mini|Heinrich Luden (1778–1847) mini|Geburtshaus Heinrich Ludens in Loxstedt südlich von BremerhavenDas Gebäude wurde 1967 abgerissen. (vgl. hierzu den Aufsatz von H. E. Hansen. Die Gedenktafel. 1995, S. 1) Heinrich (Hinrich) Luden (* 10. April 1778Vgl. E. Rosendahl, Die Ludens, 1933, S. 526–529; H. E. Hansen, Heinrich Luden, 1964. in Loxstedt bei Bremerhaven; † 23. Mai 1847 in Jena) war ein deutscher Historiker und politischer Publizist.

Leben Heinrich Luden stammte aus bäuerlichen Verhältnissen. Er war das jüngste Kind des Bauern Claus Luden (* 1728 in Loxstedt; † 3. Mai 1780 ebd.) und seiner Ehefrau (und Cousine) Catrine Luden geb. Luden (* 1734; † 21. Dezember 1811 in Loxstedt). Am 12. April 1778 erhielt er in der Taufe den Namen „Hinrich“; als Erwachsener nannte er sich jedoch immer „Heinrich“. Als sein Geburtsjahr galt bis lange nach seinem Tod das Jahr 1780.Im Jenaer Kirchenbuch ist sein Sterbealter jedoch richtig angegeben: „69 Jahre, 1 Monat, und 13 Tage“ (T. Keßler, 2022, S. 12). Nach dem Tod des Vaters heiratete die verwitwete Mutter im April 1781 den Bauern Hinrich Schmidt (* 1741; † 2. September 1815). Von Heinrichs vier Geschwistern überlebte nur der Bruder Claus (* 6. Februar 1768; † 5. Februar 1815), der den elterlichen Hof erbte.

Luden besuchte ab 1796 die Domschule in Bremen und studierte 1799 zunächst Theologie an der Universität GöttingenEingeschrieben am 11. April 1799 als „Heinrich Luden“ aus Loxstedt und erneut am 11. April 1806 als „Heinr. Luden, Doct. Philos. aus Bremen“ (Die Matrikel der Georg-August-Universität zu Göttingen 1734–1837. Hildesheim 1937, S. 393 und 460).. Nach kurzer theologischer Tätigkeit wandte er sich jedoch, durch die Historiker August Ludwig von Schlözer und später Johannes von Müller angeregt, historischen Studien zu. Nach einer Hauslehrerstelle bei Bremen (1802) wurde Luden, der inzwischen geheiratet hatte, Ende 1803 Hauslehrer bei dem berühmten Arzt und Professor der Medizin Christoph Wilhelm Hufeland in Berlin. 1805 promovierte er in Jena über Christian Thomasius; Biographien über Hugo Grotius (1806) und Sir William Temple (1808) schlossen sich an.

1806 wurde er als außerordentlicher Professor an die Friedrich-Schiller-Universität nach Jena berufen. Bei ihrer Anreise nach Jena gerieten die Eheleute Luden in Truppenbewegungen der Schlacht von Jena. Die Kriegsfolgen waren allgegenwärtig und die Wohnung der Ludens wurde verwüstet. Heinrich Luden beschrieb das Ereignis ausführlich in seinen Lebenserinnerungen.Rückblicke in mein Leben, Jena 1847, S. 133 ff.; vgl. hierzu auch die berühmte Darstellung von Johanna Schopenhauer. In: Heinrich Luden, Johanna Schopenhauer: Die Schlacht von Jena. Heidelberg 2006, S. 75 ff.

1808 wurde Luden ordentlicher Honorarprofessor;laut Döring 1845 und Wegele 1884; vgl. Herzoglich S. Weimar- und Eisenachischer Hof- und Adreß-Calender, auf das Jahr 1810, S. 131.Der Professor ordin. honorarius des 19. Jahrhunderts ist von dem heutigen nebenberuflichen Honorarprofessor zu unterscheiden. 1810 wurde er (nach dem Tod des bisherigen Geschichtsprofessors Heinrich) „der Geschichte ordentlicher öffentlicher Lehrer“.Vgl. Hof-Calender, auf das Jahr 1811, S. 135. Er beteiligte sich auch an den organisatorischen Aufgaben der Universität und war im Sommersemester 1822 sowie im Wintersemester 1829/30 Rektor der Universität. Von 1823 bis 1832Zur Mandatsaufgabe s. G. Müller: Heinrich Luden, 1998, S. 145. war er für die Universität Mitglied im Landtag des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach. Er wurde zum Hofrat von Sachsen-Weimar und zum Geheimen Hofrat von Sachsen-Gotha ernannt und erhielt das Ritter- sowie das Komturkreuz des Weißen Falkenordens.Großherzogl. S. Weimar-Eisenachʼsches Regierungs-Blatt vom 14. März 1828, S. 21; Weimarische Zeitung vom 26. Februar 1845, S. 61. Er wandte sich der deutschen Geschichte zu, um die Entwicklung eines deutschen Nationalbewusstseins zu fördern. Dieses Motiv führte in der Folge zu mehreren Publikationen zum Thema Einheit und Freiheit. Von 1814 bis 1818 war er Herausgeber der Zeitschrift „Nemesis“ sowie von 1816 bis 1817 des „Allgemeinen Staatsverfassungs-Archivs“, des sogenannten „Beiwagens der Nemesis“. Die Nemesis war ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Weimarer Verleger Friedrich Justin Bertuch.G. Müller: Heinrich Luden, 1998, S. 21–64.

