Die Hafenlohr ist ein 26,5 km (mit Tiergartenbach 27,7 km) langer, rechter Zufluss des Mains in den unterfränkischen Landkreisen Aschaffenburg und Main-Spessart im bayerischen Spessart.
Name 100px|links Im Jahr 772 war sie in der Markbeschreibung der Benediktinerabtei Neustadt am Main erstmals als super fluviolum Lara (dt. über das Flüsschen Lara)Übersetzung von fluviolum = Kleiner Fluss beschrieben.Klaus Weyer, Vom Keltenheiligtum zum karolingischen Missionskloster – Neustadt am Main. Königshausen & Neumann, Würzburg 2019, ISBN 978-3-8260-6740-2, Seite 131 1273 wurde der Fluss als Lare und 1494 Lore erwähnt. Erst im 16. Jahrhundert schrieb man Hafenlohr. Das Bestimmungswort des Kompositums Hafenlohr geht auf das mittelhochdeutsche Havenaere zurück, das Hafner (Töpfer) bedeutet. Der Ursprung des Grundwortes Lohr ist derselbe wie beim nahen Fluss Lohr. Vom Fluss Hafenlohr hat die Gemeinde Hafenlohr ihren Namen.
Geographie Quellen der Hafenlohr Die Hafenlohr entspringt aus zwei Quellen im Gemeindegebiet von Rothenbuch. Der längere und zeitweise wasserreichere Quellast ist der Tiergartenbach, der an trockenen Tagen oft versiegt. Amtlich wird er als Oberlauf des Hafenlohr-Gewässerhauptstrangs angesehen. Der als Hafenlohrquelle benannte Ursprung in der Mitte des Ortes gibt fast ganzjährig Wasser.
Hafenlohrquelle mini|links|Hafenlohrquelle Die Hafenlohrquelle befindet sich am Schloss Rothenbuch. Sie wurde im Zuge der Straßenverbreiterung der St 2317 in Sandstein gefasst. Ihr Wasser fließt durch den Schlossgraben nordwestwärts und mündet etwa nach hundert Metern von der linken Seite in das Bett des aus dem Tiergartengrund am Nordrand des Dorfes heranziehenden und bereits 1,3 kmLFU Bayern: Alphabetisches Gewässerverzeichnis – Gewässerkennzahlen, Längen, Abflusswege langen Tiergartenbach. Er liefert nicht ganzjährig Wasser, zeitweise aber mehr als die ebenfalls perennierende Quelle am Schloss.
Die Quelle am Schloss war früher vermutlich ein Treffpunkt zum Jagen im östlichen Spessart, weshalb im Jahre 1342 hier der Bau eines Jagdschlosses begonnen wurde. Mit dem aufstoßenden Quellwasser bespeiste man den Schlossgraben und einige umliegende, heute nicht mehr bestehende Forellenseen.
Verlauf Nach dem Zusammenfluss der Quellbäche läuft die Hafenlohr weiter in der schon vom Tiergartenbach eingeschlagenen südöstlichen Richtung. Etwa 3 km östlich von Weibersbrunn im Hochspessart wird sie am Ahlmichdamm von rechts vom Steinbach verstärkt. Die Hafenlohr zieht ostnordöstlich durch ein tief eingeschnittenes Tal, dessen Sohle das Naturschutzgebiet Hafenlohrtal einnimmt. Größere Ansiedlungen fehlen hier ganz, was dem Wanderer Ruhe und Erholung gewährt. Westlich von Lichtenau fließt ihr beim kleinen Eichensee im Nebentalmund dann von links her der aus dem Nordnordwesten kommende Mäusbach zu. Die Hafenlohr läuft dann im weiterhin tief eingeschnittenen Tal durch den Lichtenauer Grund, fließt an mehreren kleinen Teichen vorbei und erreicht danach das Naturschutzgebiet Mainzer Eck, ab wo das Tal sich etwas zu schlängeln beginnt. Der Berg Klosterkuppel () hindert hier die Hafenlohr an der Fortsetzung ihres inzwischen östlichen Kurses und sie wendet sich bei Erlenfurt dauerhaft nach Südosten.
