Das Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) im Berliner Ortsteil Lichtenberg ist ein aus dem Königin-Elisabeth-Hospital (Innere Medizin und Chirurgie) und dem Fachkrankenhaus für Neurologie und Psychiatrie Berlin-Lichtenberg hervorgegangenes Krankenhaus der Regelversorgung. Die beiden genannten Einrichtungen entstanden im 19. Jahrhundert in verschiedenen Berliner Ortsteilen. Nach ihrer Fusion haben sie mehrfache organisatorische und Namensänderungen erfahren. Die Betreibergesellschaft ist seit 2001 eine gemeinnützige GmbH. Das Krankenhaus ist in 13 Fachbereiche gegliedert, verfügt über 778 Betten und beschäftigt insgesamt ca. 150 Ärzte (Stand: 2026). Eine eigene Krankenpflegeschule gehört ebenfalls zu dieser Einrichtung. Seit einigen Jahren ist das KEH außerdem Akademisches Lehrkrankenhaus des Universitätsklinikums Charité. Es gehört zum Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO).

Geschichte der medizinischen Einrichtungen

Königin-Elisabeth-Hospital Unter der Schirmherrschaft der damaligen Kronprinzessin Elisabeth von Preußen waren 1838 Kleinkinder-Bewahranstalten in Berlin gegründet und von christlichen Einrichtungen betrieben worden. Nachdem am Karfreitag, den 14. April 1843, zwei kranke Kinder in eine solche Einrichtung in einer Wohnung in der Berliner Friedrichstadt, Wilhelmstraße 133, aufgenommen worden waren, entstanden nunmehr zusätzliche Klein-Kinder-Kranken-Bewahr-Anstalten. Die Verwaltung der ersten derartigen Anstalt übernahm Oberst von Webern. Elisabeth von Preußen, ab 1840 Königin an der Seite von König Friedrich Wilhelm IV., nahm regen Anteil an der neuen Entwicklung und besuchte oft die Bewahranstalten. So äußerte sie Weihnachten 1842: „Wahrlich noch dringendere Liebespflicht würde es sein, zuvor für die körperliche Genesung der kleinen gebrechlichen Geschöpfe Sorge zu tragen und dann erst ihr sittliches und geistiges Wohl zu pflegen.“ Der Verwaltungsdirektor berief daraufhin ihm bekannte Herren aus Adel und Bürgertum zur Gründung einer ersten Berliner Kinderheilanstalt. Die in der oben genannten Wohnung aufgestellten zwölf Betten genügten bald der gestiegenen Nachfrage nicht mehr. Die Heilanstalt zog 1844 in ein neu erworbenes Wohnhaus vor dem Halleschen Tor im heutigen Ortsteil Kreuzberg, Pionierstraße 7a. Dieses Haus konnte schrittweise für den Gebrauch als Krankenanstalt hergerichtet werden. Die Kabinettsordre vom 4. November 1844 verlieh der Einrichtung nun den Namen seiner Protektorin: Elisabeth-Kinder-Hospital (EKH). Die Bettenanzahl konnte langfristig bis auf 60 erhöht werden. Ab etwa 1875 kam eine kostenfreie ambulante chirurgische und Augen-Behandlung hinzu. Der große Zulauf an Patienten bedingte weiterhin eine umfassende Vergrößerung des Hauses. Die Verwaltung erwarb das Grundstück Hasenheide 80–87 und ließ darauf einen Neubau errichten. Im Beisein der damaligen Prinzessin Auguste Viktoria (ab 1888 Kaiserin und preußische Königin) wurde die neue Kinderheilanstalt am 21. März 1887 feierlich eingeweiht. Zuvor war bei der Abschiedsfeier des alten Hospitals ein Diakonissenmutterhaus gegründet worden, für das die Oberin Anna von Lancolle und neun weitere Schwestern auf die vom Vorstand festgestellte Hausordnung nach den Grundsätzen der Kaiserswerther Mutterhausdiakonie verpflichtet wurden. An dem neuen Standort konnten nun bis zu 90 Kinder aufgenommen werden. Das Hospital entwickelte sich zu einem bekannten eigenständigen Kinderkrankenhaus in Berlin.

Als eine Filiale des Elisabeth-Kinder-Hospitals wurde am 7. Juli 1890 in Kolberger Deep in Hinterpommern ein Kinder-Seehospiz eingeweiht, das für die Aufnahme schwächlicher und kränklicher Kinder überwiegend aus Berlin bestimmt war.

