mini|Roman von Ungern-Sternberg

Roman-Nikolai-Maximilian Feodorowitsch von Ungern-Sternberg, auch Robert Nikolaus Maximilian Freiherr von Ungern-Sternberg,The Ancestors of Roman, Baron von Ungern-Sternberg (1885–1921) (; auch Roman Fjodorowitsch von Ungern-Sternberg/Роман Фёдорович фон Унгерн-Штернберг; *  in Graz, Österreich-Ungarn; † 15. September 1921 in Nowonikolajewsk, Sowjetrussland) war ein Baron deutschbaltischer Herkunft in zaristischen Diensten. Von seinen Gegnern erhielt er während des russischen Bürgerkriegs Beinamen wie Roter Baron, Blutiger Baron, Weißer Baron oder Schwarzer Baron.

Als Kommandeur einer Teilgruppe der Weißen Armee im Fernen Osten Russlands besetzte er Anfang 1921 die Äußere Mongolei, woraufhin er vom Bogd Khan den Titel eines mongolischen Khan verliehen bekam. Nach etwa sechs Monaten wurden seine Truppen von der Roten Armee zerschlagen. Ungern-Sternberg selbst wurde gefangen genommen und nach kurzer Zeit hingerichtet.

Leben Kindheit und Ausbildung mini|hochkant|Roman von Ungern-Sternberg als Kind mini|Sophie Charlotte von Wimpffen und Theodor Leonhard Rudolph Freiherr von Ungern-Sternberg Roman von Ungern-Sternberg wurde am 10. Januar 1886 in der Grazer Leechgasse als drittes Kind von Theodor Leonhard Rudolf von Ungern-Sternberg und Sophie Charlotte, aus dem hessischen Adelsgeschlecht von Wimpffen, geboren, und in der Heilandskirche lutherisch getauft.Mario Bandi: S. 3 (pdf; 271 kB). Er war jedoch der Erste, der das Säuglingsalter überlebte. Seine beiden älteren Schwestern waren kurz nach der Geburt gestorben. Die Ungern-Sternbergs sind eine deutschbaltische Familie, welche damals über Besitzungen im Baltikum verfügte. Seine Eltern ließen sich im Jahr 1890 scheiden und Roman blieb bei seiner Mutter. Sophie Charlotte heiratete 1894 einen anderen deutschbaltischen Adeligen, Oskar von Hoyningen-Huene, und zog gemeinsam mit ihrem Sohn auf dessen Gut in Jerwakand.James Palmer: The Bloody White Baron. 2009, S. 17.

Bis zu seinem 15. Lebensjahr wurde Roman zu Hause auf Deutsch unterrichtet, bevor er auf das Nikolaus-Gymnasium in Reval geschickt wurde. Aufgrund schlechter Noten und Widerstands gegen die Lehrer wurden seine Eltern jedoch bereits nach kurzer Zeit gebeten, ihn von der Schule zu nehmen. Sein Stiefvater verschaffte ihm einen Platz an der Marineakademie in Sankt Petersburg, wo seine Leistungen sich im ersten Jahr besserten. Nachdem er aber das zweite Jahr wiederholen musste und weiterhin nicht die erwartete Disziplin zeigte, wurde er im Februar 1905 der Akademie verwiesen.James Palmer: The Bloody White Baron. 2009, S. 20.

Vom Russisch-Japanischen Krieg bis zum Ersten Weltkrieg Da er nun ohne Beschäftigung und Perspektive war, meldete er sich freiwillig zur russischen Armee, um als einfacher Soldat im Russisch-Japanischen Krieg zu kämpfen. An der Front nahm er nur an wenigen Kampfhandlungen teil und war bis Kriegsende zum Korporal aufgestiegen. Ungern-Sternberg sprach mit Respekt und Bewunderung von der japanischen Armee und ihrem Erfolg.James Palmer: The Bloody White Baron. 2009, S. 21–22.