Mehrere staatliche und fürstliche Forsthäuser säumen dann das Ufer, zunächst Alte und Neue Diana. Vorbei an Einsiedel, erreicht die Hafenlohr, zunächst in südlicher und dann in südöstlicher Richtung ziehend, den Lindenfurterhof, ab dem das Tal nun wieder gestreckter verläuft. Unterhalb von ihm, noch knapp vor der Straßenbrücke, steht ein sehenswertes Aquädukt. Danach passiert sie das Torhaus Breitfurt. Weiter abwärts zieht sie durch ein romantisches, naturbelassenes Tal, das im Südwesten vom gemeindefreien Gebiet Fürstlich Löwensteinscher Park begrenzt wird. Rechts auf der Hochebene liegt darin die Karlshöhe, eine erreichende flache Bergkuppe, auf der ein Ausflugslokal und ein Jagdschlösschen stehen. Weiter talab folgen das Forsthaus Fürstenbrücke und Hubertus, früher Bahnbrückenmühle geheißen, wo der Jugendzeltplatz Windheim des Landkreises Main-Spessart liegt.
mini|links|Die Hafenlohr mündet in den Main Hier fließt ihr von rechts und aus Südwesten der Wachenbach zu, auch WagenbachDie Wachengrund-Site genannt, ihr mit Abstand größter Nebenfluss. Sie verläuft dann an mehreren kleinen, von ihr gespeisten Teichen vorbei eine kurze Strecke parallel zur Hafenlohrtalstrasse, durchquert in einer auffälligen Talweitung den Ort Windheim und fließt dann an der linken Seite des niedrigen, einzeln stehenden Achtelsbergs () vorbei, der Umlaufberg einer ehemaligen Mainschlinge ist. Die Hafenlohr nutzt auf ihrem Restlauf den zulaufenden Teil der alten Talschlinge, sie passiert die Große Au und fließt an einigen kleinen Teichen vorbei, danach durch die Kleine Au, nun schon beidseits zwischen Siedlungsteilen von Hafenlohr. Dort unterquert sie die längs des großen Flusses verlaufende Hauptstraße des Ortes und mündet dann am östlichen Ortsrand zu diesem von rechts und zuallerletzt in östlicher Richtung in den Main.
Zuflüsse Zu den Zuflüssen der Hafenlohr gehören (flussabwärts aufgezählt):Topografische Karte 1:10.000 Bayern Nord
| Tiergartenbach | 2456 | rechts | align="right" | 1,3 | style="text-align:center" | 353 | Rothenbuch |- | Breitbach | | rechts | align="right" | 1,3 | style="text-align:center" | 308 | Rothenbuch |- | Steinbach | 24562 | rechts | align="right" | 5,5 | style="text-align:center" | 281 | Weibersbrunn |- | Mäusbach | | links | align="right" | 2,8 | style="text-align:center" | 254 | Rothenbuch-Lichtenau |- | Wachenbach | 24564 | rechts | align="right" | 10,4 | style="text-align:center" | 163 | Hafenlohr-Windheim
Hafenlohrtal mini|Das Hafenlohrtal mini|hochkant|links|Das Tal oberhalb von Lichtenau
Freizeit und Erholung Das Hafenlohrtal lädt zum Wandern ein. Hier gibt es eine Vielzahl von Wander- und RadwegenErholungswert wird oftmals übersehen. In: Main-Echo, 4. September 2006
Naturschutzgebiet Das 71 haInformationstafel vor Ort große Naturschutzgebiet Hafenlohrtal erstreckt sich auf verschiedenen Grünlandtypen in einem etwa 4 km langen Talabschnitt oberhalb von Lichtenau. Die Hafenlohr mäandriert durch diese Wald- und Wiesenlandschaft. Durch Entbuschung und regelmäßige Mahd werden Nass-, Feucht- und Trockenwiesen erhalten und gefördert. Das Verlassen der Wege ist im gesamten Naturschutzgebiet verboten.
