Der Zweibindige Eichenprachtkäfer oder Florentiner Prachtkäfer (Coraebus florentinus oder Coroebus fasciatus) ist ein Käfer aus der Familie der Prachtkäfer (Buprestidae). Das in verschiedenen Grüntönen metallisch schillernde Tier kommt als wärmeliebende Art hauptsächlich in Südeuropa vor. Auf Grund seiner Lebensweise bekommt man die Art jedoch nur selten zu Gesicht. Die Larvengänge haben einen ungewöhnlichen Verlauf, der kurz vor der Verpuppung zum Absterben des befallenen Astes führt.
Die Art ist wie die meisten Prachtkäfer gemäß der Bundesartenschutzverordnung gesetzlich besonders geschützt. In der Roten Liste gefährdeter Arten Deutschlands wird die Art unter der Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht) geführt.
Bemerkungen zum Namen, Synonymen und Systematik Die Art ist traditionell nach der Beschreibung von Herbst 1801 als Buprestis florentina benannt. Die Beschreibung enthält die Bemerkung Das Vaterland ist Florenz. Dadurch erklärt sich der Artname florentīna (bei Florenz, Floréntia, vorkommend). Das Verbreitungsgebiet ist wesentlich größer. Es gibt ältere Beschreibungen dieser Art, deren Artnamen aber inzwischen für andere Arten benutzt werden. Olivier beschrieb die Art 1790 als Buprestis bifasciata, ein Jahr zuvor wurde sie von Villers als Buprestis fasciata beschrieben. Im neuesten Katalog der paläarktischen Käfer heißt die Art wieder Coraebus fasciatus (Villers 1789). Die Beschreibung des Käfers durch Villers enthält das Merkmal ...elytris tribus fasciis viridi-violaceis… (lat. mit drei grün-violetten Binden auf den Flügeldecken). Damit erklärt sich das Art-Epitheton fasciatus (lat. gebändert)
Als Art-Epitheton existieren folgende Synonyme florentinus Herbst 1801 fasciatus Villers 1789 bifasciatus Olivier 1790 trifasciatus Regimbeau 1876 aethiops Obenberger 1924 mequignoni Obenberger 1934 obscuricollis Pic 1894 obscuricolor Pic 1893 obscurior Pic 1933 semiviolaceus Pic 1894
Es sind keine Unterarten oder lokale Rassen bekannt. Viele der unter den Synonymen aufgeführten Namen stehen für vereinzelt auftretende Farbvarianten, beispielsweise Flügelbehaarung golden (mequignoni), Flügeldecken blau (nitraensis) oder violett (pici).
Die frühen Beschreibungen ordnen die Art alle der Gattung Buprestis zu. Bei der Aufspaltung der Gattung Buprestis durch Eschscholtz 1829 verbleibt die Art in der Restgattung Buprestis. Die Gattung Caraebus wird erst 1836 von Laporte&Gory aufgestellt. Der Gattungsname Corāēbus ist von altgr. Κόροιβος Kóroibos, einem Sieger in Olympischen Spielen, abgeleitet und müsste nach Schenkling richtig Coroebus lauten.
Als Gattungsname der Art findet man neben Coraebus Laporte & Gory 1836 Coroebus Cast. beispielsweise noch im Standardwerk Freude-Harde-Lohse und im Internet fast doppelt so häufig wie Coraebus. Außerdem ist die Gattung synonym zu Coaegrilus Fairmaire 1889 und Negreia Cobus 1962
Die Gattung Coraebus in Europa mit fünf Arten vertreten, weltweit gibt es 225 Arten.
180px160pxAbb. 1: UnterseiteAbb. 4: Seitenansicht180px160pxAbb. 2: Vorderansicht180pxAbb. 3: KrallengliedAbb. 5:Spitze der Flügeldecke
Merkmale Merkmale des Käfers Der Körper des Florentiner Prachtkäfers ist länglich oval und bei 13 bis 16 Millimetern Länge knapp dreimal so lang wie breit. Die Körperoberseite ist metallisch grün mit kupfrigen Schattierungen, die Unterseite metallisch grün mit einer Tendenz zu blaugrün. Die Flügeldecken weisen in der hinteren Hälfte drei wellen- bis zickzackförmige dunkle Querbinden auf, die von drei davor liegenden helleren und behaarten Querbinden getrennt sind. Die vorderste behaarte Querbinde ist nur angedeutet oder kann ganz fehlen (Abb. 5). Deswegen führt der Käfer den deutschen Namen Zweibindiger Eichenprachtkäfer, in Abgrenzung zum ebenfalls an Eichen lebenden Coraebus undatus, der mehrere behaarte Binden aufweist. Die Behaarung ist auch auf der Stirn ausgeprägt (Abb. 2 in höherer Auflösung), ebenso auf der Körperunterseite (Abb. 6 in höherer Auflösung). Sonst ist der Käfer sehr spärlich, kurz und gelblich, auf der Scheibe des Halsschildes verschwindend behaart. Antennen und Beine sind kaum behaart, nur auf dem Schenkelringen (Trochanteren), besonders des zweiten und dritten Beinpaars, stehen die Haare dicht (Abb. 6 in höherer Auflösung). Der Körper ist sowohl der Länge als auch der Breite nach nur wenig gewölbt, seine höchste Stelle liegt nur wenig hinter der Basis der Flügeldecken (Abb. 4).
