Carl Johann Bogislaw Lüdecke, auch Luedecke geschrieben, (* 28. Mai 1826 in Stettin; † 21. Januar 1894 in Breslau) war ein deutscher Architekt.

Lüdecke legte 1846 in Stettin seine Prüfung zum Feldmesser ab. Er erhielt seine künstlerische Ausbildung von 1847 bis 1850 an der Berliner Bauakademie bei Wilhelm Stier und Friedrich August Stüler, wurde dann bei mehreren Bauten in Pyritz (Regierungsbezirk Stettin), Schulpforte und Pasewalk beschäftigt. 1849 wurde er Mitglied des Architektenvereins zu Berlin. Um 1855 machte er die Baumeisterprüfung und ließ sich als Privatbaumeister in Berlin nieder. Von 1857 bis 1865 war er Lehrer und von 1875 bis 1881 Direktor an der Kunst-, Bau- und Handwerkerschule Breslau (ab 1875 Königliche Kunst- und Kunstgewerbeschule). Zwischenzeitlich war er wieder als Privatbaumeister tätig. Wegen der Privatbautätigkeiten gab er den Lehrerberuf endgültig auf. Sein Nachfolger wurde Hermann Kühn. 1869 wurde er zum Baurat und 1892 zum Geheimen Baurat ernannt.

Er unterstützte den 1858 in Breslau gegründeten Verein für das Museum schlesischer Altertümer, in dessen Vorstand er anlässlich der ersten Generalversammlung (sm 12. Januar 1858) gewählt wurde. 1876 gehörte er mit Alwin Schultz und Hermann Luchs einer Kommission an, die für die kunstgewerbliche Sammlung des Schlesischen Provinzial-Museums in Breslau hauptsächlich in München Ankäufe tätigte.W. Gempler, H. Seger: Das Schlesische Museum für Kunstgewerbe und Altertümer. In: Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift, Zeitschrift des Vereins für das Museum der Schlesischen Altertümer / Jahrbuch des Schlesischen Museums für Kunstgewerbe und Altertümer, 1900, S. 17 und S. 21. (Digitalisat auf archive.org)

mini|Schloss Bechau, um 1860 In Berlin führte er zahlreiche Wohnhäuser aus. In Schlesien führte er zahlreiche kleinere und größere Bauten aus, unter anderem die 1867 vollendete Neue Börse in Breslau, ein reichverziertes Bauwerk im neogotischen Stil, ferner die Rathäuser in Striegau und Leobschütz sowie mehrere Schlösser, u. a. das Schloss Bechau.

Im Architekturwettbewerb für das Gebäude des Düsseldorfer Künstlervereins „Malkasten“, in dem auch sein jüngerer Bruder, der Maler Albert Bogislav Lüdecke, Mitglied war, erhielt er den 1. Preis. Das 1871 abgebrannte Stadttheater zu Breslau errichtete er nach den Entwürfen von Carl Ferdinand Langhans. In Festenberg baute er die Obere Kirche nach einem Brand neu.

Lüdecke wurde mit den Arbeiten an der St.-Michaelis-Kirche in Breslau beauftragt, als nach dem Einsturz des Nordturms der ursprünglich für den Bau der Kirche zuständige Architekt Alexis Langer von seinen Aufgaben freigestellt worden war.

Der künstlerische Nachlass Carl Johann Lüdeckes mit 1626 Handzeichnungen, Drucken und Fotografien wird im Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin aufbewahrt.

Literatur Deutsche Bauzeitung, 28. Jahrgang 1894, Nr. 9 (vom 31. Januar 1894), S. 56.

Weblinks

Zeichnungen und Entwürfe von Carl Johann Bogislaw Lüdecke im Bestand beim Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin

Einzelnachweise

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