Die Numbered Treaties (, ) sind eine Reihe von elf Verträgen zwischen Kanada, bzw. den formal dort als Staatsoberhäuptern herrschenden Monarchen des Vereinigten Königreichs, und zahlreichen Indianerstämmen, die heute als First Nations bezeichnet werden. Die Regierung Kanadas bereitete die Verträge vor, setzte Treaty Commissioners als Unterhändler ein und ratifizierte die zwischen 1871 und 1921 entstandenen Verträge. Daher sind sie bis heute gültig. mini|Die Gebiete der nummerierten Verträge mini|Der James-Bay-Vertrag, Treaty 9, Archives of Ontario, Toronto Die Treaties (Verträge) 1 bis 7 von insgesamt 11 entstanden innerhalb von zehn Jahren nach der Gründung Kanadas als Konföderation britischer Kolonien in 1867. Vor der Konföderation bestand Britisch-Nordamerika aus sechs verschiedenen Kolonien: Nova Scotia, New Brunswick, die Provinz Kanada (heute Québec und Ontario), Prince Edward Island, Neufundland sowie die Vereinigten Kolonien von Vancouver Island und British Columbia. Den Rest des heutigen Staatsgebiets bildeten Ruperts Land und das Nordwestliche Territorium, die von der Hudson’s Bay Company kontrolliert und 1870 an Kanada abgetreten wurden, sowie der Arktische Archipel, der unter direkter britischer Kontrolle war und 1880 in den Besitz Kanadas gelangte.
Der Regierung des Premierministers John A. Macdonald (1867–1873 und 1878–1891) schwebte eine Besiedlung der riesigen Gebiete in den heutigen Provinzen Alberta, Manitoba und Saskatchewan vor. Dazu musste jedoch Land erworben werden, das von zahlreichen Stämmen bewohnt war, die einen anerkanntermaßen älteren Anspruch (title) auf das Land hatten. Um die Indianer dennoch dazu zu bewegen, ihre Ansprüche zugunsten erheblich kleinerer als ihrer traditionellen Gebiete aufzugeben, bot man ihnen Kompensationen an. Diese sollten in jährlichen Geldzahlungen bestehen, in Ausstattungen, Nahrungsmitteln und Hilfe bei Land- oder Fischwirtschaft, sowie in der Gewährung von Jagdrechten, aber auch dem Recht auf Fischfang und Fallenstellerei auf dem aufgegebenen Land.
Dabei kam den kanadischen Unterhändlern die Tatsache zustatten, dass die Büffelherden dramatisch dezimiert worden waren, und vielen Indianern damit ihre traditionelle Lebensgrundlage zerstört worden war. So wurden sie abhängig von Lebensmittellieferungen. Edgar Dewdney setzte das Druckmittel des Hungers mehrfach ein, um die Stämme zum Einlenken zu zwingen, die Widerstand leisteten. Dieser manifestierte sich in vielerlei Form und zeigte sich deutlich in der Red-River-Rebellion von 1869 und der Nordwest-Rebellion von 1885, aber auch im Versuch des Cree-Häuptlings Big Bear, ein großes gemeinsames Reservat durchzusetzen. Besonders die Métis und die Cree setzten sich gegen die Marginalisierung zur Wehr.
Die kanadische Bundesregierung, vertreten durch den zuständigen Minister, würdigte den Abschluss verschiedene dieser Verträge zwischen 1927 und 1971 (Nr. 1 – 1927; Nr. 3 – 1943; Nr. 6 – 1927; Vertrag von 1778 – 1971) und erklärte diese zu einem „nationalen historischen Ereignis“. Da sich die Interpretation sowie die Sicht der Gesellschaft auf die kanadische Geschichte im Laufe des letzten Jahrhunderts stark verändert hat, gehören diese Würdigungen der Verträge zu den Ereignissen, die sich in der Überprüfung befinden. Grundlage einer Überprüfung ist ein vom Historic Sites and Monuments Board of Canada/Commission des lieux et monuments historiques du Canada (HSMBC) erstelltes Dokument und wesentlich dabei die Betrachtung der Beziehung Kanadas zu den indigenen Völkern sowie dem Engagement der Bundesregierung für die Wahrheitsfindung und Versöhnung.
Die Treaties (Verträge) Treaties (Verträge) 1–5 Die Numbered Treaties (Nummerierten Verträge) 1–5, allgemein als „the First Five“ (die ersten Fünf) bezeichnet, waren die ersten Verträge, die nach der Konföderation unterzeichnet wurden, und bildeten die Grundlage für Verträge bis zum heutigen Tag. Die Treaties (Verträge) 1–5 wurden zwischen 1871 und 1875 unterzeichnet und umfassen Land das im damaligen Manitoba und in den Nordwest-Territorien lag; dieses Gebiet ist heute als Nordwest-Ontario, Süd-Manitoba, Saskatchewan und Alberta bekannt.
