Die Knabenkantorei Basel (KKB) ist ein schweizerischer Knabenchor aus Basel; er ist aus den 1927 von Hermann Ulbrich gegründeten Singknaben der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt hervorgegangen. Heute ist der Chor konfessionell neutral. Gesungen werden geistliche und weltliche Werke. Seit 2017 steht der Chor unter der Leitung von Oliver Rudin.
Der Chor hat an bedeutenden Musikfestivals teilgenommen, so an den Internationalen Musikfestwochen Luzern unter James Conlon, Mario Venzago, Riccardo Chailly und Mariss Jansons, am Festival Europäischer Musik in Berlin unter Roland Bader, am Internationalen Knabenchorfestival Posen (Polen), sowie an Festivals in Nancy, Maastricht, Venedig, Basel und 1997 am Schubert-Chorfestival in Wien. Die Knabenkantorei Basel ist ausserdem Gastgeberchor des Europäischen Jugendchorfestivals (EJCF).
Aufbau Der Chor besteht aus rund 45 Knaben- sowie 35 Männerstimmen. Die Männerstimmen sind in der Regel ehemalige Knabenstimmen, die auf eine langjährige Chorerfahrung zurückblicken können. Die Sänger setzen einen wesentlichen Teil ihrer Freizeit ein: Neben den Proben kommen Gottesdienste, Konzerte, Konzertreisen, Radio- und TV-Aufnahmen sowie CD-Einspielungen dazu. Zur Vertiefung des Repertoires findet jährlich ein Chorlager statt.
Seit den 1980er-Jahren tritt der Chor bis in einer Konzertkleidung bestehend aus roten Plüschpullovern, weissen Kragenhemden und schwarzen Hosen auf. Markenzeichen war bis zur Erneuerung sämtlicher Visuals 2014 ein grün-weisses Signet, das "KKB-Engelchen". Die 2008 erstmals offiziell festgelegten Vereinsfarben waren grün und rot.
Seit 2014 ist der neue visuelle Auftritt in Verwendung. Er beinhaltet das Logo, bestehend aus schwarzem quirligem Schriftzug sowie roten 'Notenlinien', sowie ein moderneres Design.
Repertoire Die A-cappella-Literatur reicht von der Renaissance (Handl, Schütz) bis zur Moderne (Miskinis, Tormis). Schwerpunkte bilden die Aufführungen von Oratorien, Messen und Kantaten von Komponisten wie Bach, Händel, Mozart, Mendelssohn, Britten oder Rossini. Im Weiteren wirken die Knabenstimmen im Lucerne Festival sowie an Opernaufführungen des Theaters Basel mit: Die Zauberflöte, Die tote Stadt, Tosca, Mefistofele, Carmen, La Bohème, Carmina Burana und Macbeth. Als Solisten waren die KKB-Sänger auch an den Theatern von Bern und Freiburg im Breisgau in der Zauberflöte zu hören.
Auszeichnungen mini|235x235px|Der Männerchor der Knabenkantorei Basel in der Kathedrale in Truro, nach der Preisverleihung am Cornwall International Male Choral Festival 2022
CIMCF 2022 (Männerchor der KKB): 1. Platz, 93/100 Punkte, bei der Youth Choral Competition
CIMCF 2022 (Männerchor der KKB): Gewinner "Most Entertaining Performance"
Geschichte Gründung und erste Jahre Die Gründung des Chores geht auf die Initiative des damaligen Sekundarlehrers Hermann Ulbrich zurück, welcher beim Basler Bach-Chor sang und die häufigen Konzerte des Thomanerchors unter Karl Straube in Basel besuchte. Ulbrich wandte sich an Ernst Lipp, ebenfalls Bach-Chorsänger und Präsident der Kommission für den Unterricht in der Biblischen Geschichte (KUBG), und schlug ihm vor, eine in den Dienst der Kirche gestellten Gesangsschule zur Sicherung der Choralpflege zu gründen, welche jedoch vom CVJM unabhängig war. Lipp leitete die Idee an den Kirchenrat weiter, wo sie aber auf wenig Anklang stiess. Dennoch genehmigte die KUBG im Mai 1927 den Richtlinienentwurf, den zuvor Ulbrich zusammen mit Lipp und CVJM-Jugendsekretär Jakob Staehelin erstellte, und übernahm den noch zu gründenden Chor in ihren Aufgabenbereich.
