Die Dresdner Heide, ein großes Waldgebiet in Dresden, ist das bedeutendste Naherholungsgebiet der Stadt und wird forstwirtschaftlich genutzt. Etwa 6133 Hektar der Dresdner Heide sind als Landschaftsschutzgebiet Dresdner Heide (d16) ausgewiesen; damit ist sie einer der flächenmäßig größten Stadtwälder Deutschlands. Während im Osten überwiegend landwirtschaftliche Flächen angrenzen, ist die Heide in allen anderen Himmelsrichtungen von Stadtteilen und Ortschaften Dresdens umgeben und reicht im Südwesten bis an den Dresdner Vorstadtgürtel heran. Die für eine Heide typische Landschaft mit stark ausgeprägter Strauchschicht und Heidekraut ist in der Dresdner Heide eher nicht vorhanden, weshalb es sich zumindest im engeren Sinne nicht um eine Heidelandschaft handelt. mini|Lage der Dresdner Heide mini|Blick aus der Dresdner Heide am Mordgrund über die Johannstadt und Strehlen
Das Waldgebiet markiert in seiner Geologie und in der Pflanzen- und Tierwelt einen Übergangsraum zwischen dem Norddeutschen Tiefland und den Mittelgebirgen. Es wird bis auf kleine Flächen dem Westlausitzer Hügel- und Bergland zugeordnet und stellt damit einen der westlichsten Ausläufer der Sudeten dar. Während der felsige Untergrund des Waldes im Laufe der schollentektonischen Bildung des Elbtalkessels, den die Dresdner Heide nördlich flankiert, angehoben wurde, ist der Mischwald großflächig durch dünenartige Sandablagerungen der Saale- und Elster-Kaltzeit geprägt. Die Nähe der Dresdner Heide zur Innenstadt Dresdens war ausschlaggebend für die historische Nutzung als kurfürstliches Jagdrevier sowie die intensive Kultivierung und kulturelle Prägung.
Dresdner Heide und Junge Heide Die Dresdner Heide besteht aus zwei voneinander isolierten Teilen. Der wesentlich größere Teil bildet die gleichnamige Gemarkung und wird im Folgenden als Hauptteil bezeichnet. Der weiter westlich gelegene, kleinere Teil heißt Junge Heide. Beide bilden zwar eine historische und forstwirtschaftliche Einheit sowie ein gemeinsames Landschaftsschutzgebiet, sind aber auf Grund früherer Rodungen durch den Heller räumlich zerschnitten und wegen ihrer Abgeschiedenheit voneinander auch administrativ getrennt. Aus Unwissenheit wird häufig von der Dresdner Heide im Unterschied zur Jungen Heide gesprochen. Dies ist jedoch nicht korrekt, da die beiden Begriffe teilidentisch sind.
Geographie Lage
Im Nordosten der sächsischen Landeshauptstadt gelegen, dehnt sich der Hauptteil der Dresdner Heide zwischen der Innenstadt und der Stadtgrenze aus. Er liegt hauptsächlich außerhalb der geschlossenen Ortschaft und ist weitgehend dem Stadtbezirk Loschwitz zugeordnet. Mit einer Fläche von 4836 Hektar ist der größte Teil des Waldgebiets als eigenständiger statistischer Stadtteil „Dresdner Heide“ mit der laufenden Nummer 44 definiert. Der statistische Stadtteil ist weitgehend, aber nicht vollständig identisch mit der etwa ebenso großen, gleichnamigen Gemarkung. Kleinere Randgebiete des zusammenhängenden Waldes gehören bereits zu den Stadtbezirken Neustadt und Klotzsche beziehungsweise zur Stadt Radeberg. Im Süden reicht der Hauptteil zwischen Loschwitz und dem Waldschlösschenviertel bis an den Elbhang heran und grenzt direkt an den Weißen Hirsch, Bühlau und Weißig sowie an die Radeberger Vorstadt. Die südlichsten Ausläufer tangieren sogar die dicht besiedelte Äußere Neustadt. Im Westen trifft das Waldgebiet auf die Albertstadt und Klotzsche. Im Norden wird es durch die Weixdorfer Ortsteile Lausa und Friedersdorf sowie durch Langebrück und Liegau-Augustusbad begrenzt. Anlieger im Osten sind Radeberg und dessen Ortsteile Großerkmannsdorf und Ullersdorf.
