Die Fußballnationalmannschaft der DDR war die Auswahlmannschaft des Deutschen Fußball-Verbandes, die die DDR in den A-Länderspielen auf internationaler Ebene vertrat. Neben der A-Nationalmannschaft unterhielt der DFV auch noch eine B-Nationalmannschaft, Nachwuchs- und Juniorennationalmannschaften sowie zeitweise eine Fußball-Olympiaauswahl.

Ihr erstes Länderspiel absolvierte die A-Nationalmannschaft 1952 gegen Polen, gegen das sie insgesamt auch die meisten Länderspiele bestritt (19). Als größter Erfolg der Mannschaft gilt die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 1974. Die Spiele zum Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen 1976 in Montreal werden in der Länderspielstatistik der FIFA nicht als offizielle A-Länderspiele gewertet.

Der DFV löste sich im November 1990 infolge der deutschen Wiedervereinigung auf; davor wurde der Spielbetrieb der Nationalmannschaft eingestellt. Insgesamt absolvierte die Mannschaft 293 Länderspiele, bei denen sie 501 Tore erzielte und 345 Gegentore kassierte (ohne im Elfmeterschießen erzielte Tore). Es wurden 273 Spieler eingesetzt, 138 Spiele gewonnen, es gab 86 Niederlagen, und 69-mal wurde unentschieden gespielt.

Geschichte 1949 bis 1957: Anfänge Das erste offizielle A-Länderspiel der DDR fand 1952 statt; die Geschichte der Auswahl geht bis in das Jahr 1949 zurück. Damals wurde Helmut Schön mit der Betreuung einer Ostzonenauswahl beauftragt. Offizielle Länderspiele konnten jedoch nicht durchgeführt werden, da die DDR noch nicht Mitglied des Fußballweltverbandes FIFA war.

Die Aufnahme der DDR in die FIFA war umstritten; der Aufnahmeantrag der DDR vom 6. Februar 1951 stieß vor allem beim bundesdeutschen Fußball-Bund auf Empörung. Der damalige DFB-Präsident Peco Bauwens erklärte, dass es der Wunsch der Bundesrepublik sei, „den Sport frei von politischen Tendenzen zu halten“ und dies nur schwer möglich sei, wenn die FIFA die „eindeutig politisch geführte Fußballsportbewegung der Ostzone“ aufnehmen würde.Hardy Grüne: „Auferstanden aus Ruinen“ aus Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft S. 390 Die DDR erhielt am 6. Oktober 1951 die provisorische Mitgliedschaft und wurde am 24. Juli 1952 als vollwertiges Mitglied aufgenommen.

Die Abwanderung des Auswahltrainers Helmut Schön, seines Nachfolgers Fred Schulz und vieler Spieler in den Westen erschwerten die Anfänge der Nationalmannschaft. Nachdem mit Alfred Kunze der dritte Trainer der Auswahl noch vor dem ersten Länderspiel zurückgetreten war, übernahm Willi Oelgardt die Mannschaft. Der Nationaltrainer lernte seine Spieler anderthalb Monate vor dem ersten Länderspiel im Trainingslager kennen. Oelgardt musste bei der Nominierung der Nationalspieler nicht nur sportliche Aspekte beachten. Das SED-Regime erwartete von den Nationalspielern unter anderem „patriotisches Denken und Handeln“.Hardy Grüne: „Auferstanden aus Ruinen“ aus Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft S. 391

Das erste Länderspiel fand dann ausgerechnet im von Deutschland während des Zweiten Weltkriegs besetzten Polen statt. In diesem Spiel, das die DDR mit 0:3 verlor, sollte sich die Mannschaft nach Politikermeinung als „neues Deutschland“ präsentieren. Das Interesse der DDR-Bevölkerung an der Nationalmannschaft war groß, deren erstes Heimspiel am 14. Juni 1953 gegen Bulgarien, das 0:0 endete, fand vor 55.000 Zuschauern im Heinz-Steyer-Stadion in Dresden statt. Nachdem der Volksaufstand nur drei Tage später für politische Unruhen sorgte, konnte erst wieder am 8. Mai 1954 ein Länderspiel stattfinden, in dem die DDR Rumänien mit 0:1 unterlag.