Diese Verträge sollten der Britischen Krone Land zum Zwecke der europäischen Besiedlung sowie der landwirtschaftlichen und industriellen Entwicklung auf Dauer übertragen. Im Austausch für abgetretenes Land und Rechte sollten die First Nations Folgendes erhalten: Reservate, jährliche Geldzahlungen, Zuschüsse für Decken und Werkzeuge, Unterstützung in der Landwirtschaft, Schulen, wenn sie es wünschten, jährliche Volkszählungen sowie Jagd- und Fischereirechte. Eine Ausnahme wurde in die Verträge eingebaut, die vorsah, dass die Bundesregierung, sollte sie das Land benötigen, die Jagd- und Fischfangrechte auf dem Land der Krone aussetzen und die von ihr als entscheidend erachtete Infrastruktur errichten konnte. Die Verträge verlangten von den First Nations auch, den Frieden zu wahren, Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten und sich an das Alkoholverbot auf Reserveland zu halten.Numbered Treaties - Our Stories
Treaty 1 (Vertrag 1) Treaty 1 (Vertrag 1) oder Stone Fort Treaty genannt, weil er im steinernen Lower Fort Garry in Manitoba abgeschlossen wurde, kam am 3. August 1871 zustande. Betroffen waren die Manitoba Saulteaux (Mittlere Saulteaux) (eine Stammesgruppe der Anishinabek) und Swampy Cree im Süden von Manitoba. Unterzeichnet wurde der Vertrag vom kanadischen Unterhändler Wemyss M. Simpson von der einen und den „Chippewa and Swampy Cree Tribes of Indians“ auf der anderen Seite. Dabei ging man von dem Konstrukt aus, dass ihre Majestät, die Königin von England, ihre Untertanen um die Einverständniserklärung bitte, das Land für Siedlung und Einwanderung zu öffnen. Dazu sollten die Indianer Leute bestimmen, die die Autorität hätten, einen solchen Vertrag zu unterzeichnen.
Folgende Häuptlinge bzw. Anführer unterzeichneten den Treaty 1 (Vertrag 1): Mis-koo-ke-new („Red Eagle“ oder Henry Prince); Ka-ke-ka-penais („Bird Forever“ oder William Pennefather); Na-sha-ke-penais („Flying Down Bird“); Na-na-wa-nanan („Centre of Bird’s Tail“); Ke-we-tay-ash („Flying Round“); Wa-ko-wush („Whip-poor-will“) und Os-za-we-kwun/Ošāwaškokwanēpi („Yellow Quill“, korrekt: „Blue/Green Quill“).
Das Gebiet wurde umrissen mit „Beginnend an der internationalen Grenzlinie an ihrem Zusammentreffen mit dem Lake of the Woods, zu einem Punkt nördlich der Mitte des Roseau Lakes; dann zur Mitte des Roseau Lake und nordwärts bis zur Mitte des White Mouth Lake, auch White Mud Lake genannt; dann von der Mitte des Sees und der Mitte des Flusses bis zur Mündung in den Winnipeg River; entlang des Winnipeg bis zu seiner Mündung; dann westwärts, einschließlich aller Inseln nahe dem Südende des Winnipegsees, über den See bis zur Mündung des Drunken River; dann westwärts zu einem zwischen Oak Point und der Mündung des Swan Creek gelegenen Punkt im Lake Manitoba; dann über diesen See entlang einer Linie an seinem Westufer; dann in einer geraden Linie bis zu den Stromschnellen des Assiniboine River; dann nach Süden bis zur Grenze; dann wieder ostwärts entlang dieser Linie bis zum Ausgangspunkt.“
Im Gegenzug sollten die Indianer Reservate (reserves) erhalten. Für die Band (Gruppe) (in Kanada statt der Bezeichnung „Tribe (Stamm)“ gebraucht) des Häuptlings Mis-koo-ke-new („Red Eagle“ oder Henry Prince), so viel Land auf beiden Seiten des Red River, angefangen an der Südgrenze der St. Peter's-Gemeinde. Für alle Bands sollten für eine fünfköpfige Familie 160 Acre verbleiben, eine Fläche, die jeweils der Familiengröße angepasst werden sollte. Den Bands der Häuptlinge Na-sha-ke-penais („Flying Down Bird“), Na-na-wa-nanan („Centre of Bird’s Tail“), Ke-we-tay-ash („Flying Round“) und Wa-ko-wush („Whip-poor-will“) wurde so ein Reservat am Roseau River, beginnend an der Mündung, zugesagt; dem Stamm des Häuptlings Ka-ke-ka-penais („Bird Forever“ oder William Pennefather) Land am Winnipeg River oberhalb von Fort Alexander ungefähr eine Meile oberhalb des Forts beginnend; der Band des Häuptlings Os-za-we-kwun/Ošāwaškokwanēpi („Yellow Quill“, korrekt: „Blue/Green Quill“) Land im Süden und Osten des Assiniboine River, rund zwanzig Meilen oberhalb der Portage, dazu ein Gebiet, das am Reservat liegen und 25 Quadratmeilen umfassen sollte. Dieses sollte den Indianern, falls ein Siedler bereits zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses im Reservat leben sollte, als Ersatzgebiet von gleicher Größe dienen.