Die pflegerische Betreuung der kleinen Patienten veranlasste einige diakonische Schwestern schließlich zur Eröffnung einer Krankenpflegeschule. Diese wurde am 24. Juni 1908 durch den preußischen Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten als Ausbildungseinrichtung anerkannt. Das schnelle Bevölkerungswachstum in Berlin und der Umgebung am Anfang des 20. Jahrhunderts führte dazu, eine Verlegung und Erweiterung des Kinderhospitals vorzusehen. Mit dem Landkreis Niederbarnim und den Gemeinden Oberschöneweide, Friedrichsfelde und Friedrichshagen konnten Verträge zum Neubau eines allgemeinen Krankenhauses vorzugsweise für diese drei Gemeinden abgeschlossen werden.

mini|links|Gebäudetrakt des ehemaligen Elisabeth-Hospitals an der Treskowallee

Zur Grundsteinlegung am neuen Standort an der Karlshorster Landstraße (heute: Treskowallee) in Oberschöneweide im Jahr 1908 erhielt die Einrichtung den Namen Königin-Elisabeth-Hospital. Das neue Krankenhaus wurde am 10. Oktober 1910 mit 130 Betten eröffnet. Es behandelte Kinder und Erwachsene mit den neu eingerichteten Abteilungen Chirurgie und Innere. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich das Hospital kontinuierlich, so auch die innere Abteilung unter ihrem Chefarzt Walter Wolff.Walter Marle (Hrsg.): Lexikon der gesamten Therapie mit diagnostischen Hinweisen. 2 Bände, 4., umgearbeitete Auflage, Urban & Schwarzenberg, Berlin / Wien 1935. (Verzeichnis der Mitarbeiter) Bei Kriegsende am 8. Mai 1945 wurde ein Teil des Krankenhauses von der Roten Armee besetzt und als Lazarett in Nutzung genommen.

Im November 1945 musste die gesamte Einrichtung dann nach Ausweisung der bisherigen Patienten innerhalb von drei Tagen nach Friedrichshagen in ein Schulgebäude verlegt werden. 1946 bezogen die medizinischen Einrichtungen und die Patienten nach langen und zähen Verhandlungen schließlich die Häuser 1, 3 und 5 des Städtischen Krankenhauses Herzberge im Bezirk Lichtenberg. Ab 1980 führte die Einrichtung den Namen Evangelisches Diakoniewerk Königin Elisabeth (EDKE) und gilt bis heute als Träger des Krankenhauses.

Die Klinikbauten in Oberschöneweide blieben bis zum Abzug der Sowjetarmee im Jahr 1994 deren Militärkrankenhaus. Danach erwarb die Diakoniestiftung die Immobilie zurück und plante dort die Einrichtung einer Rehabilitationsklinik, verkaufte dann aber den größten Teil des Grundstücks an das Land Berlin. Nach umfassender Sanierung befinden sich hier das Pflegeheim Haus Elisabeth des Diakoniewerks Simeon und die Albatros-Schule, eine Förderschule für geistig Behinderte.

Fachkrankenhaus für Neurologie und Psychiatrie Berlin-Lichtenberg Am Ende des 19. Jahrhunderts begann die Berliner Stadtverordnetenversammlung mit der Einrichtung städtischer Irrenanstalten am Stadtrand. Diese Nerven-Krankenhäuser wurden zur medizinischen Behandlung und ganztägigen Betreuung von unvermögenden Geistesgestörten benötigt, getrennt nach Kindern, Frauen und Männern. Zwischen 1879 und 1907 entstanden in Dalldorf (I. Anstalt, 1879), in der Gemeinde Lichtenberg (II. Anstalt, 1893) und in Buch (III. Anstalt, 1907 eröffnet) drei derartige Einrichtungen.Bernd Holdorff, Rolf Winau: Geschichte der Neurologie in Berlin. de Gruyter, Berlin 2001, ISBN 3-11-016913-4, S. 216.

mini|Lageplan von 1896 auf einer Infotafel des Krankenhausgeländes;OF – Offenes Haus für Frauen,OM – Offenes Haus für Männer,AF – Aufnahmehaus für Frauen,AM – Aufnahmehaus für Männer,UF – Überwachungshaus für Frauen,UM – Überwachungshaus für Männer,LF – Landhäuser für Frauen,LM – Landhäuser für Männer,PF – Pflegehaus für Frauen,PM – Pflegehaus für Männer,I – Baracke für Infektionskranke,K – Küche,W – Waschküche,E – Eishaus,PW – Pförtner- und Waagehaus,CB – Centralbad,Z – Torhaus,G – Gutshof,L – Leichenhaus,M – Maschinen- und Kesselhaus,T – Teich,KB – Kegelbahn,KF – Kohlegleise nach Friedrichsfelde