Ulbrich ließ Anfang Juni 1927 Werbeschreiben für die im Mai institutionalisierten Singknaben der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt an die Basler Knaben-Mittelschulen verschicken. Am 15. Juni 1927 fand die erste informative Besprechung mit 33 interessierten Knaben statt; dieses Datum wird als Gründungsdatum der KKB empfunden. Die erste Probe fand am 19. August 1927 im Bischofshof des Münsters statt, bald wechselte man aber wegen Heizungsproblemen in die Katharinen-Kapelle des Kreuzgangs. Der erste öffentliche Auftritt erfolgte am 30. Oktober 1927 im Rahmen eines Gottesdienstes in der Martinskirche; es war jedoch ein Fiasko, da die nur 19 erschienenen Knaben so schlecht sangen, dass Ulbrich zu resignieren drohte. Lipp ermunterte ihn jedoch, weiterzumachen, und bereits zu Weihnachten 1927 begeisterte der Chor im Gottesdienst in der Theodorskirche.
Der dritte Auftritt im Rahmen eines Bach-Konzerts im April 1928 war zugleich der letzte vor einer längeren Pause im Sommer, während welcher eine grosse Werbeaktion zur Sicherung des Sängerbestands durchgeführt wurde. An der Aktion hatte der Münsterorganist Adolf Hamm grossen Anteil; er bewerkstelligte, dass nach der erfolgreichen Aktion der auf 63 Knaben angewachsene Chor zu Weihnachten 1928 mit dem Bach-Chor das Bachsche Weihnachtsoratorium und zu Ostern 1929 das Passionskonzert bestreiten durfte. Im August 1929 wurde anlässlich des ersten Elternabends ein Arbeitsausschuss gegründet, als dessen Präsident – und damit als erster Präsident der KKB – Jakob Staehelin gewählt worden war.
Ebenfalls im August 1929 wurden die Chorschüler der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt, welche aus ehemaligen Singknaben nach dem Stimmbruch bestanden, gegründet. Die Erweiterung des Chores um Männerstimmen war dabei bereits im Januar 1928 erwogen worden, jedoch blieb ein entsprechender Aufruf an den oberen Schulen ohne Resonanz; auch der Kirchenrat lehnte es wegen seinerseits ungewollter Konkurrenz gegenüber den erwachsenen Gemeinde- und Kirchenchören ab. Dennoch traten die Chorschüler bei Hamms Freiem Orgelspiel im Dezember 1928 auf, konnten sich in der Folge aber (vorerst) nicht halten.
Am 22. Dezember 1929 veranstaltete der Knabenchor im Münster in Form einer Weihnachtsliturgie erstmals einen eigenen Auftritt, welcher zusammen mit der stadtbekannten Sopranistin Helene Sandreuter ein grosser Erfolg wurde.
Die im Vergleich mit grossen Internatschören noch bescheidene Chorqualität war 1930 unter Sängereltern ein Thema, da sie nach einem schwachen Auftritt in einem Gottesdienst in Kleinhüningen forderten, weitere öffentliche Auftritte vorerst zu unterlassen. Deshalb wurde nach den Sommerferien 1930 die Probenzeit von 75 auf 120 Minuten verlängert und in je 60 Minuten Gesangstechnik und Chorprobe unterteilt. Inzwischen 88 Knaben umfasste der Chor, was einen Probenlokalwechsel von der St. Johanns-Kapelle in ein grösseres und wesentlich teureres Lokal am Nadelberg bei der Peterskirche zur Folge hatte. Im Dezember 1930 feierte der Chor seinen 25. Auftritt. Die Qualität und Leistung hob sich allmählich, sodass bereits erste Knabensolisten vorgesehen wurden.
1931 führte Ulbrich in Anlehnung an die populären Pfadfinder ein Hierarchie-Gruppensystem ein; nach dem Vorbild der Meistersänger konnten die Knaben vom Schüler zum Sänger und schliesslich zum Meister aufsteigen. Weitere Elemente wie Abzeichen oder ein «Sängerspiegel» (äquivalent zum Pfadfinderversprechen) wurden einbezogen. Wie lange sich dieses Hierarchie-System hielt, ist nicht überliefert. An den öffentlichen Auftritten waren jedoch alle beteiligt. Die bereits 1930 entstandene Idee eines Chorlagers wurde 1932 vom Präsidenten Staehelin wiederaufgegriffen und vom 3. bis 13. Oktober in Greifensee durchgeführt. Das fünfte Jubiläum, das 1932 stattfand, wurde mit einem grossen Familienabend mit Lotterie und Programm begangen.