1. Spiel am 21. September 1952 Polen – DDR 3:0 Wolfgang Klank (Dessau) Karl-Heinz Wohlfahrt (Babelsberg), Werner Eilitz (Vorw. Leipzig) Horst Scherbaum (Vorw. Leipzig), Herbert Schoen (VP Dresden), Georg Rosbigalle (Erfurt) Günter Schröter (VP Dresden), Heinz Fröhlich (Chemie Leipzig) Günter Thorhauer (VP Dresden), Günter Imhof (Halle), Johannes Matzen (VP Dresden) – Siegfried Meier (Zwickau) Schiedsrichter Harangozó (Ungarn), 35.000 Zuschauer in Warschau

Zunächst wurden weiterhin nicht unbedingt die besten Spieler nominiert. Zum Beispiel spielten am 26. September 1954 in der B-Nationalmannschaft ausschließlich Spieler aus der Oberliga, der höchsten Spielklasse, während am selben Tag die A-Auswahl mit zwei Spielern aus der zweitklassigen DDR-Liga (Buschner und Schnieke vom SC Motor Jena) der polnischen Nationalmannschaft unterlag. Stammplätze in der A-Nationalmannschaft gab es zu dieser Zeit nicht, so kamen in den ersten sechs Länderspielen insgesamt 37 verschiedene Spieler zum Einsatz. Die Gegner der Auswahl waren hingegen nicht so vielfältig, in den ersten elf Länderspielen bis einschließlich 1956 hatte die DDR mit Polen, Rumänien, Bulgarien und Indonesien nur vier verschiedene Mannschaften zum Gegner. Die geforderte „vorbildliche Repräsentation“Hardy Grüne: Erste Fortschritte aus Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft S. 392 der jungen DDR konnte so in Sachen Fußball nur in einem eng begrenzten geografischen Raum praktiziert werden.

Unter dem 1955 engagierten ungarischen Trainer János Gyarmati wurden fast jeden Monat zwei- bis dreitägige Trainingslager in Bad Blankenburg abgehalten. Bei seinem Amtsantritt stellte Gyarmati drei Probleme fest: „Es gibt zu viele sachunkundige Funktionäre, die glauben, es besser zu wissen, es fehlt an Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit zwischen Vereinen, Akteuren und Trainern, und die Spieler haben starke konditionelle Mängel“.Hardy Grüne: Erste Fortschritte aus Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft S. 393 Der Ungar erklärte, sich nicht von der Politik beeinflussen lassen zu wollen und ging bei der Nominierung der Nationalspieler ausschließlich nach sportlichen Kriterien vor. So gelang der DDR im siebten Spiel und dem ersten unter Gyarmati der erste Sieg, als die Mannschaft Rumänien auswärts mit 3:2 bezwang. Die anhaltende internationale Isolation der DDR stellte sich jedoch als Hemmnis für eine Weiterentwicklung der Nationalmannschaft raus. So gab es keine Vergleiche gegen erfahrene Nationalmannschaften aus dem „Nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet“. Mit der Auswahl Luxemburgs spielte die DDR am 10. März 1957 zumindest erstmals gegen eine westeuropäische Mannschaft (3:0).

1957 bis 1970: Erste Pflichtspiele Nachdem die Euphorie aus der Bundesrepublik nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1954 auf die Fußballanhänger aus der DDR übergriffen hatte, sah sich die DDR-Führung gezwungen, einer Teilnahme an der WM-Qualifikation 1958 zuzustimmen. Als Gegner der DDR-Auswahl wurden die Tschechoslowakei und Wales ausgelost. Für das Auftaktspiel gegen Wales am 19. Mai 1957 im Zentralstadion gab es rund 500.000 Kartenwünsche. Letztlich wohnten offiziell 100.000 Zuschauer dem 2:1-Sieg der Gastgeber bei. Obwohl die folgenden beiden Auswärtspartien deutlich verloren gingen, blieb in der Heimat das Interesse an den Spielen der DDR-Auswahl ungebrochen. So wurden für die Partie gegen die Tschechoslowakei am 27. Oktober 1957 insgesamt 640.000 Karten-Bestellungen verzeichnet.Andreas Debski, Michael Kraske, Ingolf Rackwitz: Zentralstadion Leipzig – Vom Stadion der Hunderttausend zum Fussballtempel, Das Neue Berlin, Berlin 2006, ISBN 3-360-01280-1. 110.000 Besucher im überfüllten Zentralstadion – andere Quellen gehen von 120.000 Zuschauern aus – bedeuteten einen gesamtdeutschen Zuschauerrekord für Fußballspiele, der bis heute Bestand hat.Werner Skrentny: Das grosse Buch der deutschen Fußballstadien. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2000, ISBN 978-3-89533-668-3. Für die DDR-Mannschaft besiegelte hingegen die 1:4-Heimniederlage den dritten und letzten Platz in der Qualifikationsgruppe.

