mini|hochkant=1.5|Die Stadt Opole mit Blick vom Piastenturm, der Pfennigbrücke, dem Platz Ignacego Daszyńskiego, dem Oppelner Ring, den gründerzeitlichen Häusern an der ul. 1-Maja und einer Übersicht mit Oder und der Kathedrale zum Heiligen Kreuz

Opole ([]; deutsch Oppeln []; schlesisch Uppeln, schlonsakisch Ôpole, ) ist die Hauptstadt der Woiwodschaft Opole. Die Stadt ist ein Zentrum der Deutschen Minderheit in Polen sowie Bischofssitz des Bistums Opole. Zudem beheimatet sie eine Universität, eine Technische Universität, eine Kunst- und Musikschule sowie wissenschaftliche Institute. Sie ist die historische Hauptstadt des Herzogtums Oppeln.

Geographie Die Stadt liegt in Oberschlesien beidseitig der Oder zwischen Breslau und Katowice (Kattowitz) in der Schlesischen Tiefebene. Die Entfernung nach Breslau im Nordwesten beträgt etwa 80 Kilometer.

Stadtteile mini|Stadtteile von Oppeln Bierkowice (Birkowitz) Borrek (Borki) Finkenstein (Brzezie) Chmiellowitz (Chmielowice) Chwałkowice (Leopoldsberg) Czarnowanz (Czarnowąsy) Gosławice (Goslawitz) Groszowice (Groschowitz) Grotowice (Gräfenort) Grudzice (Grudschütz) Krzanowitz (Krzanowice) Malina (Malino) Nowa Wieś Królewska (bis 1930 Königlich Neudorf, bis 1945 Bolko) Pascheke (mit Wilhelmsthal) Półwieś (Halbendorf) Przeskok (Übersprung) Sławice (Slawitz) Horst (Świerkle) Szczepanowice (Sczepanowitz) Winau (Winów) Wójtowa Wieś (Vogtsdorf) Wróblin (Frauendorf) Wrzoski (Wreske) Wyspa Bolko (Bolko-Insel) Zakrzów (Sakrau) Zaodrze (Odervorstadt) Zirkowitz (Żerkowice)

Klima Der geographischen Lage entsprechend liegt Opole in den warmgemäßigten Mittelbreiten mit einem kontinentalen Wärmehaushalt und einem semihumiden Wasserhaushalt. Die jährliche Durchschnittstemperatur beträgt 8,5 °C bei 160 bis 180 Regentagen.

Geschichte Im Oppelner Land sind bereits menschliche Spuren aus Jahrtausenden vor der Ersterwähnung der Stadt aufzufinden. Funde, die u. a. im Museum des Oppelner Schlesiens zu betrachten sind, stammen aus der Jungsteinzeit. In römischen Quellen wird vom Volk der Lugier gesprochen, welches im heutigen Oppelner Land zahlreiche Siedlungen bewohnte. Bei archäologischen Funden in Chorula oder in Tarnów Opolski wurden Urnenfriedhöfe solcher Siedlungen gefunden und zahlreiche römische Münzen entdeckt, sodass angenommen werden kann, dass diese Völker einen regen Handel mit anderen Völkern betrieben haben. Hier verlief die Bernsteinstraße, auf der Bernstein von der Ostsee in die Region des Mittelmeers gelangte.Jerzy Ballaban: Opole – 1945 und heute. S. 27.

Von der Ersterwähnung bis zur Erlangung des Neumarkter Rechtes mini|Älteste überlieferte Ansicht Oppelns von 1535, gesehen von Südosten Das Gebiet war Ende des 9. Jahrhunderts wahrscheinlich ein Teil von Großmähren und kam nach dessen Zerfall um 907 in den Machtbereich des böhmischen Herrschergeschlechts der Přemysliden. Die erste Erwähnung geht auf das frühe 10. Jahrhundert zurück: Im zweiten Abschnitt der Handschrift des Bayerischen Geographen werden ein Stammesgebiet der Opolanen (Opolini) und deren Wallburg an der Oder aufgeführt. Eine Siedlung dieses Stammes befand sich auf der nördlichen Spitze der Pascheke, welche unter dem Namen Ostrówek bekannt ist. Um das Jahr 990 wurde Schlesien samt dem Gebiet von Oppeln von Mieszko I. an Polen angeschlossen. Im Jahr 1039 eroberte Břetislav I. das Gebiet für elf Jahre zurück, wodurch Oppeln wieder an Böhmen fiel. Im Jahr 1050 eroberte Kasimir I. Schlesien zurück, wodurch es in den Machtbereich der Piasten zurückfiel. Der Tod des Herzogs Bolesław III. Schiefmund leitete im Oktober 1138 in Polen die Periode der Teilfürstentümer ein, wobei Schlesien dem ältesten Sohn Władysław II. zugesprochen wurde. Nach dessen Tod wurde Schlesien 1163 in zwei Fürstentümer, 1179 dann in drei feudale Kleinstaaten aufgeteilt, darunter das Herzogtum Oppeln, Ottmachau und Neisse. Der erste Herzog wurde Fürst Jaroslaw, der zeitgleich ab 1198 Bischof von Breslau war.Ryszard Emmerling, Urszula Zajączkowska: Oppeln Reiseführer. Schlesischer Verlag ADAN, ISBN 83-915371-6-1.

