Die Kubacher Kristallhöhle in Kubach bei Weilburg, im östlichen Hintertaunus in Hessen, ist eine Klufthöhle im oberdevonischen Kalk. Große Teile der Wände sind mit unzähligen Kalkspatkristallen und Perlsinter besetzt. Der Kristallschmuck der Wände gilt in dieser Form als einzigartig in Deutschland.
Geschichte Tropfsteinhöhle Im 19. Jahrhundert wurde in der Kubacher Gemarkung, Richtung Freienfels, Phosphorit abgebaut, das in der Düngemittelindustrie und zur Metallveredlung benötigt wurde. Die Bergleute aus Kubach und Umgebung gruben bis zu 70 Meter tiefe Schächte in den Kalk, der die Phosphoritnester umgab, und schlugen aus Ritzen und Spalten das Phosphorit heraus. Im Jahre 1881 entdeckten sie eine Höhle, von der berichtet wurde, dass es sich um eine prächtige Tropfsteinhöhle handelte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Bergbau eingestellt, weil es billiger war, das Phosphorit aus dem Ausland einzuführen, wo es über Tage abgebaut werden konnte. Die Bergwerksgesellschaft ließ die vielen Schächte, die sich hauptsächlich im Wald rechts der Straße von Kubach nach Freienfels befanden, wieder zuschütten. Dabei wurde auch der Schacht zur Tropfsteinhöhle verfüllt. Am 15. September 1906 schrieb das Weilburger Tageblatt:
In einem Gutachten des königlichen Bergrats Polster, das er im Jahre 1907 aufgrund der Angaben des Steigers Schmidt aus Kubach verfasste, wird die Länge der Höhle mit 64, die Breite mit 36,5 und die Höhe mit 30 Meter angegeben. Sowohl im Artikel des Weilburger Tageblatts als auch im Gutachten ist die genaue Lage der Höhle nicht erwähnt, auch nicht, von welchem Gesenk aus man sie erreichte. Lediglich aus einer Skizze im Gutachten geht hervor, dass die Höhle über einen 22 Meter tiefen Schacht durch Lehm und Schalstein erreicht wurde. Das Gutachten veranschlagte für das Wiederzugänglichmachen der Höhle mittels Abteufens eines 40 Meter tiefen Schachtes und eines Quervortriebs Kosten in Höhe von 900 Mark.
Der Magistrat der Stadt Weilburg stellte auf Antrag des Kreisausschusses des Oberlahnkreises 30 Mark zur Verfügung. Der Kreis hatte jedoch mehr Geld von der Stadt erwartet, da sie unmittelbarer Nutznießer der Höhle geworden wäre. Da keine weiteren finanziellen Mittel aufgetrieben werden konnten, scheiterte das Projekt. Der Vorsitzende des Frankfurter Vereins für Höhlenkunde, Karl Becker, wurde auf die Tropfsteinhöhle aufmerksam und verfasste zahlreiche Schreiben, um Näheres über sie in Erfahrung zu bringen. Er berichtete 1925 in einem Buch und 1929 in einer Beilage des Wiesbadener Tagblatts über die Cubacher Höhle. Im Laufe der Zeit geriet die Höhle aber immer mehr in Vergessenheit, vor allem wusste niemand mehr, wo sie genau lag. In den Jahren 1955 und 1966 gab es Bestrebungen des Oberlahnkreises und der Forschungsgruppe Karst und Höhlen in Hessen, sie wiederzufinden.
Nachforschungen alternativtext=Ausgelaugter Höhlenraum mit Dellenformationen|mini|359x359px|Ausgelaugter Höhlenraum mit Dellenformationen Bei Renovierungsarbeiten im Haus des Gymnasiallehrers Karl-Heinz Schröder, der 1967 von Freiberg nach Kubach gezogen war, berichtete im Jahre 1970 der Malermeister Hermann Schmidt, dass sich nicht weit entfernt zwischen Kubach und Freienfels eine große Tropfsteinhöhle befindet. Die genaue Lage sei aber nicht bekannt. Der Malermeister sagte: „Die Höhle wurde vor langer Zeit beim Bergbau entdeckt. Leider ist der Zugang verschüttet, und niemand weiß mehr, wo sie liegt. Aber ich habe als Bub noch gesehen, dass Leute aus Kubach Tropfsteine aus dieser Höhle auf dem Vertiko in ihrem Wohnzimmer liegen hatten.“ Das Interesse der Familie Schröder wurde so stark geweckt, dass sie ihr Hauptaugenmerk auf die Wiederauffindung der Höhle legte und Karl-Heinz Schröder umfassende Recherchen beim Weilburger Bergamt, in den Archiven des Landratsamtes, in der Bibliothek des Weilburger Gymnasiums, im Weilburger Amtsgericht und Katasteramt und im Wiesbadener Hauptstaatsarchiv durchführte. Zudem studierte er zahlreiche Bücher und kontaktierte verschiedene Personen.
