thumb|upright|Katharinenkirche in Neipperg Die Katharinenkirche ist eine evangelische Pfarrkirche in Neipperg, einem Ortsteil von Brackenheim im Landkreis Heilbronn im nördlichen Baden-Württemberg. Ihre Kirchengemeinde gehörte bis Ende 2024 zum bisherigen Kirchenbezirk Brackenheim und gehört seit 1. Januar 2025 zum neuen Kirchenbezirk Heilbronn-Brackenheim der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Geschichte Die Kirche geht auf eine ältere, der Heiligen Katharina geweihten Kapelle zurück, die eine Filialkapelle der Martinskirche in Meimsheim war und 1476 zur eigenständigen Pfarrkirche erhoben wurde. Das Patronatsrecht lag bis nach dem Ersten Weltkrieg bei der einstigen Ortsherrschaft, den Herren von Neipperg, die um 1530 die Reformation innerhalb ihres Einflussbereichs durchgeführt hatten. Die Kirche war weiterhin evangelisch geblieben, als die Neipperger Freiherren und späteren Grafen um 1717 in österreichischen Diensten wieder katholisch wurden. Die Pfarrei kam im Zuge der Mediatisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts zunächst an das Dekanat Heilbronn, 1812 an das Dekanat Brackenheim.

Der Turm erhielt bei einem Umbau 1745 seine charakteristische, im Zabergäu unübliche Helmkappe, gleichzeitig wurde die gesamte Kirche umgebaut und eine Orgel beschafft. Der praktisch nur turmbreite Innenraum wurde mit dem Einbau der Kanzel vor der Nordwand sowie einer Ostempore für die Orgel am Chorbogen und einer Westempore zu einer der vielen in Württemberg schon seit der Reformation verbreiteten Querkirchen umgebaut.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche. Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 252, 302 – ISBN 978-3-95505-592-9. Für die Aufstellung der neuen Orgel mit ihrem hochragenden Barock-Orgelprospekt erwies sich die bauzeitliche Aufsprengung der Schiffdecke zu einem hölzernen Tonnengewölbe und ein entsprechendes Dachwerk im Steildach als geeignet. Im Jahre 1800 wurde diesem Tonnengewölbe mit den gotischen Schnitzarbeiten an den Gurten auch der Chorbogen durch eine Erhöhung angepasst. Die Kirche wurde seitdem verschiedentlich renoviert. Bedeutende Veränderungen fanden insbesondere bei der Renovierung von 1938/39 durch die Architekten Behr und Oelkrug statt, deren Ergebnis als „sehr geschmackvoll“ bezeichnet wird und dem Inneren der Kirche seine heutige Anordnung brachte: mit der Beibehaltung der Ausrichtung eines Teils des Parterregestühls auf die Nordkanzel, mit dem Entfernen der Ostempore, der Umsetzung der Orgel auf die Westempore und dem Einbau einer schmalen Südempore gegenüber der Nordkanzel. 1980 wurde die Kirche außen gründlich erneuert, 1989 das Innere renoviert und 2025 eine erneute Außensanierung abgeschlossen.

Beschreibung Die Kirche ist eine schlichte Chorturmkirche im Stil der Spätgotik. Sie liegt im Westen des historischen Ortskerns im alten Friedhof, ihr viereckiger Chorturm ist nach Osten ausgerichtet, nach Westen schließt das Kirchenschiff an. Nach Norden ist an den Turm eine Sakristei angebaut. An äußerem Bauschmuck ist das im Stil der Gotik verzierte steinerne Gesims am Westgiebel zu nennen. Der Chorraum hat ein Netzgewölbe, das Kirchenschiff hat ein hölzernes Tonnengewölbe, ebenso die Sakristei.

Ausstattung Steinmetzarbeiten Im Chor befindet sich ein gotisches steinernes Sakramentshaus. Der Taufstein wurde bereits um 1700 erwähnt.

In der Kirche sind verschiedene historische Epitaphe der Herren und Grafen von Neipperg erhalten, darunter ein auf 1606 datiertes gemaltes Epitaph sowie mehrere Grabmäler aus Sandstein. Ein besonders schmuckvolles Grabdenkmal für Eberhard XI. von Neipperg († 1591) war jedoch bereits 1886 wegen Baufälligkeit abgerissen worden. Von ihm stammen der Steinkruzifixus und die Caritas, die allegorische Darstellung christlicher Liebestätigkeit.

Altar Das hölzerne Kruzifix über dem Altar stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert.

