Die Dakelh (abgel. von Eigenbezeichnung als Dakelh-ne - „Volk, das über Wasser reist“, in älteren Quellen oftmals Taculli bezeichnet) sind eine der Stammesgruppen von heute 13 First Nations (in Kanada auch Bands genannt) im Norden der kanadischen Provinz British Columbia, in der ethnografischen Literatur wurden sie historisch meist als Carrier („Träger“) bezeichnet. Sie sprechen/sprachen verschiedene Dialekte des Carrier (Dakeł) (auch: Central/Southern Carrier genannt), einer zum Central British Columbia-Zweig zählenden Nord-Athapaskischen Sprache. Nördliche Dakelh-Bands bezeichneten sich hingegen als Yinkadinee oder Yinka Déné („Menschen der Welt“). Heute bezeichnen sich die First Nations zumeist offiziell als „Dakelh“.
In der Fachliteratur werden zumeist auch die nördlich und westlich lebenden sieben First Nations der Babine (Nadot'en) („Nördliche Carrier“) und Wet'suwet'en („Volk vom Wet'sinkwha/Wa Dzun Kwuh, d. h. Bulkley River“; „Westliche Carrier“) den „Dakelh/Carrier“ zugerechnet; diese sprechen/sprachen zwar die eng verwandte Sprache Babine-Witsuwit'en (Nadot'en-Wets'uwet'en) (auch: Northern Carrier / Western Carrier genannt) identifizieren sich jedoch nicht als „Dakelh/Carrier“ sondern als zwar sprachlich-kulturell eng verwandte, jedoch eigenständige Ethnien und bezeichnen sich als Yinka Whut'en („Menschen der Welt“).
Die beiden sprachlich verwandten Stammesgruppen zählen laut Department of Indian Affairs and Northern Development (Stand: März 2013) ca. 8100 Dakelh (12 First Nations, vormals 13 First Nationsjedoch identifizieren sich die Stammesmitglieder der ?Esdilagh First Nation (früher Alexandria Indian Band) heute meist als Tsilhqot'in), ca. 3200 Babine (2 First Nations) sowie 3200 Wet'suwet'en (5 First Nations).
Namensherkunft Die englische Bezeichnung Carrier ist die Übersetzung der Bezeichnung für Dakelh-Gruppen, durch die benachbarten Sekani. Diese nannten sie Aghelhne oder aɣelne- ‘Jene, die etwas tragen’ oder ‘die Träger’. Dies rührt daher, dass die Dakelh-Witwen die Asche ihrer verstorbenen Männer drei Jahre lang in einem Tragesack umhertrugen. Da die ersten Europäer östlich der Dakelh zunächst auf die Sekani stießen, deren Sprache, wie die der Dakelh, Babine und Chilcotin ebenfalls zur Athapaskischen Sprachfamilie gehört, übernahmen sie deren Bezeichnung für die Dakelh. Seit 1793 mit Alexander MacKenzie ist die englische Übersetzung Carrier zuerst für die mittleren und südlichen Gruppen der Dakelh gebräuchlich, schließlich wurden Ende des 19. Jahrhunderts alle Gruppen als Carrier bezeichnet. So ist es diesem historischen Zufall zu verdanken, dass die Dakelh nicht als Yu'nahena bekannt wurden, dem Namen der Secwepemc im Süden für ihre nördlichen Nachbarn. Wären die europäischen Händler und Trapper von Westen ins Territorium der Dakelh vorgedrungen, wären diese heute höchstwahrscheinlich als Akwilget bekannt, der Bezeichnung für eine mittlere Stammesuntergruppe, den Witsuwit'en (oder Wet'suwet'en), durch die Gitksan.R. Bruce Morrison, Rod Wilson, C. Roderick Wilson: Native Peoples: The Canadian Experience. 3. Auflage. Oxford University Press, 2004, ISBN 0-19-541819-0, S. 508ff.
Geschichte Stammesgebiete Das traditionelle Gebiet der zwei Stammesgruppen erstreckt sich nördlich des Chilcotin River entlang des Fraser River, des Quesnel River, des West Road (Blackwater) River nordwestlich beiderseits des Nechako Rivers bis zum Mittellauf des Bulkley River und entlang des Stuart und Tachie River sowie entlang folgender Seen, die oftmals durch Flüsse untereinander verbunden waren, am Fraser, Quesnel, Stuart, Trembleur, Takla, Babine, François, Kluskus, Cheslatta Lake sowie am heutigen Stausee Nechako Reservoir im Regional District of Bulkley-Nechako. Dabei bilden die Rocky Mountains die Ostgrenze ihres Gebiets, jedoch sind sie mit dem Vorgebirge und den angrenzenden Nordwestlichen Plains nicht sehr vertraut, da seit Ende des 18. Jahrhunderts bis ca. 1850 gut bewaffnete und mächtige Woods und Plains Cree nach Westen vordrangen und die dort siedelnden Athapasken entweder in die Berge verdrängten (siehe Sekani) oder stark dezimierten (siehe Daneẕaa (Dunneza)). Im Nordwesten begrenzten die Coast Mountains ihre traditionellen Gebiete. Im Süden teilten sich viele Ulkatchot’en der Dakelh (heute: Ulkatcho First Nation) den Norden des Chilcotin District (Chilcotin Plateau) oftmals mit benachbarten Tsilhqot'in (Chilcotin) sowie Gebiete der Coast Mountains mit den Nuxalk (Nuxalkmc oder Bella Coola); sie übernahmen auch teilweise deren Sprachen.
