miniatur|Blick auf Plankstadt von Südwesten miniatur|Plankstadt und Umgebung 1907
Plankstadt (, kurpfälzisch: Plankschd) ist eine Gemeinde im Rhein-Neckar-Kreis im Nordwesten von Baden-Württemberg. Zur Gemeinde Plankstadt gehören außer dem gleichnamigen Dorf keine weiteren Ortschaften. Der rund 10.000 Einwohner zählende Ort wurde 771 erstmals erwähnt und gehörte jahrhundertelang zur Kurpfalz.
Geographie Lage und Naturraum Plankstadt liegt in der Metropolregion Rhein-Neckar in der Oberrheinischen Tiefebene auf dem südwestlichen Neckarschwemmkegel auf einer fast ebenen Gemarkung ohne größere Erhebungen. Aufgrund des fruchtbaren Bodens wurde der letzte Wald bereits zur Mitte des 19. Jahrhunderts gerodet, um das Land zu bewirtschaften.
Das Gemeindegebiet erstreckt sich über 839 Hektar. Davon sind 29,4 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche und 70,2 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt.
Nachbargemeinden Direkt angrenzende Nachbargemeinden sind Schwetzingen im Westen, Heidelberg mit der Gemarkung Grenzhof im Norden, Eppelheim im Osten, nochmals Heidelberg mit Patrick-Henry-Village im Südosten und Oftersheim im Süden. Für ca. 200 m gibt es auch eine gemeinsame Grenze mit Mannheim am Dossenwald in Richtung des Stadtteils Friedrichsfeld im Nordwesten.
Geschichte Eine erste Siedlung wird für die Zeit um 500 n. Chr. vermutet. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 771 im Lorscher Codex unter der Bezeichnung Blanckenstat. Im Codex sind zahlreiche weitere Urkunden über Schenkungen in Plankstadter Gemarkung an das Kloster Lorsch aufgeführt.Ortsliste zum Lorscher Codex, Plankstadt, Archivum Laureshamense – digital, Universitätsbibliothek Heidelberg. Die nächsten schriftlichen Belege stammen aus dem 13. Jahrhundert. Für das Jahr 1256 wird der Pfalzgraf als Besitzer des Dorfes vermerkt. Drei Jahre später, 1259, ging der Grundbesitz durch Geschenk des Wormser Bischofs Eberhard I. mehrheitlich an das Zisterzienser-Kloster Schönau über.Adolph Köllner: Geschichte der Herrschaft Kirchheim-Boland und Stauf, Wiesbaden, 1854, S. 88; (Digitalscan) Die Mönche versuchten die Bewohner umzusiedeln und ein isoliertes Klostergut zu errichten, scheiterten aber am jahrelangen Widerstand der Bevölkerung. 1296 wurde die Gemeinde Plankstadt gebildet und gelangte wieder zur Kurpfalz, in der sie zur Kirchheimer Zent gehörte.
1462 wurde das Dorf im Zuge der Schlacht bei Seckenheim, einem kriegerischen Ereignis im Rahmen der Mainzer Stiftsfehde, niedergebrannt. Auch der Dreißigjährige Krieg und andere Auseinandersetzungen hinterließen ihre Spuren in der Gemeinde. Für die nächste Zerstörung trug der französische Feldherr und General Mélac die Verantwortung. Im Pfälzer Erbfolgekrieg fiel 1689 ein Großteil der Region, darunter das Heidelberger Schloss, seinen Truppen zum Opfer. 1803 wurde die Kurpfalz aufgelöst, und Plankstadt gelangte zu Baden, wo es dem Amt Schwetzingen zugeordnet wurde. 1924 erfolgte die Einteilung zum Amtsbezirk Mannheim, dem späteren Landkreis Mannheim.
1895 vernichtete ein Brand einen halben Straßenzug. Noch größer war die Brandkatastrophe fünf Jahre später, der mehr als 60 Gebäude in drei Straßen zum Opfer fielen. Das Geschehen erregte landesweite Aufmerksamkeit. Innenminister August Eisenlohr besichtigte die Brandstätte und Großherzog Friedrich spendete für das Hilfskomitee für die Brandgeschädigten.
