Die Iserlohn Roosters (, ) sind eine Eishockeymannschaft aus der Stadt Iserlohn in Nordrhein-Westfalen, die im Jahr 2000 entstanden ist und seitdem kontinuierlich in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), der höchsten deutschen Spielklasse, antritt. Ihr Stammverein ist der im Jahr 1994 gegründete Iserlohner Eishockey Club (kurz: IEC), aus dem sie nach dem Erwerb der DEL-Lizenz ausgegliedert wurde. Zunächst als Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) geführt, besteht das Unternehmen seit Anfang 2018 in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft (GmbH & Co. KG).

Die Ursprünge des Clubs liegen im EC Deilinghofen (ECD), der im Jahr 1959 in Deilinghofen, einem heutigen Ortsteil der Nachbarstadt Hemer, gegründet worden war. Der ECD verlegte seinen Spielbetrieb 1971 in die Eissporthalle Iserlohn, die auch heute noch, seit 2022 unter dem Namen „Balver Zinn Arena“, als Spielstätte dient. Der Verein wurde im Jahr 1979 in ECD Iserlohn umbenannt und nach einer Insolvenz 1988 als ECD Sauerland neu gegründet, der bis zu einem weiteren Konkurs 1994 bestand. Die Vereinsfarben sind blau-weiß.

Geschichte Vereinslose Zeit (vor 1959) mini|Gedenkstein des Royal Regiment of Canadian Artillery an die Zeit der Stationierung von 1953 bis 1970

Die Anfänge des Eishockeysports im Sauerland gehen auf die Stationierung kanadischer Soldaten in Deilinghofen nach dem Ende des Koreakriegs im Jahr 1953 zurück. Schon wenige Monate später errichteten sie in ihrer Kaserne, dem Fort Prince of Wales, eine Kunsteisbahn, um Eishockey spielen zu können. Nachdem zunächst nur kanadische Zuschauer zugelassen worden waren, luden die Soldaten ab Mitte der 1950er Jahre immer häufiger auch Anwohner aus Deilinghofen ein, die Spiele von der Tribüne aus zu verfolgen.

Die Jugendlichen des Dorfes interessierten sich schnell für diesen ihnen unbekannten Sport und ahmten das Spiel der Kanadier auf zugefrorenen Teichen oder auf der Straße nach. Dafür sammelten sie die Schläger, die den Kanadiern kaputt gegangen waren und spielten damit. Teilweise nahmen sie auch Spazierstöcke zum Spiel. 1957 erlaubten die Soldaten den deutschen Jugendlichen erstmals die Nutzung der Eisbahn. Einmal wöchentlich, immer am frühen Sonntagmorgen, trainierten rund 15 Deilinghofer im Alter von 14 bis 18 Jahren für jeweils zwei Stunden auf der Eisfläche. Voraussetzung war, dass die Spieler die Eisfläche am Vorabend selber herrichteten. Die Streitkräfte stellten zunächst wechselnde Trainer und später mit Charles McCuaig einen kontinuierlich mit der Mannschaft arbeitenden Coach bereit.

Parallel verfolgten die Jugendlichen Pläne, im „Kanu-Segel-Club Hemer“ eine Eishockey-Abteilung zu gründen. Dieses Vorhaben scheiterte aber unter anderem am fehlenden Versicherungsschutz. Dennoch fand am 8. März 1958 das erste Spiel einer Deilinghofer Mannschaft gegen ein kanadisches Nachwuchsteam aus Soest statt. Die Ausrüstung war eine kanadische Leihgabe. Vor 120 Zuschauern brachte Bernd Jacob die Heimmannschaft in Führung, die bis weit ins zweite Drittel anhielt. Am Ende mussten sich die Deilinghofer der erfahrenen kanadischen Mannschaft aber mit 2:6 geschlagen geben.

Nach der Sommerpause wurde der Spielbetrieb intensiviert. Die Jugendlichen trafen dabei im Winter 1958/59 erstmals auch auf deutsche Jugendmannschaften. Auch das Interesse der Bevölkerung wuchs merklich. Ein Spiel gegen den Nachwuchs des TuS Eintracht Dortmund zum Beispiel verfolgten rund 1000 Zuschauer.

EC Deilinghofen (1959–1979) Vereinsgründung und Anfänge in der Jugendliga In den Weihnachtsferien 1958/59 baten drei der Spieler ihren ehemaligen Lehrer Hanskarl Franke um Unterstützung bei der Gründung eines eigenen Vereins. Nach weiteren Vorbereitungen, unter anderem mussten Erwachsene zur Besetzung der Vorstandsämter gefunden werden, fand am Abend des 28. Februar 1959 im Gasthof Sonneborn die Gründungsversammlung statt. 17 Jugendliche und sieben Erwachsene hoben den „Eishockeyclub Deilinghofen“ (ECD), der Name war schon bei den inoffiziellen Spielen der vorangegangenen Monate genutzt worden, aus der Taufe. Sieben weitere Jugendliche konnten nicht an der Gründungsversammlung teilnehmen, bekundeten aber schon am Tag zuvor ihre Zustimmung. Unter den Gründungsmitgliedern waren mit Bernd Jacob, Reinhard Kasper, Ekke Lindermann, Klaus Neugebauer, Jörg Schauhoff, Karl-Friedrich Schauhoff und Gerd Schulte sieben Spieler, die im Verlauf der Jahre mit dem ECD bis in die zweithöchste deutsche Spielklasse aufstiegen.

