mini|hochkant=1.5|Neu Wulmstorf von Westen hinter der B3n. Im Hintergrund die Harburger Berge mit der Fischbeker Heide (2017). Neu Wulmstorf (; plattdeutsch VosshusenPlattdeutsch auf Ortstafeln, För Platt e. V.) (bis Dezember 1964 Wulmstorf benannt) ist eine Einheitsgemeinde im Landkreis Harburg in Niedersachsen. Neu Wulmstorf ist nach dem niedersächsischen Raumordnungsprogramm ein Grundzentrum mit mittelzentralen Teilstrukturen.Regionales Raumordnungsprogramm, Änderung und Ergänzung 2007 für den Landkreis Harburg 18. Dezember 2009.

Geografie Geografische Lage Neu Wulmstorf erstreckt sich zwischen Hamburg im Osten, dem Alten Land im Norden, den Harburger Bergen im Südosten, Buchholz in der Nordheide und der Geest mit Buxtehude im Westen. Naturräumlich verteilt sich das Gemeindegebiet Neu Wulmstorfs auf die Stader Geest, die Lüneburger Heide und die Elbmarschen. Genauer liegen die Gebiete nördlich des Grenzwegs und Rübke in den Harburger Elbmarschen, der östliche Teil ab der Kreuzung Bahnhofstraße/B73, Bassental und Rade in der Hohen Heide und die westlichen Gebiete ab Wulmstorf, Schwiederstorf und Ohlenbüttel in der Zevener Geest.

Neu Wulmstorf liegt in der Metropolregion Hamburg. Der Höhenunterschied erstreckt sich hauptsächlich in Nord-Süd-Richtung von −0,5 m bis 111,9 m NN. Die Ortsteile Neu Wulmstorf, Rübke, Daerstorf und Wulmstorf sind an das Hamburger Telefonnetz angeschlossen.

Ausdehnung des Gemeindegebiets mini|Gemeindeteile Neu Wulmstorfs mini|Rathaus Neu Wulmstorf

Nördlichster Gemeindeteil ist Rübke, das im Moorgürtel des Alten Landes liegt und von Obstbau geprägt ist. Vom Bahnhof bis über die Bundesstraße 73 auf den Geesthang erstrecken sich die ausgedehnten Wohngebiete von Neu Wulmstorf, dem Zentrum der Gemeinde. Dort befinden sich das Rathaus und die weiterführenden Schulen (Gymnasium, Oberschule). Im Westen befindet sich die Ortsumgehung B3n. Im Süden liegen die Ortsteile Wulmstorf, Daerstorf, Elstorf mit Ardestorf und Elstorf-Bachheide, Schwiederstorf und Rade mit Mienenbüttel und Ohlenbüttel. Im Osten befindet sind der Wohnplatz Tempelberg, bis 1970 eine Exklave Ovelgönnes und Ketzendorfs.Die Geschichte von Neu Wulmstorf. Abgerufen am 16. September 2026. mini|Apfelernte in Rübke

Die Gemeindeteile der Einheitsgemeinde Neu Wulmstorf sind: Neu Wulmstorf bestehend aus Neu Wulmstorf Wulmstorf Daerstorf Ortschaft Elstorf bestehend aus Elstorf Ardestorf Elstorf-Bachheide Ortschaft Rade bestehend aus Rade Mienenbüttel Ohlenbüttel Ortschaft Rübke Ortschaft Schwiederstorf

Versorgungszentren

Die nächstgelegenen Versorgungszentren sind nach dem niedersächsischen Landes-Raumordnungsprogramm:Landes-Raumordnungsprogramm Niedersachsen Unterzentren: Neu Wulmstorf Nenndorf Hollenstedt Mittelzentren: Hamburg-Neugraben-Fischbek Buxtehude Buchholz in der Nordheide Oberzentren: Hamburg-Harburg Lüneburg

mini|hochkant|Kirchturm Nicolaikirche Elstorf

Geschichte mini|hochkant|Gedenkstein 900 Jahre Ohlenbüttel

Im Geestgebiet der Gemeinde existieren einige prähistorische Hügelgräber. Daneben deuten weitere Ausgrabungen und Funde auf eine erste Besiedelung durch die jungsteinzeitliche Trichterbecherkultur und in der Bronzezeit. Hierzu zählen eine Steinkiste in der Feldmark Rade, die Großsteingräber Daerstorf, Elstorf und auch weitere archäologische Stätten in der Umgebung wie der Archäologische Wanderpfad in der Fischbeker Heide oder diverse Gräber in den Ausläufern der Harburger Berge. Ferner zeugen die Spitzwecken von Ovelgönne von der Aktivität zur Vorrömischen Eisenzeit und weitere Funde bei Daerstorf von einer Siedlung um 770.

Wulmstorf findet 1197 als Vulmersdorpe erstmals im Zusammenhang mit dem Alten Kloster Buxtehude Erwähnung (Bedeutung ‚Siedlung des Wolmar‘), das später eingemeindete Ohlenbüttel bereits 1105 als Oddenebutli. Die Elstorfer Nicolai-Kirche stammt von etwa 1200. Rübke entstand zum Ende der Hollerkolonisation der Dritten Meile und findet erstmals 1335 Erwähnung. Der Ortsteil Neu Wulmstorf wurde dagegen erst 1835 durch den Daerstorfer Bauern Peter Lohmann nördlich der Landstraße Harburg-Buxtehude (heute B 73) gegründet und wurde früher Voßhausen oder Vosshusen (Fuchshausen) genannt.Friedrich W. Harseim, C. Schlüter: Statistisches Handbuch für das Königreich Hannover. 1848, S. 100 (online) Die Lutherkirche (Neu Wulmstorf) wurde 1956 erbaut.

Während der Franzosenzeit war Wulmstorf mit 176 Einwohnern nach Moisburg und Elstorf der drittgrößte Ort in der Mairie Moisburg. Das Moorgebiet um den heutigen Bahnhof gen Rübke wurde als Moor bezeichnet; es zählte 25 Einwohner. Die Mairie gehörte zum Département des Bouches de l’Elbe.A. F. L. Lasius: Der Französische Kaiser-Staat unter der Regierung des Kaisers Napoleon des Grossen im Jahre 1812. Kißling, Osnabrück 1813, S. 57 f. (online) Ab 1835 entwickelte sich die Besiedlung der Flächen um Daerstorf, Elstorf und Wulmstorf und der Nachbarort Neu Wulmstorf entstand 1835 im Kern aus der Besiedlung des Daerstorfer Knechts und Pächters Peter Lohmann, der bisher in Wulmstorf gearbeitet hatte.Geschichte Neu Wulmstorfs, abgerufen am 28. August 2013.

Bahnhof Daerstorf Die Niederelbebahn zwischen Harburg und Cuxhaven wurde 1881 zunächst nördlich des Vosshusener Siedlungsgebiets, unterhalb der Geest und ohne einen Halt in nächster Nähe eröffnet. Unter anderem durch den Bau der Strecke selbst und den Bezug von Sand und Kies für den Bahndamm aus den Wulmstorfer Sandgruben wuchs die Siedlung Neu Wulmstorf, und so entstand der Bedarf nach einer Haltestelle. 1200 Meter westlich lag der Bahnanschluss Kiesgrube Ketzendorf die südlich der Hamburger Chaussee (heute B 73) liegt. Nach einer Mitfinanzierung durch die Gemeinde wurde der Haltepunkt Daerstorf 1904 auf Niederelbebahn.de nördlich des heutigen Neu Wulmstorfs auf einer Exklave errichtet, die zu Daerstorf gehörte.Meßtischblatt 1120: Buxtehude (1:25.000). Hrsg. 1899, berichtigt 1927, einzelne Nachträge 1931. Reichsamt für Landesaufnahme, Berlin 1935.Preußische Landesaufnahme, Ausschnitt Daerstorfer Moor Er wurde am 5. Januar 1905 eröffnet und erhielt ein kleines Empfangsgebäude.Dagmar Müller-Staats: Zeitsprünge Neu Wulmstorf. Sutton Verlag, Erfurt 2013, ISBN 978-3-95400-131-6, S. 16 ff. (online) Im Jahr 1908 wurde der Bahnhof Daerstorf in den Tarif für Steinkohlentransporte einbezogen.Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltung. Band 48 (1908), S. 1420.Fahrplan 1025, Hendschels Telegraph, 1914.Fahrplan 104c, Deutsches Kursbuch, 1939.Fahrplan 190, Deutsches Kursbuch, 1939.

In den ersten Jahren nach Eröffnung der Station gab es in der Nähe nur wenige Häuser. Daher belebte das 1910 von Hans Joachim Lohmann aus Ketzendorf eröffnete Gasthaus zum Bahnhof das Geschehen. Ein reger Warenverkehr führte 1915 zur Einrichtung eines Güterverladegleises und Lohmann richtete eine gebührenpflichtige Güterwaage ein. Das Verladegleis war bis 2001 regelmäßig im Betrieb.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs rückten englische Truppen bis auf den Wesenberg vor, von wo aus sie das Elbtal gut einsehen konnten und am 21. April 1945 einen munitionsbeladenen Militärzug bei der Fahrt von Buxtehude nach Harburg kurz hinter dem Bahnhof in Brand schossen.

Das ursprüngliche Bahnhofsgebäude, ein Fachwerkbau aus der Eröffnungszeit der Station, wurde in den 1950er Jahren durch einen Neubau ersetzt. mini|Haltepunkt Neu Wulmstorf, nördlicher Bahnsteig (2013)

Zur Anbindung an das Hamburger S-Bahnnetz wurde der Bahnhof 2007 erheblich umgestaltet. Der beschrankte Bahnübergang wurde durch Unterführungen für Straßenverkehr und Fußgänger bzw. Radfahrer ersetzt, das alte Wärterhaus und das Empfangsgebäude aus den 1950er Jahren wurden abgerissen, die Bahnsteige verlängert und nach Westen verlegt. Weiterhin wurden in den folgenden Jahren eine Buskehre, ein Kiosk, Bike-and-ride-Fahrradunterstände und Park-and-ride-Parkplätze eingerichtet. Hierbei wurde im April 2007 die Weiche zum Anschluss des kaserneneigenen Bahnhofs der 2005 aufgelösten Röttiger-Kaserne auf Hamburger Gebiet ausgebaut.

Bis 2007 wurde der Bahnhof von Regionalzügen der Deutschen Bahn und der EVB angefahren. Seit dem 9. Dezember 2007 wird der Haltepunkt von den Zügen der S-Bahn Hamburg bedient. Mehrfach gab es seitdem Vorschläge für eine Verdichtung des Angebots. Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen an den Rat der Gemeinde Neu Wulmstorf vom 10. März 2013, abgerufen am 3. April 2014.

Seit der Eingemeindung Daerstorfs 1970 trägt der Haltepunkt den Namen Neu Wulmstorf. Er liegt heute ca. 600 Meter () vor der Landesgrenze zu Hamburg in Niedersachsen auf der Strecke der Niederelbebahn (KBS 121 / km 183,50) und hat zwei Bahnsteiggleise.

Das Lohmannsche Gasthaus wechselte seinen Namen mehrmals, hieß zuletzt Schimmelreiter, stand seit mindestens 1999 leer und verfiel zusehends, bevor es 2011 nach Brandstiftung abgerissen wurde. 2016 wurde auf dem Gelände ein Neubau mit Wohnungen und Geschäften errichtet.

Siedlungsausbau Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden südlich der Bundesstraße große Wohngebiete von Heimatvertriebenen gegründet. Die ersten bewohnbaren Keller entstanden ab 1949 auf ehemaligen Wehrmachtsgelände. Da diese nur wenig aus dem Boden ragten und mit notdürftigen Dächern versehen waren, nannte man diese erste Siedlung Maulwurfshausen. Später entstanden hieraus vollwertige Häuser und bis 1957 die Heidesiedlung, unter anderem durch die Norddeutsche Siedlungsgesellschaft Hamburg. Von der Herkunft der Siedler zeugen die Straßennamen (u. a. Königsberger, Marienburger, Breslauer, Danziger Straße). Heft zum 50-jährigen Jubiläum des Vereins Heidesiedlung e. V., Neu Wulmstorf 2005 (PDF; 429 kB) Unter ihnen waren auch 70 bessarabiendeutsche Familien aus dem von deutschen Auswanderern 1814 gegründeten Ort Tarutino (heute Bessarabske/Ukraine). Deren Herkunft wird seit 2026 ebenfalls durch die Benennung der Tarutinoer Straße im Ortsgebiet gewürdigt.

Neuere Geschichte Bis 1957 stieg die Einwohnerzahl bis auf 3500 Einwohner an. Ab 1959 übernahm die Bundeswehr den Standort Röttiger-Kaserne und baute ihn zum größten Standort in Hamburg aus. In der Folge zogen zahlreiche Bundeswehrangehörige mit ihren Familien in die Wohngebiete Postweg und Schillerstraße/Goethestraße.

Bei der Sturmflut 1962 war Rübke durch Überflutungen, in Folge großer Deichbrüche im Bereich Süderelbe zwischen Neuenfelde und Harburg betroffen.

Ab 1966 wurde eine der Kiesgruben als Mülldeponie genutzt und 1986 geschlossen. Sie hat ein Abfallvolumen von 3,4 Millionen Kubikmeter auf einer Fläche von 32 ha und wurde 1995–1997 von dem Betreiber Stadtreinigung Hamburg abgedichtet und mit einem Blockheizkraftwerk für das anfallende Deponiegas ausgestattet. In den Jahren 2001–2002 wurden auf ihr drei Windkraftanlagen und im August 2005 eine Solarstromanlage mit einer Spitzenleistung von 500 Kilowatt (kWp) errichtet (siehe SunEnergy Europe#Großprojekte). Die Fläche der Photovoltaikanlage wurde 2010 verdoppelt. Zusammen liefern diese 5,6 Millionen Kilowattstunden Ökostrom jährlich (Stand 2012). Das entspricht etwa dem Verbrauch von 1.800 Zwei-Personen-Privathaushalten. Am 3. Januar 2017 knickte eine der Windkraftanlagen bei Windstärke 4 (in Böen 6) ab.

Seit 1990/1995 wurde die Bahnhofstraße zu einem Ortszentrum mit Rathaus und Einkaufspassage entwickelt.

Der Ort wollte 2004, unter dem damaligen Bürgermeister Schadwinkel (CDU), mit parteiübergreifender Zustimmung, die Stadtrechte beantragen, allerdings stimmten die Bürger mit 71,2 % gegen die Ernennung zur Stadt.

2007 wurde nach Umbau des Bahnhofs nördlich der Bahn weitere Wohngebiete erschlossen. In Vorbereitung auf die A26 wurde die B3n als Ortsumgehung weiter westlich an die B73 angeschlossen. Die Arbeiten für den dritten Bauabschnitt der A26 begannen Ende 2013. Dieser soll 2020 fertiggestellt sein und dann die Strecke von Stade hier enden lassen, bis die Weiterführung auf Hamburger Gebiet diese dann an die A7 und A1 anschließt.