Melsungen ist eine im Kern mittelalterliche Kleinstadt und ein Luftkurort im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis. mini|Eulenturm in Melsungen
Geographie Geographische Lage Melsungen liegt im Nordostteil des Schwalm-Eder-Kreises zwischen dem Melsunger Bergland im Osten und dem Homberger Hochland im Westen. Seine Kernstadt befindet sich an der Mündung des Kehrenbachs in die Fulda. Unweit südlich der Kernstadt mündet beim Industriegebiet Pfieffewiesen die Pfieffe und unterhalb des nördlichen Stadtteils Röhrenfurth an der Grenze zu Körle die Mülmisch in die Fulda.
Die nächsten größeren Städte an der Fulda sind die Großstadt Kassel, etwa 21 km nördlich, und die Mittelstadt Bad Hersfeld, rund 32 km (je Luftlinie) südsüdöstlich.
Der tiefste Punkt des Stadtgebiets liegt mit etwas unterhalb des dörflichen Stadtteils Röhrenfurth, an der Mündung der Mülmisch in die Fulda, der höchste mit etwas unterhalb des Himmelsberggipfels (Günsteröder Höhe im Melsunger Bergland). Hier, etwa 2,5 km nordöstlich des dörflichen Stadtteils Günsterode, verläuft die Gemarkungsgrenze zur Nachbarstadt Hessisch Lichtenau.
Nachbargemeinden Melsungen grenzt im Norden an die Gemeinden Körle (Schwalm-Eder-Kreis) und Söhrewald (Landkreis Kassel) sowie die Stadt Hessisch Lichtenau (Werra-Meißner-Kreis), im Osten an die Stadt Spangenberg, im Südosten an die Gemeinde Morschen, im Süden an die Gemeinde Malsfeld sowie im Westen an die Stadt Felsberg (alle vier im Schwalm-Eder-Kreis).
Stadtgliederung Melsungen umfasst neben der Stadt selbst noch 7 weitere Stadtteile, die im Zuge der Gebietsreform in Hessen eingemeindet wurden. Für alle eingegliederten Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Stadtteil Eingemeindung Einwohner Adelshausen 1. Februar 1971 437* Günsterode 1. Februar 1971 309* Kehrenbach 1. Februar 1971 253** Kirchhof 1. Februar 1971 448* Obermelsungen 31. Dezember 1971 714* Röhrenfurth 1. März 1971 1.206* Schwarzenberg 1. Januar 1974 559** Einwohnerzahlen Stand: *31.12.2024, **31.12.2022
Geschichte mini|Melsungen – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian dem Jüngeren 1655
Erstmals wurde die Stadt im Jahre 802 als Milisunge urkundlich erwähnt. Erste Besiedlungen gab es aber wahrscheinlich schon zur Hallstattzeit (9.–4. Jahrhundert v. Chr.).
Im Lauf seiner Geschichte wechselte Melsungen mehrfach den Besitzer. So schenkte Kaiser Otto III. im Jahre 973 Teile seiner Besitzungen in Elesenge in pago Hassim, darunter einen Militärbau, einem Dietrat von Melsungen. 1040 vermachte Graf Dietrich seine Melsunger Besitzungen dem Kloster Fulda. Heinrich Raspe II. (etwa 1130 bis etwa 1155/57), Graf von Gudensberg aus dem Hause der thüringischen Ludowinger, betrieb als Vogt der Abtei Hersfeld die Entfremdung Melsungens aus dem Besitz Hersfelds und ließ an dem strategisch wichtigen Fuldaübergang der Straße von Gudensberg nach Thüringen eine kleine Burg errichten („burgus Milsungen“). Der Ort war von besonderer Bedeutung, weil er an einer Kreuzung dreier wichtiger Handelsrouten lag: dem „Sälzerweg“ (West-Ost), der „Nürnberger Straße“ (Nord-Süd), und der „Durch die langen Hessen“.
