Oberhörlen (mundartlich Uwwernhelle oder Hoelle) ist ein Dorf im Hessischen Hinterland und als solches ein Ortsteil der Gemeinde Steffenberg im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.
Geografische Lage Oberhörlen liegt in einem Talkessel im Gladenbacher Bergland, das sich am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges zur Hessischen Senke hin erstreckt. Es ist der flächenmäßig größte Ortsteil von Steffenberg. Er besitzt außerdem den größten Waldbestand der Gemeinde, welcher vorwiegend aus Mischwäldern besteht.
Namensgeber ist die Hörle, die nach ca. 4 Kilometern in die Perf, einen Nebenfluss der Lahn, mündet. Der Mattenberg (577 m) ist die höchste Erhebung in der Dorfgemarkung.
Nachbarorte sind Oberdieten (Gemeinde Breidenbach) im Norden, Niederhörlen im Osten, Gönnern und Lixfeld (beide Gemeinde Angelburg) im Süden und Simmersbach (Gemeinde Eschenburg) im Westen.
Geschichte Die Geschichte Oberhörlens vor dem 13. Jahrhundert n. Chr. liegt bislang im Dunklen. Sie setzt erst nachweisbar mit den in der Gegend residierenden Adelsgeschlechtern ein und ist eng mit den Herren von Breidenbach verbunden. Oberhörlen selbst wurde zum ersten Mal im Jahr 1327 als „Horla“ urkundlich erwähnt.Festschrift Oberhörlen 1984; Steinmann, Bauer, S. 22
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Oberhörlen:
Gebietsreform Am 1. April 1972 wurde Oberhörlen in die neue Gemeinde Steffenberg eingegliedert.
Flurnamen und ihre Bedeutung In der Grube, Im Nickel, Bei der Eisenkaute; Diese Flurnamen weisen auf Erzvorkommen und ehemaligen Abbau hin. 1639 wurde in Oberhörlen Eisenstein gefunden, 1731 Stahlstein und Bleierz.
Am gebrannten Stock Dieser Name dürfte auf eine ehemalige Köhlerei verweisen. Galgenberg Oberhörlen war seit Anfang des 16. Jahrhunderts Gerichtsvorort des Gerichts Lixfeld. Das Plateau, auf dem heute die Schutzhütte steht, mit dem steil aufragenden Felsen darüber war wohl einst eine Hinrichtungsstelle, die gemäß mittelalterlichem Brauch an einer weithin sichtbaren Stelle und im Grenzbereich eines Gerichtsbezirks lag. Oberhörlen unterstand ab dem 13. Jahrhundert der Gerichtsbarkeit der Herren von Breidenbach, deren Herrschaftsbereich auf heutigem Simmersbacher Gebiet an das der Grafen von Nassau grenzte. Die Grenze verlief hier wahrscheinlich über den Bergrücken, und die Hinrichtungsstelle am 541 m hohen Galgenberg befand sich somit in markanter Lage an der Grenze der Breidenbacher Gerichtsbarkeit.
Teufelsgraben Der Teufelsgraben war offenkundig eine Grenzmarkierung. Er kann Teil einer Landwehr, eines mittelalterlichen Grenzsicherungssystems, gewesen sein. Möglicherweise sollte er auch den Personen- und Warenverkehr von Norden nach Süden (und umgekehrt) lenken. Wie die Landwehren besaß vielleicht auch der Teufelsgraben auf seinen Wällen Dornenhecken und dichtes Buschwerk und darf in erster Linie nicht als wasserführender Graben verstanden werden. Das „Gönnersche Wejelche“ könnte ein Durchlass gewesen sein.
Kimmelholz Diese Bezeichnung hat nichts mit „Kümmel“ zu tun, sondern leitet sich wohl wahrscheinlicher von dem altkeltischen „cammino“ (gepflasterter Weg) ab.:Wiktionary:de:camminus Denkbar ist daher, dass durch das Kimmelholz, am Galgenberg vorbei, ein befestigter Weg führte, der eine Verbindung mit dem nassauischen Gebiet darstellte.
Steinbruch Hessel Im Lahn-Dill-Bergland wurden Ende des 19. Jahrhunderts große und ertragreiche Steinbrüche erschlossen. Bis heute wird hier Diabas („Hinterländer Grünstein“) abgebaut. Aus diesem Material wurden und werden bis heute Werksteine, Grabsteine, Pflastersteine, Splitt, Schotter sowie Fußbodenplatten und Fassadenverkleidungen hergestellt. Der Steinbruch Hessel wurde in den 1880er Jahren in Betrieb genommen. Bis in die 1950er Jahre wurden die Kellergeschosse der Häuser in Oberhörlen meistens aus den Steinen des Steinbruchs erstellt. Auch für öffentliche Gebäude wurde hier schon sehr früh Diabas aus dem Steinbruch verwandt, wie zum Beispiel für die in 1901 erbaute Schule und das Pfarrhaus aus dem Jahr 1913. Gegen Ende der 1950er Jahre wurde der Steinbruch aufgegeben.