Die Junge Heide, der kleinere Teil, liegt westlich des Hauptteils im Nordwesten Dresdens. Begrenzt wird sie im Norden durch die Stadtteile Wilschdorf und Hellerau, im Osten durch den Heller und im Süden durch Trachenberge und Trachau. Im Westen trifft sie auf die Radebeuler Stadtteile Oberlößnitz und Alt-Radebeul, im Nordwesten auf Boxdorf. Jener Teil der Jungen Heide, der in den Gemarkungen Hellerberge und Wilschdorf liegt, gehört zum Stadtbezirk Klotzsche. Der Westteil der Jungen Heide wurde dagegen der Gemarkung Trachau zugeordnet. Gemeinsam mit einem kleinen Randstück im Süden, das zu Trachenberge gehört, zählt er demnach bereits zum Bereich des Stadtbezirks Pieschen. Weitere kleine Randstücke im Westen der Jungen Heide werden schon von Moritzburg oder Radebeul aus verwaltet.
Umliegende Landschaften sind die Lößnitz im Westen, der Friedewald und das Moritzburger Teichgebiet beziehungsweise die Moritzburger Kleinkuppenlandschaft sowie das Wilschdorf-Rähnitzer Sandhügelland im Nordwesten, die Königsbrück-Ruhlander Heiden im Norden, das Seifersdorfer Tal im Nordosten und im Südosten das Schönfelder Hochland. Am Südrand geht die Dresdner Heide in einer Park- und Gartenlandschaft in das Dresdner Elbtal über.
Name Im Gegensatz zur weit verbreiteten Schreibung Dresdner Heide wird in den topographischen Landeskartenwerken die Schreibung Dresdener Heide angewandt.
Verkehr mini|Der Prießnitztalviadukt (früher Carolabrücke genannt) über den Prießnitzgrund in der Albertstadt
Der Hauptteil der Dresdner Heide wird nur von zwei Straßenverkehrswegen durchquert: Die Radeberger Landstraße verläuft von Südwesten nach Nordosten diagonal durch den Wald zwischen der Neustadt und Radeberg; im Norden zweigt hiervon die Ullersdorf-Langebrücker Straße in Richtung Langebrück ab. Die Königsbrücker, Langebrücker, Bautzner sowie die Ullersdorfer Landstraße durchschneiden teilweise die Dresdner Heide an deren Rändern. Mitten durch die Junge Heide führen die Moritzburger Landstraße, die Straße Am Walde sowie der Boxdorfer Weg; an ihrem Südostrand verläuft die Bundesautobahn 4. Auf allen sonstigen Wegen in der Heide herrscht Kraftfahrzeug-Fahrverbot (ausgenommen Forstbetrieb). Viele der historischen Brücken stehen unter Denkmalschutz.
Die seit 1845 bestehende Bahnstrecke Görlitz–Dresden der Sächsisch-Schlesischen Eisenbahngesellschaft verläuft im Westen, Nordwesten und Nordosten auf drei Abschnitten durch Randlagen der Dresdner Heide. Auch die am Bahnhof Dresden-Klotzsche beginnenden Abzweige der Bahnstrecke Dresden-Klotzsche–Straßgräbchen-Bernsdorf (seit 1884) und der Bahnstrecke Dresden-Klotzsche–Dresden Flughafen (seit 1937 bis zum damals militärischen Teil des Flughafens) zerschneiden die Heide nur in Randgebieten.
mini|Bautzner Straße im Mordgrund
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind vornehmlich die Ränder des Hauptteils gut zu erreichen. Regional- und S-Bahn-Haltepunkte in der Umgebung sind Dresden-Industriegelände, Klotzsche, Langebrück und Radeberg. Von Süden erreicht man die Heide von den Haltestellen der Straßenbahnlinie 11 und den Buslinien 61 und 64 der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB). An der Westseite des Hauptteils bestehen Anschlüsse an die Straßenbahnlinien 7 und 8 sowie die Buslinie 80. Regionalbusse des Regionalverkehr Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (RVSOE) zwischen Dresden und Radeberg umfahren ihn im Norden (Linie 308) und Osten (Linie 309) und verkehren auch über die Radeberger Landstraße (Linie 305, Haltestelle Heidemühle).
Die Junge Heide wird von der Buslinie 80 und mehreren Regionalbuslinien durchquert. Am Wilden Mann befindet sich die Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 3.
