Bruskowo Wielkie (deutsch Groß Brüskow, slowinzischIm Jahr 1867 gab es unter den Einwohnern des Kreises Stolp noch 188 Kaschuben in einigen Dörfern in der Nähe der Küstenseen und im Südosten (Groß Rakitt); vergleiche Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 127–128, Ziffer 4 (Google Books). Vjẽlħė Brȧ̃skɵvɵEintrag im „Slowinzischen Wörterbuch“ von Friedrich Lorentz. Zum System der Slowinzisch-Lautschrift von Lorentz, vgl. „Slowinzische Grammatik“, S. 13–16 (scan 40–43), anschließend die Lautlehre.) ist ein Dorf in der Gemeinde Redzikowo im Powiat Słupski (Stolper Kreis) der polnischen Woiwodschaft Westpommern.
Geographische Lage Das Kirchdorf liegt in Hinterpommern, etwa neun Kilometer nordwestlich von Słupsk (Stolp) am Groß Brüskower MoorG. Müller: Die Verbreitung der deutschen Torfmoore nach statistischen Gesichtspunkten dargestellt, in: Zeitschrift für praktische Geologie, Juni 1899, S. 193–206, insbesondere S. 199, Ziffer 12 (Google Books). (poln. Bruskowskie Bagno Nasze Miasto, W szarówce ku morzu. Kaczy Dołek i kopalnia torfu na szlaku, abgerufen am 1. Dezember 2025 ). Bei dem Dorf entsteht die Motz (Moszczenica), die bei Pieszcz (Peest) in die Wipper (Wieprza) mündet.
Charakteristisch für die ländliche Umgebung des Dorfs sind Weißstorch-Nester auf Hausdächern und Türmen sowie vereinzelte, rundliche Findlinge mit glatter Oberfläche, die aus dem Erdboden ragen.
Geschichte mini|Fachwerkhaus in Groß Brüskow mini|Dorfstraße von Groß Brüskow, vom Obergeschoss des Schulgebäudes aus gesehen (1942) Im Jahr 1536, kurz nach Einführung der Reformation in Pommern, befand sich das Dorf Brüskow im Besitz des Herzogs Barnim IX.Julius Theodor Bagmihl: Pommersches Wappenbuch. Band 3, Stettin 1847, S. 33. In preußischer Zeit war Groß Brüskow eines der achtzehn königlichen Dörfer des Stolper Amts.Anton Friedrich Büsching: Erdbeschreibung. Teil 8: Der obersächsische Kreis, Hamburg 1791, S. 786. Um 1768 gab es in Groß Brüskow 12 landwirtschaftliche Betriebe.Anton Friedrich Büsching: Magazin für die neue Historie und Geographie. Band 12, Halle 1778, S. 587, linke Spalte. Im 18. Jahrhundert gehörte zu Groß Brüskow ein 609 Morgen großes Vorwerk.Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführlich Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes der Königlich-Preußischen Provinz Vor- und Hinterpommern. II. Teil, 2. Band, Stettin 1784, S. 935, Nr. 2. 1784 gab es im DorfLudwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. II. Teil, 2. Band, S. 930, Nr. 3. sieben Bauern, einschließlich des Schulzen, drei Kossäten, acht Büdner, einschließlich des Schmieds, einen Schulmeister und einen Prediger. Bis zur Agrarreform am Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Bauern und Kossäten des Dorfs auf dem Vorwerk dienstpflichtig. Nach Durchführung der Agrarreform in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde das Vorwerk Groß Brüskow von der preußischen Regierung in Köslin zum Kauf angeboten.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Marienwerder. Band 19, 1829, S. 397–398.
Die Gemeindefläche war 1860 Hektar groß. Auf der Gemarkung der Gemeinde standen insgesamt 87 bewohnte Wohnhäuser an fünf verschiedenen Wohnplätzen:
In Dodow hatte es um 1800 eine Ziegelei gegeben.Friedrich Gottlob Leonhardi: Erdbeschreibung der Preußischen Monarchie. Band 3, Teil 2, Halle 1794, S. 894.Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Obersachsen und der Nieder- und Ober-Lausitz. Band 2, Ulm 1801, S. 765. Um 1935 hatte Groß Brüskow unter anderem zwei Gasthöfe, eine Niederlassung der Spar- und Darlehnskasse, zwei Gemischtwarenläden, eine Windmühle, eine Schmiede, zwei Stellmachereien, zwei Tischlereien, eine Viehhandlung und eine Ziegelei.Klockhausʼ Kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1929 (Google Books). Im Jahr 1939 wurden 154 Haushaltungen und 608 Einwohner gezählt.