Am heftigsten umkämpften die Erzbischöfe von Mainz und die Landgrafen von Thüringen und später die Landgrafen von Hessen die Stadt. 1189/90 kaufte Erzbischof Konrad I. von Mainz Burg und Ort für 350 Mark von den Ludowinger Landgrafen von Thüringen und verlieh dem Ort das Stadtrecht; aus dieser Zeit stammt auch das Wappen. Schon wenige Jahre später, 1193/94, wurden Stadt und Burg in einer Fehde zwischen Mainz und Thüringen zerstört, aber umgehend wegen ihrer wichtigen Lage durch die Landgrafen neu aufgebaut, diesmal als Eigentum der Landgrafen. Im Thüringisch-Hessischen Erbfolgekrieg (1247–1264), in dessen Folge Melsungen zur Landgrafschaft Hessen kam, wurde die Burg erneut zumindest teilweise zerstört, aber ebenfalls wieder hergerichtet.
Die ursprünglich romanische Pfarrkirche wurde 1350 in eine gotische Hallenkirche umgebaut. 1465 hatte der Ort bereits etwa 950 Einwohner. Im Jahre 1554 vernichtete ein Feuer große Teile des Stadtkerns. Nur wenige Gebäude überstanden den Brand, da fast alle Häuser aus Fachwerk waren. Nach dieser Katastrophe wurde das noch heute genutzte Rathaus erbaut, ein architektonisches Juwel im Fachwerkstil. 1596 wurde eine massive Steinbrücke über die Fulda fertiggestellt, die sogenannte Bartenwetzerbrücke.
mini|Blick auf das Rathaus aus der Fritzlarer Straße
1552–1557 erbauten Landgraf Wilhelm IV. und sein Vater, Landgraf Philipp der Großmütige, ein Jagdschloss direkt außerhalb der Stadtmauer, in unmittelbarer Nachbarschaft der alten Burg, die wegen Baufälligkeit abgerissen wurde und dem 1577 vollendeten Marstall Platz machte. Von 1627 bis 1632 diente dieses Schloss Moritz dem Gelehrten von Hessen-Kassel als zeitweiliger Wohnsitz, nachdem er als Landgraf abgedankt hatte und sich nach Eschwege zurückgezogen hatte. Nach seinem Tod wurden Schloss und Marstall von 1733 bis 1825 als Garnison für landgräfliche bzw. kurfürstliche Kavallerie genutzt. Von 1825 bis 1867 war es Sitz der Hessischen Forstakademie. Nach der preußischen Annexion des Kurfürstentums Hessen wurde es Verwaltungsgebäude. Während des Zweiten Weltkriegs befand sich im Schloss und im so genannten Kreisgut in Elbersdorf ein Gefangenenlager für britische Offiziere. Heute ist das Gebäude Sitz des Kreisfinanzamts und der Justizbehörde.
Im Dreißigjährigen Krieg, im Siebenjährigen Krieg und während der französischen Herrschaft von 1806 bis 1813 erlitt die Stadt wiederholt Besetzung und Schaden. 1813 schlugen, nach der Abdankung Jérôme Bonapartes als König von Westphalen, General Tschernyschows russische Truppen die des französischen Generals Bastinellers bei Melsungen.
Von 1821 bis 1974 war Melsungen Verwaltungssitz des Landkreises Melsungen. Durch Zusammenlegung der Landkreise Melsungen, Fritzlar-Homberg und Ziegenhain im Jahre 1974 zum Schwalm-Eder-Kreis ist seither der zuständige Verwaltungssitz in der Stadt Homberg (Efze).