mini|Der Merianplan von 1650 zeigt deutlich die Umrisse der Oppelner Stadtbefestigung mini|links|Das ehemalige Piastenschloss mit Piastenturm (Abriss 1928–1930) mini|Eine Aufnahme des Odertores aus dem Jahr 1880. Das Tor wurde erst 1889 abgerissen und befand sich an der heutigen ul. Katedra. Rechts die Turmspitze der Alexiuskapelle. Im Jahr 1201 nahm Mieszko I. von Oppeln das südschlesische Herzogtum in Besitz und gründete die Dynastie der Oppeln-Ratiborer Piasten. Als Seniorherzog von Polen (1210–1211) wird er Mieszko IV. bezeichnet. Dessen Sohn Kasimir I. (1178–1230) verlagerte die Hauptstadt des Fürstentums von Ratibor nach Oppeln. Zu dieser Zeit war die Stadt eine Kastellanei. Zwischen 1211 und 1217 wurde durch den Herzog Kasimir I., wahrscheinlich nach Flämischem Recht, eine Stadt als Kaufmannsansiedlung am Oderübergang gegründet. Dadurch gilt Kasimir I. in den Geschichtsbüchern als Gründer der Stadt Opole. Im Jahr 1228 ließ er in einer Urkunde festlegen, dass die Stadt und die Burg mit einer Mauer aus Ziegelstein zu befestigen sei. Zu dieser Zeit kamen viele Siedler, vor allem aus Westeuropa, in die neu gegründete Stadt, darunter Deutsche, Flamen und Wallonen. Auf dem Ostrówek ließ der Herzog ein Schloss bauen, das in den 1920er Jahren abgerissene Piastenschloss. Kasimir I. förderte den Handel und das Handwerk in der Stadt.Anna Bedkowska-Karmelita: Reiseführer durch das Oppelner Land. Alkazar, Oppeln 2009, ISBN 978-83-925591-3-9, S. 30. 1222 wurde die Kreuzkirche erstmals urkundlich erwähnt und kurze Zeit später zum Kollegiatstift bestimmt. Im Jahr 1295 wurde sie Pfarrkirche bestimmt, womit sie die Aldalbertkirche ablöste.

In der Schlacht bei Oppeln besiegte 1241 ein Heer der Goldenen Horde eine polnische Streitmacht. Im weiteren Verlauf des 13. Jahrhunderts wurde der Enkel Kasimirs I. 1246 Herzog des Fürstentums. Er bemühte sich um eine bessere Entwicklung der Stadt, besiedelte neue Gebiete im Reich und gründete neue Städte. Nach dessen Tod wurde das Fürstentum Oppeln unter seinen Söhnen aufgeteilt. Das herzogliche Oppeln ging an Bolko I. Dieser errichtete die steinerne Wehrmauer um die Stadt, ließ die niedergebrannte Franziskanerkirche wieder aufbauen, erweiterte die Kathedrale zum Heiligen Kreuz und vollendete den Bau des Schlosses. Die Stadtbefestigung bestand aus fünf Toren mit Tortürmen. Im Süden befand sich das Beuthener Tor (auch Groschowizer Tor genannt), im Osten das Goslawitzer Tor, im Norden das Nikolaitor (dieses war aber zugemauert und konnte nicht passiert werden) und im Westen zur Oder hin das Oder- und Schlosstor. Des Weiteren existierten noch weitere drei Wehrtürme. An der Kathedrale befand sich der Barborkaturm, im Osten an der Bergelkirche der Flettnerturm und der Wilkturm am Tuchmarkt.A. Marsch: Oppeln Falkenberg Gross Strehlitz, historische Ansichten aus vier Jahrhunderten. 2007, ISBN 3-87057-206-X, S. 26.

Im Jahr 1327 verlieh der Oppelner Herzog Bolko II. der Stadt das Neumarkter Recht. Im selben Jahr huldigten Bolko II. von Oppeln sowie weitere schlesische Herzöge dem böhmischen König Johann von Luxemburg, der ein Sohn des römisch-deutschen Kaisers Heinrich VII. war. Mit dem Vertrag von Trentschin akzeptierte der polnische König Kasimir der Große im Jahr 1335 den Verlust von Schlesien. Das Herzogtum Oppeln gehörte somit zum Königreich Böhmen, das Bestandteil des Heiligen Römischen Reiches war. 1410 wurde der Stadt das Magdeburger Recht verliehen.Urszula Zajączkowska: Oppeln/Opole – ein kunstgeschichtlicher Rundgang durch die Stadt an der Oder. Bolko III. (Oppeln) regierte gemeinsam mit seinem Bruder Wladislaus II. Dieser war Anwärter auf den polnischen Thron und bekleidete daneben hohe Funktionen im Reich. Johann I., Sohn Bolkos III., regierte von 1382 bis 1421 das Herzogtum. Er errichtete die ersten gemauerten Gebäude in der Stadt sowie das Hospital und die Alexiuskapelle.