Eine Problematik, die sich etwa zwischen 1930 und 1933 immer wieder zeigte, war die schwankende Sängerzahl und Qualität des Chores: Konnte Ulbrich von den vielen angeworbenen Sängern einen Teil im Chor halten und sie zu Trägern erfolgversprechender Auftritte heranbilden, fielen jene besten Sänger meistens sogleich in den Stimmbruch und mussten austreten, währenddessen Ulbrich wieder neue Knaben anwerben und ausbilden musste. Zudem plante die Schola Cantorum Basiliensis, einen Kinderchor aufzubauen, was zusätzliche Konkurrenz bedeutet hätte. Deshalb wurde 1933 eine «Schulabteilung» (der heutige «Grundkurs») eingeführt, um weiteren Qualitätsabbau zu vermeiden. Begabte Sänger kamen dabei weiterhin sofort in den Chor, die anderen besuchten zuerst die Schulabteilung. Eine weitere Neuerung wurde 1933 mit der Stimmbildung eingeführt; dafür konnte Helene Sandreuter gewonnen werden. Das teure Probenlokal am Nadelberg wurde mit der Spitalkirche vertauscht. Ende Jahr trat Jakob Staehelin als Präsident wegen Wegzugs aus Basel zurück; sein Vetter Hans Staehelin übernahm sein Amt.
Die folgenden Jahre bis zum Zweiten Weltkrieg waren geprägt durch solide Weiterarbeit. Aus Ulbrich und der Stimmbildnerin Sandreuter wurde in dieser Zeit ein Liebespaar, sie heirateten am 11. Juli 1936. Ebenfalls 1936 übernahm Alfred Courvoisier das Präsidium. Im Dezember 1938 wurde mit dem Chor erstmals eine halbstündige Radiosendung aufgenommen. Der Jahreshöhepunkt fand jedoch bereits am 12. Mai 1938 statt: die Mitwirkung an der Uraufführung von Arthur Honeggers Jeanne d’Arc au bûcher im Theater Basel mit Ida Rubinstein als Jeanne und dem Basler Kammerorchester unter Paul Sacher. Eine Wiederholung der Aufführung mit den Singknaben erfolgte 1939 an der Schweizerischen Landesausstellung in Zürich.
Krise im Zweiten Weltkrieg Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Probenarbeit kontinuierlich erschwert, sodass 1940 ein weiterer Wechsel des Probenlokals zuerst an die Musik-Akademie der Stadt Basel und danach ins Kinderhaus der Basler Mission erfolgte. Da Ulbrich bis Juli 1940 Aktivdienst beim Militär leistete, wurden Emil Herrmann und Helene Sandreuter mit der interimistischen Chorleitung beauftragt, was die vorläufige Einstellung der Stimmbildung zur Folge hatte. Die Sängeranzahl war inzwischen auf 25 geschrumpft. Ulbrich, der weiterhin auf Pikett war, erarbeitete mit dem Chor eine Weihnachtsliturgie. 1941 kam eine gemeinsame Aufführung mit der Schola Cantorum zustande. Im selben Jahr verstarb Ernst Lipp, der seit der Gründung für die Entwicklung des Chores massgeblich beteiligt gewesen war. 1942 und 1943 fiel das gewöhnlich grosse Interesse von Neulingen sehr gering aus, sodass der Chor bis im Mai 1943 nur noch 16 Sänger zählte, deren Qualität aber genügend hoch war, um ein erfolgreiches Konzert mit der Schola Cantorum in der Barfüsserkirche zu geben. Bis 1944 waren immerhin wieder 30 Sänger im Chor. Im Mai 1945 gestaltete der Chor einen Dankgottesdienst zum Kriegsende mit.
Erweiterung und letzte Jahre Ulbrichs In den Jahren nach dem Krieg nahm die Sängeranzahl wieder allmählich zu. Das Ehepaar Ulbrich-Sandreuter konnte sich wieder voll den Singknaben widmen. Bereits 1945 bestritt der Chor zusammen mit dem Bach-Chor die Uraufführung des Oratoriums Unser Vater von Walter Müller von Kulm. 1949 wirkte der Chor am 17. Kirchgesangstag des Schweizerischen Kirchengesangsbundes mit. 1950 löste der Pfarrer Alfred Studer Courvoisier als Präsidenten ab. Im selben Jahr kehrte der Chor wieder zu seinem ursprünglichen Probenlokal, dem Bischofshof, zurück, wo die KKB heute noch probt.
1952 wurde das 25-Jahre-Jubiläum mit einem Festgottesdienst am 22. Juni im Münster gefeiert. Der Komponist Rudolf Moser beschenkte den Chor mit seiner Komposition des 29. Psalms. Erstmals zum Einsatz kamen auch wieder Männerstimmen, ehemalige Singknaben, die sich zur Verfügung stellten. Die Anwerbungen für neue Sänger wurden erstmals bis in die zweiten Primarklassen getragen, da sich mit den Pfadfindern und dem Hoffnungsbund grosse Konkurrenz breitmachte. 1956 erfolgte ein weiterer Präsidentenwechsel; Studer trat wegen Wegzugs zurück und übergab es dem Komponisten Rudolf Moser. 1959 wurden aus einem Konzert mit dem Organisten Hans Balmer zeitgenössische Werke vom Schweizer Radio aufgenommen.