Politisch war seit der Reichsgründung 1871 rasch das Zentrum die stärkste Strömung in Plankstadt. Es konnte seine Vormachtstellung bis zum Ende der Weimarer Republik behaupten. Bei der Reichstagswahl 1933 erhielt das Zentrum 36,3 Prozent, die NSDAP 35,7 Prozent und die KPD 16,9 Prozent der Stimmen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Gemeinde mehr als 1000 Heimatvertriebene auf. Im Jahr 1971 konnte Plankstadt sein 1200-jähriges Jubiläum feiern. Als bei der Kreisreform 1973 der Landkreis Mannheim aufgelöst wurde, wurde Plankstadt in den Rhein-Neckar-Kreis integriert. Bei der parallel durchgeführten Gebietsreform gab es zunächst Pläne, eine große Verwaltungseinheit mit Schwetzingen, Brühl, Ketsch, Oftersheim und Plankstadt zu bilden. Nachdem dies verworfen worden war, sollten Oftersheim und Plankstadt nach Schwetzingen eingemeindet werden. Letztlich konnte Plankstadt aber seine Selbständigkeit behaupten.
Einwohnerstatistik Jahr 1439 1577 1777 1834 1875 1905 1925 1950 1961 1967 1970 1980 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2020 EinwohnerEinwohnerzahlen bis 1967: Kreisbeschreibung Bd. 3, S. 760. 125 220 380 1.123 2.532 2.766 5.303 7.294 7.905 8.784 9.050 8.977 9.652 9.744 9.599 9.548 9.685 10.176 10.362
Konfessionsstatistik Mit Stand 31. Dezember 2003 waren von den 9.288 Einwohnern 37,4 % (3.476) evangelisch, 40,6 % (3.769) der Einwohner römisch-katholisch, und 22,0 % gehörten entweder einer anderen Religion an oder waren konfessionslos. Die Zahl der Protestanten und vor allem die der Katholiken ist seitdem gesunken. Gemäß dem Zensus 2011 waren 34,7 % der Einwohner evangelisch, 36,1 % römisch-katholisch, und 29,2 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Plankstadt Religion, Zensus 2011.
Politik miniatur|Das Rathaus von Plankstadt miniatur|Freiwillige Feuerwehr im Gemeindezentrum am Marktplatz miniatur|hochkant|Gemeindewappen am Rathaus (über Haupteingang) miniatur|Wegweiser auf dem Marktplatz Nachbarschaftsverband Plankstadt gehört dem Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim an, der für die Erstellung des regionalen Flächennutzungsplans zuständig ist.
Gemeinderat Der Gemeinderat in Plankstadt besteht aus den 22 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 PL Plankstadter Liste e. V. 45,16 10 35,4 8 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 30,22 7 30,5 7 GLP Grüne Liste Plankstadt 16,14 3 18,0 4 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 8,48 2 14,1 3 gesamt 100,0 22 100,0 22 Wahlbeteiligung 65,35 % 63,8 %
Seit Juni 2021 gibt es in Plankstadt zudem einen Jugendbeirat.Plankstadter Jugendbeirat ist nun gegründet. Schwetzinger Zeitung, 29. Juni 2021, abgerufen am selben Tage.
Bürgermeister Der Bürgermeister wird in direkter Wahl für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Seit dem 1. Oktober 2016 ist Nils Drescher Bürgermeister von Plankstadt.
Bisherige Amtsinhaber:
1894–1901: Friedrich Treiber 1901–1918: Peter Helmling 1919–1928: Ludwig Ahlheim 1928–1933: Peter Helmling 1933–1945: Valentin Treiber 1945–1946: Georg Gerlach (kommissarisch) 1946–1948: Karl Eberwein 1948–1966: Georg Baust 1966–1992: Werner Weick 1992–2008: Wolfgang Huckele 2008–2016: Jürgen Schmitt seit 1. Oktober 2016: Nils Drescher
Wappen Die Blasonierung des Wappens lautet: In Blau ein glevenbesetztes silbernes Kreuz, belegt mit einer grünbesamten roten Rose mit grünen Kelchblättern, bewinkelt von vier fünfstrahligen goldenen Sternen.
Aus dem Jahre 1487 stammt der erste urkundliche Nachweis eines Gerichtssiegels aus dem sich das spätere Gemeindewappen ableitet, das 1896 vom badischen Generallandesarchiv vergeben wurde. Eine Bedeutung des Bildes ist nicht bekannt.
Die Flagge ist Weiß-Blau und wurde 1959 vom Innenministerium verliehen. Die Farben nehmen Bezug auf die kurpfälzisch-wittelsbachischen Farben.Herwig John, Gabriele Wüst: Wappenbuch Rhein-Neckar-Kreis. Ubstadt-Weiher 1996, ISBN 3-929366-27-4, S. 94
Gemeindepartnerschaften Seit 1981 besteht eine Partnerschaft zu Castelnau-le-Lez im Département Hérault (Frankreich). 2023 kam das italienische Argenta in der Emilia-Romagna hinzu.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
miniatur|Wasserturm und katholische Kirche Museen Plankstadt verfügt über ein Heimatmuseum.