Teile der Coast Mountains und Hazelton Mountains sowie das Gebiet entlang des Bulkley River, Broman Lake und François Lake gehörten zum Stammesgebiet der Wet'suwet'en (Wit'suwit'en). Sie bezeichneten sich selbst nach ihrem wichtigsten Fluss als Wet'suwet'en, was in ihrer Sprache so viel bedeutet wie „Volk vom Wa Dzun Kwuh-Fluss“, d. h. vom Bulkley River.
Zum Stammesgebiet der Babine (Nadot’en) zählte die Gegend entlang des Babine River, Babine Lake, Trembleur Lake und Takla Lake.
Die Wet'suwet'en und Babine wurden oftmals fälschlich als Westliche oder Nördliche Carrier bezeichnet; jedoch betrachten sich diese als eine sowohl sprachlich als auch kulturell separate Stammesgruppe und nicht als Teil der Dakelh (Carrier).
Kultur Wie zahlreiche Stämme dieses Kulturareals, so basierte der Jahreslauf auf einem Wanderzyklus, bei dem im Sommer Jagd und Beerensammeln die Hauptbeschäftigungen zum Lebenserhalt darstellten. Der Lachs bildete dabei zugleich den wichtigsten Wintervorrat, aber auch Wild, wie Elch oder Karibu, Biber und Schwarzbär spielten eine gewisse Rolle.
Wie die Küsten-Salish, so partizipierten die Dakelh an einem umfangreichen Handel, dem die Grease trails dienten. Auf diesen Wegen wurden zwar auch getrocknetes Fleisch und Beeren transportiert, aber das Haupthandelsmittel war das butterartige Öl des Kerzenfischs (Eulachon). Daneben wurde getrocknetes Seegras und getrockneter Kerzenfisch gehandelt. Diese „Fettpfade“ waren für Entdecker, die nicht die Flüsse benutzen konnten, die einzige Möglichkeit voranzukommen, wie der Weg Alexander MacKenzies zeigt. Ähnlich wichtig wie dieser Pfad waren der Cheslatta Trail und der Nyan Wheti. Ersterer führte von Behlk'achele und Sdughachola, zwei Dakelh-Dorfern am Cheslatta Lake nach Nadleh am Fraser Lake, letzterer setzte diesen Pfad zum Stuart Lake fort.
Sprachen Die allgemein historisch fälschlich als Carrier oder heute vermehrt als Dakelh bezeichneten Stammesgruppen sprechen zwei eng verwandte Sprachen: das eigentl. Carrier (Dakeł) (auch Central Carrier und Southern Carrier genannt) wird heute von 13 First Nations der Dakelh oder eigentl. Carrier gesprochen; das Babine-Witsuwit'en (Nadot'en-Wets'uwet'en) (auch Bulkley Valley/Lakes District Language oder Northern Carrier sowie Western Carrier genannt) wird heute von 7 First Nations gesprochen, wobei der Babine (Nadot'en)-Dialekt wird (wurde) von den Babine und der Witsuwit'en (Wets'uwet'en)-Dialekt wird (wurde) von den Wet'suwet'en gesprochen.