Wirken In seinen von den Studenten vielbesuchten, „geradezu legendären“ VorlesungenG. Müller: Heinrich Luden, 1998, S. 16. forderte er unter anderem die Volkssouveränität. Diese wichtige Forderung zeigt den geistigen Einfluss der französischen Aufklärung, insbesondere Jean-Jacques Rousseaus. Es ist ziemlich sicher, dass er mit diesem Gedanken wohl über Johann Gottlieb Fichte in Berührung kam, der bis 1799 in Jena Philosophie lehrte und diese Forderung vertrat. Im Gegensatz zu einigen anderen Jenaer Professoren wie etwa dem Mediziner Dietrich Georg Kieser (1779–1862), dem Mediziner und Naturforscher Lorenz Oken oder dem Philosophen und Mathematiker Jakob Friedrich Fries (1773–1843) nahm er 1817 nicht persönlich am Wartburgfest teil; doch stehen seine Ideen und Schriften damit unmittelbar in Zusammenhang. Die nach der Versammlung auf der Wartburg 1818 veröffentlichten „Grundsätze und Beschlüsse des achtzehnten Oktobers“ gehen zum Gutteil auf Luden zurück.Gustav Seibt: Freiheitsdrang und Feuerstank. Das berühmte Wartburg-Fest vor 200 Jahren war ein Meilenstein auf dem Weg zu einer deutschen Demokratie. In: Süddeutsche Zeitung vom 14. Oktober 2017, S. 55. In der Folge der Karlsbader Beschlüsse von 1819 wurde auf Druck Preußens eine Untersuchung der „revolutionäre Umtriebe“ der Burschenschaften und ihrer Unterstützer beim Deutschen Bund durchgeführt. Gegen Heinrich Luden und andere Professoren wurden Disziplinarverfahren eingeleitet. Luden wurde verwarnt und seine Politikvorlesungen 1823 verboten. Eine Anfrage an das Großherzogtum, die Ludens Lehrtätigkeit ganz beendigen sollte, blieb jedoch ergebnislos. Luden agierte von da an deutlich vorsichtiger und stellte vor allem die Arbeit an der „Geschichte des teutschen Volkes“ in den Mittelpunkt seines Tuns. Politische Schriften veröffentlichte er nun nicht mehr.

Insofern stellten die Beschlüsse von Karlsbad nicht nur für Heinrich Luden persönlich, sondern auch für Jena eine wichtige Zäsur dar, die u. a. durch die radikale Einschränkung der Pressefreiheit das politische und kulturelle Leben der Stadt nachhaltig veränderten. Um seine politischen Vorstellungen umzusetzen, musste Luden nach neuen Wegen suchen. Unter den veränderten Bedingungen strebte Luden ein Parlamentsmandat an und saß ab 1823 als Abgeordneter im Landtag von Weimar.G. Müller: Heinrich Luden, 1998, S. 64 ff.

Luden bezog in seinen Vorlesungen in Jena Stellung gegen die französische Fremdherrschaft und seine antinapoleonische Haltung wird auch in den „Ansichten des Rheinbundes“ (1808/09) überdeutlich. Als Ausdruck seiner deutsch-nationalen Haltung widmete Luden die dreibändige „Allgemeine Geschichte der Völker und Staaten“ dem bayerischen Kronprinzen Ludwig. Dieser hatte öffentlich Kritik an der frankreichfreundlichen Politik der bayerischen Regierung geübt und seine Ansichten als „Teutschtum“ bezeichnet. Den Plan, sich als preußischer Soldat am Befreiungskampf zu beteiligen, gab Luden allerdings auf.Klaus Goebel: Heinrich Luden. 1968, S. 22. 1825 erschien der erste Band seines Hauptwerks, der „Geschichte des teutschen Volkes“, das unvollendet blieb und in Band 12 mit der Zeit des Hochmittelalters endet. Diese Publikation steht zwar unter dem Eindruck eines neuen deutschen Nationalgefühls, allerdings ist Luden mit seinem Werk keineswegs in die im 19. Jahrhundert vorherrschende romantisierende Geschichtsdarstellung des deutschen Mittelalters einzuordnen. Vor allem die Ranke-Schule hat ihm vorgeworfen, keine historisch-kritische Methode angewandt zu haben. Inzwischen gilt aber seine deutsche Geschichte als eine weitaus neutralere Darstellung als die der nachfolgenden nationaldeutschen Historiker, die das deutsche Königtum der Ottonen, Salier und Staufer im Einigungsstreben politisch überhöhten.