Bei seinen Recherchen entdeckte er unter anderem den Bericht im Weilburger Tageblatt von 1906 und das Gutachten aus dem Jahre 1907. In der Kleinen Enzyklopädie Natur (erschienen 1964 in der DDR) fand er im Abschnitt Höhlen in Westdeutschland den Artikel Tropfsteinhöhle bei Weinbach, Cubach und Weilburg in den Massenkalken des Devon, obwohl dort nicht einmal die allgemein bekannte Atta-Höhle erwähnt wurde. Aus dem Jahre 1922 fand sich in einer Darstellung der Phosphoritlagerstätten in Nassau ein Vermerk über die Höhlen in der Kubacher Gemarkung, von dem seinerzeit an der Preußischen Geologischen Landesanstalt in Berlin tätigen Geologen W. Kegel. Auch dort wird von der Größe und Schönheit der Höhle berichtet, aber wiederum fehlt eine konkrete Lageangabe. Ein weiterer Beweis für die Existenz der Höhle sind vier Tropfsteine, die nach einem Brand Anfang der 1970er Jahre zusammen mit einem Vermerk über die Herkunft, eine Tropfsteinhöhle zwischen Freienfels und Kubach, in einer Kiste auf dem Dachboden des Heimat- und Bergbaumuseums Weilburg gefunden wurden. Bei den Tropfsteinen, die jetzt dort ausgestellt sind, handelt es sich um einen 40 Zentimeter langen Stalaktiten mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern, einen mit Warzensinter überzogenen Stalaktiten, einen abgebrochenen Stalaktiten und einen Stalagmiten.
Schröder nahm Kontakt zu hessischen Höhlenforschern und Wissenschaftlern aus ganz Deutschland auf. Diese versuchten mit verschiedenen Verfahren die Höhle zu orten. Er befragte ältere Kubacher Bürger, vor allem Nachkommen von ehemaligen Bergleuten, wobei die meisten überrascht waren, dass es dort eine Tropfsteinhöhle geben sollte. Schröder stieß bei seinen Recherchen auf großes Interesse; es fanden sich mehrere Personen, die bei der Suche mithalfen. Zusammen mit hessischen Höhlenforschern versuchten sie, alte Bergwerksschächte zu lokalisieren. Einen verfüllten Schacht, von dem sie hofften, dass er nur abgedeckt war, baggerte die Firma Schäfer aus Rohnstadt unentgeltlich aus. In fünf Meter Tiefe, soweit die Baggerschaufel reichte, fanden sich nur Lehm und geringe Teile von Fichtengeflecht, was auf eine Abdeckung hätte hindeuten können. Die hessischen Höhlenforscher und einige Kubacher Bewohner gruben schließlich selbst weiter und förderten über eine Seilwinde eimerweise den Lehm nach oben. Es gab jedoch unten keinen Hohlraum. Sie gaben schließlich auf und verfüllten die Grube wieder. In Bereichen, in denen Höhlen vermutet wurden, führte man Untersuchungen des Untergrundes mit verschiedenen Messverfahren durch. Daraus entwickelte sich eine in Deutschland einmalige Suchaktion nach einer unbekannten Höhle. Der Physiker Peter Henne aus Königswinter vom Institut für Datenverarbeitung und Computertechnik in Birlinghoven führte seismische Sondierungen mit einem von ihm entwickelten Geosonar durch, bei dem Störungen in den Wellenbildern auf Hohlräume schließen lassen. Aber wegen der mächtigen Lehm- und Kalküberdeckung waren seine Bemühungen vergeblich.
