Der Begriff Zentralverwaltungswirtschaft (auch Zentralplanwirtschaft, Kommandowirtschaft, vage oft Planwirtschaft) bezeichnet eine Wirtschaftsordnung, in der wesentliche, wenn nicht alle Entscheidungen zur Zuordnung (Allokation) knapper Ressourcen wie Arbeit, Kapital und Boden zur Produktion von Gütern von einer zentralen Instanz getroffen werden. Die seit dem 18. Jahrhundert entstandenen Konzepte einer solchen Zentralverwaltungswirtschaft stehen im Gegensatz zur Marktwirtschaft, in der die Entscheidungsfindungen allen am Markt teilnehmenden Personen bei jeweiliger Eigenverantwortung obliegen (dezentral). Nach einer Hochphase im 20. Jahrhundert gibt es heutzutage nur noch wenige Länder mit dieser Wirtschaftsordnung.
Merkmale In einer idealtypischen Zentralverwaltungswirtschaft wird der Wirtschaftsprozess, also die Produktion und der Konsum von Gütern, vollständig von einer zentralen Instanz geplant. Im Gegensatz dazu erfolgt in einer idealtypischen Marktwirtschaft die Wirtschaftsplanung dezentral durch alle Marktteilnehmer, wobei Angebot und Nachfrage über den Preismechanismus gesteuert werden.
Der Begriff Planwirtschaft gilt zumindest im deutschsprachigen Raum als missverständlich, da auch in der Marktwirtschaft, etwa bei der Unternehmensplanung, geplant wird. Walter Eucken führte den Begriff Zentralverwaltungswirtschaft ein., Ausdruck „zentralgeleitete Wirtschaft“ (Eucken) bei Heinz Murmann Nach dem Eigentum an den Produktionsmitteln, staatlich oder privat, wird sozialistische Zentralverwaltungswirtschaft von kapitalistischer Zentralverwaltungswirtschaft unterschieden. Eine andere Einteilung ist Zentralverwaltungswirtschaft mit Privateigentum, insbesondere die Kriegsökonomie, Zentralverwaltungswirtschaft mit Gesellschaftseigentum, insbesondere die Rätedemokratie, und Zentralverwaltungswirtschaft mit Staatseigentum, insbesondere die staatssozialistische Zentralplanwirtschaft.Gabler Wirtschaftslexikon, 15. Auflage. 2000, ISBN 3-409-32998-6.
In der Realität entsprechen Volkswirtschaften keinem Idealtypus, eine Zuordnung kann daher nur graduell erfolgen. In der real existierenden Marktwirtschaft kann unternehmensinterne Planung bei entsprechender Marktbeherrschung Organisationsstrukturen und Merkmale haben, die eine Zentralverwaltungswirtschaft auszeichnen, vgl. Oligopol und Monopol. Ferner greift der Staat – in unterschiedlichstem Ausmaß – in die Mechanismen des Marktes ein, zum Beispiel durch Subventionen. Bei ausgeprägten staatlichen Eingriffen spricht man von gelenkter Volkswirtschaft oder Staatsinterventionismus, polemisch auch von „Planwirtschaft“;Thomas Petersen: „Stille Liebe zur Planwirtschaft“, faz.net, 27. November 2013. im Englischen wird dies auch als „Mixed Economy“ bezeichnet. Umgekehrt fanden oder finden sich auch in Zentralverwaltungswirtschaften marktwirtschaftliche Elemente, zu nennen sind die Neue Ökonomische Politik der Sowjetunion der 1920er Jahre, die sozialistische Marktwirtschaft im ehemaligen Jugoslawien und die Sonderwirtschaftszonen in der „Sozialistischen Marktwirtschaft mit chinesischen Merkmalen“ der Volksrepublik China. Die insbesondere durch Lenin ihre Bedeutung erhaltene marxistische Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus versucht eine Verschränkung von Wirtschaftsmonopolen mit Staatsapparaten insbesondere in kapitalistischen Zentren zu beschreiben, in denen zugleich ein Ansatzpunkt zur sozialistischen Umgestaltung ausgemacht wird. Umgekehrt dient der Begriff des Staatskapitalismus auch einer antikapitalistischen Kritik an den Wirtschaftssystemen im Realsozialismus. Theorien des staatsmonopolistischen Kapitalismus und des Staatskapitalismus überschneiden sich dabei zum Teil.
