Lich ist eine Stadt im mittelhessischen Landkreis Gießen, 15 Kilometer südöstlich von Gießen.

Geografie mini|hochkant|Die Oberstadt mit ihren Fachwerkfassaden Geografische Lage Die Stadt liegt an einer Furt des Flüsschens Wetter, das der Wetterau zwischen Taunus und Vogelsberg den Namen gibt. Die Kernstadt und die nördlichen und östlichen Stadtteile gehören zum Naturraum Vorderer Vogelsberg, die südlichen und westlichen Stadtteile gehören zur Wetterau.

Stadtgliederung Zu Lich gehören neben der Kernstadt die folgenden Stadtteile, jeweils mit dem Einwohnerstand vom Januar 2017: Bettenhausen 518 Einwohner Birklar 672 Einwohner Eberstadt 871 Einwohner Kloster Arnsburg 97 Einwohner Langsdorf 1404 Einwohner Muschenheim 959 Einwohner Nieder-Bessingen 613 Einwohner Ober-Bessingen 560 Einwohner

Nachbargemeinden Lich grenzt im Norden an die Gemeinden Fernwald und Reiskirchen, im Osten an die Stadt Laubach, im Osten und Süden an die Stadt Hungen und im Südwesten an die Stadt Münzenberg (Wetteraukreis) sowie im Westen an die Stadt Pohlheim.

Ortsgeschichte mini|Lich – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655; nach einer Zeichnung von Wilhelm Dilich von 1605

Vor- und Frühgeschichte Werkzeuge von Neandertalern (etwa 100.000 v. Chr.) wurden in den Fuchslöchern in der Nähe des Waldschwimmbades gefunden. Im Bereich des Kolnhäuser Hofes hinterließen Menschen des Aurignac-Typus 50.000 Jahre später ihre Werkzeuge. Linearbandkeramiker, eine der ältesten bäuerlichen Kulturen der Jungsteinzeit, siedelten um 4000 v. Chr. am lößreichen Ufer der Wetter um Lich. Weitere spärliche Funde stammen aus der Bronzezeit und der Hallstattzeit und der Latènezeit. Ob auch die Kelten in der Gegend um Lich ansässig waren, ist bis heute umstritten. Sicher ist die Anwesenheit der Römer am Rhein – der hier die Grenze des Römischen Reiches bildete – seit 49 v. Chr.; die Chatten sind in Hessen um dieselbe Zeit nachgewiesen.

Beim Bau des Limes 83–85 nach Chr. durch die Römer wurde das Kohortenkastell Arnsburg im Bereich des heutigen Stadtteils Arnsburg errichtet. Es war damit das nördlichste Kohortenkastell des Wetteraulimes. Mittelalter 778 wird erstmals die Eigenkirche des Abtes Beatus von Honau in der Licher Mark erwähnt: „in siva in Marchlicheo sive Luttenbach“.Waldemar Küther: Die Wüstung Hausen. In: Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins (MOHG) 56 (1971). S. 189 f. Die Eigenkirche von Hausen, heute eine Wüstung bei Lich, gehörte zu insgesamt acht Eigenkirchen, welche Beatus in dem Jahr 778 seinem Kloster Honau schenkte.Albert Bruckner: Regesta Alsatiae aevi Merowingici et Karolingi 496-918. Band 1: Quellenband. Straßburg, Zürich 1949, Nr. 100. Die erwähnten Orte Hausen und LauternbachZur Bestimmung siehe Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 215. Lich wurde im Jahre 790 im Lorscher Codex „in Leoche“ erwähnt. Hier handelt es sich um den Schenker Leopgast, welcher auch in anderen Orten der Wetterau nachweisbar ist. Zwei weitere Privatschenkungen an das Kloster Lorsch stammen aus dem Jahre 799. Die Ortsangaben lauten: „in Leoche“ und „in Leocher marca“.CL III 2968 = CL 3763 c; CL III 2963 = 3764 d.

Seit dem 9. Jahrhundert wurde dem Kloster Lorsch nicht nur in der Wetterau Besitz entfremdet. Weil auch u. a. die Kenntnis von diesen Besitzungen verloren zu gehen drohte, wurde ein Kopiar, der genannte Lorscher Codex, zwischen 1183 und 1195 angelegt. 812 wird erstmals die Siedlungsform villa für Lich genannt: „... in pago Uuetarebinsae in uilla quae dicitur Leche ..“ (Im Gau Wetterau, im Dorf, das Lich genannt wird.)Ernst Friedrich Johann Dronke: Codex dipolomaticus Fuldensis. Kassel 1850. Nr. 270, S. 136 f. In Lich trat u. a. das Bistum Mainz seine Stelle, aber auch das Kloster Fulda erhielt Güter in Lich. Weitere Nennungen des Ortsnamens finden etwa 1150 in einem Transsumpt: „De Lyche“Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1 - 3. Leipzig 1879 - 1899., 1238: „de Lieche“Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. (AUB. Darmstadt 1851. Nr. 27, S. 313), 1239: „de Liechen“Ludwig Baur: AUB. Nr. 28, S. 17. 1306 wird urkundlich ein „... oppidanus in Lyh erwähnt“ (ein Bürger in Lich)Ludwig Baur: AUB. Nr. 343, S. 246. und 1337 heißt es: „... der stad zu Lyechin“.Arthur Wyss: UB Deutschorden, II. Nr. 653, S. 470.