Der Kopf ist von oben betrachtet viel breiter als lang und in den Halsschild zurückgezogen. Die großen Augen bedecken weitgehend die Seiten des Kopfes, ihr Hinterrand verläuft in kleinem Abstand parallel zum Vorderrand des Halsschildes (Abb. 2, Abb. 4). Die Mundwerkzeuge zeigen nach unten. Die Oberlippe ist rechteckig. Die Oberkiefer sind kräftig, gebogen, zugespitzt, auf der inneren Seite ausgeschnitten mit einem stumpfen Zahn versehen. Das erste Kiefertasterglied ist sehr klein, das zweite lang, das dritte wieder kleiner und dreieckig und das vierte dicker und eiförmig. Das Lippentasterendglied ist groß und keulenförmig. Über den Mundwerkzeugen sind die elfgliedrigen Fühler eingelenkt, die ab dem vierten Glied nach innen erweitert (gesägt) sind (Abb. 2). Am Kopf ist keine Rinne erkennbar, in der die Fühler eingelegt werden können.
Der Halsschild ist viel breiter als lang, vorne kaum breiter als der Kopf, dann verbreitert er sich auf die Breite der Flügeldecken. Seine Basis ist seitlich der Mitte deutlich nach vorne ausgebuchtet (doppelt gebuchtet). Sein Seitenrand ist gerillt (Abb. 2 bei hoher Auflösung) und nicht wie bei den ähnlichen Arten der Gattung Agrilus doppelt. An der Basis ist der Halsschild ohne sichtbare Eindrücke, in den Hinterwinkeln ohne Kiel. Es ist punktiert und nicht gerunzelt.
Die Flügeldecken sind lang, größtenteils parallel und verjüngen sich gegen die Spitze gleichmäßig. Am Hinterende sind sie abgerundet. Sie sind unregelmäßig punktiert. Die Ränder sind an der Spitze fein gesägt (Abb. 5). Das Schildchen ist dreieckig, nach hinten stark zugespitzt und hat keinen Querkiel, wie die sonst ähnlichen Arten der Gattung Agrilus.
Die Hinterflügel sind nach dem Canthariden-typus geadert. Costa und Subcosta sind verwachsen. Von den drei Radialadern ist die erste nur an der Basis von den andren Adern getrennt, außen verwächst sie mit Costa und Subcosta. Weiter finden sich zwei Cubital-, drei Anal- und zwei Jugaladern, die alle sehr schwach ausgebildet sind. Die Existenz einer zweiten Jugalader unterscheidet C. florentinus von der nahe verwandten Art C. undatus.
Auf der Körperunterseite werden für die Artbestimmung wichtige Merkmale sichtbar (Abb. 6). Die Vorderbrust ist zum Kopf hin ohne eine aufgeworfene Erweiterung (Kinnbinde). Dies grenzt die Gattung von den beiden anderen mitteleuropäischen Gattungen der Tribus Coraebini ab. Die Vorderhüfthöhlen, in die die Vorderhüften eingelenkt sind, sind nach hinten offen. Die Vorderhüften (Abb. 6, rechts orange) sind kugelig und durch einen Fortsatz der Vorderbrust (Prosternalfortsatz, Abb. 6, rechts grün) weit voneinander getrennt. Dieser Fortsatz reicht bis in eine Aussparung in der Hinterbrust (Abb. 6, rechts gelb). Die an die Hinterbrust seitlich anschließende Platte des Außenskeletts (Episternum, Abb. 6, rechts rot) ist nicht durch die Seiten der Flügeldecken verdeckt und von unten deutlich sichtbar. Die Hinterhüften (Abb. 6, rechts blau) liegen der Hinterbrust hinten breit an. Sie sind nach innen nicht erweitert und nach außen verbreitert und drängen die Episternen der Hinterbrust zurück. Nach hinten sind die Hinterhüften zur teilweisen Aufnahme der Hinterschenkel ausgehöhlt (Schenkeldecken).
