Johannes „Hannes“ Löhr (* 5. Juli 1942 in Eitorf; † 29. Februar 2016 in Köln) war ein deutscher Fußballspieler und -trainer. Der Stürmer absolvierte von 1964 bis 1978 381 Bundesligaspiele für den 1. FC Köln und erzielte dabei 166 Tore. Der zwanzigfache Nationalspieler (fünf Tore) gewann mit dem 1. FC Köln 1978 die deutsche Meisterschaft und in den Jahren 1968, 1977 und 1978 den DFB-Pokal.

Karriere Vor der Bundesliga, bis 1964 In Eitorf, einem beschaulichen Ort im Rhein-Sieg-Kreis, gut 60 Kilometer von Köln entfernt, betrieben seine Eltern die Gaststätte „Löhrs Eck“. Er besuchte die Volksschule und danach das Siegtal-Gymnasium. Er begann eine Ausbildung zum Maschinenschlosser. Schon früh mussten er und seine vier Geschwister Schicksalsschläge verkraften: Der Vater starb, als Hannes zehn Jahre alt war, auch die Mutter verstarb relativ früh. Seinen Grundwehrdienst als Pionier verbrachte er in der Falckenstein-Kaserne in Koblenz-Lützel.Dirk Unschuld, Frederic Latz: Mit dem Geißbock auf der Brust. Alle Spieler, alle Trainer, alle Funktionäre des 1. FC Köln. S. 204

Da sein älterer Bruder bei seinem Heimatverein das Tor hütete, begann Hannes Löhr bereits im Juli 1948 mit dem Fußballspiel in der Jugendabteilung von SV 09 Eitorf. Sein Talent führte ihn über die Kreis- in die Mittelrheinauswahl. Mit 18 Jahren stürmte er von 1960 bis 1962 zwei Jahre in der 1. Mannschaft von Eitorf. In einem Spiel mit der Mittelrheinauswahl im Länderpokal – der mit Eitorf in der Bezirksklasse spielende Löhr stand am 20. Mai 1962 in Siegen mit dem Mittelrhein im FinaleDeutscher Sportclub für Fußballstatistiken (DSFS): West-Chronik. Fußball in Westdeutschland 1958–1963. Berlin 2013. S. 196. gegen das mit 1:0 siegreiche Westfalen – wurde er von Beobachtern des Südwestoberligisten Sportfreunde 05 Saarbrücken entdeckt und anschließend mit einem Vertrag ab der Runde 1962/63 ausgestattet. So begann die Karriere des schnellen Linksaußen mit Torjägerqualitäten im höherklassigen Fußball 1962 in Saarbrücken. Neben dem Fußball hatte er eine Lehre als Maschinenschlosser durchlaufen.

Bei den Sportfreunden aus dem Stadtteil Burbach begann im letzten Jahr der alten erstklassigen Oberligaära, 1962/63, auch der ehemalige Italien-Profi Horst Buhtz seine Trainerkarriere. Es wurde für alle drei Partner – Verein, Trainer, Spieler – eine vorteilhafte Situation. Buhtz, Löhr und eine insgesamt gute und kompakte Burbacher Mannschaft überraschten die Kontrahenten im Südwesten und führten nach sieben Spieltagen mit 12:2 Punkten die Oberligatabelle an. Dazu passte auch der 2:1-Heimerfolg am 28. Oktober 1962 gegen den späteren Meister 1. FC Kaiserslautern. In der Angriffsformation mit Manfred Gärtner, Hans-Dieter Spengler, Hans-Jürgen Massion, Löhr und Josef Christ gelang ein Sieg gegen die „Roten Teufel“. Nach Abschluss der Vorrunde standen die Sportfreunde mit 21:9 Punkten auf dem fünften Rang, zwei Punkte hinter dem Tabellenführer und Lokalrivalen 1. FC Saarbrücken. Löhr hatte sich genau wie Buhtz als Glückstreffer erwiesen. Die „Gefahren“ der Stadt beim Umzug aus dem heimischen Dorf, mit denen sich der Zwanzigjährige beschäftigt hatte, bekam er gut in den Griff, nicht zuletzt, „weil Mentalität und Milieu in Saarbrückens Westen eigentlich keinen Wandel in seiner gewohnten Lebensart erforderten. Der Verein war eine fast familiäre Gemeinschaft, in der Kameradschaft und konstruktives Miteinander intensiv gepflegt wurden.“Werner Skrentny (Hrsg.): Teufelsangst vorm Erbsenberg. Die Geschichte der Oberliga Südwest 1946–1963. Klartext, Essen 1996, ISBN 3-88474-394-5, S. 51. Für die gute Entwicklung des jungen Angreifers trug neben der fachlichen Kompetenz von Buhtz auch der familienähnliche Anschluss in einer Burbacher Bäckerei bei. Jahrzehnte später meinte Löhr dazu: „Da bin ich gut verpflegt worden. Ich habe mit dieser Wohnung in der fremden Stadt viel Glück gehabt; das war für mich wie ein richtiges Zuhause.“ Am Rundenende belegte Löhr mit den Sportfreunden den sechsten Rang und hatte in 24 Ligaspielen 18 Tore erzielt. Da aus dem Südwesten mit dem 1. FC Kaiserslautern und Lokalrivalen 1. FCS zwei Teilnehmer für die Debütrunde der Fußball-Bundesliga 1963/64 nominiert worden waren, spielte er 1963/64 mit seinem Verein in der ebenfalls neu installierten Fußball-Regionalliga Südwest.

