mini|hochkant=0.6|Bulle Ogier (2008)
Bulle Ogier (eigentlich Marie-France Thielland; * 9. August 1939 in Boulogne-Billancourt) ist eine französische Theater- und Filmschauspielerin.
Leben Schauspielerin Nachdem sie zuvor einige Monate für das Modehaus von Coco Chanel gearbeitet hatte, wurde Bulle Ogier Anfang der 1960er Jahre von einem Freund zu Proben der Schauspielgruppe um den Regisseur Marc’O am damaligen Standort des Pariser American Center am Boulevard Raspail eingeladen. Bald wurde sie Ensemblemitglied und begegnete dort jungen Schauspielkollegen, mit denen sie auch später wiederholt zusammenarbeiten sollte: Jean-Pierre Kalfon, Pierre Clémenti, Michèle Moretti und Élisabeth Wiener.Bulle Ogier mit Anne Diatkine: J’ai oublié (s. Literatur), S. 16–18 und 21–23. In den Jahren 1963 bis 1967 wirkte sie in mehreren Stücken dieser Gruppe mit, deren Aufführungen in kleinen Pariser Theatern oder dem Café-Théâtre in der Grande SéverineDie von Marc’O inszenierten Stücke im Café-théâtre de la Grande Séverine bei Les Archives du Spectacle (französisch; abgerufen am 15. November 2025). von Maurice Girodias stattfanden.
Geboren als Marie-France Thielland, nahm sie den Namen Bulle Ogier unmittelbar nach ihren ersten Auftritten an. „Bulle“ (deutsch: die Schaum- oder die Seifenblase) wurde sie schon seit ihrer Kindheit gerufen. Als ihr Vater, der sich kurz nach ihrer Geburt von der Familie getrennt hatte, sich empörte, als er auf dem Plakat zu einer Aufführung den Namen Bulle Thielland las, nahm sie den Familiennamen ihrer Mutter an und wurde zu Bulle Ogier.Bulle Ogier mit Anne Diatkine: J’ai oublié (s. Literatur), S. 34.
Eines der Stücke, die Marc’O selbst geschrieben hatte, wurde 1967 auch unter seiner Regie verfilmt: Les Idoles (Unsere Idole). Für Bulle Ogier war es eine ihrer ersten Filmrollen, deren Zahl inzwischen auf annähernd 100 angewachsen ist. Bisher zuletzt (Stand: November 2025) war sie in Claire Denis’ Film aus dem Jahr 2022 Avec amour et acharnement (Mit Liebe und Entschlossenheit) zu sehen.
Zu einem ersten kommerziellen Erfolg wurde der Film La Salamandre (Der Salamander) von Alain Tanner aus dem Jahr 1971. Der Film, in dem Bulle Ogier die Hauptrolle spielt, wurde zur Eröffnung eines Kinos im Pariser Quartier Latin gezeigt, lief dort exklusiv ein Jahr lang und erreichte annähernd 200.000 Zuschauer.
Zu weiteren bekannten Filmen, in denen Bulle Ogier mitwirkte, gehören Der diskrete Charme der Bourgeoisie von Luis Buñuel (1972), Schöne Venus von Tonie Marshall (1999) sowie Maîtresse von Barbet Schroeder (1976), in dem sie an der Seite von Gérard Depardieu eine Domina verkörperte. Am häufigsten, insgesamt sieben Mal, spielte sie in Filmen des Regisseurs Jacques Rivette.
Während Bulle Ogier – auch durch ihre Mitwirkung in Filmen von Rainer Werner Fassbinder, Werner Schroeter und Daniel Schmid – im deutschsprachigen Raum vor allem als Filmschauspielerin bekannt ist, besitzt sie in Frankreich ein ebenso hohes Renommee als Theaterschauspielerin.Die von „Les Archives du Spectacle“ aufgestellte (allerdings unvollständige) Liste (französisch; abgerufen am 15. November 2025) verzeichnet 29 ihrer Bühnenrollen. Durch Rollen in mehreren Inszenierungen von Stücken Botho Strauß’ hatte sie ihren Anteil daran, dessen Werk in Frankreich bekannt zu machen: 1982: Grand et petit (Groß und klein) – im Théâtre de l'Odéon (Paris)Aufführungsdaten bei: „Les Archives du Spectacle“ (französisch; abgerufen am 15. November 2025). 1984: La Dédicace (Die Widmung) – im Théâtre Gérard-Philipe (Saint-Denis)Aufführungsdaten bei: „Les Archives du Spectacle“ (französisch; abgerufen am 15. November 2025). 1986: Le Parc (Der Park) – im Théâtre national de Chaillot (Paris)Aufführungsdaten bei: „Les Archives du Spectacle“ (französisch; abgerufen am 15. November 2025). 1991: Le Temps et la chambre (Die Zeit und das Zimmer) – im Odéon – Théâtre de l’Europe (Paris)Aufführungsdaten bei: „Les Archives du Spectacle“ (französisch; abgerufen am 15. November 2025).
Privatleben 1971 gehörte Bulle Ogier zu den Unterzeichnerinnen des Manifests der 343, das zur Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in Frankreich aufrief.
Die 1984 verstorbene Schauspielerin Pascale Ogier war ihre Tochter. Den Vater hatte sie während der Schwangerschaft geheiratet; die Ehe wurde jedoch bereits ein Jahr später geschieden.Bulle Ogier mit Anne Diatkine: J’ai oublié (s. Literatur), S. 15 und 24–25.
Inzwischen ist sie seit vielen Jahren verheiratet mit dem Filmregisseur Barbet Schroeder.
Filmografie (Auswahl)
Auszeichnungen 1972: Étoile de Cristal für Der Salamander (Beste Darstellerin) 1972: 3. Platz bei der Vergabe des National Society of Film Critics Award für Der Salamander und L’amour fou 1992: Nominierung für den Europäischen Filmpreis für Nord (Beste Nebendarstellerin) 1994: Spezialpreis des Internationalen Filmfestivals von Locarno für Überdreht und durchgeknallt 2000: César-Nominierung für Schöne Venus (Beste Nebendarstellerin) 2006: Grand Prix Special des Amériques des World Film Festival von Montreal 2008: César-Nominierung für Faut que ça danse! (Beste Nebendarstellerin) 2015: Lifetime Achievement Award des Internationalen Filmfestivals von Locarno
Ehrungen 2009: Ernennung zur Offizierin der Ehrenlegion 2021: Ernennung zur Commandeure de l'ordre national du Mérite 2025: (gemeinsam mit ihrem Ehemann Barbet Schroeder) Ehrenpreis des Schweizer Filmpreises 2025
Literatur Bulle Ogier mit Anne Diatkine: J’ai oublié. Seuil, Paris 2019, ISBN 978-2-02-141722-7 (Memoiren; französisch; ausgezeichnet mit dem Prix Médicis essai).
Weblinks
Einzelnachweise
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