Alle Beine sind verhältnismäßig zierlich, da sie für die Fortbewegung von untergeordneter Bedeutung sind. Die Tarsen sind fünfgliedrig, die ersten vier Glieder unten gelappt. Das erste Tarsenglied ist länger als die folgenden, aber nicht so lang wie das zweite und dritte zusammen. Die Krallen sind geteilt (Abb. 3, Lappen des 4. Tarsenglieds braun hinter den Krallen sichtbar).
Die Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen (Geschlechtsdimorphismus) sind nicht auffallend. Bei den Männchen sind die Fühler etwas länger als bei den Weibchen, bei denen sie den Hinterrand des Halsschilds nicht erreichen. Bei den Männchen sind außerdem die schwarzen Bänder der Flügeldecken breiter, das letzte Abdominalsternit weniger abgerundet, und der gesamte Körper untersetzter als bei den Weibchen. 240pxAbb. 6: Brustabschnitt von Coraebus florentinusvon unten, rechte Seite teilweise koleriertgrün: Prosternalfortsatzorange/grau/blau: Vor-/Mittel-/Hinterhüftegelb: Mittelbrust, rot:Episternum der Hinterbrust
Merkmale der Larve Da Käferlarven wesentlich weniger zur Artbestimmung relevante Merkmale aufweisen als adulte Käfer, ist es notwendig, die wenigen sklerotisierten und deswegen formstabilen Teile genau zu beschreiben. Dies sind häufig nur die Mundwerkzeuge. Beschrieben wird das letzte Larvenstadium.
Die Larve ist stark der im Holz bohrenden Lebensweise angepasst. Sie ist abgeplattet zylindrisch, blind, fußlos und außer an den Körperenden weichhäutig und ohne Farbpigmente. Das letzte Hinterleibssegment (Analsegment) trägt zwei stark sklerotisierte kurze Anhänge, die nebeneinander sitzen und nach hinten zeigen. Sie bilden gemeinsam eine Zange, deren Hälften auf der Innenseite im letzten Larvenstadium je fünf Zähne aufweisen. In früheren Stadien sind diese Zähne zu Beginn jedes Larvenstadiums gut ausgeprägt, nutzen sich aber bis zur nächsten Häutung ab.
Die Vorderbrust ist breiter als Mittel- und Hinterbrust, aber nicht wie bei vielen Prachtkäferlarven deutlich breiter als die Segmente des Hinterleibs. Die Vorderbrust ist 1,4-mal so breit wie lang und stark abgerundet. Auf Rücken- und Bauchseite ist die Haut zu einer Platte verdickt. Die Rückenplatte hat zwei parallele Längsrillen, die fast den Hinterrand der Platte erreichen und deren braune Farbe am Vorderende ausbleicht. Die Bauchplatte der Vorderbrust weist nur eine Rille auf, die farblos und nach hinten geöffnet ist. Die Mittelbrust ist deutlich schmäler als die Vorderbrust und zwei- bis dreimal so breit wie lang. Sie ist das einzige Brustsegment mit Atemöffnungen (Stigmen). Auf der Mitte der Seiten dieses Segmentes befindet sich leicht auf die Bauchseite gerückt je ein Stigma. Die Hinterbrust ist das schmälste der drei Brustsegmente, aber größer als die Mittelbrust. Sie ist weniger als doppelt so breit wie lang und ohne morphologische Besonderheiten.
Die ersten sieben Hinterleibsglieder sind recht groß, das erste kleiner als das erste Brustsegment aber größer als das zweite, die folgenden Hinterleibssegmente werden zunehmend größer. In der Aufsicht werden sie von vorne nach hinten von rundlich über rechteckig zunehmend trapezförmig. Das achte Hinterleibssegment hat etwa die Form der Hinterbrust, das neunte verbreitert sich nach hinten und besitzt dort eine Falte, in die das Analsegment teilweise eingeschoben werden kann. Das Analsegment verengt sich zu der Basis der Zange hin.
Die ersten acht Hinterleibssegmente tragen je ein Paar Stigmen in einer ovalen Vertiefung in Längsrichtung auf jeder Seite des Rückens. Solche Vertiefungen finden sich auch auf der Bauchseite, jedoch ohne Stigmen. Sie sind körnig und etwas dunkler gefärbt als der Rest des Segments.