Der Federsee bei Bad Buchau im oberschwäbischen Landkreis Biberach ist mit einer Fläche von 1,4 km² der zweitgrößte See in Baden-Württemberg.Ob er der zweit- oder drittgrößte ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Der drittplatzierte Titisee hat zwar mit 1,3 km² eine etwas geringere Fläche, ist aber 20 m tief und nicht bloß von 60 cm bis maximal 2,80 m. Außerdem ist seine Wasserfläche stabil und unterliegt nicht, wie beim lediglich durch Niederschläge regulierten Federsee, Schwankungen durch auch jahreszeitlich variierende Übergänge in einen breiten Moor- und Schilfgürtel. Auch die etwas unterschiedlichen Zahlenangaben bei der See- und Moorfläche in der Literatur erklären sich so, zumal es schwierig ist, im breiten und teils recht irregulär in den See ragenden Riedgürtel die Grenze Wasser/Land und Moor/Nicht-Moor exakt festzulegen, wie das für präzise Flächenberechnungen notwendig wäre. Er liegt inmitten des mit 33 km² größten zusammenhängenden Moorgebietes Südwestdeutschlands und ist mit ihm der Rest eines einst sehr viel größeren, etwa 50 km² bedeckenden nacheiszeitlichen Sees. Dieser Komplex aus See und Moor stellt heute den Kern des geologischen Federseebeckens dar, das nach Renaturierungsmaßnahmen inzwischen mit seinen früheren Ufern und Inseln eine überragende natur- und kulturhistorische Bedeutung besitzt.

Die heutige Beckenlandschaft ist inzwischen vor allem auch ein Modell für die ökologische Wiederherstellung einer bereits weitgehend zerstörten Naturlandschaft samt ihren botanischen und zoologischen Habitaten und der damit einhergehenden Sicherung und Erforschung uralter Kulturzeugnisse, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts nach der Senkung des Seespiegels und der Entwässerung der Moore zutage traten. Die sich dort befindlichen Reste der Pfahlbauten gehören teilweise zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Der Federsee und das ihn im zentralen Becken umgebende Moor sind jetzt in einer Fläche von 23,76 km², also zu mehr als zwei Dritteln, geschützt, das Gebiet trägt zudem als Natur- und Europäisches Vogelschutzgebiet Federseeried das Prädikat „Europareservat“ und wurde von der Europäischen Union als Bestandteil des FFH-Gebiets Federsee und Blinder See bei Kanzach in ihr Schutzgebietsnetz „Natura 2000“ aufgenommen.Viele Einzelheiten vor allem zur Natur insgesamt des folgenden Artikels sind den Internet-Veröffentlichungen des NABU (Naturschutzbund Deutschland e. V.) entnommen, vgl. nabu-federsee.de, diese sind aus praktischen Gründen nicht in jedem Einzelfalle als Quelle ausgewiesen.

Topografie des Beckens und Anliegergemeinden Geographie Das Federseer Ried als Teil des Federseebeckens in Oberschwaben ist ein Naturraum der Haupteinheit 040 Donau-Ablach-Platten im Nördlichen Alpenvorland. Vom Landschaftstyp her handelt es sich um eine Moorlandschaft (moorreiche Kulturlandschaft). Im Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands von Meynen/Schmithüsen (1953–1962) wird das Gebiet als naturräumliche Untereinheit 040.25 Federseebecken bezeichnet.

Topografie Ausgehend von der einstigen, von Karlhans Göttlich 1970/1972 festgestellten Grenze der Moorfläche,Schlichtherle, Karten S. 18–23. weist das Becken nordöstlich einen (von der Seekante gemessen) sechs Kilometer langen, zu Beginn drei Kilometer breiten, am Ende sehr schmalen (300 m) trichterförmigen Ausläufer auf, nordwestlich einen etwa fünf Kilometer langen, durchgehend schmalen (ca. 300 m) Ausläufer, möglicherweise alte Gletscherzuflusszonen. Nach Westen weitet sich das Becken zu einer etwa einen Kilometer tiefen und nord-südlich drei Kilometer langen Bucht, durch die auch die Kanzach fließt, die 1808/09 zu einem west-östlichen Abflusskanal mit Wehr zur Wasserstandregulierung des Moores ausgebaut wurde und nach knapp 20 km in die Donau mündet. Das weit umfangreichere südliche Federseebecken, mit der einstigen etwa zwei Kilometer langen und maximal ca. 700 m breiten rübenförmigen Insel Buchau an der Westseite, ist sehr viel breiter und topographisch wesentlich geringer gegliedert, zeigt zudem heute auch am wenigsten einen Moorcharakter. Bei einer anfänglichen Breite von vier Kilometer läuft es nach etwa sieben Kilometer in einem Zipfel aus, von dem ein kleiner westlich abzweigender, etwa zwei Kilometer langer Ausläufer zur Schussenquelle führt. Das östliche Ufer war einst relativ steil, so dass sich die meisten frühen Siedlungen am flachen, reich durch Buchten und Halbinseln gegliederten westlichen Ufer konzentrierten.