Zum Zeitpunkt der ECD-Gründung gab es in ganz Deutschland nur 49 Vereine mit Eishockey-Abteilungen, von denen allerdings längst nicht alle auch am Spielbetrieb teilnahmen. In Nordrhein-Westfalen war der ECD der neunte Eishockeyverein, doch die meisten von ihnen lagen im Rheinland. In Westfalen wurde zu dieser Zeit nur beim TuS Eintracht Dortmund Eishockey gespielt. Mit Unterstützung von Preussen Krefeld wurde in den folgenden Wochen die Satzung erarbeitet und der ECD trat dem Landeseissportverband NRW bei.

Wegen des heißen und trockenen Sommers 1959 konnte die Eisfläche in Deilinghofen erst Ende Oktober erstmals aufbereitet werden. Die Vorbereitung auf die erste Saison im Ligenspielbetrieb fand daher überwiegend auf Straßen und Plätzen im Dorf statt. Da viele Spieler des ECD parallel auch Mitglieder beim Turnverein Deilinghofen und dem SV Deilinghofen 08 waren, konnten sie sich durch Leichtathletik und Fußball fit halten. Einmal wöchentlich erteilte ihnen Trainer Charles McCuaig zudem Regelkunde.

Saison Liga Platzierung Endrunde Platzierung 1959/60 Landes-Jugendliga NRW 2 Deutsche Meisterschaft 5 1960/61 Landes-Jugendliga NRW 1 Deutsche Meisterschaft 2

Mit einem Auswärtsspiel in Krefeld startete der ECD in die Landes-Jugendliga NRW. Trotz aller Nervosität – von der sich sogar der Busfahrer anstecken ließ und nach einer Irrfahrt mitten auf einer Rheinbrücke in Düsseldorf wenden musste – gewann die Mannschaft vor 80 mitgereisten Fans aus Deilinghofen gegen Preussen Krefeld mit 3:2. In den folgenden Wochen gewann der ECD vier der fünf Heimspiele und wies auch auswärts eine positive Bilanz auf, sodass das Team hinter dem Krefelder EV auf Anhieb den zweiten Platz belegte. Der noch junge Verein gewann mit seinen Erfolgen schnell viele Fans. Den 4:0-Sieg beim letzten Heimspiel gegen den Kölner EK verfolgten rund 4000 Zuschauer. Durch den zweiten Platz in der Jugendliga NRW war der ECD für die deutsche Jugendmeisterschaft 1960 in Köln qualifiziert, bei der die Mannschaft das selbst auferlegte Ziel, nicht Letzter zu werden, durch einen Erfolg über den Berliner Schlittschuhclub erreichte.

Nach den ersten Erfolgen vermuteten auswärtige Sportbegeisterte Deilinghofen meist in Bayern, wo Eishockey stärker verbreitet war. Um das Missverständnis auszuräumen, wurde im Vorfeld der Saison 1960/61 der Zusatz „Sauerland“ in den Vereinsnamen aufgenommen. In Deilinghofen selbst rief die Euphorie um den ECD im Übrigen auch Neider hervor: Die Verantwortlichen des Fußballvereins SV Deilinghofen 08 verhängten im Mai 1960 ein Spielverbot gegen die Spieler, die parallel auch dem Eishockeyclub angehörten und deshalb im Winter nicht mehr zur Verfügung standen.

In der Spielzeit 1960/61 dominierte der ECD die NRW-Jugendliga, obwohl nur neun Spieler zur Verfügung standen. Nach neun Siegen in zehn Spielen war das Team dieses Mal als einziger Vertreter aus NRW erneut für die Endrunde der deutschen Meisterschaft qualifiziert. Nach Erfolgen gegen den EC Bad Tölz, VfL Bad Nauheim, SC Brandenburg und Mannheimer ERC wurde der ECD hinter dem EV Füssen, dem man sich im direkten Duell mit 1:8 deutlich geschlagen geben musste, Deutscher Jugendvizemeister. Nach der Rückkehr wurde die Mannschaft von etwa 2000 Fans am Bahnhof Hemer empfangen und euphorisch gefeiert. Fünf ECD-Spieler wurden aufgrund des Erfolges bei den deutschen Jugendmeisterschaften in die deutsche Jugendnationalmannschaft berufen und nahmen an zwei Länderspielen in der Schweiz teil.