Zurück im Westen Russlands, wurde er kurzzeitig zum Pionierkorps versetzt, bevor er in die Pawlawsko-Militärakademie eintrat, wo er eine Kavallerieausbildung ableistete. Dort soll von Ungern-Sternberg, inzwischen russisch-orthodox geworden, auch erstmals mit dem Buddhismus und okkulten Praktiken in Berührung gekommen sein.James Palmer: The Bloody White Baron. 2009, S. 26. Nachdem Ungern-Sternberg die Akademie im Mittelfeld seiner Klasse abgeschlossen hatte, bewarb er sich um einen Posten in einem Kosakenregiment und wurde dem 1. Argunregiment der Kosakenarmee Transbaikal in Daurien zugeteilt. Das Argunregiment, welches am gleichnamigen Fluss im Fernen Osten Russlands stationiert war, war Ungerns erste Wahl gewesen, da es gute Kontakte zu General Paul von Rennenkampff, einem seiner Verwandten, hatte und er sich von ihm Unterstützung erwartete.James Palmer: The Bloody White Baron. 2009, S. 32–33. Aus nicht endgültig geklärten Gründen musste er das Argunregiment wieder verlassen. Es gilt als möglich, dass er sich in betrunkenem Zustand ein Duell mit einem anderen Offizier lieferte.James Palmer: The Bloody White Baron. 2009, S. 38. Infolgedessen trat er in das 1. Amurregiment der Kosakenarmee Amur ein. Aufgrund allgemeiner Unzufriedenheit mit der Tatenlosigkeit im fernen Osten bat Ungern in einem Brief vom 4. Juli 1913 um seine Entlassung und Verlegung in die Reserve.

Nachdem ihm dies gestattet worden war, trat er zu Pferd eine Reise durch die Mongolei an, welche ihn unter anderem nach Urga führte. Nachdem er vergebens versucht hatte, in die dortige Schutztruppe des russischen Konsulats aufgenommen zu werden, gelang es ihm, im Konsulat von Kobdo als außerordentlicher Hauptmann akzeptiert zu werden. Da er nicht viele Pflichten hatte, nutzte er seine Zeit unter anderem, um die mongolische Sprache zu erlernen. Anfang 1914 verließ er die Mongolei jedoch und kehrte nach Reval zurück. Dort lebte er erwerbslos bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs.James Palmer: The Bloody White Baron. 2009, S. 58 und 69.

Erster Weltkrieg mini|hochkant|Ungern-Sternberg zur Zeit des Ersten Weltkriegs

Am 19. Juli 1914 wurde Ungern reaktiviert und einem Regiment aus Nertschinsk zugeteilt, welches am russischen Einmarsch in Ostpreußen beteiligt war. Nachdem die Fronten großteils zum Stillstand gekommen waren, machte Ungern sich als Anführer von Erkundungsmissionen bis unmittelbar vor oder sogar hinter die feindlichen Linien einen Namen. Für eine solche Aktion wurde er am 22. September 1914 zum Ritter IV. Klasse des Georgsordens ernannt.James Palmer: The Bloody White Baron. 2009, S. 73. Bis zum Oktober 1916 kämpfte Ungern in Polen und Galizien und wurde währenddessen fünfmal verwundet. Trotz seiner Tapferkeit wurde er in dieser Zeit kaum befördert, was hauptsächlich mit seiner Disziplinlosigkeit zusammenhing. Nach einem Zwischenfall am 22. Oktober, bei dem er in betrunkenem Zustand einen Adjutanten des russischen Gouverneurs von Czernowitz beleidigte oder auch schlug,James Palmer: The Bloody White Baron. 2009, S. 74–75. wurde er zu zwei Monaten Arrest verurteilt.

Nach seiner Entlassung im Januar 1917 wurde Ungern kurzzeitig in die Reserve versetzt und nach Wladiwostok geschickt, diente jedoch bereits kurz darauf an der Kaukasusfront. Hier traf er erneut auf Grigori Michailowitsch Semjonow, mit dem er sich bereits an der Front in Polen angefreundet hatte und mit dem er nach der Oktoberrevolution ein großes Gebiet im Fernen Osten Russlands unter seine Kontrolle bringen würde. Im Kaukasus versuchte Ungern, ein Regiment aus einheimischen, den Türken feindlich gegenüber stehenden Assyrern aufzubauen, was aufgrund mangelnder Freiwilligenzahlen scheiterte.

Im März 1917 begleitete Ungern Semjonow in den Osten, wo dieser mit offizieller Erlaubnis unter den einheimischen Burjaten Freiwillige für den Krieg im Westen rekrutieren wollte. Im Anschluss hieran verliert sich seine Spur bis zum November desselben Jahres.James Palmer: The Bloody White Baron. 2009, S. 79.

Nach der Oktoberrevolution Zwischen Transbaikalien und der Mandschurei

Im Anschluss an die Oktoberrevolution schlug Ungern sich in Richtung Osten, in den Ort Daurien nahe der Grenze zur chinesischen Mandschurei, durch, wo Semjonow Stellung bezogen hatte. Von dort aus überquerte er auf Semjonows Befehl mit einigen Soldaten und einem Zug die Grenze und entwaffnete die etwa 1.500 Mann starke russische Garnison von Manjur, welche sich gegen ihre Offiziere gestellt hatte. Anschließend wurden sie, wie es in dieser frühen Phase des Russischen Bürgerkrieges noch üblich war, per Zug nach Westen geschickt.James Palmer: The Bloody White Baron. 2009, S. 83. Manjur diente fortan als Basis für die beiden, wo sie ihre bisher nur einige hundert Mann starke Freiwilligentruppe verstärkten, welche fortan von ihnen Spezielle Mandschurische Division genannt wurde.