Ortschaften mini|Postkartenansicht des mittleren und nördlichen Federseebeckens aus dem frühen 20. Jh. Im Unterschied zum etwas kleineren Luftbild ist hier am linken Bildrand noch Bad Buchau mit Kappel zu sehen, am rechten Oggelshausen. mini|Ähnlicher Ausschnitt, modernes Luftbild. Die geraden Linien sind die zahlreichen Entwässerungskanäle der beiden Seefällungen. Die Riedfläche ist am bräunlichen Ton zu erkennen. (Die großen diffusen dunkelblauen Flächen an den Abbildungsrändern sind Wolkenschatten, keine Wasserflächen.)

Am Federsee liegen Bad Buchau, Moosburg mit Brackenhofen, Alleshausen, Seekirch, Tiefenbach und Oggelshausen. Auch Kanzach, Allmannsweiler, Betzenweiler und Dürnau werden zum Federseegebiet gezählt. Die nebenstehende Abbildung des Federseebeckens aus dem frühen 20. Jahrhundert zeigt – damals war die Seefläche mit 1,52 km² (1911) noch um ca. 15–20 % größer als heute – mit Ausnahme des südlichen Endes alle Anliegergemeinden und Orte der näheren Umgebung. Die den Federsee umgebenden hellgrünen Gebiete sind durchweg bestehendes oder ehemaliges Moor/Ried (der Begriff „Ried“ bezeichnet in Süddeutschland vor allem den oberirdischen Bewuchs eines Moores,Brockhaus Enzyklopädie: Deutsches Wörterbuch. Band 28, S. 2785. vgl. niederdeutsch Reet). Die Ortschaften und Gehöfte (in Klammer dahinter jeweils wichtige urgeschichtliche Fundstätten) liegen entweder

wie Bad Buchau auf einer mineralischen, also nicht durch Moorboden, sondern Gestein gebildeten Insel, die früher durch einen Bohlendamm mit dem Land (Ortsteil Kappel) verbunden war, wie Alleshausen, Seekirch, Kappel, Kanzach, Henauhof, Seelenhof, Vollochhof und Moosburg auf teils halbinselartigen, von Alt- und Jungmoränen gebildeten Landvorsprüngen oder wie Oggelshausen, Ahlen und Tiefenbach auf ebensolchen Landkanten, also früheren Ufern des damals sehr viel größeren Sees. Die Orte in den umgebenden Hügeln wie Uttenweiler oder Bad Schussenried liegen auf Moränenboden.

Im Uhrzeigersinn sind dies beginnend rechts oben:

Nordöstliches Ried: Ahlen (Ahwiesen), Alleshausen (Riedwiesen), Seekirch (Achwiesen). Diese und die Stationen Hartöschle, Ödenahlen, Stockwiesen, Grundwiesen, Floßwiesen, Innere Wiesen und Täschenwiesen befinden sich an diesem langen, trichterförmigen nordöstlichen Ausläufer des Beckens. Nordwestliches Ried: Am nördlichen Ende dieses sehr schmalen Ausläufers liegt Betzenweiler. Zentrales Ried. mit dem Federsee in der Mitte: Am Rande liegen (im Uhrzeigersinn) Tiefenbach, Oggelshausen, Bad Buchau (auf der gleichnamigen einstigen Insel). Der Insel gegenüber am früheren Ufer liegt Kappel mit den Stationen Torwiesen und Bachwiesen zwischen den beiden Orten auf altem Moorgrund. Westliches Ried: Kanzach, Moosburg (auf einer mineralischen Halbinsel) sowie der Station Vollochhof und Seelenhofer Ried. Südliches Ried: Fehlt hier bis auf seine nördliche Hälfte mit Buchau in der Abbildung. Dort liegen allerdings keine größeren Ortschaften, jedoch die frühen Fundstellen: Henauhof (auf einer mineralischen Halbinsel am westlichen Beckenende), dazu außerhalb des Südendes Bad Schussenried mit der Schussenquelle und den Stadtteilen Aichbühl und Reichenbach. Die Fundorte Riedschachen, Ödenbühl, Dullenried, Egelsee und Taubried (alle außer der ersten noch im Bereich der Abbildung) befinden sich ebenfalls im südlichen Becken; andere ehemalige Riedflächen sind das Oggelshauser, Wilde und Steinhauser Ried. Für all diese Orte sind Einzelfunde aus unterschiedlichen Zeitzonen zwischen Mittelneolithikum und Hallstattzeit belegt. Auf den westlichen Anhöhen des südlichen Beckens finden sich einige spätbronze- und früheisenzeitliche Fundstellen, vor allem 15 hallstattzeitliche Gräber sowie ein Brandgrab der mittelbronzezeitlichen Urnenfelderkultur.Schlichtherle, Karte S. 23.