Der Bergwerksgeologe Rudolf Börner arbeitete auf geoelektrischer Basis mit einem von ihm entwickelten Geoskopen. Dieses vor allem in der Lagerstättenforschung eingesetzte Gerät tastet mit elektrischen Strömen oder Wellen den Untergrund ab. Die Messergebnisse machen Aussagen über die Leitfähigkeit des Untergrundes, wobei die unterschiedlichen Widerstände auf die Art des jeweiligen Untergrundes schließen lassen. Seine Untersuchungen ergaben, dass in dem gemessenen Bereich Höhlen vorhanden sein könnten. Die Werte könnten aber auch von Verwerfungen bei früheren Gebirgsauffaltungen hergerührt haben. Walter Lauterberg, der damalige Leiter des Luftbildwesens beim Hessischen Ministerium für Wirtschaft und Technik, ließ stereoskopische Luftbilduntersuchungen, wie sie bei der Erkundung der Mondoberfläche angewandt wurden, durchführen. Da aber die zu suchende Höhle offensichtlich zu tief lag, konnte man auf den Luftbildern nichts Entsprechendes erkennen. Der Ingenieur Peter Lienhardt von der Prakla-Seismos in Hannover setzte ohne Erfolg ein Gravimeter ein, mit dem Erkenntnisse über die Massenverteilung in der Erdkruste gewonnen werden können. Auch Infrarotaufnahmen brachten keinen Erfolg. In den späteren Jahren fanden immer wieder Untersuchungen nach verschiedenen Methoden statt, aber alle konnten nur bestimmte Hinweise geben. mini|Perlsinter an der Wand Die diversen Untersuchungsmethoden ergaben verschiedene Anhaltspunkte, die auf größere Hohlräume unter der Erde hindeuteten. Der einzige Weg, dies nachzuprüfen, war, an den betreffenden Stellen zu bohren. Dies hätte jedoch viel Geld gekostet, das nicht aufgebracht werden konnte. Schüler von Karl-Heinz Schröder sammelten mit Spendenlisten kleinere Geldbeträge. Im Werkunterricht druckten sie mittels Linolschnitt Karten mit Höhlenmotiven, die sie verkauften. So kamen insgesamt 1500 Deutsche Mark zusammen. Am 14. Januar 1973 gründeten 13 Gleichgesinnte die Interessengemeinschaft zur Erforschung und Erschließung der Kubacher Tropfsteinhöhlen, deren Vorsitzender Karl-Heinz Schröder wurde, um unter anderem auch von öffentlicher Seite Zuschüsse zu den geplanten Suchbohrungen zu bekommen. Vom Kreisausschuss erhielten sie eine Spende von 2200, von der Gemeinde Weinbach 200 Deutsche Mark. Die Stadt Weilburg bewilligte trotz Anfrage keinen Zuschuss. Der Verein verfügte nur über geringe finanzielle Mittel. Es gelang ihm aber, vier Firmen zu finden, die fast umsonst Bohrungen durchführten. Es waren Atlas Copco aus Essen, Nassovia aus Weilburg, Hermann Schäfer aus Rohnstadt und der Edelstahlkonzern Böhler aus Wien und Düsseldorf. Die ersten Bohrungen führte die Firma Atlas-Copco im Februar 1973 durch. Sie blieben jedoch ohne Erfolg.
Entdeckung Die Bohrungen der Firma Nassovia im April 1973 waren sehr aufwändig, da sie im Gegensatz zu den anderen Firmen mit Wasser und nicht mit Luft bohrte. Dazu musste ein 10.000 Liter fassender Stahltank, der beinahe so lang wie ein Eisenbahnwaggon war, vom Firmensitz in Weilburg zur Bohrstelle transportiert und während der Bohrung laufend mit Wasser gefüllt werden. Dies geschah mit Hilfe von Landwirten, die mit ihren Traktoren das Wasser vom Kubacher Löschwasserteich zur Bohrstelle brachten. Im Juli 1973 wurde endlich ein erster Erfolg erzielt. Die Firma Schäfer bohrte mit einem kleinen, sonst im Steinbruch verwendeten Bohrgerät einen Hohlraum an, der später Kapelle genannt wurde. Auf beiden Seiten der Straße von Kubach nach Freienfels wurde diese Höhle in einer Tiefe von 13 Metern zweimal erreicht. Das Bohrgestänge fiel etwa vier Meter tief in den Hohlraum. Durch ein Suchbohrloch mit 86 Millimeter Durchmesser fotografierte das Mitglied der Interessengemeinschaft, Siegfried Grün, mit einer Minoxkamera den Hohlraum. Es handelte sich um eine kleinere Höhle mit Felsbrocken auf dem Boden, also nicht um die gesuchte große Tropfsteinhöhle. mini|hochkant|Bohrlochkamera, mit der die Höhle entdeckt wurde