mini|320px|Rathaus und Marienkirche Darłowo [] () ist eine Stadt im Powiat Sławieński der polnischen Woiwodschaft Westpommern und war vom 14. bis zum 17. Jahrhundert eine der Residenzen der pommerschen Herzöge mit Sitz im Schloss Rügenwalde.

Geographische Lage Die Hafenstadt liegt in Hinterpommern ca. 3,5 Kilometer südlich der Mündung der Wipper (Wieprza) in die Ostsee, etwa 29 Kilometer nordöstlich von Koszalin (Köslin) und 19 Kilometer nordwestlich von Sławno (Schlawe). mini|links|hochkant=1.6|Ostseestrand beim Stadtteil Darłówko (Rügenwaldermünde) Südwestlich des Ortes befindet sich ein Militärflugplatz der Polnischen Marine, einer von zwei Standorten der 44. Baza Lotnictwa Morskiego (44. BLM). Er dient als Stützpunkt von SAR-Hubschraubern.

Geschichte mini|Ostsee-Küstenstadt Rugium (Rügenwalde) im Siedlungsgebiet „Magna Germania“ vom Rhein bis zur Weichsel um das Jahr 150 n. Chr., nach Angaben von Claudius Ptolemäus (rekonstruierte Karte in einem Atlas des 19. Jahrhunderts). mini|Rugium auf einer Mercator-Karte von 1584 mini|Rügenwalde auf der Lubinschen Karte von 1618. Links die Marienkirche, in der Mitte das Wippertor, rechts davon im Hintergrund das Steintor und der Turm der Gertrudkirche, rechts Schloss und Schlossmühle, im Vordergrund links vor der Wipperbrücke die Georgskapelle. mini|Stadtbeschreibung von M. Merian aus dem Jahr 1652. mini|Plan von Rügenwalde, 1842 mini|Ansicht um 1900 mini|Rathausplatz vor dem Zweiten Weltkrieg, links neben dem Rathaus die Löwen-Apotheke Rügenwalde wurde in einer Region des Schlawer Landes gegründet, in der zahlreiche archäologische Funde wie Steinwerkzeuge, Urnen, Fibeln, Schnallen, Ringe auf frühzeitliche Siedlungsansätze hinweisen. Die Stadt befindet sich jedoch nicht an der Stelle, an der in der Karte Germania magna des Ptolemäus ein Ort der Rugier namens „Rugium“ verzeichnet ist. Dieser Karte zufolge lag Rugium am linken Ufer des Flusses Grabow; der Ortskern Rügenwaldes dagegen liegt am rechten Ufer der Wipper, in einigen Kilometern Entfernung. Jedoch verdankt die Stadt den Rugiern ihren Namen.