mini|Kleiner Totempfahl vor einem Saik'uz-Haus
Neueste Erkenntnisse unterteilen das eigentliche Carrier in zwei große Dialektgruppen:Dakelh Dialects Nak'albun/Dzinghubun oder Stuart-Trembleur Lake-Dialektgruppe Tl’azt’en Nation (früher auch Stuart Trembleur Indian Band) Nak'azdli Band (früher auch Nak'azdli Whut'en, Necoslie, Necausley) Yekooche First Nation (früher auch Portage Reserve Indian Band, viele verstehen und sprechen den Lake Babine-Dialekt von Babine-Witsuwit'en) Binche Whut'en Südliche Dialektgruppe Fraser-Nechako-Lakes Cheslatta Carrier Nation (viele verstehen und manche sprechen Witsuwit'en, da sie enge Kontakte zu den Nee-Tahi-Buhn und Skin-Tayi unterhielten) Stellat’en First Nation Nadleh Whut'en First Nation (früher auch Fraser Lake Indian Band) Saik'uz First Nation (früher auch Stoney Creek) Lheidli T'enneh First Nation Blackwater Ulkatcho First Nation (früher auch Ulkatchos, Ulkatcho people, viele sprechen zudem Chilcotin, die Älteren sprechen sogar Nuxálk (Bella Coola), eine Salish-Sprache) Lhoosk'uz Dene Nation (früher auch Kluskus Indian Band) Nazko Indian Band Lhtakoh Indian Band (früher auch Red Bluff First Nation)
Das Babine-Witsuwit'en unterteilt sich wiederum in zwei Dialektgruppen, das eigentliche Babine (auch Nadot'en, Nedut'en und Nat'oot'en) und das Witsuwit'en (auch Wetsuwet'en, Wets'uwet'en, and Wet'suwet'en):
Babine-Dialektgruppe Lake Babine Nation (auch Nat'oot'en Nation genannt)Zur Lake Babine Nation gehören die Bands der Fort Babine, Old Fort, Tachet, Donald's Landing und Woyenne Takla Lake First Nation (früher auch North Takla Lake Indian Band, Fort Connolly Indian Band, Sustutenne, bis vor kurzem sprachen viele noch Sekani, manche Takla vom Bear Lake sprechen sogar Gitxsanimaax, eine Tsimshian-Sprache, einige sprechen zudem den Nak'albun (Stuart-Trembleur Lake)-Dialekt des Carrier) Witsuwit'en-Dialekgruppe Moricetown Band Hagwilget Village First Nation (auch Hagwilget Village Council, früher auch Tse-kya) Wet'suwet'en First Nation (früher auch Broman Lake Indian Band) Skin Tyee First Nation (auch Skin Tyee Indian Band) Nee-Tahi-Buhn Band (früher auch Francois Lake Tribe)
Die Ts'il Kaz Koh First Nation (früher auch Burns Lake Indian Band) sprechen eine Mischform aus dem Babine und dem Witsuwit'en-Dialekt der Babine-Witsuwit'en-Sprache, jedoch scheinen sie ursprünglich eine Variante der Südlichen Dialektgruppe des Carrier gesprochen zu haben, ähnlich dem der heutigen Stellat’en First Nation.Language and Dialect By Community Burns Lake Indian Band
Heutige First Nations mini|Nadleh Whut'en First Nation und Fraser Lake, gesehen vom Mount Fraser
Nur elf der heutigen Dakelh (eigentl. Carrier) sowie der Babine und Wet'suwet'en First Nations (oder Indian Bands) gehören einem der beiden Stammesräte oder Tribal Councils an.
First Nations der Dakelh Carrier Sekani Tribal Council Ts'il Kaz Koh First Nation (nannten den Burns Lake Tselhk'azbunk'ut - „hone lake“, daher früher auch als Burns Lake Indian Band bezeichnet, ihr traditionelles Stammesgebiet umfasste das Einzugsgebiet des Nda Koh (Endako River), (PDF; 2,2 MB) sprechen eine Mischform aus dem Babine und dem Witsuwit'en-Dialekt der Babine-Witsuwit'en-Sprache, jedoch scheinen sie ursprünglich eine Variante der Südlichen Dialektgruppe des Carrier gesprochen zu haben, sind daher sprachlich sowie geographisch den Babine-Wet'suwet'en zuzuordnen, identifizieren sich jedoch als Dakelh, Verwaltungssitz und Hauptort befindet sich innerhalb der Gemeinde Burns Lake zwischen den Bulkley und Nechako Flussgebieten, ca. 220 km westlich von Prince George, B.C., Reservate: Burns Lake #18, Poison Creek #17, #17A, Sheraton Creek #19, ca. 1,846 km², Population: 130) Nadleh Whut'en First NationHomepage der Nadleh Whut'en First Nation ('Volk am Platz/entlang des Baches, wo der Lachs wiederkehrt, d. h. entlang des Nautley River', bis 1990 Fraser Lake Indian Band genannt, ihr traditionelles Stammesgebiet umfasste die Gebiete der heutigen Städte Fort Fraser, Fraser Lake, Endako und Vanderhoof, bevölkerungsreichstes Reservat ist Nautley (Fort Fraser) #1, der Verwaltungssitz befindet sich in der Hauptsiedlung Nadleh am Ufer des Nadlehkoh (Nautley (Nadleh) River), zwischen Nadleh Bun (Fraser Lake) und dem Nechako River, nahe dem Fort Fraser, andere leben in der Gemeinde Lejac, am Südufer des Fraser Lake, Reservate: Canyon Lake (Ormond Lake)#7, Fondeur #9, Fraser Lake #2, Nautley (Fort Fraser) #1, Ormonde Creek #8, Seaspunkut #4, Yensischuck #3, Population: 514)