Luden zählt neben Lorenz Oken, Jakob Friedrich Fries, Dietrich Georg Kieser und Christian Wilhelm Schweitzer zu den sogenannten politischen Professoren an der Universität Jena kurz nach 1800. Er gilt als einer der ‚spiritus rectores‘ der Jenaer Urburschenschaft, deren Gründungsstatuten er zumindest mit formulierte. Zu Ludens Schülern zählte der spätere Königsberger Geschichtsprofessor und Universitätsarchivar Johannes Voigt, welcher sich um die Geschichtsschreibung Preußens verdient machte, sowie auch Arnold Ruge.

1806 kam es zu einer Begegnung mit Johann Wolfgang von Goethe in Jena, die aufgrund kritischer Äußerungen Ludens zum Faust zur „Verstimmung“ Goethes führten. Über das Gespräch berichtete Luden ausführlich in dem posthum erschienenen Buch Rückblicke in mein Leben.Vgl. hierzu auch: Ralph Marks: Die Entwicklung nationaler Geschichtsschreibung, 1987, S. 262ff.

Luden stand in engerem Kontakt zu zahlreichen Persönlichkeiten seiner Zeit. In den posthum erschienen Lebenserinnerungen nennt er u. a. Johann Jakob Griesbach, Johann Ladislaus Pyrker und Christoph Wilhelm Hufeland.S. Rückblicke in mein Leben, 1847 Eine enge Freundschaft verband ihn insbesondere mit dem Verleger Friedrich Alexander Bran. In der Zeitschrift „Minerva“ veröffentlichte Luden 1831 eine sehr persönliche gehaltene Darstellung über Brans Leben und Wirken, die bis heute grundlegend geblieben ist.S. hierzu den Aufsatz Ludens in der Zeitschrift Minerva (1831) über Dr. Friedrich Aleander Bran.

Familie Luden verehelichte sich mit Johanna Catharina Sophia Köhler (* 1. Dezember 1780 in Celle; † 24. November 1847)E. Rosendahl, Die Ludens, 1933, S. 539., Tochter des Gastwirts Johann Gottlieb Köhler in Celle und dessen Frau Anna Louise Dorothea geb. Voß. Die Trauung vollzog der von Luden verehrte Superintendent Johann KobbeNachruf auf Kobbe in Intelligenzblatt der Allgemeinen Literatur-Zeitung Num. 151 vom 5. November 1806, Spalte 1202. am 4. Oktober 1803 in der Laurentiuskirche von Achim bei Bremen.E. Rosendahl 1941, S. 209; 1949, S. 857. In der Ehe wurden zehn Kinder geboren (nach 1805 alle in Jena):E. Rosendahl, Die Ludens, 1933, S. 540–545. mini|Luden an den Schwiegersohn K. A. Credner am 4. März 1833: Theuerster Herr Sohn, Wie soll ich Ihnen meine Empfindung beschreiben, über die frohe Nachricht, daß Ihnen unsere geliebte Clotilde ein gesundes Töchterchen gebohren hat. Ich bin außer mir vor Freude, […] mini|Veröffentlichung Zu Luden’s hundertstem Geburtstag (10. April 1880) Zwei Briefe Goethe’s an Luden Johanna Dorothea Luden (* 25. März 1804 in Celle)E. Rosendahl 1941, S. 210. verheiratete sich am 23. Juni 1829 in Jena mit dem Pfarrer Friedrich Wilhelm Tod (* 14. November 1801 in Niederreißen; † 1881)Vgl. Thüringer Pfarrerbuch, Band 8. Entwurf zusammengestellt von Friedrich Meinhof, 2012/13. PDF, S. 1071. Johannes Bernhard Luden (* 2. Oktober 1807Getauft am 13. Oktober 1807 (Jenaische Wöchentliche Anzeigen vom 16. Oktober 1807, 4. Seite).) wurde Arzt und ging 1833 als Passagier der Bremen Packet nach Baltimore (USA)Immigrant Ships Transcribers Guild NGSS Bremen, Nr. 108. Johann Heinrich Gottlieb Luden (* 9. März 1810; † 24. Dezember 1880), Professor der Rechte an der Universität Jena Carl Ludwig Friedrich Luden (* 25. Januar 1812; † 1869Staats-Handbuch für das Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach 1869, S. 260 (zu S. 147).) Rechtsanwalt in Weimar, verh. Auguste de la Croix Johanne Sophie Bernhardine Sigismunde Clotilde Luden (* 2. Juli 1813; † 9. Januar 1884 in Hanau) verh. 24. April 1832Privilegirte Jenaische Wöchentliche Anzeigen vom 27. April 1832, S. 131. mit dem Gießener Theologieprofessor Karl August Credner (1797–1857)Das erste Kind der Ehe, die Tochter Johanne Caroline Clotilde Credner, wurde am 28. Februar 1833 in Gießen geboren.