Mittelalter Lange vor der Gründung der Stadt existierte in der Gegend die Burg Thirlow oder Dirlow mit der gleichnamigen Kastellanei, einem Burgbezirk, der in lateinischen Urkunden als terra DirlovaGustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriß ihrer Geschichte zumeist nach Urkunden. Sändig, Vaduz 1996 (unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1865), ISBN 3-253-02734-1, S. 327–338. bezeichnet wird. Die Burg lag jedoch in der Nähe der Wippermündung, einige Kilometer entfernt von dem Ort, an dem später die Stadt Rügenwalde entstand. Von dieser Burg rührt der heutige polonisierte Name der Stadt. Die erste urkundliche Erwähnung als Stadt erfolgte am 5. Februar 1271 in einer auf der Burg Schlawe ausgestellten Urkunde, mit der Herzog Wizlaw II. von Rügen dem Kloster Buckow zwei Hausstellen und zwei Hufen Land „in civitate nostra Ruyenwolde“ (lat. „in unserer Stadt Rügenwalde“) übereignet. Es wird angenommen, dass Wizlaw II. die slawische Siedlung im Jahre 1270 nach Lübischem Recht relokalisiert hatte. Das Gebiet gehörte ursprünglich zur pommerschen Teilherrschaft Schlawe-Stolp. Nach dem Aussterben der hinterpommerschen Seitenlinie des Greifenhauses gelangte die Herrschaft Schlawe-Stolp sowie das Gebiet der späteren Stadt Rügenwalde nach 1227 in den Besitz des pommerellischen Herzogs Swantopolk II. Nach Swantopolks II. Tod, 1266, rückte um 1269 Herzog Barnim I. von Pommern in das Gebiet um Schlawe und Rügenwalde ein und überreichte dieses 1270 an Herzog Wizlaw II. von Rügen zu Pfand. Dieser verlor das Gebiet um 1275 an Herzog Mestwin II. von Pommerellen. Der letzte souveräne Herrscher von Pommerellen aus der Linie der Samboriden, Mestwin II., hatte 1273 im Vertrag an der Dragebrücke sein Herzogtum von den Markgrafen von Brandenburg zu Lehen genommen. Da er ohne männliche Nachkommen war, hatte er dabei den brandenburgischen Markgrafen Anwartschaftsrechte über die Lande Schlawe, Rügenwalde und Stolp zuerkannt,Schlawe und Rügenwalde befanden sich zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nicht unter seiner direkten Herrschaft. unter Verzicht auf Danzig aus dem Vertrag von Arnswalde. Doch spätestens ab 1278 überwarf er sich mit den Brandenburgern und ging eine Allianz mit dem Herzogtum Großpolen ein, das ebenso mit der Mark Brandenburg im Streit lag. Als Mestwin II. im Dezember 1294 verstarb, erbte Przemysław, Herzog von Großpolen, das Herzogtum Pommerellen, darunter die Stadt und Land Rügenwalde.Die Verträge und Zusammenarbeit mit den Brandenburgern kündigte Mestwin II. spätestens de facto und de jure durch den Vertrag zu Kempen 1282 mit dem Herzogtum Großpolen einseitig auf. Es kam zum Erbfolgestreit, in dessen Verlauf Rügenwalde 1297 von dem pommerschen Herzog Bogislaw IV. zerstört wurde.Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Übersicht. Nicolai, Berlin 1827, S. 255; .Karl Friedrich Pauli: Allgemeine preußische Staatsgeschichte. Fünfter Band. Franckens, Halle 1764, S. 260. Von 1308 bis 1317 hielten die Markgrafen von Brandenburg die Länder Schlawe und Stolp besetzt, beließen aber den Swenzonen dort ihre Ämter. Am 31. Mai 1312 stellten drei gemeinsam regierende Brüder aus diesem Hause eine Urkunde aus, in der bestimmt wurde, dass für die Stadt Lübisches Stadtrecht gelten solle.Gustav von Wilmowski: Lübisches Recht in Pommern. Berlin 1867 (auf S. 8 muss es unter ‚Rügenwalde‘ statt „1812“ richtig 1312 heißen), S. 8; . Das Datum gilt bis heute als Tag der Neugründung Rügenwaldes. Die Swenzonen beauftragten mit der praktischen Durchführung fünf Bevollmächtigte. Mit dem Stadtrecht zusammen kamen weitere von Privilegien, darunter auch das Recht auf Heringsfang. Für letzteren Zweck wurden sechs neue Boote angeschafft, sogenannte ‚Bordinge‘ (eine Art Leichterschiffe, die für das Befahren flacher Küstengewässer geeignet sind), von denen drei Eigentum der Stadt blieben.Johann Jakob Sell: Über den starken Häringsfang an Pommerns und Rügens Küsten im 12ten und 14ten Jahrhundert. Aus dem Lateinischen übersetzt von D. E. H Zober. Stralsund 1831, S. 15, 26 Seiten; . 1317 gingen die Stadt und ihr Umland infolge des Friedens von Templin von der Mark Brandenburg an das Herzogtum Pommern-Wolgast über. Es wird vermutet, dass bereits während dieser Zeit mit dem Bau der Rügenwalder Marienkirche begonnen wurde. 1327 erwarb die Stadt für 213 Mark die wendische Burg Dirlow bei dem Dorf Münde, der späteren Ortschaft Rügenwaldermünde (heute Stadtteil Darłówko).

Mitte des 14. Jahrhunderts errichtete die Stadt zu ihrem Schutz eine größere Stadtmauer, in die drei Stadttore eingelassen wurden. Im Jahre 1350 trat Rügenwalde der Hanse bei,Gustav Gallois: Der Hansabund von seiner Entstehung bis zu seiner Auflösung. 1851, S. 369; . wurde jedoch 1356 für 14 Jahre suspendiert, weil sich die Stadt im Krieg gegen Dänemark nicht an der Handelssperre beteiligt hatte. 1352 kaufte Herzog Bogislaw V. für 1.500 Mark die spätere Schlossinsel und begann mit dem Bau des Rügenwalder Herzogsschlosses.

1407 wurde ein Kartäuserkloster Marienkron in die Nähe von Rügenwalde verlegt. Das Kloster war 1406 zunächst von dem Dorf Körlin bei Lanzig nach Schlawe verlegt worden.

Unter den Herzögen Bogislaw VIII. und Erich I., der auch für 42 Jahre König der skandinavischen Länder war, war Rügenwalde von 1402 bis zum Tode Erichs I. 1459 pommersches Herzogtum. Erich I. pflegte guten Kontakt zu dem Kartäuserkloster. Am 17. September 1497 wurde die Stadt von einer der größten Sturmfluten an der pommerschen Küste heimgesucht. Am 8. Februar 1558 erreichte ein weiteres Hochwasser die Stadt.Ernst Boll: Beiträge zur Geognosie Meklenburgs. In: Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Meklenburg. 19. Jg., Neubrandenburg 1863, S. 78–267, hier S. 159–163. Digitalisat.