In der Namensforschung ist die Deutung des Ortsnamens vielfältig und kontrovers. Eine ältere Deutung erklärt ihn als „Siedlung bei dem Buschwald“.Karl Weigand: Oberhessische Ortsnamen. In: Archiv für Hessische Geschichte und Alterthumskunde 7 (1853). S. 241-332, S. 248 f. Einig ist man sich heute, dass der Ortsname Lich ein „auf die Siedlung übertragener Gewässername“ ist.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 232 f, S. 232.

Im 12. Jahrhundert gründete Kuno I. von Münzenberg das von den Zisterziensern verwaltete Kloster Arnsburg. Im Jahr 1300 erhielt Lich als besondere Gunst für Philipp III. von Falkenstein von König Albrecht die Stadtrechte verliehen. Die Stadt verblieb bei dem Geschlecht der Falkensteiner bis in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts, dann fiel sie an die Grafen von Solms.

Neuzeit Im Dreißigjährigen Krieg brachte besonders das Pestjahr 1635 großes Leid. Bewohner der umliegenden Ortschaften flohen in die vermeintlich sichere Stadt und schleppten die Krankheit ein. Zu den Pestopfern gehörte der Eberstädter Pfarrer Johannes Venator (lateinisch für Jäger). Dessen Sohn Georg Venator, damals Pfarrer in Wölfersheim, schrieb über das Schicksal seiner Familie:

1703 wurde die Apotheke gegründet.

Von 1966 bis 1993 befand sich am westlichen Stadtrand die Limes-Kaserne, in der Soldaten der Bundeswehr und der US-Army untergebracht waren. Sie bildeten die Besatzung der Nike-Feuerstellung Albach in der nordwestlich gelegenen Gemeinde Fernwald. Heute ist auf dem Areal eine Abteilung der Bereitschaftspolizei Hessen kaserniert ().Zur Geschichte der 1./FlaRakBtl 23 in Lich

Vom 9. bis 18. Juli 1993 war Lich der Austragungsort des 33. Hessentages unter dem Slogan feierLICH. Zum Programm gehörte neben dem Festzug unter anderem die bis dato größte Landesausstellung.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 31. Dezember 1970 auf freiwilliger Basis die Gemeinden Birklar, Muschenheim, Nieder-Bessingen, Ober-Bessingen, am 1. Februar 1971 Eberstadt sowie am 31. Dezember 1971 Bettenhausen in die Stadt Lich eingegliedert. Am 1. Januar 1977 erfolgte die Eingliederung der Gemeinden Arnsburg und Langsdorf durch das Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Lich wurde je ein Ortsbezirk eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Lich angehört(e):

vor 1718: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Lich, Amt Lich ab 1718: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Hohensolms-Lich, Amt Lich ab 1792: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Solms-Hohensolms-Lich, Amt Lich ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen (1803–1816), Amt Lich (des Fürsten Solms-Hohensolms-Lich) ab 1816: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Lich (des Fürsten Solms-Hohensolms-Lich) ab 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt LichPatrimonialgericht: Standesherrliches Amt Lich des Fürsten Solms-Hohensolms-Lich. ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk HungenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Lich; 1822 gingen die Rechte des „standesherrlichen Amts Lich“ an das Landgericht über, wo sie im Namen der Standesherren ausgeübt wurden) und Verwaltung ab 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Gießen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Lich ab 1806 das „Patrimonialgericht der Fürsten Solms-Hohensolms-Lich“ in Lich zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. Ab 1822 ließen die Fürsten Solms-Hohensolms-Lich ihre Rechte am Gericht durch das Großherzogtum Hessen in ihrem Namen ausüben. „Landgericht Lich“ war daher die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Lich zuständig war. Auch auf sein Recht auf die zweite Instanz, die durch die Justizkanzlei in Hungen ausgeübt wurde verzichtete der Fürst 1823. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Lich“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Am 1. Juni 1934 wurde das Amtsgericht Lich aufgelöst und Lich dem Amtsgericht Gießen zugeteilt.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Lich 13101 Einwohner. Darunter waren 492 (3,75 %) Ausländer, von denen 213 aus dem EU-Ausland, 191 aus anderen europäischen Ländern und 88 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 14,3 % einen Migrationshintergrund. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 7,6 %.) Nach dem Lebensalter waren 2235 Einwohner unter 18 Jahren, 5562 zwischen 18 und 49, 2755 zwischen 50 und 64 und 2549 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 5840 Haushalten. Davon waren 1941 Singlehaushalte, 1595 Paare ohne Kinder und 1600 Paare mit Kindern, sowie 538 Alleinerziehende und 166 Wohngemeinschaften. In 1179 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 4023 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung

Historische Religionszugehörigkeit