Der unerwartete Erfolg und die ungewöhnliche Beziehung zwischen den ausländischen Streitkräften und der deutschen Bevölkerung lösten ein bundesweites Medienecho aus. Die Zeitung Die Welt widmete den Sauerländern einen längeren Artikel, in dem die junge Mannschaft als „Kanadier aus dem Sauerland“ betitelt wurde. Der WDR nahm ein Hörspiel über den ECD und das Leben in Deilinghofen auf. Das Magazin Stern entsandte einen Fotografen zum Training.

Einstieg in den Seniorenbereich und Aufstieg in die Oberliga Saison Liga Platzierung Relegation Platzierung 1961/62 Gruppenliga Nord 1 Oberliga-Aufstiegsrunde 4 1962/63 Gruppenliga Nord 1 Oberliga-Aufstiegsrunde 2 1963/64 Gruppenliga Nord 1 Oberliga-Aufstiegsrunde 4 1964/65 Gruppenliga Nord 2 Oberliga-Aufstiegsrunde 2 1965/66 Oberliga 8 nicht ausgetragen – 1966/67 Oberliga Nord 4 Oberliga-Qualifikationsrunde 2 1967/68 Oberliga Nord 4 Bundesliga-Qualifikationsrunde 6 1968/69 Oberliga Nord 2 Bundesliga-Qualifikationsrunde 4 1969/70 Oberliga Nord 1 Bundesliga-Qualifikationsrunde 6

Weil die Spieler allmählich zu alt für die Jugendliga geworden waren, stieg der ECD in der Saison 1961/62 in den Seniorenbereich ein. Mit dem neuen Coach Victor Leury ging die Mannschaft in der Gruppenliga an den Start. Einige Spieler, die schon in den beiden Jahren zuvor zu alt für die Jugendmannschaft waren, verstärkten den Kader. Zudem wechselte mit Karl-Heinz Muus aus Dortmund erstmals ein auswärtiger Spieler nach Deilinghofen. Das Team startete mit einem zweistelligen Sieg in die neue Spielzeit. Beim 11:2 gegen den Essener RSC erzielten allein die Schauhoff-Brüder, die als stärkste Akteure der Anfangsjahre galten, zusammen sechs Tore. Der ECD sammelte in der Nordgruppe im Laufe der Saison 19 von 20 möglichen Punkten. Das einzige Unentschieden der Spielzeit sorgte als „Schlacht am Pferdeturm“ für Schlagzeilen: Beim Auswärtsspiel gegen die RESG Hannover kam es zu Prügeleien unter den Fans und auf den Parkplätzen um das Stadion wurden die Autos der rund 500 mitgereisten Deilinghofer beschädigt. In der Aufstiegsrunde traf der ECD erneut auf Hannover sowie auf die beiden stärksten Mannschaften der Südgruppe, den EV Pfronten und den TSV Holzkirchen. Mit fünf Punkten aus sechs Begegnungen belegten die Deilinghofer den letzten Platz.

Dass der Aufstieg in die Oberliga so deutlich verpasst wurde, sorgte bei Fans und Verantwortlichen für Enttäuschung. In Alfons Sebastian Maier, dem Direktor der Iserlohner Brauerei, fand sich ein Unterstützer, der für die Saison 1962/63 nicht nur finanziell neue Möglichkeiten eröffnete, sondern auch aktiv bei der Spielersuche in seiner bayerischen Heimat unterstützte. Über Zeitungsannoncen und Jobangebote in der Brauerei holte er mit Josef Machenschalk vom ESV Kaufbeuren und Kurt Lammert vom Mannheimer ERC unter anderem zwei Spieler mit Bundesliga-Erfahrung zum ECD, die dem Verein über Jahre erhalten blieben. Der ECD wurde erneut souverän Erster der Nordgruppe, scheiterte aber wie im Vorjahr in der Aufstiegsrunde. Ein ähnliches Bild ergab sich im dritten Anlauf in der Spielzeit 1963/64: Auf überlegene Erfolge in der Hauptrunde folgten enttäuschende Leistungen in der Aufstiegsrelegation, sodass erste Experten den Verein als „unaufsteigbar“ betitelten.

Im vierten Jahr in der Gruppenliga, der Saison 1964/65, gab es mit dem Kölner EK erstmals einen Verein, der mit dem ECD nicht nur mithalten, sondern ihn auch übertrumpfen konnte. Als Tabellenzweiter erreichten die Deilinghofer zwar abermals die Aufstiegsrunde, machten sich jedoch auch in Hinblick auf die als stark eingeschätzten Gegner aus der Südgruppe, den EV Rosenheim und den Augsburger EV, wenig Hoffnungen auf die Qualifikation für die Oberliga. Das änderte sich schlagartig, als das Team mit einem Sieg gegen Rosenheim und einem Unentschieden gegen Augsburg von der Auswärtstour nach Bayern zurückkehrte. Nach zwei Heimsiegen gegen Köln und Rosenheim stand der Aufstieg schließlich fest.

mini|Schild auf dem Gelände der ECD-Erinnerungsstätte in Hemer-Deilinghofen