelte sich regelmäßig die gesamte Regierung der Republik China auf dem Lu Shan, um der Hitze in der Hauptstadt Nanjing zu entgehen. Lu Shan erlangte den Ruf der „Sommerhauptstadt“ (夏都). Im Juni 1937 kam Zhou Enlai als Abgesandter der Kommunistischen Partei Chinas zum Lu Shan, um mit Chiang Kai-Shek über eine Einheitsfront gegen die japanische Invasion zu verhandeln. Im Juli erklärte Chiang auf Lu Shan Japan den Krieg. In den Jahren 1959, 1961 und 1970 berief Mao Zedong drei Konferenzen mit hochrangiger Parteiführung und erweitertem Politbüro nach Lu Shan ein.

Namensherkunft mini|300px|Nordtor Der Name Lu Shan besteht aus zwei chinesischen Schriftzeichen. (Lu) benennt ein kleines, einfaches Bauernhaus mit Strohdach, (Shan) bedeutet Berg und wird allgemein in Namen als Kennzeichnung von Bergen benutzt. Lu Shan wurde erstmals in Shiji verwendet. Davor gab es keine schriftlichen Zeugnisse, jedoch ranken sich viele Legenden und mehr oder weniger begründete Theorien um diesen Namen.

Es sind drei Legenden im Umlauf: Zur Zeit der Zhou-Dynastie lebte im Berg ein Taoist, der nach dem Weg des ewigen Lebens suchte. Der König hörte davon und bat ihn zu sich, um die Welt regieren zu können. Der Taoist flüchtete jedoch vor dem Machthaber noch weiter auf den Berg und seine Spuren verloren sich. Später sagte man, dass er den göttlichen Weg gefunden hatte und in den Himmel gestiegen war. Deswegen nannte man den Ort, an dem er gewohnt hatte, das Haus eines Gottes (神仙之庐), woraus sich der Name Lu Shan bildete. Zur Zeit der Zhou-Dynastie war Laozi hier um zu meditieren. Später erlangte er den göttlichen Weg und stieg in den Himmel; nur das Haus, in dem er meditiert hatte, blieb zurück. Von daher kam der Name Lu Shan. Als Liu Bang die Han-Dynastie schuf hatte er viele Helfer, einer davon starb nach der Errichtung der Kaiserdynastie. Um seine Hilfe zu belohnen, gab der Kaiser seinem Sohn das Amt des Herrn von Yue Lu (越庐君). Der Sohn jedoch liebte den Taoismus mehr als sein Amt, also trat er zurück, um Taoismus zu studieren, und so ergab sich der Name Lu Shan.

Das Studium von Schriften ergab die Möglichkeit, dass der Name von der Form des Berges hergeleitet wurde: Lu Shan befand sich auf der Ebene um Poyang Hu, er sah aus wie eine Hütte in einem Reisfeld. Unter den kleinen Festliedern im Buch der Lieder kommt der Satz 中田有庐 (Zhong Tian You Lu, Mitten auf dem Feld steht eine Hütte) vor. Der Satz wird als Beschreibung der Form des Berges interpretiert. Im Loblied des Lu Shan (庐山赋) aus der Jin-Dynastie gab es ähnliche Beschreibung (寻阳郡南有庐山,九江之镇也,临彭蠡之泽,持平敝之原). Deswegen ist heute die Mehrheit der Wissenschaftler der Meinung, dass der Name von der Form des Berges hergeleitet wurde. Eine Minderheit vertritt jedoch die These, dass er sich vom Namen eines kleinen Königreiches aus der Vorzeit ableitet. Im Guoyu wurde berichtet, dass zur Zeit der Frühlings- und Herbstannalen die Gegend Kreis Lu (庐邑) hieß. Da der König von Chu diesen Ort öfters besuchte, erlangte er mit der Zeit Bekanntheit und der markante Berg, der sich in dieser Gegend befand, erhielt den Namen Lu Shan.

126 v. Chr. besuchte der Historiker Sima Qian das Gebirge und schrieb in seinem Buch Shiji darüber (余南登庐山,观禹疏九江). Dies war das erste Mal, dass der Name in einem historischen Dokument auftaucht. Er wird seitdem bis heute benutzt.

Geologie 300px|mini|In Stein gemeißeltes Anerkennungsdokument als Geopark Geologisch gesehen ist der Lu Shan eine abgebrochene Formation. Seine Gesamtform sieht aus wie ein Bunker. Im Detail jedoch hat er zahlreiche Seen, Flüsse, Berggipfel und Hügel. Besonders auffällig sind Charakteristika wie Gletscher aus dem Quartär. Deswegen wurde er auch zum Weltgeopark ernannt. Die Bildung des Gebirgskörpers begann bereits vor einer Milliarde Jahren. Nach einer Serie von Gebirgsbildungen – wie zum Beispiel während der Ediacarium bei der Bildung des Lüliang Shans, während der Kreidezeit bei der Bildung der Yan-Gebirge, sowie vor 20 Millionen Jahren während der Gebirgsbildung des Himalaya – erhob sich der Lu Shan. Dabei brach das Gestein an mehreren Stellen. Während der quartären Eiszeit hob sich die Steinformation weiter nach oben, während das umliegende Land sank. Die dadurch gebrochenen Gesteinsformationen wurden von den Gletschern geteilt und bildeten die Gipfel, während zwischen ihnen steile Täler entstanden. An der Tiefebene bildete sich später Poyang Hu. Besonders im nördlichen Teil haben Faltungen unter Gletscherwirkung viele Steilhänge und Täler ausgebildet, was zur vielfältigen Landschaft des Lu Shans beigetragen hat.

Vor den 1930er Jahren verneinten westliche Wissenschaftler die eiszeitlichen Einflüsse am Lu Shan, ehe Li Siguang diese These widerlegte. Nach Feldforschungen schlussfolgerte Li 1931, dass am Lu Shan zahlreiche Gletscherspuren festzustellen seien. Dadurch wurde bewiesen, dass der Lu Shan durch die Gletscher des Quartärs geformt wurde. Ferner konnte Li belegen, dass während der quartären Eiszeit die Gletscher des Lu Shans sich in den umliegenden Tiefebenen ausbreiteten, so dass der Lu Shan in der Tat das Zentrum jener Eiszeit in China war. Heute kann man auf dem Lu Shan viele sehr typische Gletscherhinterlassenschaften besichtigen. Seine einzigartige geologische Formation war ausschlaggebend dafür, dass er zum Weltgeopark auserkoren wurde.

Die UNESCO erkannte den Lu Shan 2004 als einen der ersten Global Geoparks an.

Geologiemuseum Um die geologische Forschung sowie die Entstehung der ungewöhnlichen Landschaft dem Publikum näherzubringen, wurde 1984 die ehemalige Villa von Mao zum Geologischen Museum des Lu Shan umgebaut. Das Museum hat vier Ausstellungsräume. Neben umfangreichen Gesteinsproben beherbergt das Museum viele Dokumente. Außer erziehender Wissensvermittlung bietet es Forschern und Instituten Daten als Forschungsmaterial.

