Leobersdorf ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Baden in Niederösterreich.
Geografie Leobersdorf liegt am Ausgang des Triestingtales am Rande des Wiener Beckens und wird von der Triesting durchflossen. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 12,34 Quadratkilometer. 15,91 Prozent der Fläche sind bewaldet.
Nachbargemeinden
Geschichte mini|Zusammenfassende Tafel der Geschichte Leobersdorfs im Ortskern Erste Funde gibt es bereits aus der Zeit von 3000 vor Christus. Um 350 v. Chr. wurde hier eine Norikersiedlung errichtet. Im Jahr 15 n. Chr. wurde das Gebiet von den Römern besetzt. Schon damals bildeten die beiden Straßenverbindungen, die heute entlang der Autobahn und der B18 verliefen einen wichtigen Knotenpunkt.
Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie haben eine archäogenetische Studie an menschlichen Überresten von mehr als 700 Menschen aus dem frühen Mittelalter durchgeführt. Die awarischen Gräberfelder von Leobersdorf und Mödling und wurden in ihrer Gesamtheit genetisch analysiert. Das Ergebnis war, dass die Individuen aus Leobersdorf überwiegend ostasiatischer Herkunft waren, während die in Mödling Bestatteten überwiegend europäische Vorfahren hatten. Beide – jedoch kulturell sehr ähnlichen – Gemeinschaften lebten mindestens sechs Generationen (150 Jahre) nebeneinander.
Der Ort wird das erste Mal in den Bayrischen Traditionsbüchern von 1165/1174 als Liubetsendorf erwähnt. Fachleute sind sich uneinig ob der Name aus dem slawischen Wort Ljubac oder aus dem keltischen Wort Lewer oder Loben, was so viel wie Grabhügel bedeutet, stammt. Im Laufe der Zeit gab es mehrere verschiedene Schreibweisen, wie Lewbesdorf (1311), oder Leubesdorf (1350), 1588 wurde der Name Leobersdorf gleich wie der heutige Name das erste Mal erwähnt.
Im Jahre 1313 erhielt Leobersdorf von Friedrich dem Schönen das Marktrecht und das Ortswappen, das eine weiße Kirche auf blauen Grund darstellt.
In der Zeit der Babenberger kamen Siedler aus Franken und Bayern und drängten die Ungarn nach Osten zurück. So haben heute noch alte Häuser den Grundriss dieser fränkischen Reihenhöfe.
Wie alle Orte in diesem Gebiet litt auch Leobersdorf sehr unter den Türkenkriegen. Viele Häuser wurden aber auch 1809 durch die französischen Besatzer in Schutt und Asche gelegt.
In der Nähe des Ortes befand sich das offiziell Waffen-SS Arbeitslager Hirtenberg, Gustloff-Werke, Niederdonau genannte Konzentrationslager Hirtenberg, ein Außenlager des KZ Mauthausen. Es war das zweitgrößte Frauenlager in Österreich, insgesamt 402 Gefangene waren darin interniert. Sie mussten Zwangsarbeit in der örtlichen Munitionsfabrik leisten.
Am 2. Februar 2023 wurde die örtliche Winnetou-Wiese (), auf der sich das Lager befand, zwecks Errichtung eines Gewerbeparkes verkauft. Ein Bauunternehmer erwarb die Liegenschaft für insgesamt 15,25 Millionen Euro von der Prisma Liegenschafts GmbH, zu deren Geschäftsführern der Bürgermeister von Leobersdorf, Andreas Ramharter, gehört.
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Katholische Pfarrkirche Leobersdorf hl. Martin: Die Kirche ist Teil des Wappens von Leobersdorf. Sie steht im ältesten Kern des Ortes und lässt sich bis zu Zeiten des Römischen Reiches zurückverfolgen. Heilsamer Brunnen Leobersdorf: Im Süden von Leobersdorf war wegen der ihm nachgesagten heilsamen Wirkung ab 1623 ein beliebter Wallfahrtsort. Der Matschakerhof in der Feldgasse dürfte schon im Mittelalter als Postamt gedient haben. Die Alte Gemeinde entstand wahrscheinlich im 16. Jahrhundert. Westlich der Südautobahn befindet sich der Aquädukt Leobersdorf der I. Wiener Hochquellenwasserleitung.
Wirtschaft und Infrastruktur Im Jahr 2023 ist Leobersdorf aufgrund seiner verkehrstechnisch günstigen Lage ein Industrieort. Zu den alten Betrieben, wie dem Ziegelwerk und der Leobersdorfer Maschinenfabrik, kam der Gewerbepark Aredpark dazu. Mehr Bekanntheit erlangte es über das Outletcenter Leoville, das im Jahr 2005 fertiggestellt, aber 2008 wieder geschlossen wurde.