Die Gemeinde hatte einen eigenen BürgermeisterVon 1937 an bis zum Kriegsende bekleidete der Landwirt Ernst Holtz das Amt des Bürgermeisters. ein Standesamt, eine Grundschule und einen evangelischen Pfarrer, der im Pfarrhaus wohnte. Groß Brüskow war der Wohnsitz der selbständigen regionalen Hebamme, der von der Verwaltung des Landkreises Stolp insgesamt elf Dörfer zur Betreuung zugewiesen worden waren.
Schräg gegenüber des Gehöfts des Bauern Holtz, an der Straßenseite des Schulgebäudes und nicht weit von diesem entfernt, stand ein Feuerwehr-Spritzenhäuschen, zu dem der Bürgermeister den Schlüssel hatte. Gelegentlich wurde das Spritzenhäuschen als vorübergehender Aufenthaltsraum für in Gewahrsam genommene Personen genutzt. Im Dorfkern war ein Löschteich.
Die Bevölkerung lebte hauptsächlich von Ackerbau und Viehzucht, in geringerem Maße auch von der Forstwirtschaft. Im 19. Jahrhundert waren Groß Brüskow und seine Nachbardörfer bekannt für ihren Flachsanbau.Mitteilungen der Gesellschaft zur Beförderung des Flachs- und Hanfbaues. Band 5, Berlin 1955, S. 34. Die Windmühle wurde zuletzt von dem Müller Jens betrieben, der mit seiner Familie bei der Mühle wohnte.
Die Landgemeinde Groß Brüskow gehörte vor 1945 zum Landkreis Stolp im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Groß Brüskow war Sitz des Amtsbezirks Groß Brüskow.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Groß Brüskow am 8. März 1945 kampflos von der Roten Armee eingenommen. Anfangs kam es zu zahlreichen Übergriffen gegenüber der Dorfbevölkerung. Am 30. März 1945 mussten die Brüskower ihr Dorf vorübergehend verlassen, da es innerhalb des sowjetischen Sperrgebiets an der Ostsee lag. Sie wichen nach Birkow und in andere Nachbarorte aus. Im Sommer 1945 wurde in Groß Brüskow eine sowjetische Kommandantur eingerichtet, der auch Birkow unterstand. Der neue Kommandant ließ die Felder bestellen und genehmigte das Abhalten von Gottesdiensten. Nachdem der sowjetische Kommandant mit seinen Soldaten nach Groß Massowitz im Landkreis Lauenburg i. Pom. abgezogen war, wurde der Ort der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Es trafen nun nach und nach polnische Zivilisten ein, von denen die einheimischen Dorfbewohner aus ihren Häusern und Gehöften gedrängt wurden und die ihr Eigentum beschlagnahmten. Es begann nun auch die Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner durch die polnische Administration: Am 24. August 1946 morgens um 5 Uhr wurde in einer Überraschungsaktion ein Teil der Dorfbewohner in den Saal des Gasthofs Strauß gebracht und am darauffolgenden Tag vom Bahnhof Stolp aus in Richtung Westen deportiert. Weitere Transporte folgten. Später wurden in der Bundesrepublik Deutschland 186 und in der DDR 188 aus Groß Brüskow vertriebene Dorfbewohner ermittelt.Karl-Heinz Pagel: Der Landkreis Stolp in Pommern. Zeugnisse seiner deutschen Vergangenheit. Lübeck 1989, S. 504 ( Ortsbeschreibung Groß Brüskow; PDF)
Zwischen 1975 und 1998 gehörte Bruskowo Wielkie zur Wojewodschaft Słupsk.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner Anmerkungen 1782 – Amtsdorf des königlichen Domänenamts Stolp, mit einem ritterfreien Vorwerk, sieben Bauernstellen, darunter der Schulze, drei Kossäten, acht Büdnern, darunter der Schmied, einem Schulmeister, einem Prediger, einer zur Stolper Synode gehörigen Mutterkirche und 21 Feuerstellen (Haushaltungen)Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführlich Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes der Königlich-Preußischen Provinz Vor- und Hinterpommern. II. Teil, 2. Band, Stettin 1784, S. 930–931, Ziffer 2 (Google Books), und S. 935, Ziffer 2 (Google Books). 1818 225 Kirchdorf, königliches AmtsdorfAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 1: A–F, Halle 1821, S. 189, Ziffer 5275 (Google Books).Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 272, Ziffer 2 (Google Books). 1832 290 Dorf, mit 43 Häusern und einer MutterkircheGeorg Friedrich Krause: Handbuch zu dem Atlas von Preußen in 27 Karten; oder: geographisch-statistisch-topographische Beschreibung der preußischen Mönarchie. Zweite Hälfte: Verzeichniß sämmtlicher Städte, Flecken, Dörfer, Weiler, Vorwerke etc. der Monarchie. Band I: A – E, Müller, Erfurt 1835, S. 446 (Google Books). 1852 297 PfarrdorfEduard Messow: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staates. Baensch, Magdeburg 1854, S. 98 ( Google Books). 1864 310 am 3. Dezember, GemeindebezirkKönigliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Köslin: 10. Kreis Stolp. Berlin 1866, S. 2–9, Ziffer 15 (Google Books). 1867 338 am 3. Dezember, Domänen-Amtsdorf 1871 351 am 1. Dezember, Domänen-Amtsdorf, sämtlich EvangelischeKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 150–151, Ziffer 10 (Google Books). 1885 514 am 1. Dezember, Landgemeinde, sämtlich EvangelischeKönigliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. Band 4: Provinz Pommern. Berlin 1888, S. 164–165, Ziffer 31 (Google Books). 1890 512 am 1. Dezember, GemeindebezirkKönigliches statistisches Bureau: Viehstandslexikon für den preußischen Staat. IV. Provinz Pommern, Berlin 1895. II. Regierungsbezirk Köslin. 10 Kreis Stolp, S. 66, Ziffer 31 (Google Books). 1910 498 am 1. Dezember, Landgemeinde1925 582 Landgemeinde, davon 570 Evangelische und zwölf KatholikenDie Gemeinde Groß Brüskow im ehemaligen Kreis Stolp in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011) 1933 569 1939 608 2021 311 Gmina Słupsk, Statystyka wg miejscowości na dzień 31-12-2021, abgerufen am 1. Dezember 2025
Amtsbezirk Groß Brüskow Vor 1945 bildete Groß Brüskow mit den Gemeinden Birkow, Grünhagen, Klein Brüskow, Schwolow und Steinwald den Bezirk des Amtes Groß Brüskow im Landkreis Stolp im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern. Das Standesamt war ebenfalls in Groß Brüskow angesiedelt. Gendarmeriebezirk war Klein Strellin und Amtsgerichtsbereich Stolp.
Kirche Pfarrkirche mini|Dorfkirche (2023), bis 1945 Gotteshaus der evangelischen Gemeinde Groß Brüskow Die Kirche in Groß Brüskow wird 1490 in einer Urkunde erstmals genannt. Doch musste das alte Gotteshaus 1863 einem Neubau weichen. Im Mittelfenster des Chores wurde ein kleines Wappenbild mit Unterschrift eingebracht, das den vollen Titel des Herzogs Ernst Bogislaw von Croy enthielt. Eine der drei Glocken der Kirche, gegossen 1594, entging dem Einschmelzen für Munitionszwecke im Zweiten Weltkrieg: man fand sie auf einem Glockenfriedhof und brachte sie 1963 nach Frixheim bei Rommerskirchen, wo sie seither läutet. Eine der Glocken war auf der Halsfläche mit dem Wappen des Deutschen Ordens verziert.Ludwig Böttger: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungs-Bezirks Köslin, Band 2, Heft 1: Kreis Stolp, Saunier, Stettin 1894, S. 2 (Google Books).
Im Jahre 1945 wurde das bisher evangelische Gotteshaus von der polnischen Administration zugunsten der polnischen katholischen Kirche zwangsenteignet und am 3. November 1945 vom polnischen katholischen Klerus ‚neu geweiht‘.
Kirchspiel Bis 1945 war die Bevölkerung von Groß Brüskow überwiegend evangelischer Konfession. Der Ort war evangelischer Pfarrsitz, vor 1945 Zentrum des Kirchspiels Groß Brüskow mit der Kirchengemeinde Groß Brüskow (und den eingepfarrten Orten Dodow, Friedrichsthal, Grünhagen und Klein Brüskow) und der Filialkirchengemeinde Schwolow (mit der Försterei Scharfenstein und Teilen von Steinwald). 1586 sollte die „filia“ Schwolow abgetrennt werden, blieb aber mit der „mater“ Groß Brüskow verbunden.