mini|Bischof Gebhard Fürst (2008) rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Gebhard Fürst mini|Bischof Gebhard Fürst 2004 in Stuttgart-Bad Cannstatt

mini|Bischofswappen von Gebhard Fürst

Gebhard Fürst (* 2. Dezember 1948 in Bietigheim) ist emeritierter Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, der er von 2000 bis 2023 vorstand.

Leben Werdegang Gebhard Fürst begann 1969 sein Studium nach dem Abitur, das er am Mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium Bietigheim ablegte, mit der griechischen und hebräischen Sprache am Collegium Ambrosianum in Stuttgart. Er setzte es fort mit dem Fach Katholische Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen (1970) und an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien (1971 bis 1972). 1975 legte er die Theologische Hauptprüfung (Erste Dienstprüfung) ab; im gleichen Jahr trat er in das Priesterseminar der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Rottenburg am Neckar ein. Am 13. Dezember 1975 erfolgte die Diakonenweihe. Danach war er als Diakon in St. Johannes in Nürtingen tätig. 1977 erfolgte seine Priesterweihe durch Bischof Georg Moser in der Basilika St. Vitus in Ellwangen (Jagst). Daraufhin wurde er Vikar in St. Josef in Stuttgart-Heslach und 1979 Repetent am Bischöflichen Theologenkonvikt der Diözese Rottenburg-Stuttgart Wilhelmsstift in Tübingen sowie Doktorand von Max Seckler am Lehrstuhl für Fundamentaltheologie der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Im Jahr 1980 erfolgte die Zweite Dienstprüfung.

1983 wurde Fürst kommissarischer Direktor des Theologenkonviktes Wilhelmsstift in Tübingen, 1986 Direktor der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Mitglied der Sitzung des Bischöflichen Ordinariates. 1987 promovierte er im Fach Fundamentaltheologie mit der Dissertationsschrift „Sprache als metaphorischer Prozess. Johann Gottfried Herders hermeneutische Theorie der Sprache“. Von 1993 bis 2000 war er Vorsitzender des Leiterkreises der Katholischen Akademien in Deutschland. Im Jahr 1999 verlieh ihm Papst Johannes Paul II. den Titel Kaplan Seiner Heiligkeit.

Bischof

Papst Johannes Paul II. ernannte Gebhard Fürst am 7. Juli 2000 zum Bischof von Rottenburg-Stuttgart. Die Bischofsweihe spendete ihm der Freiburger Erzbischof Oskar Saier am 17. September desselben Jahres; Mitkonsekratoren waren sein Vorgänger, Kurienbischof Walter Kasper, und Weihbischof Johannes Kreidler.

Von 2007 bis 2021 war Gebhard Fürst Vorsitzender der Publizistischen Kommission, einer der 14 Bischöflichen Kommissionen der Deutschen Bischofskonferenz. Des Weiteren ist er Mitglied der Glaubenskommission und leitet deren Unterkommission Bioethik. Von 2000 bis 2016 war Bischof Fürst Geistlicher Assistent des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).katholisch.de. Stabwechsel beim ZdK, abgerufen am 16. November 2016.

Im Oktober 2023 bot Fürst Papst Franziskus seinen Rücktritt als Bischof von Rottenburg-Stuttgart zum 2. Dezember 2023, dem Tag seines 75. Geburtstags, an. Die offizielle Annahme des Rücktrittsgesuchs durch Papst Franziskus erfolgte am 4. Dezember 2023. Er war zum Zeitpunkt seiner Emeritierung der am längsten amtierende deutsche Diözesanbischof.

Mitgliedschaften und Ehrungen Als Direktor der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart war Gebhard Fürst Vorsitzender des Preiskomitees des Aleksandr-Men-Preises „Für die Ökumene der Kulturen“. Außerdem war er Mitglied des Kulturausschusses der Landeshauptstadt Stuttgart, leitendes Mitglied im Kuratorium der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Mitglied im Vorstand der Vereinigung der Freunde und Förderer der Akademie. Weitere Mitgliedschaften bestanden im Vorstand des Geschichtsvereins der Diözese Rottenburg-Stuttgart, im Vorstand des Diözesanbildungswerkes, in der Theologischen Kommission der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg (ACK) und in der Frauenkommission der Diözese Rottenburg-Stuttgart (bis 1999).

Als Bischof gehörte er von 2001 bis Mai 2005 dem Nationalen Ethikrat als Vertreter der katholischen Kirche an. Die Berufung zum Nationalen Ethikrat erfolgte 2001 durch Beschluss des Bundeskabinetts.