Im Jahr 2001 gab es 303 nicht-landwirtschaftliche Arbeitsstätten, eine Erhebung 1999 ergab 44 land- und forstwirtschaftliche Betriebe. 1888 Personen waren bei der Volkszählung 2001 am Wohnort erwerbstätig. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 46,68 Prozent. Im Jahresdurchschnitt 2003 gab es im Ort 25 Arbeitslose.
Verkehr
mini|Gleisanlagen und Bahnsteige im Bahnhof Leobersdorf, links das Aufnahmsgebäude.
Eisenbahn: Im Bahnhof Leobersdorf wird die Leobersdorfer Bahn (die ursprüngliche Bezeichnung war „Niederösterreichische Südwestbahn“) nach St. Pölten Hbf in die Südbahn eingebunden. Von dem im Ortsbereich gelegenen Bahnhof Wittmannsdorf zweigte die Gutensteinerbahn ab, auf der seit 1997 der Personenverkehr bis zum Bahnhof Wöllersdorf eingestellt ist und später nur mehr gelegentlich Güterzüge verkehrten. Die Strecke zwischen Wittmannsdorf und Wöllersdorf wurde im Februar und März 2015 abgetragen.Abtragung der Strecke Wittmansdorf-Wöllersdorf, abgerufen am 2. März 2015. Während also Leobersdorf früher gleich zwei bedeutende Eisenbahn–Verkehrsknoten hatte, existiert davon nur mehr der Bahnhof Leobersdorf. Ehemalige Lokalbahn Ebenfurth–Wittmannsdorf: Auf Basis der zu Gunsten von Sir Paul Eduard Ritter von SchoellerGünther Kronenbitter: Krieg im Frieden ausgestellten Concessionsurkunde vom 15. August 1882, für die ‚Locomotivbahn von Wittmannsdorf nach Ebenfurth‘R. G. Bl. Nr. 129/1882Nachrichten aus dem Bezirke – Neue Bahnverbindung. Badener Bezirks-Blatt, 5. September 1882 sowie Nachrichten aus dem Bezirke. Eisenbahn-Concession für die Bahnstrecke Ebenfurth—Wittmannsdorf. Badener Bezirks-Blatt, 23. September 1882 (zur kommissionellen Verhandlung sowie politischen Begehung siehe:Eisenbahn-Linie Leobersdorf-Ebenfurth. Badener Bezirks-Blatt, 19. August 1882 sowie Nachrichten aus dem Bezirke. Eine neue Bahn. Badener Bezirks-Blatt, 10. Februar 1883) war, nach technisch-polizeilicher Prüfung am 20. August 1883(Localbahn Wittmannsdorf-Ebenfurth.) Wiener Zeitung, 19. August 1883 sowie Handel, Industrie, Verkehr und Landwirthschaft. (Eisenbahn-Ebenfurt-Leobersdorf.) Wiener Zeitung, 23. August 1883 vom 23. August 1883Nachrichten aus dem Bezirke. Eisenbahnlinie Ebenfurth-Leobersdorf. Badener Bezirks-Blatt, 2. Juni 1883 — Letzter Absatz: Ankündigung des Baues eines Leobersdorfer Centralbahnhofs (heute: „Leobersdorf“ an der Südbahn)Nachrichten aus dem Bezirke. Eisenbahnlinie Ebenfurth-Leobersdorf. Badener Bezirks-Blatt, 17. Juli 1883 Handel, Industrie, Verkehr und Landwirthschaft. (Neue Eisenbahnen.) Wiener Zeitung, 25. August 1883 Bahn-Eröffnung. Badener Bezirks-Blatt, 28. August 1883 bis 30. September 1956, Leobersdorf im Bahnhof Wittmannsdorf überdies mit der Lokalbahn Ebenfurth–Wittmannsdorf (15,2 KilometerGeschichte der Eisenbahnen der österreichisch-ungarischen Monarchie. Band: 1, 2. Karl Prochaska, Wien 1898, S. 510) verbundenwelche ihrerseits ab 20. August 1883 im Bereich Sollenau über eine Zwischenstation „Sollenau L. B.“ an die Aspangbahn angeschlossen war. – Siehe: Handel, Industrie, Verkehr und Landwirthschaft. (Localbahn Ebenfurth-Wittmannsdorf-Leobersdorf.) Wiener Zeitung, 25. Juli 1883 sowie […]— Bei der politischen Begehung des […] Wiener Zeitung, 31. Juli 1883, linke Spalte, Mitte sowie Handel, Industrie, Verkehr und Landwirthschaft. (Betriebseröffnung.) Wiener Zeitung, 14. August 1883 Eine Bahnhof-Frage. Badener Bezirks-Blatt, 19. August 1882, die vorwiegend dem Güterverkehr diente; bis April 1945 wurde überdies Personenverkehr abgewickelt. Straße: An der Südautobahn A2 besteht eine eigene Autobahnabfahrt. Die Hainfelder Straße B18 von Günselsdorf nach Traisen führt in Ost-West-Richtung durch Leobersdorf.
