mini|Wáng Mǎng mini|Wáng Mǎng in chinesischen Schriftzeichen Wáng Mǎng (; * 45 v. Chr.; † 6. Oktober 23 n. Chr.) war 9–23 n. Chr. Kaiser von China. Er entstammte einer einflussreichen Adelsfamilie und machte mit deren Hilfe am Hof Karriere. Wáng Mǎng gab sich dabei stets bescheiden und wusste die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen. Unter mehreren Kindkaisern war er die graue Eminenz hinter dem Thron, bis er ihn dann selbst bestieg. Als Herrscher agierte er eher glücklos. Das Verhältnis zu den Nachbarn Chinas verschlechterte sich zusehends und er konnte der Korruption in der Verwaltung keinen Einhalt gebieten. Schließlich fiel er einem Aufstand zum Opfer. Sein Nachfolger begründete die Östliche Han-Dynastie. Wichtigste Quelle für die Regierungszeit Wáng Mǎngs ist das Han Shu.

Leben

Herkunft und Aufstieg mini|Wáng Mǎng kleidete sich wie ein Schüler des Konfuzius

Wáng Mǎng entstammte einer mächtigen und einflussreichen Adelsfamilie zur Zeit der Han-Dynastie. Kaiser Yuandi (regierte 48–33 v. Chr.) hatte seine Nebenfrau aus der Familie Wáng, Wáng Zhengjun, zur Kaiserin gemacht. Wáng Mǎngs Vater Wáng Mǎn war der jüngere Bruder der Kaiserin. Diese brachte ihre Brüder und ihren Neffen in hohe Ämter. Wáng Mǎn starb allerdings noch vor dem Regierungsantritt des Sohnes seiner Schwester. Sein Sohn Mǎng konnte sich deshalb trotz seiner engen Verwandtschaft zur Kaiserfamilie den luxuriösen Lebensstil seiner Vettern nicht leisten. Er machte aus der Not eine Tugend und trug die bescheidene Kleidung eines Konfuziusschülers.

Wáng Mǎng machte außer durch seine Bescheidenheit und seine Studien auch durch seine Fürsorge für seine Familie von sich reden. Er kümmerte sich nach dem Tod seines Bruders Wáng Yong um dessen Sohn Wáng Guang und pflegte seinen Onkel, den mächtigen General Wáng Feng, als dieser 22 v. Chr. schwer krank wurde. Feng war von der Anteilnahme seines Neffen, der Tag und Nacht an seinem Krankenbett wachte, sehr gerührt und setzte sich bei der Kaiserinmutter und bei Kaiser Cheng für ihn ein. Nach dem Tod seines Onkels erhielt Wáng Mǎng einen Posten bei Hofe und wurde später zum stellvertretenden Kommandanten der kaiserlichen Garde ernannt.

Das Jahr 16 v. Chr. brachte für Wáng Mǎng einen erneuten Aufstieg. Markgraf Wáng Shang, ein weiterer Onkel des aufstrebenden Höflings, bat den Kaiser, einen Teil der von ihm verwalteten Markgrafschaft Chengdu an seinen Neffen zu übertragen. Da sich eine Reihe von einflussreichen Höflingen für den Antrag aussprach, gab Kaiser Cheng nicht nur dem Gesuch des Markgrafen statt, sondern ernannte Wáng Mǎng auch zum Minister ohne Ressort. Der neu ernannte Minister, der sich offenbar am kaiserlichen Hof einen hervorragenden Ruf erworben hatte, gab sich aber weiterhin betont bescheiden und unterstützte Schüler und Studenten, statt selbst Reichtum anzuhäufen. Wáng Mǎngs Bescheidenheit zeigte sich auch im privaten Bereich. Er hatte nur eine Ehefrau und verzichtete anders als viele Adlige seiner Zeit auf Konkubinen.

Oberbefehlshaber

In der Zwischenzeit war Wáng Gen, ebenfalls ein Onkel Wáng Mǎngs, wie sein Bruder Feng vor ihm Oberkommandierender der kaiserlichen Armee geworden. Sein Neffe war neben Chunyu Zhang einer der heißesten Anwärter auf Gens Nachfolge. Chunyu kam sein gutes Verhältnis zur Kaiserin zugute, während Wáng Mǎng sich nur auf seine Verwandtschaft mit der Kaiserinmutter berufen konnte. Um sich den einflussreichen Posten dennoch zu sichern, suchte er nach belastendem Material gegen seinen Rivalen. Tatsächlich konnte er nachweisen, dass Chunyu Bestechungsgeld von einer verstoßenen Ehefrau des Kaisers angenommen hatte und zudem plante, zahlreichen Unterstützern Posten bei Hofe zu verschaffen, falls er Wáng Gens Nachfolge antreten sollte.