Sehenswürdigkeiten Wasserturm Als Wahrzeichen der Gemeinde gilt der 1907 in Betrieb gegangene Wasserturm. Er diente bis 1981 der Wasserversorgung des Ortes, heute steht er unter Denkmalschutz.Ulf-Udo Hohl: Der Wasserturm – Das Wahrzeichen von Plankstadt. Website der Gemeinde Plankstadt, abgerufen am 5. Juni 2015 Nach einer 2014 abgeschlossenen Sanierung finden im Erdgeschoss in unregelmäßigen Abständen Kulturveranstaltungen statt.Harald Berlinghof: Kreiskulturwoche im sanierten Plankstädter Wasserturm. Rhein-Neckar-Zeitung, 12. Mai 2014, abgerufen am 5. Juni 2015
Vogelpark miniatur|Eingang zum Vogelpark Der Vogelpark zeigt seit 1967 exotische und einheimische Vogelarten in Gehegen: neben dem einheimischen Uhu, dem Weißstorch und Austernfischern gehören beispielsweise zahlreiche Papageienarten, Kanarienvögel und der Goldfasan zu den Bewohnern des Parks.Vogelparkplankstadt.de
Die Pflege und Unterhaltung des Parkes und seiner etwa 300 Bewohner obliegt dem Kanarien-, Exoten- und Vogelschutzverein 1961 Plankstadt. Der Eintritt ist frei, um Spenden für die Erhaltung des Parks und das Futter wird gebeten. Außerdem wird der Park durch den Verkauf von Nachzuchten teilfinanziert.
Baum- und Strauchlehrpfad Im Jahre 1989 wurde ein Baum- und Strauchlehrpfad eingerichtet, der sich von der Gaststätte der Kleintierzüchter aus in nördlicher Richtung erstreckt. Er wurde seither kontinuierlich verlängert, so wird unter anderem jedes Jahr ein Exemplar des jeweiligen Baum des Jahres hinzugefügt. Mit Stand 2015 umfasst er insgesamt 52 Exemplare auf einer Länge von 450 Metern.Carina Troll: Welt jenseits von Thuja und Zypresse. Schwetzinger Zeitung, 26. Mai 2015, abgerufen am 5. Juni 2015
miniatur|Motivwagen der Landjugend Schwetzingen beim Backenbläserumzug am 15. Februar 2009
Regelmäßige Veranstaltungen Plankstadts Backenbläser-Fastnachtsumzug findet traditionell schon am Sonntag vor Fastnacht statt, wodurch auch viele Gruppen aus den Nachbargemeinden teilnehmen und sich auf ihre eigenen Umzüge einstimmen können, die zumeist neun Tage später am Fastnachtsdienstag stattfinden.
Freizeit Der größte Verein Plankstadts ist die TSG Eintracht Plankstadt. Er besteht aus Abteilungen für Turnen, Leichtathletik, Badminton, Fußball, Handball, Karate und Tischtennis.
Der Musikverein Plankstadt, der besser als BigBand MV Plankstadt bekannt ist, betreibt ein Programm von Tanzmusik bis zur BigBand-Musik.
Der Heimat- und Kulturkreis Plankstadt setzt sich für Erhalt und Pflege der einheimischen Kultur ein.
Außerdem gibt es in der Nähe der Weldebräu einen Dirt-Park, eine Strecke für Dirt Bikes, Mountainbikes und BMX-Fahrräder. Daneben existiert ein Streetpark, speziell für BMX-Räder. Hinter der Weldebrauerei liegt versteckt ein Jugendtreff, der von Dienstag bis Freitag geöffnet ist.
Der Sportverein Frei-Holz Plankstadt war in den 90er Jahren Sieger im Weltpokal im Kegeln.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Weldebräu
Wirtschaft Auf der Gemarkung Plankstadt sowie den Gemarkungen umliegender Gemeinden befand sich bis zu Beginn des Jahrtausends Deutschlands einziges größeres Anbaugebiet für Tabak. Die Bauernhöfe in Plankstadt und Umgebung fallen durch eine oder mehrere charakteristische Scheunenbauten auf, die früher zur Tabaktrocknung genutzt werden. In Plankstadt und umliegenden Gemeinden finden sich außerdem vereinzelt noch aktive Ackerbürger-Anwesen mit alten Tabaktrocknungsscheunen. Der Tabakanbau wurde infolge der geänderten EU-Förderrichtlinien (Wegfall der Subventionen) eingestellt. Die freiwerdenden Ackerflächen dienen jetzt vermehrt dem Anbau von Getreide und Hackfrüchten bzw. Sonderkulturen wie Mais und Spargel.