Ab dem 1. Januar 1918 stießen sie von ihrem Stützpunkt aus erneut vor und besetzten größere russische Gebiete entlang der russisch-chinesischen Grenze, welche sie aufgrund ihrer geringen Mannstärke oft jedoch nur kurz halten konnten. Ungern verlegte sich daher nach kurzer Zeit darauf, mit einer Truppe mongolischer Barguten die restlichen russischen Truppen in der Mandschurei zu entwaffnen. Da die Chinesen die Barguten als Aufständische betrachteten und Ungerns Machtzuwachs fürchteten, nahmen sie ihn und seine Truppen bei einem fingierten Festessen gefangen. Semjonow konnte sie jedoch freipressen, indem er einen Panzerzug in chinesisches Territorium entsandte.James Palmer: The Bloody White Baron. 2009, S. 85.

Von März bis Juli 1918 versuchte die Spezielle Mandschurische Division erneut, russisches Gebiet zu besetzen, musste sich nach einer schweren Niederlage am 13. Juli jedoch tief in die Mandschurei zurückziehen. Ab August versuchten Ungern und Semjonow es erneut. Dieses Mal wurden sie durch japanisches Gerät sowie durch die Anwesenheit japanischer Truppen und die Gefechte zwischen den Bolschewiki und den Tschechoslowakischen Legionen unterstützt. Dadurch gelang es ihnen, ganz Transbaikalien zu besetzen, und Semjonow erklärte sich in Tschita zum Ataman der Region. Ungern erhielt das Kommando über den Ort Daurien und wurde von Semjonow darüber hinaus zum Generalmajor ernannt.James Palmer: The Bloody White Baron. 2009, S. 89.

Kommandeur von Daurien mini|hochkant|Ungern-Sternberg im Jahr 1920

Nach seiner Beförderung begann Ungern schnell, sich von Semjonow zu emanzipieren. So ließ er eigenständig neue Truppen rekrutieren und ausbilden. Parallel hierzu scheint eine Verrohung Ungerns und seiner Männer einhergegangen zu sein. Es kam häufig zur Plünderung umliegender Ortschaften und durchfahrender Züge und auch zur Folterung und Ermordung von Zivilisten. Besonders gefährdet waren hierbei Juden. Während Ungern nur wenig Vorbehalte gegenüber Nichtrussen im Allgemeinen hatte, machte er Juden für die Oktoberrevolution und die Abdankung des Zaren sowie den Bürgerkrieg verantwortlich, weshalb durchreisende Juden häufig aus den Zügen gezerrt und erschossen wurden. Von Zeit zu Zeit scheint er außerdem für die Zeit nach dem Sieg der Weißen eine „Säuberung“ Russlands von allen Juden geplant zu haben.James Palmer: The Bloody White Baron. 2009, S. 98.

Obwohl ihr Zerwürfnis immer weiter fortschritt, besonders da Ungern sich zunehmend über die Korruption, Verschwendungssucht und Judenfreundlichkeit Semjonows ärgerte, zeichnete letzterer ihn im März 1919 erneut mit dem Georgsorden 4. Klasse aus und ernannte ihn zum Generalleutnant, vielleicht weil Ungern sich um die vielen Kriegsgefangenen kümmerte. Mit der weiteren Eskalation des Bürgerkriegs gingen beide Seiten dazu über, entwaffnete Gefangene nicht mehr zurück in Feindesland zu schicken. Die unter Semjonows Truppen gefangenen Bolschewiken wurden oft in Züge gepfercht und in das Gebiet Ungerns gebracht, der einen Großteil von ihnen beinahe unmittelbar darauf in der Umgebung Dauriens ermorden und häufig unbestattet liegen ließ. Auch mit seinen eigenen Leuten ging er nicht besser um. Während der Jahre 1919 und 1920 zogen mehrere Typhus- und Choleraepidemien durch Sibirien. Ungern ließ Kranke, bei denen eine Genesung unwahrscheinlich erschien, augenblicklich erschießen, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.James Palmer: The Bloody White Baron. 2009, S. 113.

Am 16. August 1919 heiratete Ungern überraschend in Harbin eine neunzehnjährige chinesische Adelige mit dem russischen Namen Elena Pawlowna. Diese begleitete ihn jedoch nicht nach Daurien, sondern blieb in Harbin, wo sie regelmäßige Geldzuwendungen Ungerns erhielt.

In der Mongolei mini|hochkant|von Ungern-Sternberg 1921 in der Mongolei