Im Jahr 8 v. Chr. legte Wáng Mǎng dem Kaiser und der Kaiserinmutter seine Beweise vor. Diese waren nicht erfreut über Chungyus Verhalten und schickten ihn ins Exil. Chungyu fügte sich zwar zunächst in das Urteil, beauftragte jedoch seinen Vetter Wáng Rong, sich für seinen Verbleib in der Hauptstadt einzusetzen. Er überließ Wáng Rong dafür seine Pferde und seine Wagen. Als der so Bestochene beim Kaiser zu Chungyus Gunsten zu intervenieren versuchte, schöpfte dieser Verdacht und ließ Wáng Rong festnehmen. Als der Gefangene auf Anraten seines Vaters Suizid beging, ließ der misstrauische Kaiser Chungyu erneut befragen. Dieser gab nun zu, von der ehemaligen Kaiserin Geld genommen zu haben, und wurde hingerichtet. Als der gesundheitlich angeschlagene Wáng Gen wenig später seinen Rücktritt bekannt gab, wurde der 37-jährige Wáng Mǎng Oberbefehlshaber der kaiserlichen Streitkräfte.

Auch nachdem er zu höchsten Ehren gekommen war, blieb Wáng Mǎng bescheiden und sorgte sich mehr um begabte Schüler aus armen Familien als um sein eigenes Wohlergehen. So gelang es ihm nach und nach, das schlechte Bild zu revidieren, das viele Chinesen von seiner Familie hatten. Auch als nach dem plötzlichen Tod Kaiser Chens 7 v. Chr. dessen Neffe Ai den Thron bestieg, blieb Wáng Mǎng Oberbefehlshaber. Als es jedoch zu einem Machtkampf zwischen den Großmüttern des jungen Kaisers kam, drängte ihn seine Tante Wáng Zhengjun, sein Amt abzugeben. Ai lehnte einen Rücktritt Wáng Mǎngs zunächst ab. Dieser zog sich jedoch den Zorn Fus zu, der anderen Großmutter des Kaisers, als er ihr bei einem Bankett einen schlechteren Platz zuweisen wollte, und trat als Oberbefehlshaber zurück, um Fu zu besänftigen.

Rückkehr an die Macht

mini|China zur Zeitenwende

Wáng Mǎng blieb zunächst in Chang’an und fungierte weiterhin als Ratgeber des Kaisers. Als sich jedoch der Premierminister und dessen Stellvertreter dafür aussprachen, ihn für sein Fehlverhalten gegenüber Fu zu bestrafen, musste er 5 v. Chr. die Hauptstadt verlassen. Er ließ sich in seiner Markgrafschaft nieder, wo er ein zurückgezogenes Leben führte, um nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, er plane heimlich eine Rebellion. In der Zwischenzeit gingen am kaiserlichen Hof mehrere hundert Petitionen ein, die seine Rückkehr nach Chang’an forderten. Kaiser Ai entsprach schließlich 2 v. Chr. dieser Bitte. Wáng Mǎng durfte in die Hauptstadt zurückkehren, erhielt jedoch keinen offiziellen Posten. Dies änderte sich erst nach Ais Tod im darauf folgenden Jahr.

Nachdem bisher die Verwandten der Kaiserin Fu die Politik bestimmt hatten, ergriff nun Wáng Zhengjun die Initiative. Sie inthronisierte den letzten männlichen Nachkommen ihres Mannes unter dem Namen Pingdi und ernannte ihren Neffen wieder zum Oberbefehlshaber. Wáng Mǎng übernahm die Regentschaft für den minderjährigen Pingdi und ergriff eine Reihe von drastischen Maßnahmen, um seine Position zu sichern: Fus Verwandte wurden abgesetzt und verbannt, Fu selbst und die Frau des verstorbenen Kaisers Cheng in den Suizid getrieben und ihre Anhänger verloren ihre Posten. Fu verlor postum ihre Titel, ihr Verwandter Dong Xian wurde exhumiert und in einem Gefängnis erneut begraben.

Nachdem er seine Macht konsolidiert hatte, ging Wáng Mǎng daran, den Kult um seine Person systematisch auszubauen. Er ließ Prophezeiungen verbreiten, denen zufolge er die Reinkarnation mythischer Herrscherpersönlichkeiten wie des legendären Ji Dan sei. Zudem änderte er die Namen von Regierungsinstitutionen und auch von einigen Orten und ersetzte sie durch Namen, die an die Zhou- oder die Shang-Dynastie erinnerten. Aus Vietnam ließ er 1 n. Chr. ein Albino-Huhn an den Hof schicken. Da diese seltenen Tiere als Zeichen göttlicher Gunst galten, konnte er seine Tante überzeugen, ihm noch mehr Befugnisse zu übertragen. Währenddessen vergaß er es jedoch nicht, die Verwandten des Kaisers vom Hof fernzuhalten und ihren Einfluss zu beschneiden.