In Rügenwalde gab es bereits lange vor der Reformation eine von Geistlichen geleitete Lateinschule.Erwin Framke: Die Rügenwalder Schulen. In: M. Vollack (Hrsg.): Der Kreis Schlawe – Ein pommersches Heimatbuch. Band 1: Der Kreis als Ganzes, Husum 1986, ISBN 3-88042-239-7, S. 362–371. Im Jahr 1333 wurde sie von Rektor Stephanus geleitet. Dem Spendenbuch (liber beneficiorum) des Kartäuserklosters zufolge waren die Schulleiter 1431 Arnoldus, 1434 Ryke und 1502 Hinrich Hildebrant. Absolventen pommerscher Lateinschulen besuchten bevorzugt die Universitäten Greifswald (gegründet 1456), Rostock (gegründet 1419), Frankfurt an der Oder (gegründet 1506) und Wittenberg (gegründet 1502).Martin Wehrmann: Geschichte von Pommern. Band 2. 2. Auflage. Verlag Friedrich Andreas Perthes, Gotha 1921, S. 94. (Nachdruck: Augsburg 1992, ISBN 3-89350-112-6). Die Anzahl Rügenwalder Studenten betrug in Rostock im Zeitraum 1456 bis 1490 insgesamt 14, im Zeitraum 1491 bis 1524 insgesamt 20; in Greifswald betrug sie in denselben beiden Zeiträumen 14 bzw. 8.Achim Link: Auf dem Weg zur Landesuniversität – Studien zur Herkunft der mittelalterlichen Studenten am Beispiel Greifswald (1456–1524). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 978-3-515-07619-7, S. 163 ff. (Beiträge zur Geschichte der Universität Greifswald, Band 1); books.google.de

Nach der Reformation Als Johannes Bugenhagen in den Jahren 1534 und 1535 für die Einführung der Reformation in Pommern warb, wählte er das Rügenwalder Schloss als einen seiner Stützpunkte aus. 1534 wurde das Karthäuserkloster Marienkron aufgelöst. Am 4. Juli 1589 wurde Rügenwalde durch einen verheerenden Brand schwer beschädigt. Auch die Marienkirche brannte zu großen Teilen nieder. Von 1622 bis 1637 machte der letzte Pommernherzog Bogislaw XIV. Schloss Rügenwalde zu seiner Residenz. Bereits 1618 hatte er im Schloss eine Münzprägeanstalt in Betrieb genommen.Joachim Krüger: Zwischen dem Reich und Schweden Die landesherrliche Münzprägung im Herzogtum Pommern und in Schwedisch-Pommern in der Früheren Neuzeit. Greifswald 2004, S. 167 ff.; books.google.de Am 11. November 1624 wurde die Stadt zum zweiten Mal Opfer eines Großbrandes, bei dem die Marienkirche völlig zerstört wurde. Erst 1639 konnte sie wieder aufgebaut werden. Während des Dreißigjährigen Kriegs rückten im Jahr 1630 für den Schwedenkönig Gustav Adolf kämpfende, von dem schottischen Offizier Robert Monroe angeführte schottische Truppen in Rügenwalde ein und vertrieben die Kaiserlichen.Anders Fryxell: Geschichte Gustav Adolphs. Leipzig 1852, S. 158 ff.Johann Ludwig Ewald: Beispiele des Guten. Stuttgart 1821, S. 222–223; . Anschließend wurden schwedische Truppen einquartiert. Am 10. August 1648 wurde Rügenwalde erneut durch einen Brand zerstört. Vor dem Hafen Rügenwaldermünde, der bereits während des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) von den Kaiserlichen zerstört worden war, ankerte während des Siebenjährigen Kriegs am 30. Juli 1761 ein Verband russischer Kriegsschiffe, und während der darauffolgenden Tage erhielt Rügenwalde eine einige tausend Mann starke russische Besatzung.Hans Heinrich Ludwig v. Held: Geschichte der drei Belagerungen Kolbergs im siebenjährigen Kriege. Berlin 1847, S. 205 ff.; . Die Hafenanlagen wurden erst 1772 wieder aufgebaut, und zwar auf Veranlassung Friedrichs des Großen, des Königs von Preußen. Der Hafen wurde zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor Rügenwaldes. Als Vorbote der sich anbahnenden Industrialisierung wurden 1778 eine Segeltuchfabrik und eine Leinwandmanufaktur gegründet. Die Stadt galt bald danach als bedeutendes Ausbildungszentrum für Seiler und Segelmacher.Seiler. In: Johann Georg Krünitz: Oeconomische Encyclopädie. Band 153. Berlin 1830, S. 9; . Es bestand auch bereits eine Werft, auf der größere Schiffe gebaut wurden.Beiträge zur Geschichte des Stattiner Handels. Die Stettiner Schiffahrt unter Friedrich dem Großen. In: Baltische Studie. Band 21, Stettin 1866, S. 168–236, insbesondere S. 228 ff. Rügenwalde verfügte über eine eigene Kalkbrennerei.Johann Georg Krünitz: Oeconomische Encyclopädie. Band 32, Berlin 1784, S. 673.

Im 19. Jahrhundert