Vom Ende der Oppelner Piasten-Dynastie bis 1900 mini|Plan von Oppeln aus dem 18. Jahrhundert mini|Darstellung von Oppeln in einem alten Stich von 1734 mini|Stadtplan von Oppeln aus dem Jahr 1818 mini|Gründerzeitliche Wohnhäuser an der ul. 1-maja Der letzte Schlesische Piast von Oppeln war Johann II., auch bekannt unter dem Namen Johann der Gute. Er widmete der Stadt das heutige Wappen und verfasste die ersten Bergbaugesetze. Ab 1514 war Oppeln eines der größten Zentren der schlesischen Tuchwebereien. Zu dieser Zeit wurde Oppeln immer mehr zu einem wichtigen Handelszentrum. Selbst Zollgebühren durfte die Stadt bereits einführen. 1528 schlossen Johann der Gute und Ferdinand I. in seiner Eigenschaft als König von Böhmen einen Vertrag, wonach das Herzogtum samt der Stadt Oppeln nach dessen Tod an die Krone Böhmen fallen solle. Mit dem Tod Johanns des Guten am 27. März 1532 fiel das Herzogturm als erledigtes Lehen durch Heimfall an Böhmen. Als „Erb“fürstentum wurde es zwischen 1532 und 1666 mehrmals verpfändet.

Im Jahr 1615 zerstörte ein Großbrand sämtliche Häuser innerhalb der Stadtmauern. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde die wiederaufgebaute Stadt erneut zu großen Teilen zerstört, darunter auch das Piastenschloss. Im Jahr 1655 hielt sich der polnische König Johann II. Kasimir in der Stadt auf. Er war vor der „Schwedenflut“, die im Zweiten Nordischen Krieg fast ganz Polen besetzt hatte, nach Schlesien geflohen. In Oppeln verfasste er einen Appell an sein Volk, in dem er seine polnischen Untertanen zum Kampf gegen die Schweden aufforderte. Die Stadt war in den Jahren 1645 bis 1666 an das Haus-Wasa verpfändet worden, da die Habsburger auch bei ihnen Schulden hatten. Der häufige Wechsel der Obrigkeit hemmte die Entwicklung der Stadt und des Fürstentums. Im Jahr 1679 grassierte die Pest in Oppeln und forderte mehr als 900 Todesopfer. 1739 wütete ein Großbrand in der Stadt und zerstörte knapp zwei Drittel der Stadt. Von knapp 210 Häusern fielen 135 den Flammen zum Opfer.Urszula Zajączkowska: Ratusz w Opolu. MS Verlag, 2001, ISBN 83-88945-05-X.

Im 18. Jahrhundert gehörte Oppeln zur Steuerrätliche Inspektion in Neustadt O.S. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel der Großteil Schlesiens samt Oppeln an Preußen. Die preußische Verwaltung führte erstmals in der Geschichte der Stadt die allgemeine Schulpflicht ein; dadurch wurde der Anteil der polnischsprachigen Einwohner der Stadt weiter verringert. Auch nahmen neben einem neuen Post- und Steueramt eine Salz- und Baubehörde ihre Arbeit auf. Weiterhin wurde 1747 die erste Garnison in Oppeln stationiert. Damit sich Oppeln schneller entwickeln konnte, bekam jeder, der ein Haus bauen wollte, eine Unterstützung von 50 bis 80 Talern. Weiterhin wurden Fabriken und Manufakturen gefördert und es entstanden erste Hüttensiedlungen im Oppelner Umland. Zugleich wurde an allen Ämtern und Schulen die deutsche Sprache eingeführt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Oppeln zu einem wichtigen Verwaltungs- und Industriezentrum. Mit der Neustrukturierung der Kreisgliederungen in Preußen im Jahr 1816 wurde der Sitz des Oberschlesischen Regierungsbezirks von Brieg nach Oppeln verlegt. Diese Funktion hatte Oppeln bis 1945 inne. Dadurch wuchs die Einwohnerzahl, und die Bautätigkeit der Stadt nahm zu. 1816 lebten 4050 Menschen in der Stadt. 1822 begann man mit dem Abriss der Stadtbefestigung. Im selben Jahr erhielt das Rathaus einen Neubau. 1824 entstand die Kolonie „Wilhelmstal“ auf der Paschekeinsel. Zur gleichen Zeit wurde neuer Wohnraum für neu hingezogene Beamte erbaut. Zu Beginn der 1830er Jahre wurde die Alte Regierung am heutigen Plac Wolności (bis 1945 Regierungsplatz) erbaut. 1839 wurde die Hebammenschule an der Bergelkirche errichtet. 1840 wurde die noch heute stehende Alte Synagoge am Mühlgraben gebaut. Kurze Zeit später, im Jahr 1843, eröffnete die Oberschlesische Eisenbahn den Bahnverkehr zwischen Oppeln und Breslau sowie 1846 die Anbindung an das Industriegebiet rund um Kattowitz und Zabrze.