In seinem zweiten Jahr bei den Sportfreunden, 1963/64, konnte die Mannschaft seiner rasanten Weiterentwicklung nicht mehr folgen. Trainer Buhtz hatte Borussia Neunkirchen übernommen und führte die Elf aus dem Ellenfeldstadion zur Meisterschaft und zum Bundesligaaufstieg. Der pfeilschnelle, technisch versierte Angreifer stürmte vehement an die Spitze der Torschützenliste im Südwesten; sein Verein kam dagegen lediglich auf dem achten Rang an. Dem großen Rest enteilt spielten Borussia Neunkirchen, FK Pirmasens und Wormatia Worms quasi in einer Dreierrunde die Meisterschaft aus. Das Stürmertalent aus Eitorf wurde aber mit 35 Toren in 36 Ligaeinsätzen bester Torschütze.Deutscher Sportclub für Fußballstatistiken (DSFS): Südwest-Chronik. Fußball in Südwestdeutschland 1963/64 – 1968/69. Seelze 2014. S. 17. Auf den Plätzen folgten die Konkurrenten Helmut Kapitulski (30), Dieter Kraft (27), Hugo Dausmann, Günther Kuntz und Elmar May mit jeweils 25 Treffern.

Im letzten Länderspiel von Bundestrainer Sepp Herberger, am 7. Juni 1964 in Helsinki gegen Finnland, gehörte Löhr als einziger Regionalligaspieler dem DFB-Kader an.Raphael Keppel: Deutschlands Fußball-Länderspiele. Eine Dokumentation 1908–1989. Sport- und Spielverlag Hitzel, Hürth 1989, ISBN 3-9802172-4-8, S. 292. Er war der umworbene bundesrepublikanische Spieler im Frühjahr/Sommer 1964. Während des Grundwehrdienstes als Pionier in der Falckenstein-Kaserne in Koblenz-Lützel unterschrieb er einen Vertrag mit dem ersten Bundesligameister 1. FC Köln; neben dem sportlichen Reiz, dem Meisterteam anzugehören, hatte für ihn aber auch die Heimatnähe zu Eitorf eine Rolle bei der Entscheidungsfindung gespielt.

1. FC Köln, 1964 bis 1978 hochkant|mini|Hannes Löhr (links) im Europapokal 1968 Die erfolgreiche Angriffsbesetzung mit Karl-Heinz Thielen, Hans Schäfer, Christian Müller, Wolfgang Overath und Heinz Hornig aus der Meisterschaftsrunde 1963/64 ging in Köln komplett in das zweite Bundesligajahr 1964/65 und hatte auch beste Voraussetzungen, die gewohnten Stammplätze weiterhin zu besetzen. Neben Löhr kam mit dem Brasilianer Zézé ein weiterer Angreifer zu den „Geißböcken“ und sollte brasilianische Fußballkunst in die Domstadt bringen. Am dritten Spieltag, dem 5. September 1964, bei einem 4:3-Heimerfolg gegen den saarländischen Aufsteiger Borussia Neunkirchen debütierte der Mann aus Eitorf in der Bundesliga. Er stürmte auf Linksaußen an der Seite von Halbstürmer Overath, und Mittelstürmer Christian Müller erzielte drei Tore. Löhr absolvierte unter Trainer Georg Knöpfle 1964/65 in der Bundesliga 17 Spiele und erzielte fünf Tore. Die Titelverteidigung glückte nicht; hinter Meister Werder Bremen erreichte Köln die Vizemeisterschaft. Herausragend waren für Löhr und Kollegen die drei Spiele im Europapokal der Landesmeister gegen den englischen Meister FC Liverpool. Löhr war in allen drei Spielen im Einsatz und erzielte im Entscheidungsspiel am 24. März in Rotterdam in der 48. Minute den Treffer zum 2:2-Remis. Köln verlor erst durch den „Münzwurf von Rotterdam“. Seine Leistung im ersten Jahr Bundesliga führten ihn am 25. Juni 1965 zum Einsatz in der Juniorenelf U 23 des DFB. Der Kölner stürmte beim Länderspiel in Freiburg gegen England beim 1:0-Erfolg neben den Angriffskollegen Horst Gecks, Hans Schulz, Sigfried Held und Horst Wild.