Melsungen ist einer der Hauptorte der evangelischen althessischen Kirche.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Melsungen 13278 Einwohner. Darunter waren 762 (5,7 %) Ausländer, von denen 210 aus dem EU-Ausland, 410 aus anderen europäischen Ländern und 142 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 10,2 % einen Migrationshintergrund. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 12,9 %.) Nach dem Lebensalter waren 2165 Einwohner unter 18 Jahren, 5429 zwischen 18 und 49, 2743 zwischen 50 und 64 und 2943 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 6158 Haushalten. Davon waren 2171 Singlehaushalte, 1817 Paare ohne Kinder und 1602 Paare mit Kindern, sowie 429 Alleinerziehende und 129 Wohngemeinschaften. In 1500 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 4093 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1585: 1642 Haushaltungen • 1747: 1644 Haushaltungen
Konfessionsstatistik • 1885: 3422 evangelische (= 94,17 %), 50 katholische (= 1,38 %), 14 anderes christliche-konfessionelle (= 0,39 %), 147 jüdische (= 0,45 %) Einwohner • 1961: 6550 evangelische (= 79,73 %), 1472 katholische (= 17,92 %) Einwohner • 1987: 9709 evangelische (= 73,6 %), 2145 katholische (= 16,3 %), 1332 sonstige (= 10,1 %) Einwohner • 2011: 8520 evangelische (= 64,2 %), 1800 katholische (= 13,5 %), 180 orthodoxe (= 1,3 %), 320 andersgläubige (= 2,4 %), 2280 sonstigeKeiner öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft angehörig. (= 17,2 %) Einwohner
Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem weiter gesunken. Gemäß dem Zensus 2022 waren im Jahr 2022 49,7 % der Einwohner evangelisch, 9,7 % katholisch, und 40,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 31. August 2024 Mit Stand 2024 waren von den 14273 Einwohnern 44,3 % (6327 Menschen) evangelisch und 9,0 % katholisch und 47,6 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe. Demnach gehören 6657 einer anderen oder keiner Religion an.Melsungen schrumpft erstmals seit Jahren, abgerufen am 31. August 2025
Politik und Verwaltung Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Melsungen erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Melsungen 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021
Stadtverordnetenversammlung – Kommunalwahlen 2026
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 45,61737,11443,41649,81859,92256,121 15,8619,9716,6614,1516,5616,46 12,5515,5616,5617,2623,6921,68 11,3415,269,1412,25——5,92 7,73—————————— 7,0212,4414,456,73———— Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 Wahlbeteiligung in % 61,2 56,1 54,7 53,3 54,7 61,1
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Melsungen neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und fünf weitere Stadträte angehören.Gremien: Magistrat der Stadt Bürgermeister ist seit dem 1. Juni 2025 Timo Riedemann (SPD), der in der Kommunalpolitik zuletzt Stadtverordnetenvorsteher war. Er wurde als Nachfolger von Markus Boucsein, der nach zwei Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 1. Dezember 2024 im ersten Wahlgang bei 59,9 Prozent Wahlbeteiligung mit 72,7 Prozent der Stimmen gewählt.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 1. Dezember 2024 in Melsungen
Amtszeiten der Bürgermeister - Votemanager: Wahltermine Stadt Melsungen seit 1995; Hinweis: Bürgermeisterwahlen vor 2013 sind nicht aufbereitetDie Bürgermeister der Stadt Melsungen: Galerie der Bürgermeister mit Amtszeiten (PDF-Datei 554 KB) 2025–2031 Timo Riedemann (SPD)HNA, 1. Mai 2023: Timo Riedemann aus Schwarzenberg will Melsungens Bürgermeister werden: „Riedemann kandidierte bereits 2018 als Bürgermeister. Damals unterlag er gegen Markus Boucsein … seit 2016 übt er das Amt des Stadtverordnetenvorstehers aus“ 2013–2025 Markus BoucseinHNA: 21. März 2013: Alles im Fluss an der Fulda: Boucsein startet im Juni: „offiziell loslegen kann er aber erst am 1. Juni. „Auf diesen Termin haben wir uns geeinigt“, bestätigt Büroleiter Thomas Garde. Für Dienstag, 28. Mai, ist eine Sondersitzung des Parlaments geplant in der Boucsein ins Amt eingeführt werde. In der Sitzung erhält er seine Ernennungsurkunde und leistet seinen Diensteid.“ - Protokoll über die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 08. April 2019. Amtseinführung des neu gewählten Bürgermeisters: „Erste Stadträtin Ulrike Hund händigt Herrn Markus Boucsein nach Verlesung des Textes die Ernennungsurkunde für seine am 01.06. 2019 beginnende zweite Amtsperiode aus“ 2005–2012 Dieter Runzheimer (SPD) (Amtsantritt 1. März 2005, im Amt verstorben am 4. Dezember 2012)Traueranzeigen Dieter Runzheimer - HNA, 4. Dezember 2012: Melsungens Bürgermeister Dieter Runzheimer ist tot: „Der 50-Jährige starb in der Nacht zu Dienstag an den Folgen einer kurzen schweren Krankheit in seinem Haus in Schwarzenberg.“ 1993–1999 Karl-Heinz Dietzel 1969–1993 Dr. Ehrhart Appell 1958–1969 Otto Dannenberg 1945–1957 Christian Bitter 1927–1945 Otto Schmidt 1906–1927 Otto Gleim 1901–1905 Gustav Karthaus 1899–1901 Ludwig Löber 1875–1898 Johann Georg Karl Lotz 1852–1875 Karl Baumann
Ortsbeiräte