Die Menschen des Beckens: Herkunft und Traditionen Geistiger Hintergrund mini|Kulturen der Mittelbronzezeit in Europa um 1200 v. Chr. Das Federseegebiet gehört dabei der hier rot gekennzeichneten Urnenfelderkultur an (auch Hügelgräber-Kultur genannt), die für die sog. „Wasserburg Buchau“ belegt ist. mini|Die eisenzeitlichen Kelten in Europa zwischen 800 und 200 v. Chr. Das dunkelgrüne Kerngebiet der Hallstatt- (vor 500 v. Chr.) und Latènezeit mit der maximalen Ausdehnung um 300 v. Chr. (hellgrün) umfasste auch Oberschwaben mit dem Federsee-Gebiet, wo zahlreiche Hügelgräber der Hallstatt-Zeit in der Umgebung gefunden wurden. mini|Hochburgund und das Herzogtum Schwaben um 1000 n. Chr. mit Bodensee- und Federseegebiet im Zentrum. Man erkennt hier schon die zahlreich sich überkreuzenden politisch-kulturellen Einflussbereiche, die letztlich auch zum Zerfall des Herzogtums während der Stauferzeit um 1283 führten. mini|Karte des südlichen Teils des Schwäbischen Kreises mit den geistlichen und weltlichen Kreisständen. Man sieht die politische Zerrissenheit noch zu Beginn der Neuzeit (1563). Kupferstich 1672. mini|Das Herzogtum Württemberg (später Königreich von Napoleons Gnaden) zwischen 1789 und 1810. Oberschwaben mit Bodensee und Federsee ist nun an den Rand gerückt. mini|Wie zerrissen das Land politisch war, zeigt diese kleinräumigere Karte von 1793 deutlich. Sie zeigt das Fürstentum Hohenzollern und die Grafschaft Sigmaringen mit der gefürsteten Abtei Buchau, die Deutsche Ordens-Komturei Alschhausen, die Herrschaft Justingen, die Abteien um den Federsee und die freien Reichsstädte Ravensburg, Buchau und Biberach in einem ziemlichen Durcheinander. Der Federsee ist hier nach der ersten Fällung zu sehen, die zunächst das südliche Becken trockenlegte, und er hat noch keineswegs die federartige Gestalt von heute.

Der Charakter einer Kulturlandschaft wird im Gegensatz zu dem einer Naturlandschaft in allerdings unterschiedlichen Anteilen von den dort lebenden Menschen bestimmt. Im Federseegebiet, wo die archäologischen Funde besonders aussagekräftig sind und reichlich anfallen, lässt sich das Wechselspiel zwischen Kultur und Natur deutlich und detailliert verfolgen.

Der Mensch prägte allerdings auch am Federsee bereits seit seiner Zeit als Jäger und Sammler, vor allem aber seit der neolithischen Revolution und der Erfindung der Metallverarbeitung auch ohne solche Denkstrukturen die dortige Landschaft immer stärker. Auf die fast vollständige Landschaftszerstörung im 19. und 20. Jahrhundert folgte die „Landschaftsrettung“ im modernen ökologischen Sinne. Doch unvermeidlich wurde er auch von der Landschaft geprägt, zunächst durch die Überschwemmungen, als der See immer wieder massiv über die Ufer trat und trotz der ausgeklügelten Pfahlbausysteme und Feuchtbodenbauten ganze Kulturen vernichtete.

Der Name bzw. der „Federsee“ selbst, der vermutlich nicht anderes als „Moor-, Sumpf-See“ bedeutet, fand in früheren wissenschaftlichen Veröffentlichungen von zahlreichen Wissenschaftlern wie Leo Frobenius (Kulturgeschichte Afrikas, S. 158–189) und Oswald Spengler (Der Untergang des Abendlandes, S. 131 f., 579 ff.) eine Würdigung. Sie untersuchten die komplexen vor allem in ur- und frühgeschichtlichen Zeit stattfindenden Zusammenhänge. Bei Tomáš Sedláček findet sich dies vor allem unter ökonomischen Gesichtspunkten, etwa in der Ökonomie von Gut und Böse (S. 40 f., 47, 51 f., 56.). Heute beschäftigen sich vor allem Paläoanthropologen und Evolutionsbiologen wie Jonathan Kingdon mit dem Thema der Landschaftsbildung durch den Menschen (Und der Mensch schuf sich selbst. S. 86 ff.).