Darüber hinaus erhielt jedes Stammesmitglied drei Dollar, und, falls die Stammesvertreter es wünschten, sollte eine Schule eingerichtet werden. Alkoholhandel wurde untersagt.
Eine genaue Zählung der Indianer im jeweils beschriebenen district sollte durchgeführt werden, so dass in jedem Juli im oder nahe dem Reservat einer Familie von fünf Personen (entsprechend angepasst an größere oder kleinere Familien) 15 kanadische Dollar ausgezahlt werden sollten. Doch dies sollte entsprechend dem jeweils gängigen Preis in Montreal in Form von Decken, Kleidung, Farben, Garn, Fallen ausgezahlt werden, es sei denn, die Königin hielt es für sinnvoll, in bar zu zahlen.
Neben dem eigentlichen Vertrag, der den Indianern „vorgelesen und erklärt“ worden war, kamen noch mündliche Versprechungen zum Tragen: Jeder Häuptling, der unterzeichnet hatte, sollte ein Kleidungsstück erhalten, das ihn als Häuptling heraushob. Bekleidung gab es auch für die Berater und die „Tapferen (Krieger)“, wobei ihre Zahl auf zwei pro Häuptling festgesetzt wurde. Dazu kam für jeden Häuptling und seine beiden Berater bzw. „Tapferen (Krieger)“ ein Einspänner – mit Ausnahme der Band von Häuptling Os-za-we-kwun/Ošāwaškokwanēpi („Yellow Quill“, korrekt: „Blue/Green Quill“). Jeder Häuptling bekam einen Bullen und eine Kuh, dazu kam ein Eber für jedes Reservat und eine Sau für jeden Häuptling. Sobald die Indianer so weit seien, sollten sie auch je ein paar domestizierter Tiere bekommen („each kind of animal raised by farmers“). Jeder, der den Boden bearbeitete, sollte einen Pflug und eine Egge bekommen, doch sollten die Geräte Regierungseigentum bleiben und nur ausgeliehen werden.
Heutige Treaty 1 First Nations: Brokenhead Ojibway Nation (Baaskaandibewi-ziibiing – „Brokenhead River“) Sagkeeng First Nation (früher: Fort Alexander First Nation; Zaagiing – „Am Ort der Flussmündung“) Long Plain First Nation (Gaa-ginooshkodeyaag – „Ort der langgezogenen Ebene“) Peguis First Nation (bevölkerungsreichste First Nation in Manitoba, benannt nach Häuptling „Peguis“; Oshki-ishkonigan – „das neue Reservat“) Roseau River Anishinabe First Nation (Okwewanashko-ziibiing – „Roseau River“) Sandy Bay First Nation (Gaa-wiikwedaawangaag – „entlang der Sandküste“) Swan Lake First Nation (Gaa-biskigamaag – „der See (Swan Lake) der gekrümmt ist“)
Treaty 2 (Vertrag 2) Treaty 2 (Vertrag 2) wurde nur wenige Wochen später am 21. August 1871 bei Manitoba House geschlossen, betroffen waren Manitoba Saulteaux (Mittlere Saulteaux) (eine Stammesgruppe der Anishinabek) im Süden von Manitoba. Folgende Häuptlinge bzw. Anführer unterzeichneten den Treaty 2 (Vertrag 2): Sou-sonce („Little Long Ears“) für die Swan Creek and Lake Manitoba Indians, Ma-sah-kee-yash („He who flies to the bottom“) und Ke-wee-tah-quun-na-yash („He who flies round the feathers“ oder Richard Woodhouse) jeweils für die Indians of Fairford and the neighboring localities, François („Broken Fingers“) für die Indians of Waterhen River and Crane River and the neighboring localities und Mekis („The Eagle“ oder Giroux) für die Indians of Riding Mountains and Dauphin Lake and the remainder of the territory hereby ceded.
Der Vertrag stimmte weitgehend mit Vertrag 1 überein, abgesehen von der Beschreibung der abzutretenden Gebiete: