Die Prager Metro () ist neben dem Straßenbahn-, Oberleitungs- und Stadtbusnetz sowie den Vorortzügen, der Esko (S-Bahn), der Seilbahn und den Fähren ein integraler Bestandteil des öffentlichen Personennahverkehrs und wichtigstes Verkehrsmittel der tschechischen Hauptstadt Prag. Das U-Bahn-Netz ist nach dem sowjetischen U-Bahn-Modell mit drei Linien, die ein innerstädtisches Dreieck bilden, angelegt und existiert seit 1974. Die Metro wird durch die Aktiengesellschaft Dopravní podnik hlavního města Prahy (Verkehrsbetrieb der Hauptstadt Prag) betrieben.

Liniennetz Das Prager Metrosystem hat eine Länge von 65,2 Kilometern, verfügt über 61 Stationen (wobei drei davon auf jeweils zwei Linien liegen) und ist von 5 bis 24 Uhr in Betrieb. Die kürzeste Zugfolgezeit für die Linien A und B beträgt in Spitzenzeiten 150 Sekunden, für die Linie C 115 Sekunden (Stand 1. Februar 2008).

Das Liniennetz von Prag hat insgesamt drei U-Bahn-Linien, die sich in der Mitte so kreuzen, dass ein Dreieck gebildet wird, an dessen Ecken sich jeweils zwei der drei Linien paarweise kreuzen (siehe auch die Metro Rom mit demselben Prinzip).

Linie Farbe Strecke Eröffnung Länge Stationen A Grün Nemocnice Motol – Depo Hostivař 1978 17,1 km  17 B Gelb Zličín – Černý Most 1985 25,7 km  24 C Rot Letňany – Háje 1974 22,4 km  20 D Blau Náměstí Míru - Depo Písnice 2031 0,0 km  (Voraussichtlich 10 im Jahr 2031)

Linienverläufe Linie A mini|Metrostation Hradčanská mini|Rolltreppe Hradčanská

Die Linie A führt ausgehend von dem Prager Stadtteil Motol (Station Nemocnice Motol) im Nordwesten der Stadt kontinuierlich in Richtung Südosten bis nach Depo Hostivař. Dabei passiert die Trasse die Stadtteile Hradčany (Hradčanská) und die Kleinseite (tschechisch Malá Strana) mit den nach ihnen benannten Stationen Hradčanská und Malostranská, bevor unterhalb der Mánesův most die Moldau untertunnelt wird; danach wird bereits mit dem Haltepunkt Staroměstská die Altstadt erreicht. Anschließend wird der Wenzelsplatz mit den beiden Umstiegsbahnhöfen Můstek und Muzeum unterfahren. Weiterhin sind die Stadtviertel Vinohrady und Žižkov mit den Stationen Náměstí Míru, Jiřího z Poděbrad, Flora und Želivského angebunden. Die Trassierung endet nach den letzten beiden, im Stadtteil Strašnice liegenden, Haltepunkten Strašnická und Skalka unmittelbar in der Station Depo Hostivař, die sich im gleichnamigen Depot befindet.

Eine Erweiterung auf dem Abschnitt Dejvice–Nemocnice Motol wurde am 6. April 2015 eröffnet.radio.cz abgerufen am 6. April 2015

Linie B mini|Oberirdischer Tubus zwischen Lužiny und Hůrka mini|Die Station Anděl ist Prager Zeugnis der Moskauer Metro-Architektur

Die längste aller drei Metrolinien führt in Südwest-Nordost-Richtung, dabei wird nahezu das gesamte Stadtgebiet durchfahren. Ausgehend von dem Gebiet von Zličín, das durch zahlreiche Neubaugebiete geprägt ist, erschließt diese Metrolinie in östlicher Richtung mit den Bahnhöfen Stodůlky, Luka, Lužiny, Hůrka und Nové Butovice die Siedlungsschwerpunkte um Stodůlky im Westen der Stadt. Besonderheit des Streckenabschnitts zwischen Lužiny und Hůrka ist der Gleisverlauf in einem oberirdischen Tubus. Danach sind der Reihe nach Jinonice (Station Jinonice) und Radlice mit dessen Station Radlická durch die Metro mit den anderen Stadtteilen verbunden. Nach einem großen Bogen in Richtung Norden erreicht die Strecke Smíchovské nádraží (Bahnhof Smíchov, Umsteigestation zur Eisenbahn) und Anděl. Die beiden im Stadtteil Smíchov gelegenen Stationen bieten wichtige Übergänge zu zahlreichen Straßenbahnlinien. Nach einem markanten Rechtsbogen untertunnelt die Metro die Moldau unterhalb der Palackého most. Nach einem zweiten Bogen, an dessen Ende der Straßenbahnknotenpunkt Karlovo náměstí am Karlsplatz steht, wird in nördlicher Richtung mit dem zweiten Verknüpfungspunkt Národní třída die Neustadt unterfahren. Nun wird mit dem zentralen U-Bahn-Umsteigebahnhof Můstek der Wenzelsplatz tangiert, bevor über die Station Náměstí Republiky unterhalb des gleichnamigen Platzes und Florenc, dem zweiten Umsteigepunkt innerhalb der U-Bahn unter dem Ort gleichen Namens, Umsteigemöglichkeiten zur Straßenbahn geboten werden. Weiter führt die Strecke Richtung Nordosten, dadurch ist mit den Haltepunkten Křižíkova, Invalidovna und Palmovka der Stadtteil Karlín gut an das Metronetz angebunden. Nach der darauffolgenden Station Českomoravská werden die Tunnelanlagen östlich fortgeführt; damit erschließt die Linie B mit den weiteren Bahnhöfen Vysočanská und Kolbenova die bebauten Gebiete von Vysočany. Schließlich folgen die nach dem Stadtteil benannte Station Hloubětín, danach Rajská zahrada, bevor mit dem Endpunkt Černý Most die Strecke endet und dabei die Neubaugebiete im östlichsten Teil der Stadt erschließt.

Die Station Rajská zahrada ist in Tschechien für ihre architektonische Gestaltung zum „Bau des Jahres 1999“ erklärt worden. Die beiden Streckengleise verlaufen hier oberirdisch übereinander.

Linie C

Beginnend mit den Haltestellen Letňany, Prosek und Střížkov im nordöstlichen Stadtgebiet und über die Metrostationen Ládví sowie Kobylisy führen die Tunnel in einem großen Bogen ein erstes Mal unter die Moldau und verknüpfen mit der Station Nádraží Holešovice (Bahnhof Holešovice) das Metronetz mit dem Vorortbahnnetz der tschechischen Eisenbahn. Kurz nach der folgenden Station Vltavská unterquert die Strecke ein zweites Mal die Moldau und erreicht den Umsteigepunkt Florenc. Weiter im Stadtzentrum führt sie unter der innerstädtischen Nord-Süd-Schnellstraße an die Station Hlavní nádraží (Hauptbahnhof), und anschließend nach Muzeum. Mit dem weiteren Verlauf unter der benannten Schnellstraße gelangt die Strecke nach I. P. Pavlova in die Neustadt. Danach wird sie unterhalb der Schnellstraßenbrücke Nuselský most bis nach Vyšehrad zur gleichnamigen Station geführt, wobei auch Nusle damit gut bedient wird. Hier verlässt die Metrostrecke die Schnellstraße und erreicht in südöstlicher Richtung über die Stationen Pražského povstání, Pankrác, Budějovická und Kačerov den gleichnamigen Stadtteil. Mit den letzten vier Stationen Roztyly, Chodov, Opatov und Háje wird das größte Wohngebiet der Tschechischen Republik im Süden der Stadt versorgt, das in den 1970er Jahren entstand und mehr als 100.000 Menschen aufnimmt.

Vom im Sommer 2004 eröffneten U-Bahnhof Ládví der Linie C geht es seit dem 8. Mai 2008 über die beiden Zwischenstationen Střížkov und Prosek weiter nordöstlich nach Letňany. Die 4,6 Kilometer lange Strecke erschließt die dicht bebauten Gebiete in Prosek, im Norden der Stadt. Damit ist die Linie C inzwischen 22,7 km lang; die Kosten für den bergmännisch erstellten Bauabschnitt IV.C2 betrugen insgesamt 620 Millionen Euro. Mit Inbetriebnahme wurde das Busnetz im Nordosten Prags komplett geändert, mehr als 40 Buslinienverläufe wurden den neuen Gegebenheiten angepasst.Aleš Pokorný: Prager U-Bahn erweitert, In: Stadtverkehr, Ausgabe Juni 2008; S. 44

Die drei neuen U-Bahn-Stationen verfügen über einen barrierefreien Zugang. Alle drei Stationen besitzen neuartige Lichtstreifen aus LED, die auf die Sicherheitszone an der Bahnsteigkante hinweist. Am Bahnhof Letňany wurde gemeinsam mit der Metro-Eröffnung ein großer Busbahnhof gebaut. Gleichzeitig soll ein großer Park+Ride-Parkplatz mit 687 Stellplätzen Autofahrer motivieren, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen.

Linie D

Die Linie D der Prager Metro ist seit 2022 im Bau, sie soll einmal 10,5 km lang sein und von Náměstí Míru nach Depo Písnice führen.

Stationen

mini|Station Můstek mit Aluminiumpanels

Die U-Bahn Prags ist ein „freies System“, bei dem sich an den Eingängen zur Metro keine Sperren oder ähnliche Einrichtungen befinden. Anhand der Architektur und anderer städtebaulicher Merkmale an den 61 Stationen der Prager Metro kann man die Entwicklung der Prager U-Bahn nachvollziehen. Die meisten sind mit Mittelbahnsteigen ausgestattet, einige haben Seitenbahnsteige. Eine Besonderheit ist der Bahnhof Rajská zahrada, dessen Seitenbahnsteige oberirdisch auf zwei Etagen verteilt sind. Die Tiefe ist recht unterschiedlich: Während viele Stationen außerhalb der Innenstadt direkt unter dem Erdboden liegen, befinden sich gerade in der Innenstadt viele Stationen sehr tief unter der Oberfläche. Ausnahmen davon sind die Stationen der Linie C, die in der Anfangszeit des Prager U-Bahn-Baus errichtet wurden und wegen der ursprünglichen Planung von U-Straßenbahn-Strecken in einfacher Tiefenlage liegen. Die Station Náměstí Míru ist mit einer Tiefe von 53 Metern unter der Erdoberfläche die tiefstgelegene Station des Netzes und damit zugleich der zweittiefstgelegene U-Bahnhof in der Europäischen Union nach der Station El Coll | La Teixonera in Barcelona.

Einige Stationen der Prager U-Bahn liegen zwischen zwei markanten Orten, sind aber nach einem dieser Orte benannt. Die Ausgänge an der Oberfläche können so teils fünf bis 10 Gehminuten auseinander liegen, weshalb es sich empfiehlt, auf den richtigen Ausgang der Station zu achten.

Eine herausragende Bedeutung haben die drei Transferstationen, in denen sich je zwei Linien kreuzen: Florenc, Můstek und Muzeum. Die Transferwege zwischen den entsprechenden Linien sind deutlich gekennzeichnet und innerhalb von drei bis fünf Minuten zu bewältigen. Viele Beschilderungen in den Stationen sind in den Kennfarben der befahrenen Linie gehalten. mini|Konkave und konvexe Aluminiumpanels in der Station Muzeum Die Metrostationen haben eine recht unterschiedliche Ausgestaltung, zahlreiche verfügen über keine nennenswerten künstlerischen Elemente und sind mit Fliesen ausgelegt. In einigen Bahnhöfen wurde jedoch auch Marmor zur Verkleidung der Böden, Wandflächen und Säulen verwendet. Die älteren Stationen der Linie A sind oftmals mit architektonischen Elementen aus den 1970er Jahren gestaltet, darunter in verschiedenen Farbtönen gehaltene, leicht konvex oder konkav gewölbte oder flache Glas- und Aluminiumfliesen (im Volksmund auch „prsa a antiprsa“, „Busen und Antibusen“ genannt). Durch diese unterschiedliche Farb- und Formgestaltung der Elemente kann jeder Bahnhof eine individuelle Ausgestaltung vorweisen. Stationen neueren Datums sind moderner und funktioneller gehalten. Es wird außerdem versucht, natürliches Licht bis auf die Bahnsteige durchfallen zu lassen.

Ansagen mini|Ansage auf Linie A, Station Můstek: „Ukončete, prosím, výstup a nástup, dveře se zavírají. Příští stanice: Staroměstská“

Vor dem Schließen der Türen ist in den Wagen eine automatische Ansage zu hören, die früher auf Compactcassette aufgezeichnet war und heute digital gespeichert ist: „Ukončete prosím výstup a nástup, dveře se zavírají.“ (Beenden Sie bitte das Aus- und Einsteigen, die Türen schließen.) Die Ansage auf der Linie A stammt seit über 30 Jahren von derselben Rundfunk-Mitarbeiterin Světlana Lavíčková und ist inzwischen für die Metro Prag genauso charakteristisch wie das Mind the gap in der London Underground. Auf der Linie B werden die Stationen von der TV-Moderatorin Eva Jurinová und vom Rundfunkmoderator Tomáš Černý auf der Linie C angesagt.

Fahrgastzahlen

mini|Grafik zur Entwicklung der Fahrgastzahlen

Die Metro hat in ihrer dreißigjährigen Geschichte mehr als 10 Milliarden Fahrgäste befördert. Sie bewältigt heute mit mehr als einer Million Fahrgästen täglich rund 40 Prozent des Transportaufkommens der Stadt. Bis 1992 konnte die Metro eine kontinuierliche Steigerung der jährlichen Fahrgastzahlen verzeichnen. In jenem Jahr hatte sie ihren Rekord von rund 630 Millionen beförderten Gästen erreicht. Danach fielen die Zahlen stark, es wurde 1996 ein Absinken um mehr als 200 Millionen Fahrgäste gegenüber 1992 verzeichnet, bis sich im Jahr 1997 der Trend wieder zu Gunsten der Metro verbesserte. Seitdem stiegen die Fahrgastzahlen wieder bis zum Jahr 2008.