Vater und Sohn

Dennoch konnte sich Wáng Mǎng seiner Sache nicht sicher sein. Um seine Position unangreifbar zu machen, beschloss er, seine Tochter mit Kaiser Pingdi zu verheiraten. Er wollte jedoch seinen Ruf als bescheidener Mann nicht gefährden und bat deshalb zum Schein seine Tante Wáng Zhengjun, seine Tochter nicht als Ehefrau in Betracht zu ziehen. Gleichzeitig organisierte er eine Serie von Bittbriefen, in denen seine Untertanen den Kaiser bestürmten, doch die Tochter des Regenten zu heiraten. Sein Plan hatte Erfolg, 4 n. Chr. heiratete Pingdi Wáng Mǎngs Tochter und ernannte sie zur Kaiserin. Nun drohte ihm allerdings Gefahr aus der eigenen Familie: Sein Sohn Yu hatte sich auf die Seite seiner Feinde geschlagen und versuchte mit Hilfe seines Lehrers, seinen Vater zu stürzen.

Wáng Yu hatte zunächst versucht, die Mutter des verstorbenen Kaisers Ai wieder an den Hof zu holen. Als sein Vater hart blieb, verlegte er sich darauf, scheinbar übernatürliche Ereignisse zu inszenieren und damit seinen Vater zu diskreditieren. Er beauftragte seinen Schwager, eine Flasche mit Blut an der Tür des Regenten zu zerschlagen, um auf dessen Grausamkeit hinzuweisen. Yus Schwager wurde jedoch von den Wachen entdeckt. Wáng Mǎng ließ alle Beteiligten an der Verschwörung hinrichten, ließ sie aber vorher foltern, um an die Namen weiterer Mitverschwörer zu gelangen. Der blutigen Säuberungswelle, die sich daraus entwickelte, fielen auch zahlreiche Regierungsangehörige und auch einige als unzuverlässig eingestufte Verwandte zum Opfer.

Nur einer konnte Wáng Mǎng jetzt noch gefährlich werden: der heranwachsende Kaiser, der sich mehr und mehr von seinem Regenten entfremdet hatte. Pingdi war nicht mehr bereit, tatenlos zuzusehen, wie Angehörige seiner Familie verbannt oder sogar getötet wurden. Als Wáng Mǎng davon erfuhr, reagierte er schnell und rücksichtslos. Er ließ gegen Ende des Jahres 5 n. Chr. den Wein des Kaisers vergiften. Selbst für den Fall, dass Pindgi die Vergiftung überleben sollte, hatte er vorgesorgt und heimlich ein Gebet niedergeschrieben, in dem er den Göttern anbot, sein Leben für das seines Herrn zu opfern. Dieses Gebet sollte als Beweis seiner Unschuld dienen. Die Vorsichtsmaßnahme erwies sich jedoch als unnötig: Kaiser Pingdi starb wenige Tage später, ohne einen Erben hinterlassen zu haben.

Thronbesteigung

mini|Wáng Mǎng stellte sich als Erbe des ersten Han-Kaisers Gaozu dar

Da die Nachfahren von Pingdis Großvater mittlerweile alle gestorben waren, wurde nun unter denen seines Urgroßvaters nach einem Nachfolger für den ermordeten Kaiser gesucht. Wáng Mǎng suchte nun erneut nach einem minderjährigen Erben, der die Regierungsgeschäfte noch nicht selbst ausüben konnte und daher auf ihn angewiesen war. In der Zwischenzeit führte er als „regierender Kaiser“ die Amtsgeschäfte. 6 n. Chr. wurde schließlich ein zweijähriges Kind zum Kronprinzen bestimmt, aber nicht zum Kaiser gekrönt. Wáng Mǎng, der weiterhin den Titel eines regierenden Kaisers führte, konnte erfolgreich mehrere Rebellionen niederschlagen und beschloss 9 n. Chr., selbst den Thron zu besteigen. Er ließ eine Prophezeiung anfertigen, die ihn als göttlichen Erben des ersten Han-Kaisers Gaozu darstellte.

Dank der gefälschten Prophezeiung wurde Wáng Mǎng als Kaiser von China anerkannt. Er begründete eine neue Dynastie, die Xin-Dynastie, und wollte mit seiner Regierung ein neues goldenes Zeitalter beginnen lassen. Zu diesem Zweck näherte er die Institutionen des Reiches und deren Namen mehr und mehr denen der Zhou-Dynastie an, deren Zeit damals bereits mythisch verklärt wurde. Insbesondere wollte sich Wáng Mǎng aber durch dringend notwendige Reformen nach altem Vorbild legitimieren. Er beabsichtigte, das fruchtbare Land gerechter zu verteilen, indem er die großen Ländereien der reichen Familien enteignete und unter den armen Bauern aufteilte. Das gelang ihm nicht. Die Beamten, die meist selbst Landbesitzer waren, unterminierten sein Vorhaben. Schon nach drei Jahren musste er die meisten seiner Maßnahmen wieder zurücknehmen.