Seine zweite Bundesligasaison, 1965/66, bestritt er ohne den 54er-Weltmeister Hans Schäfer, der seine langjährige Spielerkarriere im Sommer 1965 beendet hatte und dessen Spielmacherrolle der dänische Nationalspieler Ole Sørensen übernehmen sollte. Das glückte nicht; Löhr dagegen avancierte in 33 Ligaspielen mit 18 Toren zum erfolgreichsten Kölner Torschützen. Ab der Saison 1966/67 sollte Trainer Willi Multhaup wieder den 1. FC Köln zum Erfolg bringen. Zum Abschluss des zweiten Multhaup-Jahres gewannen die Kölner 1968 den DFB-Pokal. Persönlich war die Bilanz von Löhr mit 34 Ligaspielen und 27 Toren noch imponierender; er holte sich damit die Torschützenkanone. Er bestätigte zudem eindrucksvoll sein Debüt in der Fußballnationalmannschaft im Februar 1967. Der Tod des zielgerichtet planenden Vereinspräsidenten Franz Kremer im November 1967 überschattete aber diesen Erfolg; seine negativen Langzeit-Folgen verhinderten über Jahre, dass Köln den Spitzenplatz der frühen 60er Jahre wieder erreichen oder gar ausbauen konnte.

Mit dem Multhaup-Nachfolger Hans Merkle fing ab 1968 eine Kette ständiger Trainerwechsel beim 1. FC Köln an; eine kontinuierliche Verbesserung der Mannschaftsqualität war alleine dadurch schon erschwert, obwohl die Qualität im Spielerkader von bester Klasse war. Zwei Jahre Merkle, eine Saison Ernst Ocwirk, knapp eine Runde Gyula Lóránt, etwas über eine Runde Rudolf Schlott, eineinhalb Runden Zlatko Čajkovski, sechs Monate Georg Stollenwerk und am Ende der Spielerkarriere von Löhr ab dem 1. Juli 1976 Hennes Weisweiler: Das waren die Namen der Trainer während der Spielerlaufbahn des Torjägers beim FC. Trotz dieser Unruhe im Trainerbereich erlebte Löhr nur in den Runden 1968/69 (13.) und 1970/71 (11.) zwei Saisons mit zweistelligen Tabellenplätzen. Entschuldigend für Trainer Merkle muss festgehalten werden, dass der stets zuverlässige Torgarant Löhr die ersten elf Punktspiele der Saison 1968/69 wegen einer Tuberkuloseerkrankung und eines daraus erfolgenden Kuraufenthaltes im Schwarzwald nicht bestreiten konnte und der FC dementsprechend einen schlechten Rundenstart hinlegte. Zusätzlich trug auch der Beinbruch des etatmäßigen Stammtorhüters Milutin Šoškić zu der Misere bei. Am letzten Spieltag, dem 7. Juni 1969, retteten sich die Kölner mit einem 3:0-Heimerfolg gegen Titelverteidiger und Absteiger 1. FC Nürnberg vor dem Abstieg in die Regionalliga West. Mit Carl-Heinz Rühl und Heinz Hornig bildete Löhr dabei die Angriffsformation. Im Europapokal der Pokalsieger waren Löhr und Kollegen trotz der schwachen Bundesligarunde erst im April 1969 im Halbfinale gegen den FC Barcelona gescheitert. In den europäischen Vereinswettbewerben erzielte der Stürmer in 58 Partien für die Domstädter 30 Treffer.

Im DFB-Pokal zählte der FC in der Ära Löhr im Gegensatz zur Bundesliga eindeutig zu den erfolgreichsten Mannschaften. Löhr erlebte von 1968 bis 1978 sechs Einzüge in das Finale mit drei gewonnenen Endspielen 1968, 1977 und 1978. Im letzten Finale am 15. April 1978 in Gelsenkirchen gegen Fortuna Düsseldorf (2:0) stand er zwar nicht mehr auf dem Platz, hatte aber zuvor in den drei Hauptrunden und im Viertelfinale mitgewirkt. Legendär waren die zwei Pokalwettbewerbe 1972 und 1973: im Halbfinale 1972 gewann Köln das Hinspiel gegen den FC Schalke 04 mit 4:1 (zwei Tore von Löhr), verlor das Rückspiel nach Verlängerung mit 2:5 (zwei Tore von Löhr) und das anschließende Elfmeterschießen mit 5:6 (Löhr verwandelte seinen Elfmeter). Im Jahr darauf standen sich am 23. Juni 1973 in Düsseldorf die zwei Rivalen Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln gegenüber. Das 30. Pokalendspiel der Geschichte wird in der Sportpresse als eines der „besten, spielerisch hochstehendsten und spannendsten in der Geschichte dieses Wettbewerbs“ beschrieben.Matthias Weinrich, Hardy Grüne: Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Band 6: Deutsche Pokalgeschichte seit 1935. Bilder, Statistiken, Geschichten, Aufstellungen. AGON Sportverlag, Kassel 2000, ISBN 3-89784-146-0, S. 272. Es endete in der 93. Minute mit dem Winkelschuss von Günter Netzer zum 2:1 für Mönchengladbach.