Geographie Der Lu Shan befindet sich südlich des Jangtsekiang, am Ufer des Poyang-Sees. Auf seiner westlichen Seite verlaufen die Beijing-Kowloon-Eisenbahn sowie die Fuzhou-Yinchuan-Autobahn. Die Bergkette erstreckt sich vom Nordosten nach Südwesten. Die Gesamtfläche des Bergmassivs beträgt 282 Quadratkilometer, die Fläche des Landschaftsparks beträgt 302 Quadratkilometer, darum herum befindet sich noch eine 500 Quadratkilometer große Schutzzone. Das Gebirge ragt fast senkrecht aus der Ebene hervor. Die höchste Stelle ist der Hanyang-Gipfel (1474 m). Nahe dem Gipfel gibt es zwei seichte Täler mit klaren Bächen und schöner Landschaft, in denen die Stadt Guling entstand. 76,6 % der Fläche des Bergmassivs ist bewaldet. Er bildet einen „natürlichen botanischen Garten“. Der Lu Shan wird oft von Nebel umhüllt. Der Dichter Su Shi aus der Song-Dynastie beschrieb ihn mit („Du erkennst die wahre Gestalt des Lu Shan nicht, weil Du Dich inmitten des Gebirges befindest“). Neben Mogan Shan, Beidaihe und Jigong Shan gilt der Lu Shan als einer der vier idealen Orte in China, um der Sommerhitze zu entkommen.

Klima und Hydrographie mini|links|300px|Der Lulin Hu ist der Haupttrinkwasserspeicher des Bergmassivs. Der Lu Shan befindet sich in der subtropischen Monsunzone, hat sehr hohe Regenmengen und ein sehr ausgeprägtes Gebirgsklima. In Guling beträgt die Jahresdurchschnittstemperatur 11,6 °C. Dies ist um 5 bis 6 Grad niedriger als in den umgebenden Ebenen. Der Juli ist der heißeste Monat mit einer Durchschnittstemperatur von 25,6 °C. Die höchste jemals gemessene Temperatur ist 32 Grad. Dies ist bei weitem niedriger als in der Stadt Jiujiang. Deswegen ist der Lu Shan ein berühmter Ort, um der Sommerhitze zu entkommen. Der Winter auf dem Lu Shan ist etwa zwei Monate länger als in der Ebene. Dazu gibt es oft Schnee. Der Januar ist der kälteste Monat, die Durchschnittstemperatur beträgt −2,9 °C, die Rekordtemperatur beträgt −16,8 °C. Wegen seiner dichten Pflanzenbedeckung und hohen Verdunstungsrate sowie der niedrigen Temperatur ist die Feuchtigkeit auf dem Massiv sehr hoch. Deswegen gibt es auf dem Massiv oft Nebel und starken Wind. Im Jahresdurchschnitt ist die Bergkette 200 Tage von Nebel verhüllt und in durchschnittlich 100 Tage gibt es starken Wind.

Der Lu Shan befindet sich im Einzugsbereich des Jangtsekiang und gehört auch zum Einzugsbereich des Poyang Hu. Obwohl er keine großen Flüsse vorzuweisen hat, gibt es sehr viel Grundwasser, dazu hat er viele Bäche. Durch die Steilhänge finden sich an seinen Flanken ebenso zahlreiche Wasserfälle. Der berühmte Sandiequan-Fall () hat eine Fallhöhe von 155 Meter. Der Tang-Dichter Li Bai beschrieb ihn mit dem Satz („Der fliegende Strom fällt dreitausend Chi“). Die durchschnittliche Niederschlagsmenge auf dem Berg wird mit 2068,1 mm angegeben, wobei sie sich maßgeblich auf die Monate Mai bis Juli konzentriert. Der größte See des Bergmassivs, der Lulin Hu, befindet sich in 1040 m Höhe. Er ist ein künstlicher See, der durch einen im Jahr 1954 gebauten Damm aufgestaut wurde. Seine Fläche beträgt 90.000 Quadratmeter, und er besitzt eine Speichermenge von 1,2 Millionen Kubikmetern. Er ist der Haupttrinkwasserspeicher der Bergbewohner.

Boden und Flora mini|300px|Bewaldeter Berghang Unterhalb von 400 Meter Höhe besteht der Boden hauptsächlich aus rötlicher Erde, zwischen 400 und 1200 Metern ändert sich die Farbe des Erdbodens zu bräunlichen und gelblichen Tönen, oberhalb von 1000 Meter gibt es hauptsächlich braune Erde.