János Gyarmati, der sich die permanenten Eingriffe der Sportfunktionäre nicht mehr bieten lassen wollte, trat nach dem Scheitern in den Qualifikationsspielen zurück. Daraufhin wurde Fritz Gödicke neuer Nationaltrainer. Unter ihm gewann die Nationalmannschaft 1959 kein einziges Länderspiel, die beiden Qualifikationsspiele zur Europameisterschaft 1960 gegen Portugal gingen verloren. Gödicke, dem „Antikfußball“ vorgeworfen wurde, musste die Konsequenzen ziehen und das Feld für Heinz Krügel räumen. Unter Krügel zeichnete sich ein Aufwärtstrend ab, als die DDR unter anderem im August 1960 gegen die Sowjetunion, die kurz zuvor Europameister geworden war, nur knapp mit 0:1 unterlag.

Den nach Meinung vieler Experten attraktivsten Fußball spielte die DDR-Auswahl zwischen 1961 und 1966 unter der Regie des ungarischen Trainers Károly Sós, der Heinz Krügel abgelöst hatte, nachdem viele DDR-Funktionäre trotz einiger Achtungserfolge mit dessen Bilanz nicht zufrieden gewesen waren. Spielerisch überzeugende Spiele unter Sós absolvierte die Mannschaft unter anderem gegen die UdSSR (1962 – 1:2 in Moskau), gegen England (1963 – 1:2 in Leipzig), Uruguay (1965 – 2:0 in Montevideo), Schweden (1966 – 4:1 in Leipzig), Chile (1966 – 5:2 in Leipzig) und die Niederlande (1967 – 4:3 in Leipzig). Geprägt wurde das System durch technisch versierte Spieler wie Peter Ducke, Manfred Kaiser, Dieter Erler, Roland Ducke und Jürgen Nöldner. Allerdings wurde die Spielweise der DDR oft als „brotlose Kunst“Hardy Grüne: Schön, aber erfolglos aus Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft S. 397 bezeichnet.

In der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1962 holte die Nationalmannschaft in einer Gruppe mit Ungarn und den Niederlanden nur einen Punkt, wobei ein wegen Visumproblemen abgesagtes Spiel der DDR in den Niederlanden (die Mannschaft erhielt Einreiseverbot) nicht nachgeholt wurde, nachdem es für die Qualifikation keine Bedeutung mehr hatte. In der Qualifikation zur Europameisterschaft 1964 eliminierte die DDR in der Vorrunde den amtierenden Vizeweltmeister ČSSR. (2:1 zu Hause – 1:1 auswärts). Das entscheidende Tor zum 1:1-Ausgleich erzielte Peter Ducke kurz vor Schluss mit einem Schuss aus spitzem Winkel. Im Achtelfinale scheiterte man aber knapp an Ungarn (1:2 zu Hause – 3:3 auswärts). Beim entscheidenden Spiel in Budapest wurde die DDR-Elf durch krasse Fehlentscheidungen des Schiedsrichters Borče Nedelkovski um den Erfolg gebracht. Der Jugoslawe wurde später von der FIFA aufgrund dieses Spieles international gesperrt.

hochkant=0.9|mini|links|Die Nationalmannschaft 1967 in Leipzig vor dem Spiel gegen Ungarn In der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1966 scheiterte das Nationalteam in einer Gruppe mit Ungarn und Österreich als Gruppenzweiter an den Ungarn. Auch in der Qualifikation zur Europameisterschaft 1968 wurde die Mannschaft erneut nur Gruppenzweiter hinter Ungarn und qualifizierte sich wieder nicht für das Turnier, obwohl die DDR die Niederlande und Dänemark hinter sich gelassen hatte. Danach entschied sich Nationaltrainer Sós, seinen Vertrag nicht zu verlängern. Auch er kritisierte, wie zuvor sein Landsmann Gyarmati, die Einmischung der Funktionäre. Diese Kritik wurde von diesen politisch interpretiert, wodurch die Arbeit für Sós immer mehr erschwert wurde.Hardy Grüne: Schön, aber erfolglos aus Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft S. 398

Nationaltrainer Harald Seeger, der 1965 mit der DDR-Junioren-Nationalmannschaft das Vorläuferturnier der U-19-Fußball-Europameisterschaft gewonnen hatteRSSSF.org: UEFA Youth Tournament Under 18, 1965, integrierte wieder mehr jüngere Spieler in die A-Nationalmannschaft. In der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1970 scheiterte die DDR jedoch wieder. Zwar gelangen zwei Siege gegen Wales, doch im Heimspiel gegen Italien verhinderte der schwedische Schiedsrichter Boström einen Sieg der Seeger-Elf, indem er einen Abseitstreffer der Italiener anerkannte und einen Elfmeter für die DDR verweigerte. Erst in der 83. Minute gelang den Südländern der Ausgleichstreffer zum 2:2.Hardy Grüne: Schön, aber erfolglos aus Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft S. 399 Das Rückspiel vor 90.000 Zuschauern in Neapel ging dann klar mit 0:3 verloren, alle Tore waren schon bis zur 37. Minute gefallen.