Knechtsburg Den interessantesten Flurnamen trägt wohl die „Knechtsburg“. Seit Generationen wird überliefert, dass es beim Befahren des Wirtschaftsweges, der den heutigen Sportplatz nach Westen hin begrenzt, bei den damaligen eisenbereiften Gespannen „hohl“ geklungen habe.
Es gibt bisher keinerlei Anhaltspunkte, die einen Hinweis geben könnten, aus welcher Zeit der Flurname stammt, warum man die Gegend so nennt, und ob und in welcher Form auf der Knechtsburg eine Wehreinrichtung vorhanden gewesen sein mag. Erinnert man sich an die Erzählungen längst verstorbener Vorfahren, dass das Dorf Oberhörlen ursprünglich am Oberlauf der Hörle gestanden haben soll, dann ist zumindest bemerkenswert, dass dies nur wenige hundert Meter bis zur Knechtsburg sind.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Oberhörlen angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Blankenstein, Grund BreidenbachDie Zugehörigkeit des Amtes Blankenstein anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: strittig zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach ab 1627: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach (Obergericht; Gericht Lixfeld) ab 1806: Großherzogtum Hessen, Oberfürstentum Hessen, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach, Gericht Breitenbach ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk BattenbergBis 1823 Patrimonialgericht Grund Breidenbach; 1923: Trennung von Justiz (Landgericht Biedenkopf) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1867: Norddeutscher Bund, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf (übergangsweise Hinterlandkreis) ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Biedenkopf ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Biedenkopf ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Biedenkopf, Gemeinde SteffenbergAm 1. April 1972 wurde Oberhörlen als Ortsteil in die neu gebildete Gemeinde Steffenberg eingegliedert. ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde Steffenberg ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde Steffenberg
Bevölkerung Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1577: 22 Hausgesesse • 1630: 21 Hausgesesse (5 zweispännige, 11 einspännige Ackerländer, 5 Einläuftige) • 1677: 21 Männer, 6 Jungmannschaften, 11 ledige Mannschaften • 1742: 37 Haushalte • 1791: 231 Einwohner • 1800: 230 Einwohner • 1806: 250 Einwohner, 44 Häuser • 1829: 314 Einwohner, 49 Häuser
Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1829: 314 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1885: 375 evangelische, ein anderer christlicher Einwohner • 1961: 527 evangelische (= 84,32 %), 62 katholische (= 9,92 %) Einwohner
Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1867: Erwerbspersonen: 49 Landwirtschaft, eine Kirche und Gottesdienst, • 1961: Erwerbspersonen: 157 Land- und Forstwirtschaft, 159 produzierendes Gewerbe, 21 Handel und Verkehr, 19 Dienstleistungen und Sonstiges.
Kultur und Sehenswürdigkeiten miniatur|hochkant|Oberhörlener Kirche Bauwerke Barocke Kirche mit Pfarrhaus im Ortskern Hörlepanoramaweg – ein zertifizierter Premiumwanderweg im Naturpark Lahn-Dill-Bergland; Auf der Website der „Region Lahn-Dill-Bergland e. V.“ gehört lt. Deutschem Wanderinstitut in Deutschland zur Spitzengruppe Extratour Hörlepanoramaweg.
Vereine und Gruppen Dorfverein „Mer Uwernhöller“ Freiwillige Feuerwehr Oberhörlen 1934 SSV Hörlen 1954 1. TC Steffenberg 1978 CVJM-Posaunenchor Flötenkreis Regenbogenchor Pray-bih (Jugendkreis) CVJM-Mädchen- und Jungen-Jungschar Jugend-Cafe Jugendgruppe „Guggugs 1990“ Besuchskreis Gemeindekaffee der ev. Kirche Kaffeekränzchen 1974 Aerobics Hotline 1992 DRK-Senioren-Tanzgruppe 1987 DRK-Gymnastikgruppe Headbangers from Gallows Hill e. V.
Wappen Am 3. Juni 1959 genehmigte der Hessische Minister des Innern das Wappen mit folgender Beschreibung:
Literatur Birgit Steinmann: Ortsfamilienbuch Oberhörlen und Roth im Breidenbacher Grund 1629–1875. Norderstedt: Books on Demand 2006, ISBN 3-8334-4763-X Martina Michel: Weilburger Tageblatt, 11. März 2007, S. 22
Weblinks Ortsteil Oberhörlen. In: Webauftritt der Gemeinde Steffenberg.
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Marburg-Biedenkopf Kategorie:Geographie (Steffenberg) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Marburg-Biedenkopf) Kategorie:Gemeindeauflösung 1972