Kanzel Der kostbarste Besitz ist die aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammende Kanzel an der Nordwand des Gebäudes mit einem Portal am Treppenaufgang von Osten. 1939 restauriert, zeigt sie in naiv-lebhafter Weise Stuckreliefs aus der biblischen Geschichte: im Brüstungs-Mittelfeld Mariä Verkündigung, an den Seiten in symbolischer Zuordnung von Altem zum Neuen Testament einerseits Jonas „Wiedergeburt“ aus dem Walfisch und die Auferstehung Christi, andererseits die Opferung Isaaks und Jesu Geburt.

Empore An der Brüstung der hölzernen Emporen sind als Gegenüber zur Stuckkanzel Stuck-Halbfiguren der zwölf Apostel angebracht.

Glasgemälde In das hohe rundbogige Ostfenster des Turmchors wurde 2009 vom Glaskünstler Wolfgang Nickel aus Georgenzell (Thüringen) ein Glasgemälde mit dem Bildthema „Auferstehung und das Einswerden mit Gott“ eingebaut.Werkverzeichnis Wolfgang Nickel , abgerufen am 11. Juli 2026.

Turmuhr Als Turmuhr diente bis 1965 eine historische Uhr von 1751, danach gab es einige Jahre eine elektrische Uhr, bis 1987 die heutige funksynchronisierte elektronische Haupt-Quarzuhr installiert wurde.

Orgel Eine Orgel wurde anlässlich der Renovierungsmaßnahmen 1745 angeschafft, der Orgelprospekt der heutigen Orgel geht noch auf das historische Instrument zurück, das 1939 auf die Westempore verbracht wurde. Das Instrument wurde 1933 überholt und 1949 neu gestimmt, war jedoch durch Wurmfraß so geschädigt, dass 1962 die Erneuerung unvermeidlich war.

1964 wurde eine neue Orgel der Orgelbaufirma Walcker mit 10 Registern auf zwei Manualen und Pedal in dem restaurierten Orgelprospekt des historischen Instruments eingeweiht.

Glocken Die Kirche hatte ursprünglich wohl nur eine Glocke, 1732 kam eine zweite Glocke hinzu. Beide Glocken wurden im Lauf des 19. Jahrhunderts erneuert, 1895 kam eine dritte Glocke hinzu. 1917 mussten die beiden größeren Glocken abgeliefert werden, sie wurden 1920 durch neue Glocken ersetzt, die wiederum 1942 abgeliefert werden mussten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein neues dreistimmiges Geläut angeschafft, wofür neben zwei neuen Glocken auch die verbliebene alte Glocke von 1824 umgegossen wurde. Die neuen Glocken wurden 1953 bei Heinrich Kurtz in Stuttgart gegossen. Die kleine Glocke wiegt 165 kg, hat den Schlagton es’’. Ihr Durchmesser beträgt 64,2 cm, sie trägt die Aufschrift O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort. Die mittlere Glocke wiegt 226 kg, hat einen Durchmesser von 71,8 cm und den Schlagton des’’. Ihre Aufschrift lautet: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Die größte Glocke hat einen Durchmesser von 86,7 cm, wiegt 396 kg, ist auf B’ gestimmt und trägt wie bereits eine ältere Glocke die Aufschrift Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.Norbert Jung: hilf got vnd maria, Beiträge zur Glockengeschichte des Stadt- und Landkreises Heilbronn, Heilbronn 2008, S. 38–41.

Literatur Gerhard Häcker: Die Kirche. In: Neipperg. Die Geschichte eines Dorfes und seiner Einwohner. Stadtverwaltung, Brackenheim 1989, ISBN 3-9806667-2-7. Heinz Rall, Ulrich Gräf: Historische Kirchen im Zabergäu und Umgebung. (Hrsg.) Zabergäuverein und Verein für Kirche und Kunst; Besigheim / Stuttgart 2003, ISBN 3-8091-1088-4, S. 66–67. Julius Fekete: Kunst- und Kulturdenkmale in Stadt und Landkreis Heilbronn. 2. Auflage, Theiss, Stuttgart 2002, ISBN 3-8062-1662-2, S. 132.

Weblinks

Website der Kirchengemeinde, ohne Informationen zum Kirchengebäude

Einzelnachweise

Katharina Neipperg Brackenheim Brackenheim Kategorie:Kulturdenkmal in Brackenheim Neipperg Neipperg Kategorie:Kirchengebäude in Europa