Bildung
In der Gemeinde gibt es vier Kindergärten, eine Volksschule und eine Neue Mittelschule.Schulensuche auf Schulen online, abgerufen am 6. September 2020.
Politik mini|Das neue Rathaus in Leobersdorf mini|Hier war das Rathaus zuvor untergebracht Gemeinderat Bis 2004 hatte der Gemeinderat 23, von 2005 bis 2024 bestand er aus 25 Mitgliedern. Seit 2025 hat der Gemeinderat 29 Mitglieder. Nach den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1990 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 15 SPÖ, 4 ÖVP und 4 Zukunft Leobersdorf. Nach den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1995 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 10 ZUKUNFT (Zukunft Leobersdorf Bürgermeister Bosch), 10 SPÖ und 3 ÖVP. Nach den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2000 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 16 ZUKUNFT, 5 SPÖ und 2 ÖVP. Nach den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2005 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 16 ZUKUNFT, 5 SPÖ, 2 ÖVP uns 2 GRÜNE. Nach den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2010 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 17 LZL (Liste Zukunft Leobersdorf), 4 SPÖ, 3 ÖVP und 1 FPÖ. Nach den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2015 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 15 LZL, 6 ÖVP, 3 SPÖ und 1 FPÖ. Nach den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2020 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 14 LZL, 7 ÖVP, 3 SPÖ und 1 GHL (Ein grünes Herz für Leobersdorf). Nach den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2025 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 11 LZL (Liste Zukunft Leobersdorf), 11 JETZT (Bürgerliste Leobersdorf Jetzt), 3 L. SPÖ (SPÖ und grünes Herz Leobersdorf), 3 FPÖ, 1 VPLEO (Volkspartei Leobersdorf und Unabhängige).
Bürgermeister
1945: Josef Empacher 1945–1954: Karl Neveril 1954–1970: Leopold Schiffer 1970–1973: Adalbert Löffler 1973–1983: Erich Frisch 1983–1987: Franz Gobec 1988–1995: Johann Heiden (SPÖ) 1995–2012: Anton Bosch (LZL) seit 2012: Andreas Ramharter (LZL)Quelle für diese Auflistung:
Im September 2026 kündigte Andreas Ramharter seinen Rücktritt an.
Persönlichkeiten Ehrenbürger der Gemeinde Erwin Pröll (* 1946), Landeshauptmann von Niederösterreich 1992–2017
Söhne und Töchter der Gemeinde
Walter Eckert (1913–2001), Maler Wolfgang Pycha (1928–2024), Beamter und Generaldirektor der Österreichischen Bundesbahnen Peter Payer (* 1962), Historiker, Stadtforscher, Publizist und Museumskurator
Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten
Rudolf Diesel (1858–1913) baute 1897 seinen Dieselmotor, arbeitete vorübergehend in der Leobersdorfer Maschinenfabrik Johann Umlauff von Frankwell (1866–1932), Militärpilot und Kommandant im Ersten Weltkrieg, besaß hier ein Elektrizitätswerk Viktor Kaplan (1876–1934) arbeitete hier in der Zeit von 1901 bis 1903 an seiner Turbine Robert Häuser (1882–1927) war in Leobersdorf-Siebenhaus ansässig und war Abgeordneter zum Landtag von Niederösterreich Josef Eitzenberger (1905–1978) war ein bedeutender Spezialist für die Lenkung von Flugabwehrraketen und Kampfflugzeugen und verbrachte seine letzten Lebensjahre in Leobersdorf, eine Straße ist nach ihm benannt José Feliciano (* 1945) besitzt hier ein Haus, die entlang der Triesting wurde 2018 nach ihm benannt
Literatur
Alois Schabes: Motivenbericht zum Antrag zur Stadterhebung. Geschichte und Entwicklung der Marktgemeinde Leobersdorf. Eigenverlag, Leobersdorf 1987. Die Marktgemeinde Leobersdorf stellt sich vor. Eigenverlag, Leobersdorf 1990. , zum Eröffnungstermin der Bahn Ebenfurth-Leobersdorf
Weblinks
Website der Marktgemeinde Leobersdorf Geschichte Leobersdorfs
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kategorie:Ersterwähnung 1165