Grundlagen Allgemeine Bestimmung Die Zentralverwaltungswirtschaft basiert auf der Vorstellung, die Anpassung des Angebotes an die Nachfrage, die Verteilung von Ressourcen und von Investitionsgütern auf Produktionsbetriebe, die Produktion von Investitions- und Konsumgütern sowie die Verteilung der Konsumgüter könne durch eine zentrale Instanz koordiniert und reguliert werden. Als Instrument für die Abstimmung von Angebot und Nachfrage sowie der Ressourcenallokation dienen Planvorgaben.
Historische Vorläufer Die Vorstellung, es gebe eine Möglichkeit, Gesellschaften, ganze Staaten oder eine Weltgesellschaft zentral zu verwalten und/oder steuern, hat historische Vorläufer. Im bronzezeitlichen Mittelmeerraum gab es Palastwirtschaften. Platon schrieb über Staatsentwürfe und meinte, die Planung der gemeinsamen Bedarfe, der Produktion sowie die Organisation und Verteilung sollte die Aufgabe staatlicher Institutionen bzw. dazu beauftragter Personen sein. Als weitere Vorläufer werden oder wurden genannt Thomas Morus’ 1516 erstmals gedruckter Roman Utopia, Tommaso Campanellas La città del Sole (1623 erschienen) und Jean-Jacques Rousseaus auf einem Gesellschaftsvertrag basierende Staatsentwürfe (siehe Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes, 1762). Im Jahr 1800 publizierte Johann Gottlieb Fichte die Schrift Der geschlossene Handelsstaat, der eine planwirtschaftlich organisierten Staat mit hermetischen Außengrenzen postulierte.
Frühsozialismus Der britische Unternehmer und Frühsozialist Robert Owen versuchte mit der genossenschaftlich organisierten Kolonie New Harmony in Indiana (USA) ein nach bestimmten Idealen ausgerichtetes Wirtschaften in die Praxis umzusetzen.
Marxismus Im Marxismus wurde behauptet, das Fehlen einer Planung im Kapitalismus sei eine Anarchie der Produktion. Die Vorausplanung des gemeinsamen Bedarfs, der Produktion sowie die Organisation und Aufteilung sollte bei Karl Marx ein gemeinsamer Akt aller Gesellschaftsteilnehmer sein. Karl Marx und Friedrich Engels forderten im Revolutionsjahr 1848 im Manifest der Kommunistischen Partei die Verstaatlichung aller Produktionsmittel: „Das Proletariat wird seine politische Herrschaft dazu benutzen, der Bourgeoisie nach und nach alles Kapital zu entreißen, alle Produktionsinstrumente in den Händen des Staats, d. h. des als herrschende Klasse organisierten Proletariats, zu zentralisieren und die Masse der Produktionskräfte möglichst rasch zu vermehren.“Manifest der Kommunistischen Partei, MEW 4: 481 Unter anderem forderten sieKommunistisches Manifest „Zentralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol.“ „Zentralisation des Transportwesens in den Händen des Staats.“ „Vermehrung der Nationalfabriken, Produktionsinstrumente, Urbarmachung und Verbesserung aller Ländereien nach einem gemeinschaftlichen Plan.“
Karl Marx und Friedrich Engels, letzterer etwa in seiner 1880 erschienenen Schrift Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, grenzten sich vom utopischen Sozialismus ab, indem sie eine sozialistische Gesellschaftsordnung an bestimmte Voraussetzungen knüpften, die erst im Laufe der Geschichte heranreifen müssten. Sie sprachen dem Kapitalismus dabei die Mission zu, die Produktivkräfte so zu entwickeln, dass ein revolutionärer Übergang zu einer 'höheren Produktionsweise' möglich würde.