Flusssystem Hafenlohr siehe Liste der Fließgewässer im Flusssystem Hafenlohr
Hochwasser
Lebewesen Das Hafenlohrtal ist ein artenreiches Biotop, in der Tier- wie der Pflanzenwelt.Flora und Fauna des Tales
Fauna 150px|mini|Nase Fische Die naturnahe Hafenlohr ist ein Refugium vieler Fischarten. So kann man im Frühjahr im Unterlauf des Baches das Schauspiel des Laichaufzuges der Nase (im Volksmund: Speier) beobachten, eines stattlichen Friedfisches. Weiter kommen vor: Äsche, Bach- und Regenbogenforelle, Bachsaibling, Mühlkoppe, Steinbeißer, Groppe und Bachneunauge. Krebse Flusskrebse Flyfishers Corner 150px|mini|Nashornkäfer Insekten sind recht vielfältig im Hafenlohrtal vertreten. So kommen u. a. vor: Käfer (Großer Eichenbock, Sägebock, Wespenbock, Hirschkäfer, Nashornkäfer und Balkenschröter) Schmetterlinge (Großer Schillerfalter, Großer Eisvogel, Großer Fuchs, Trauermantel und Dukatenfalter) Heuschrecken (Sumpfschrecke (PDF; 57 kB) In: Main-Post, 12. März 2008) Libellen (Blauflügel-Prachtlibelle) Lurche Schwanzlurche (Bergmolch, Teichmolch, Fadenmolch und Feuersalamander) Froschlurche (Erdkröte, Gelbbauchunke, Grasfrosch und Wasserfrosch) 150px|mini|Baumfalke Kriechtiere Eidechsen (Zauneidechse, Bergeidechse und Blindschleiche) Schlangen (Schlingnatter und Ringelnatter) Vögel Das Hafenlohrtal ist ein Rückzugsgebiet für viele, teilweise seltene Vogelarten. Singvögel (Braunkehlchen, Dorngrasmücke, Gartenrotschwanz, Pirol, Tannenhäher, Wasseramsel, Neuntöter und Seidenschwanz) Greifvögel und Falkenartige (Habicht, Sperber, Baumfalke, Schwarzmilan, Fischadler und Raufußbussard) Eulen (Steinkauz und Schleiereule) Schnepfenvögel (Bekassine und Waldschnepfe) Sonstige (Wachtelkönig, Zwergtaucher, Graureiher, Mittelspecht, Eisvogel, Schwarzstorch und Wendehals).
Säugetiere Nagetiere (Biber) 150px|mini|Geflecktes Knabenkraut
Flora Gräser (Seggen-, Binsenarten und Schmalblättriges Wollgras) Farne und Bärlappgewächse (Sumpffarn, Sprossender Bärlapp und Keulen-Bärlapp) Orchideen (Breitblättriges Knabenkraut, Stattliches Knabenkraut, Geflecktes Knabenkraut, Großes Zweiblatt, Weißes Waldvöglein, Nestwurz, Breitblättrige Stendelwurz, Kleines Knabenkraut und Brandknabenkraut) Asternähnliche (Fieberklee, Sumpfbaldrian, Hohe Schlüsselblume, Roter Fingerhut, Golddistel, Tausendgüldenkraut) Rosenähnliche (Seidelbast, Wald-Geißbart) Lilienähnliche (Maiglöckchen und Sumpf-Schwertlilie) Hahnenfußgewächse (Akelei und Sumpfdotterblume) Sonstige (Knöllchen-Steinbrech, Milzkraut und Rundblättrige Sonnentau)
Hafenlohrtalspeicher mini|Wehr an der Hafenlohr Die Bayerische Staatsregierung hatte drei Jahrzehnte lang den Bau des Hafenlohrtalspeichers geplant, einer Talsperre, die als Trinkwasserspeicher dienen sollte. Dieser Plan wurde im September 2008 nach zahlreichen Protesten verschiedener Parteien und Verbände mit Beschluss des regionalen Planungsverbandes endgültig aufgegeben.Bund Naturschutz in Bayern e. V.: Aus für den Hafenlohrtalspeicher. Stand 1. Februar 2017
Siehe auch Liste der Nebenflüsse des Mains Flusssystem des Mains Liste der Flüsse im Spessart
Literatur Anja Zeller: Spessarter Flusstouren: Durch das Elsava- und Hafenlohrtal. Eine Genusstour in den Hochspessart. CoCon, Hanau 2009, ISBN 978-3-937774-81-7.
Weblinks
Hafenlohrtal: private Website mit 100 Bildern. Hafenlohr mit Nebengewässern (Fließgewässer) Verlauf der Hafenlohr auf dem BayernAtlas Hafenlohrtal, Gemeinde Hafenlohr Hafenlohrtal, BUND Naturschutz in Bayern e. V. Arbeitsgemeinschaft Hafenlohrtal Pegel bei Hafenlohr, HND Bayern Umlaufberg Achtelsberg (PDF; 239 kB)
Einzelnachweise
Kategorie:Fluss im Spessart Kategorie:Fließgewässer im Landkreis Aschaffenburg Kategorie:Gewässer im Landkreis Main-Spessart Kategorie:Geographie (Hafenlohr) Kategorie:Geographie (Rothenbuch)