mini|hochkant=1.4|Schloss Plön nach der Renovierung 2006; Südwestansicht mit dem Großen Plöner See im Vordergrund. Unmittelbar am Ufer führt hier die Bahnstrecke Kiel–Lübeck vorbei. mini|hochkant=1.4|Der Stadt zugewandte Nordseite des Schlosses
Schloss Plön ist eines der größten Schlösser Schleswig-Holsteins und das einzige dort erhaltene in Höhenlage. Es befindet sich in der Stadt Plön im gleichnamigen Kreis. Die frühere Residenz der Herzöge von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön wurde im 17. Jahrhundert während des Dreißigjährigen Krieges errichtet. Es erlebte eine wechselvolle Geschichte, in der das Schloss unter anderem auch als Kadettenschule und Internat diente.
Zuletzt im Besitz des Landes Schleswig-Holstein, wurde Schloss Plön aufgrund einer vom Land nicht finanzierbaren notwendigen Sanierung verkauft. Seit Januar 2002 gehört es der „Fielmann Akademie Schloss Plön“ und dient nach aufwendigem Umbau der Branche der Augenoptik und Hörakustik als Ausbildungs- und Qualifizierungsstätte. Nachdem das Schloss durch den Internatsbetrieb viele Jahre nicht öffentlich zugänglich gewesen war, öffnete es der neue Besitzer in begrenztem Umfang für Besucher.
Geschichte Vorgeschichte des Schlossgeländes Die erste wagrische Burgbefestigung namens Plune stammte aus dem 10. Jahrhundert und befand sich auf der Insel Olsborg im Plöner See. Die Anlage wurde 1139 zerstört. Der Wiederaufbau der Burg erfolgte unter Graf Adolf II. von Schauenburg und Holstein. Sie diente als Stützpunkt während der Kolonialisierung des einstmals slawischen Gebiets. 1173 wurde die Burg auf den Bischofsberg neben den Flecken Plön verlegt – an die Stelle des heutigen Plöner Schlosses. Im 12. Jahrhundert entwickelte sich Plön langsam zu einem Marktstandort und erhielt 1236 Stadtrecht. Von 1290 bis 1390 war die Höhenburg der Sitz der schauenburgischen Linie von Holstein-Plön und gelangte nach deren Aussterben in den Besitz des Schleswiger Herzogs Gerhard VI. Über die Herzöge von Schleswig kam die kleine Festung vier Generationen später an das dänische Königshaus (Christian I. war Herzog von Schleswig und König von Dänemark in Personalunion). Plön und seine Burg spielten in dieser Zeit jedoch keine bedeutende Rolle in der Landesgeschichte.Daten und Ereignisse dieses Absatzes aus J. Habich, D. Lafrenz, H. Schulze, L. Wilde: Schlösser und Gutsanlagen in Schleswig-Holstein. S. 146f.Schloss Plön. Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte. Abgerufen am 13. Mai 2020.
mini|Alte Plöner Burg, um 1595, auf einem Stich von Georg Braun und Frans Hogenberg, Ausschnitt aus Civitates orbis terrarum
Im Zuge der Grafenfehde zwischen Lübeck und Dänemark wurde die Burg 1534 bei einem Überfall der Lübecker niedergebrannt. Anschließend wurde ein erster, größerer Neubau auf dem zum Teil noch der Romanik entstammenden Burggelände errichtet. 1564 übertrug König Friedrich II. von Dänemark seinem Bruder Johann dem Jüngeren unter Missachtung des Vertrags von Ribe ein Drittel seines Anteils an Schleswig und Holstein, womit der Bruder das abgeteilte Herzogtum von Schleswig-Holstein-Sonderburg begründete. Zu seinem Besitz gehörte auch Plön samt der Burg. Unter dem frühmerkantilistischen Herzog Johann erlebten Stadt und Burg einen wirtschaftlichen Aufschwung.Daten und Ereignisse dieses Absatzes aus J. Habich, D. Lafrenz, H. Schulze, L. Wilde: Schlösser und Gutsanlagen in Schleswig-Holstein. S. 147. Nach dem Tode Johanns im Jahr 1622 wurde das Herzogtum Schleswig-Holstein-Sonderburg unter den sechs männlichen Erben aufgeteilt und neue Teilherzogtümer entstanden; eines davon war das Herzogtum Schleswig-Holstein-Plön.