Das Kapital von Marx kann gedeutet werden als eine Kritik an Hegels Darstellung der bürgerlichen Gesellschaft mit Markt und Staat als „Ende der Geschichte“.Vgl. Richard B. Day, Vorwort zu Pavel V. Maksakovsky : The Capitalist Cycle – Translated with Introduction and Commentary by Richard B. Day. Boston, Leiden 2004. Hegel (1770–1831) war Philosoph und Idealist. Marx (1818–1883) meinte, die bürgerliche Gesellschaft komme mit Kapitalismus an ein Ende wegen Krisen und steigender Arbeitslosigkeit (Reservearmee zuzüglich einer größer werdenden „Lazarusschicht“, die keine Beschäftigung mehr findet), fallenden Profitraten; es gebe einen Widerspruch zwischen einer 'an sich gemeinschaftlichen Produktion' und privater Aneignung. Das Kreditwesen, der Handel mit Leih- und fiktivem Kapital, Aktiengesellschaften führten dazu, dass privat produziert werde ohne eine Kontrolle des Privatkapitals. Immer mehr Menschen würden Kapital einsetzen, das ihnen nicht gehört.gemeint: Spekulation auf Kredit Privateigentum und private Eigenverantwortung gerieten immer stärker in Widerspruch zur tatsächlich gemeinschaftlichen Arbeit, die zusammen mit der Produktivität gerade auch durch das Bankenwesen vorangetrieben werde. Aktiengesellschaften trügen der Gesellschaftlichkeit der Arbeit Rechnung, aber auf widersprüchlicher kapitalistischer Grundlage. Staatliche Einmischung werde angesichts der Zentralisation des Kapitals auf wenige Großkonzerne immer notwendiger, was als nächsten Schritt den Übergang von der kapitalistischen Produktionsweise zur „assoziierten Produktionsweise“ erfordere. Neben den kapitalistischen Aktiengesellschaften sieht Marx insbesondere Genossenschaften der Arbeiter, „Kooperativfabriken der Arbeiter“, als Vorstufen der „assoziierten Produktionsweise“.Vgl. Richard B. Day, Vorwort zu Pavel V. Maksakovsky : The Capitalist Cycle – Translated with Introduction and Commentary by Richard B. Day. Boston, Leiden 2004, sowie z. B. Das Kapital, Band III, 27. Kapitel, „Die Rolle des Kredits in der kapitalistischen Produktion“.
1940er Jahre Joseph Schumpeter kennzeichnete in seinem 1942 erschienenen Werk Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie die Vorteile einer sozialistischen Planwirtschaft im Fehlen störender Konjunkturzyklen, größerer Planungssicherheit der Betriebe und geringerer Arbeitslosigkeit. Diese Vorteile könnten ausgespielt werden, wenn die Wirtschaft zunehmend statisch würde, was nach Schumpeters Meinung damals der Fall gewesen sei. Zuvor, also in Zeiten dynamischer Wirtschaftsentwicklung, sei das kapitalistische System überlegen.
Unter dem Eindruck des New Deal und der kriegsbedingten zentralen Planung entwarf der in die Vereinigten Staaten emigrierte deutsche sozialdemokratische Soziologe Carl Landauer einen Entwurf über die mögliche Einführung einer „nationalen Planung“ in den USA.Carl Landauer (1944, zweite Auflage 1947): Theory of national economic planning. Berkeley, California.: University of California Press, 1947, 2. ed.
In der Erstausgabe der sozialistischen Zeitschrift Monthly Review legte Albert Einstein 1949 in einem Essay Why Socialism? („Warum Sozialismus?“) Gründe für Sozialismus dar. Die „Verkrüppelung der Individuen“ (crippling of individuals), besonders im Bildungssystem, hält Einstein für ein Übel des Kapitalismus, dem mit einer sozialistischen Wirtschaft zu begegnen sei, zusammen mit einem Bildungssystem, das auf soziale Ziele ausgerichtet sein müsste. Die Produktionsmittel wären im Besitz der Gesellschaft selbst (owned by society itself) und würden geplant eingesetzt (in a planned fashion). Einstein hält jedoch nicht jede Planwirtschaft für Sozialismus. Eine Planwirtschaft könnte auch zu einer völligen Versklavung der Individuen führen.Albert Einstein: Why Socialism? In: Monthly Review. 1949. Eine deutsche Übersetzung: Warum Sozialismus?
Wichtig ist hierbei jedoch, dass Planwirtschaft und Sozialismus zwei verschiedene Dinge sind, das erstere ist eine Wirtschaftsform, das zweite eine Gesellschaftsform, welche sich nach Karl Marx auf die Herrschaft des Proletariats bezieht. Dies soll die bürgerliche Staatsmacht brechen und die Produktionsmittel verwalten. Ziel soll das Sinnloswerden des Staates durch das Verschwinden der Klassen sein.
Beispiele für Zentralverwaltungswirtschaft Realsozialismus
Ein typisches Beispiel für eine zentral verwaltete Wirtschaftsordnung war die Zentralverwaltungswirtschaft der UdSSR und anderer realsozialistischer Staaten. Wesentliche Merkmale der Wirtschaft dieser Staaten waren staatliches Eigentum an Produktionsmitteln, die zentrale Steuerung des Wirtschaftsprozesses, die Festlegung von Preisen und Löhnen und ein staatliches Außenhandelsmonopol. Der Großteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche befand sich in genossenschaftlichem Besitz, wobei die Landwirtschaft aber genauso der staatlichen Planung unterstand.