Natur Landschaft mini|Hang einer heidetypischen, inaktiven Binnendüne mit aufgeschlossenem Sand in der Nähe von Klotzsche
Bei der Dresdner Heide handelt es sich nicht um eine Heide-Landschaft im klassischen Sinn, denn in Sachsen und Brandenburg werden auch zusammenhängende Wälder als Heide bezeichnet. Ein beträchtlicher Abschnitt ihres Hauptteiles gehört zum Radeberger Land und zum Naturraum Westlausitz beziehungsweise zum Westlausitzer Hügel- und Bergland. Die niedrigeren Gebiete im Südwesten des Hauptteils, also die sogenannte Mittel- oder Heidesandterrasse, sowie fast die gesamte Junge Heide befinden sich hingegen schon im Bereich der Dresdner Elbtalweitung. Die durchschnittliche Höhenlage des Hauptteils beträgt 200 bis , wobei das Gelände insgesamt leicht nach Südwesten in Richtung Elbe abfällt. Höchste Erhebung ist mit knapp der Dachsenberg, der tiefste Punkt befindet sich nahe dem Prießnitztalviadukt (Carolabrücke der Stauffenbergallee) im Prießnitzgrund mit . Die Junge Heide liegt mit durchschnittlich 120 bis deutlich niedriger.
Das zusammenhängende Waldland im Nordosten Dresdens ist, von oben betrachtet, etwa kreisförmig und wird von wenigen Wiesen unterbrochen. Seine Fläche beträgt ungefähr 52 Quadratkilometer, dazu kommen noch 7 Quadratkilometer der Jungen Heide. Dies entspricht insgesamt rund 17 Prozent der Stadtfläche und macht Dresden zu einer der waldreichsten Städte Deutschlands. Die Oberfläche ist reich zergliedert. Die vielen Bäche fließen in flachen Mulden oder tiefen Kerbtälern. An deren Rändern sind Sandhänge und Felsklippen ausgebildet. Die Anhöhen dazwischen sind leicht hügelig. Es gibt aber auch recht flache Gebiete sowie bis zu zehn Meter hohe, kilometerlange fossile Dünen. Die Junge Heide erstreckt sich fast ausschließlich auf den Bereich der Mittelterrasse. In weiten Teilen recht eben, steigt sie im Nordosten und Norden stark an. Im Westen geht sie in die Landschaft der Lößnitz über.
Geologie mini|Der Wasserfall der Prießnitz bei Klotzsche und die Granodiorit-Felsen im Zuge der Lausitzer Störung
Ein Großteil der Dresdner Heide gehört zur Lausitzer Platte, welche nach Südwesten zur Elbe abfällt. Entlang der Linie Wahnsdorf–Baumwiese–Hellerau–Klotzsche–Wolfshügel–Loschwitz verläuft die Lausitzer Verwerfung quer durch die Heide und macht sich in Form eines bis zu 80 m hohen, abschnittsweise aber auch recht flachen Hanges bemerkbar. Das Gestein besteht aus Syenit oder Granodiorit, welcher als Störungslinie am Prießnitzwasserfall kurz zu Tage tritt, ist aber fast im gesamten Heidegebiet durch eine mächtige Schicht gleichmäßig und grob gekörnten Sandes oder Kieses überdeckt. Diese entstand während der Elster-Kaltzeit und ist ein Schwemmfächer der Schmelzwässer südlich des damaligen Gletscherrandes, die hier in einen damals im oberen Elbtal gelegenen Stausee einmündeten. Entlang der Lausitzer Störung befindet sich ferner eine bis zu 60 m hohe Flugsandschicht aus der Saalekaltzeit. Das Material wurde hier teilweise zu Dünen aufgeweht.
Böden Auf dem sauren Untergrund der Sandschicht und des Granits hat sich ein verbreitet nährstoffarmer Podsolboden entwickelt, der die Flora der Dresdner Heide großflächig vor allem im Westen bestimmt (siehe unten). Durch Gesteinsverwitterung befinden sich auch lehmhaltige Böden in der Heide, die Grundlage für anspruchsvollere Pflanzengemeinschaften sind. Diese Böden kommen vor allem im Süden und Osten vor, wo die Lausitzer Platte in den Grabenbruch des Elbtalkessels abbricht. Dort ist die obere Bodenschicht von Felsen durchsetzt.
In den Kerbsohlentälern der Prießnitz und ihrer Nebengewässer im Nordosten befinden sich feuchte, da grundwassernahe, Auenböden, die reich an Humus und Schwemmmaterial sind. In Niederungen gibt es auch Vorkommen junger Moorböden, die bei der Verlandung kleiner, stehender Gewässer entstanden. Auch in den Altarmen der Prießnitz entwickeln sich torfhaltige sehr nährstoffreiche Moorböden, die teilweise durch den Versickerungsprozess auf den Sandböden oberhalb der Täler stark unter Quelldruck stehen.
Gewässer mini|Im Prießnitzgrund