Residenz der Herzöge von Plön Der erste Herzog dieser Linie war Joachim Ernst von Schleswig-Holstein-Plön, der zweitjüngste Sohn Herzog Johanns. Anlässlich seiner Hochzeit mit der Gottorfer Prinzessin Dorothea Augusta beschloss der neue Landesherr den Bau eines repräsentativen Schlosses für sich und seine Familie. Finanziert wurde der Bau unter anderem durch die ansehnliche Mitgift der Braut.I. Bubert, H. P. Walter: Gutshöfe, Herrenhäuser und Schlösser in Schleswig-Holstein. S. 241. 1632 wurde die alte Plöner Burg auf Geheiß des Herzogs abgerissen und an deren Stelle das heutige Schloss im Stil der Renaissance errichtet. Die neue Residenz wurde inmitten des Dreißigjährigen Krieges innerhalb von nur drei Jahren fertig gestellt.Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Hamburg und Schleswig-Holstein. S. 688.
Das Schloss war die Residenz der herzoglichen Familie, doch wurde es zu keinem so bedeutenden Ort in der Landespolitik wie etwa das Schloss Gottorf. Da die Plöner Herzöge weitere Schlösser und Sommersitze, wie das Schloss in Traventhal und die Schlösser in Ahrensbök, Rethwisch und Reinfeld besaßen, war die Plöner Residenz nicht durchgehend bewohnt. Dennoch war das Gebäude eines der kulturellen Zentren des Herzogtums. Joachim Ernst begründete eine Bibliothek im Schloss, die durch seine Nachfolger auf bis zu 10.000 Bände erweitert wurde.Die Tradition der Optik, Artikel auf der Website des Schlosses. Zudem war der Herzog sehr an der Physik und der Optik interessiert und sammelte in der Plöner Residenz verschiedene optische Geräte und Messinstrumente. Nach Herzog Joachim Ernst diente das Schloss seinem Sohn Hans Adolf, der jedoch als Feldherr in Diensten des Kaisers nur selten in Plön weilte und im Herzogtum weitgehend durch seine Frau und seine Mutter vertreten wurde. Auch der Hans Adolf folgende Joachim Friedrich residierte hier. Nachdem er ohne männlichen Nachkommen 1722 verschuldet gestorben war, stand das Schloss sieben Jahre lang leer und die Ausstattung wurde zum Teil an seine Gläubiger übergeben.
mini|Stadt und Schloss Plön auf einem Stich von 1864 Seine kulturelle Blüte erlebte das Schloss unter dem letzten Herzog Friedrich Karl ab 1729. Dieser führte eine barocke Hofhaltung und ließ das Schloss im Inneren im Stil des Rokoko ausstatten. Friedrich Karl erweiterte die Anlage um die heute noch vorhandenen Gebäude des Schlossplatzes, den Marstall und das Reithaus, sowie des Gartenschlösschens, des heute sogenannten Prinzenhauses.Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Hamburg und Schleswig-Holstein. S. 688f. Das Schloss war Residenz der Plöner Herzöge bis zum Tode Friedrich Karls, der ohne männlichen Erben 1761 starb. Mit seinem Tod erlosch das Lehen und das Herzogtum ging zurück an das dänische Königshaus. Das Gebäude wurde von seiner Frau Christiane Armgardis noch bis zu ihrem Tod 1779 als Witwensitz bewohnt. Es diente anschließend als Sitz des Amtmannes und außerdem von 1777 bis 1823 als Residenz für den geistig umnachteten Sohn Friedrich Augusts I. von Oldenburg, Peter Friedrich Wilhelm. Der von seinen herzoglichen Pflichten entmündigte junge Mann erhielt das Schloss von seinem Vormund, dem dänischen König Christian VII., zugewiesen und durfte hier über einen großen Hofstaat verfügen.I. Bubert, H. P. Walter: Gutshöfe, Herrenhäuser und Schlösser in Schleswig-Holstein. S. 245. Nach seinem Tod fand die Nutzung des Schlosses als höfische Residenz ein vorläufiges Ende. Ab 1833 wurde eine Gelehrtenschule eingerichtet.
Dänischer Sommersitz Ab 1840 war Schloss Plön die offizielle Sommerresidenz des dänischen Königs Christian VIII. Dazu wurde das Schloss renoviert und die Ausstattung teilweise im Stil des Klassizismus erneuert. Zu dieser Zeit erhielt es auch den weißen Putz, der an dänische Schlösser wie Gravenstein und Fredensborg erinnert.Übersicht der Historie auf der Website des Schlosses. Die Regierungszeit Christians VIII. wird hier fälschlich bis 1863 angegeben.