2003 wurde er von Kardinal-Großmeister Carlo Kardinal Furno zum Großoffizier des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ernannt und am 4. Oktober 2003 durch Anton Schlembach, Großprior der deutschen Statthalterei, investiert.

Gebhard Fürst ist Ehrenmitglied im Rotary International District 1830 Esslingen Filder. Er ist Mitglied der Theologenverbindung AV Albertus Magnus in Tübingen und seit 2002 Ehrenmitglied der katholischen Studentenverbindung AV Alania Stuttgart im CV. 2013 erhielt Fürst den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg.https://www.bo.de/lokales/ortenau/orden-fuer-inge-auerbacher?page=3

Fürst ist Kuratoriums-Mitglied der Akademie für gesprochenes Wort in Stuttgart.

Positionen mini|Bischof Gebhard Fürst (links) mit Kardinal Kurt Koch am Pontifikalamt nach dem Blutritt zu Weingarten am 15. Mai 2015 Stammzellforschung Bischof Fürst lehnt die Forschung an embryonalen Stammzellen ab. Seine diesbezügliche Äußerung, auch die Nationalsozialisten hätten ihre Menschenversuche mit dem Argument verbesserter Heilungschancen begründet,Stephan Löwenstein: Bischöfe kritisieren Schavan. Faz.net>Politik, 10. Dezember 2007 wurde von deutschen Wissenschaftlern kritisiert.Deutsche Wissenschaftler weisen Äußerung von Bischof Gebhard Fürst zur Stammzellforschung zurück.Stammzellen.nrw.de

Bestattungswälder Am Beginn der Urnenwald-Expansion stand ein Disput, im Gemeindegebiet der Stadt Isny einen Bestattungswald zu eröffnen. Der Bischof nahm Anstoß an dem als naturreligiös-esoterisch empfundenen Internetauftritt der federführenden Friedwald-GmbH, besonders an der Aussage, der Baum nehme die Asche als Nährstoff, sie werde so zu einem Sinnbild für das Fortbestehen des Lebens. Er kritisierte, hinter dem Geschäft stehe eine Hinwendung zur Natur als quasi-göttlicher Instanz. Katholische Nachrichtenagentur vom 28. Mai 2003. Abgerufen am 2. Oktober 2017 Die Friedwald GmbH hat daraufhin ihren Webauftritt dauerhaft geändert, konnte aber den beantragten Standort bei Isny nicht durchsetzen.

Bluttests an Schwangeren Als Vorsitzender der Kommission für Bioethik der DBK sieht Fürst in den vorgeburtlichen Tests auf das Down-Syndrom die Gefahr, „dass genetisch als nicht genügend eingestufte Menschen bereits im Mutterleib ausgesondert“ würden.Bischof befürchtet systematische Abtreibungen wegen Bluttests. Suedkurier.de, 12. Juli 2012 Gleichzeitig könne laut Fürst die Früherkennung von Krankheiten aber auch ein Segen sein. www.schwaebische.de, 2. Dezember 2018

Hohenheimer Tagung 2011 2011 untersagte Bischof Fürst eine Tagung an der Akademie in Hohenheim, die das Verhältnis von katholischer Sexualmoral und offener Gesellschaft thematisieren sollte, mit der Begründung, die Zusammensetzung der Referenten sei nicht ausgewogen genug.Maria Wetzel: Kein Nachdenken über Sex. Stuttgarter-nachrichten.de, 22. Juni 2011

Beschneidungsurteil Bischof Fürst hat das Urteil des Kölner Landgerichts zu religiös begründeten Beschneidungen kritisiert und versicherte Juden und Muslimen seine Solidarität. Er sprach von einem „schwerwiegenden Eingriff in die Religionsfreiheit“.Bischof Gebhard Fürst kritisiert Beschneidungsurteil. Gea.de, 10. Juli 2012

NS-Zwangsarbeiter In der Frage der zwischen 1939 und 1945 in kirchlichen Einrichtungen der Diözese eingesetzten Zwangsarbeiter wirkte Bischof Fürst unmittelbar nach seinem Amtsantritt auf eine Entschädigung hin, gleichzeitig wurde eine Kommission gegründet, die dieses Thema wissenschaftlich aufarbeiten sollte. An ehemalige Zwangsarbeiter wurden jeweils 5000 DM ausbezahlt, überdies konnten acht der 13 noch lebend ermittelten Personen der Einladung Fürsts zu einem Urlaubs- und Kuraufenthalt in der Diözese persönlich folgen und von ihm empfangen werden.

Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche Bereits früh begann in der Diözese Rottenburg-Stuttgart die Aufarbeitung kirchlicher Missbrauchsfälle. 2002 wurde die Kommission sexueller Missbrauch eingerichtet. Laut Fürst zeige jeder einzelne Fall, „wie es Menschen verändert, die einem sexuellen Missbrauch zum Opfer gefallen sind und die meist ein Leben lang darunter leiden.“

Diözesanfinanzen Im Oktober 2013 kritisierte Bischof Fürst einen Beitrag des Magazins Kontraste, demzufolge mit der für 39,2 Millionen Euro erfolgten Sanierung des Bischöflichen Ordinariats bzw. dessen teilweisem Neubau „falsche Prioritäten“ gesetzt worden seien, und bezeichnete ihn als „verzerrt“. Dieser Um- bzw. Neubau sei transparent aus Kirchensteuermitteln finanziert worden, überdies habe der Diözesanrat, das höchste Haushaltsgremium, dieses Projekt über Jahre hin begleitet. Ferner sagte Fürst, entgegen dem Kontraste-Beitrag plane die Diözese durchaus, ihr Vermögen zu veröffentlichen. Aufgrund der dafür erforderlichen Umstellung der Buchführung könne das jedoch erst zum Ablauf des Haushaltsjahrs 2013 (Frühsommer 2014) erfolgen. Auch Vorwürfe hinsichtlich der Wohn- und Gewerbeimmobilien des Siedlungswerks, an dem die Diözese zu 75 % beteiligt ist, wies Fürst zurück und verwies auf dessen „soziale und ökologische Leitlinien“.Bischof Gebhard Fürst kritisiert TV-Bericht in „Kontraste“. Tagblatt.de, 26. Oktober 2013 (abgerufen am 14. November 2013)

Pegida/AfD In seiner Weihnachtsbotschaft sowie der Silvesterpredigt 2014 bezog Fürst Position gegen die Pegida-Bewegung. Wer unter dem Vorwand, das christliche Abendland vor Überfremdung schützen zu wollen, Flüchtlingen Hilfe verwehre und Fremdenhass zulasse oder verbreite, verrate christliche Werte und gieße Öl ins Feuer des Fundamentalismus, und wer Weihnachtslieder singe (auf der Pegida-Demonstration am 22. Dezember 2014 wurde dazu aufgerufen), müsse deren Sinn erfassen, nämlich dass Gott mit Notleidenden und Hilflosen sei.Deutscher Bischof über Pegida: „Hat einiges mit Gottlosigkeit zu tun.“ Augsburger-allgemeine.de, 26. Dezember 2014 Im Februar 2016 kritisierte Fürst in einem Interview die AfD mit den Worten: „Wenn ich daran denke, dass man da mit Schusswaffengebrauch Überlegungen anstellt, dann sieht man den Horizont, in dem manche Menschen denken. Da müssen wir uns klar distanzieren.“Rottenburger Kirchenoberhaupt hält manche Äußerungen der AfD für verabscheuungswürdig. www.tagblatt.de, 7. Februar 2016 Fürst selbst hatte veranlasst, dass von 2014 bis Anfang Dezember 2018, als dann die Flüchtlingszahlen gesunken waren, im Gästehaus des ehemaligen Klosters Weingarten afrikanische Flüchtlinge wohnten und im Hauptgebäude eine Erstaufnahmestelle des Landes Baden-Württemberg für Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Eritrea eingerichtet wurde. Als Art Wohngemeinschaft sollen die Klostergebäude in Zukunft geflüchtete Familien mit Bleiberecht sowie Studenten beherbergen. www.swr.de, 14. Dezember 2018Flüchtlinge im Kloster Weingarten: Mensch, ging das schnell! chrismon.evangelisch.de, 25. Januar 2016

Frauenordination In der Diskussion um die Frauenordination bekannte sich Fürst im März 2017 zum Frauendiakonat und bezeichnete es als „Zeichen der Zeit“.Bischof Gebhard Fürst bekennt sich zum Frauendiakonat. www.domradio.de, 27. März 2017

Antisemitismus An Weihnachten 2017 unterstützte Fürst die Forderung nach einem Bundesbeauftragten gegen Antisemitismus. Es gebe „wachsende Ressentiments gegenüber jüdischen Mitbürgern“, die auch unter Migranten zu finden seien.

Digitalisierung