Die II. Städtische Irrenanstalt wurde nach Plänen des Architekten und Stadtbaurats Hermann Blankenstein auf einer vom Rittergutsbesitzer Hermann Roeder erworbenen Fläche errichtet. Sie diente als Ersatzbau der Dalldorfer Heil- und Pflegeanstalt, deren Kapazität bereits nach knapp zehn Jahren nicht mehr ausreichte.Jan Feustel: Wo einst die Linie 68 endete. Rund um Herzberge. In: Spaziergänge in Lichtenberg. S. 39–42. Die Neueröffnung erfolgte am 21. Juni 1893. Sie erhielt die Bezeichnung Städtische Irrenanstalt zu Lichtenberg (Herzberge) und diente als Unterkunft für 1050 erwachsene Patienten.; Landesarchiv Berlin; abgerufen am 6. September 2009. Im Jahr 1914 wurde auf dem Gelände mit einer eigenen Krankenpflegeausbildung im Hinblick auf die Betreuung Geisteskranker begonnen. Die Anstalt erhielt 1925 den Namen Städtische Heil- und Pflegeanstalt Herzberge.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden an den hier lebenden Geistesgestörten „Forschungen“ vorgenommen, weil die psychisch Kranken in der Sprache der sogenannten Herrenmenschen „unwertes Leben waren, das nicht geschützt werden“ müsse. Die der damaligen Nationalsozialistischen Rassenhygiene entsprechenden Euthanasie-Verbrechen bzw. NS-Krankenmorde werden bis heute in der Geschichtsdarstellung kaum erwähnt.

Als 1942 die meisten Patienten „verlegt“ worden waren, benannte die Verwaltung das Klinikum in Städtisches Krankenhaus Lichtenberg um, nun wurden auch Kriegsversehrte und Infektionskranke zur Behandlung hier eingeliefert. 1943 erfolgte eine Wiedereröffnung einer Psychiatrisch-Neurologischen Station. Unter dem Namen Städtisches Krankenhaus bestand es bis 1945, nach Kriegsende wurde es als Allgemeinkrankenhaus weitergeführt, und 1946 kamen die Patienten des Königin-Elisabeth-Hospitals hinzu.

Die bessere Behandlung von Nervenkrankheiten zum Zwecke des Linderns oder Heilens führte 1950 zur Eröffnung der ersten psychiatrischen Klinik für Erwachsene, 1957 kam eine zweite Klinik auf dem Gelände hinzu. 1961 folgte eine entsprechende Kinderklinik. Die umfassende Behandlung von psychisch Kranken führte 1971 schließlich zur Umbenennung der Einrichtung in Fachkrankenhaus für Neurologie und Psychiatrie Berlin-Lichtenberg. Unter dieser Bezeichnung arbeitete das Klinikum bis zu seiner Fusion mit dem Elisabeth-Hospital am 1. Januar 1992.

Das KEH in seiner seit 1992 gültigen Struktur Am 1. Januar 1992 erfolgte die Zusammenführung beider bisher selbstständiger Krankenhäuser als GmbH unter dem Dach des EDKE. Es wurde in Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) umbenannt. Zwischen 1992 und 2004 kamen weitere Fachabteilungen wie die Urologie, die Gefäßchirurgie, das Epilepsie-Zentrum, die Gastroenterologie, Infektiologie, Nephrologie samt einer Notaufnahmestation hinzu, 2010 die Geriatrie. Das Krankenhaus ist nun eine medizinische Einrichtung zur Notfall- und Regelversorgung und zugleich akademisches Lehrkrankenhaus der Charité. Seit dem 1. Januar 2001 ist das Krankenhaus eine gemeinnützige GmbH mit den Gesellschaftern Von Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel, Evangelisches Diakoniewerk Königin Elisabeth, Evangelischer Diakonieverein Berlin-Zehlendorf und den Hoffnungstaler Anstalten Lobetal.

In einem unter Denkmalschutz stehenden Nebengebäude an der Herzbergstraße wurde ab 2007 das MVZ am KEH betrieben, das als Ambulanz eng mit den Fachbereichen des Krankenhauses zusammenarbeitet und die entsprechende Untersuchungstechnik mitnutzt. Bis 2019 entstand der Neubau des Medizinischen Versorgungszentrums direkt auf dem Krankenhausgelände, der durch einen Verbindungsgang in der Höhe des ersten Obergeschosses mit den Altbauten samt Notaufnahme (Haus 100) verbunden ist. Im MVZ gibt es nun die Bereiche Hausärzte/Innere Medizin, Epileptologie, Gefäßchirurgie, Neurologie, Neurologische Schlafmedizin, Psychiatrie/Psychotherapie, Unfallchirurgie und Viszeralchirurgie., hrsg. vom KEH, abgerufen 2020. Im November 2025 konnte ein Ergänzungsbau zum Operationstrakt in Betrieb genommen werden.

Zertifizierungen Alters-Trauma-Zentrum Stroke Unit (Schlaganfallbehandlung) durch die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe Diabeteszentrum durch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) Nephrologische Schwerpunktklinik durch die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGN)

Qualität und Bildung