Kadettenanstalt und „Napola“ Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 gelangte das Schloss in preußischen Besitz. 1868 wurde die Inneneinrichtung entfernt und überwiegend in das Kieler Schloss gebracht, wo sie 1942 nach einem Luftangriff verbrannte. Schloss Plön wurde im Inneren kasernenartig umgebaut und diente anschließend in der preußischen Provinz Schleswig-Holstein als Kadettenanstalt. Die Söhne des deutschen Kaisers Wilhelm II. erhielten ab dem Ende des 19. Jahrhunderts ihre Ausbildung in Plön, und für diese Zwecke wurde das Lustschloss im Garten zum sogenannten „Prinzenhaus“ erweitert, auf der Prinzeninsel wurde ein Lehrbauernhof eingerichtet und vor dem Schloss für die neu verlegte Bahnstrecke der „Prinzenbahnhof“ gebaut. Auf Anregung der Kaiserin Auguste Viktoria erhielt die Schlosskapelle eine neue Ausmalung.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Militärschulen durch den Vertrag von Versailles verboten. Das Schloss diente ab 1920 als Staatliche Bildungsanstalt („Stabila“). Ab 1933 wurden das Schloss Plön und das darum befindliche Gebiet als Nationalpolitische Erziehungsanstalt (offiziell: NPEA, umgangssprachlich: „Napola“) wie die ehemaligen Kadettenanstalten in Potsdam und Köslin für eine „Eliteschule“ der Nationalsozialisten genutzt. Die „Napola“ in Plön war mit ihrer Eröffnung am 1. Mai 1933 die erste ihrer Art und wurde nach dem SA-Führer Ernst Röhm benannt. Nach dessen Ermordung 1934 wurde sie umbenannt in NPEA Plön. Die Schule wurde vom ehemaligen Polizeimajor Hermann Brunk geleitet, der nun den Dienstgrad SA-Standartenführer trug. Am 23. April 1945, noch vor der Einnahme durch die Briten, schloss die „Napola“.Nationalpolitische Erziehungsanstalt in Plön (Napola). Auf der Website der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte. Abgerufen am 13. Mai 2020. Nach: Matthias Paustian: Die Nationalpolitische Erziehungsanstalt Plön 1933–1945. In: Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte. Jg. 26 (1994), , S. 3–100.
Im Jahr 1945 hielt sich Karl Dönitz für wenige Tage in Plön auf, der hier eine kurzfristig eingerichtete Kommandostelle unterhielt. Vor der Flucht nach Flensburg-Mürwik war das Schloss am 2. Mai 1945 für einen Tag Verwaltungssitz für Teile der Regierung Dönitz. Danach nahmen britische Besatzungstruppen in Schleswig-Holstein und Hamburg, zusammengefasst im VIII. Britischen Armeekorps unter General Evelyn Barker, ihr Hauptquartier im Schloss.
Beide Weltkriege überstand das Schloss ohne kriegsbedingte Zerstörungen.
Internat Das Plöner Gymnasium war von jeher im Schloss und hieß bis 1933 Kaiserin-Augusta-Viktoria-Gymnasium. In der Nachkriegszeit wurde 1946 mit Genehmigung der britischen Militärregierung das Staatliche Internat Schloss Plön für Jungen und Mädchen eingerichtet. Es erstreckte sich über das gesamte Schlossgelände. Das Schloss selbst diente der Unterbringung der männlichen, das „Prinzenhaus“ der Unterbringung der weiblichen Schüler. Das Bootshaus und weitere Nebengebäude wurden von der Verwaltung bezogen. Der Unterricht fand im benachbarten Internatsgymnasium Schloss Plön, dem heutigen Gymnasium Schloss Plön, in der Prinzenstraße statt.
Die Nutzung als Wohnhaus hinterließ Spuren an dem alten Schlossgebäude, das zunehmend sanierungsbedürftiger wurde. Gutachten aus den Jahren 1986/1988 ergaben, dass die Anlage einen hohen Investitionsbedarf habe und nur durch zweistellige Millionenbeträge vor dem Verfall zu retten sei.. Ab 1992 wurde der Verkauf des Schlosses angestrebt und ab 1995 wurden die Nebengebäude veräußert. Der Verkauf wurde notwendig, da sich das Land nicht in der Lage sah, neben dem unwirtschaftlichen Betrieb des Internats eine denkmalgerechte Sanierung des Hauses durchzuführen. 2001 wurde das Internat geschlossen. Die ehemaligen Schüler, Lehrer und Mitarbeiter sind heute noch im „Verein der Butenplöner“ organisiert.Verein Butenplöner e. V.
Filmkulisse Noch zu Internatszeiten diente das Schloss mehrfach als Filmkulisse, so bereits 1969 in dem Film Sieben Tage Frist u. a. mit Joachim Fuchsberger und Horst Tappert und ab 1997 in der Fernsehserie Die Schule am See, die im Ersten zu sehen war. Die Schüler des Internats spielten häufig als Komparsen in der Serie mit. Eine ähnliche, wenn auch nur kurze Rolle spielte das Schloss 1994 im Film Charlie & Louise, Joseph Vilsmaiers Verfilmung des Romans Das doppelte Lottchen von Erich Kästner.