mini|Polierter Lienbacher Marmor mit angeschnittenem Ammonit. Dunklere Manganoxid-Häutchen lassen sowohl Umriss und Kammern des Ammonitengehäuses als auch umliegende Kalkknollen gut erkennen mini|Rotgrau-Schnöllbruch in Adnet (von hier stammen die Säulen des Parlamentsgebäudes in Wien) mini|Eingangshalle Parlament in Wien. Säulen aus Adneter Schnöllmarmor mini|Nationalmuseum Prag, Baluster aus Rotscheck mini|Block aus Adneter Marmor
Adneter Marmor ist der Handelsname verschiedener bunter polierfähiger Kalksteine aus Adnet, einer Gemeinde im Salzburger Land im Bezirk Hallein in Österreich. Die Steinbrüche stellen die eigene Ortslage Adneter Marmorbrüche dar. Dieses Gestein zählt zu den Riffkalken und Knollenkalken, weitere gleichbedeutende Bezeichnungen sind Adneter Schichten, Adneter Kalke und Adnet Formation oder Adnet Gruppe.
Die Bezeichnung dieses Natursteins als Marmor hat historische Wurzeln und kann deshalb weiter verwendet werden. Es handelt sich um ein Gestein, dessen Nutzung eine lange Tradition in Mitteleuropa vorzuweisen hat. Durch seine unterschiedliche Farbgebung, besonders seine Rotfärbung und seine Varietäten war es als Bau- und Denkmalgestein sehr begehrt. Neben zahlreichen Taufsteinen, Säulen, Portalen, Kanzeln und der spätgotischen Grabmalkunst, sind die Meisterwerke von Veit Stoß, Tilman Riemenschneider und Niclaes Gerhaert van Leyden aus Adneter Marmor hervorzuheben.
Geschichte Römerzeit Die Römer haben den Kalkstein ab dem 2. Jahrhundert abgebaut und für Reliefs, Bau- und profilierte Werksteine sowie Mosaiken verwendet. Das Marmormuseum Adnet zeigt ein Säulenfragment aus der Römerzeit, Fundort ist der Tauglwald bei Vigaun im Süden von Hallein. Im Salzburg Museum sind drei Steinblöcke mit Reliefdarstellungen aus dieser Zeit ausgestellt.
Romanik In der Vorromanik und Romanik wurden aus diesem Stein vor allem Reliefgestaltungen hergestellt. Im Bauwesen, sowohl bei Sakralbauten als auch im profanen Bereich, fand der rote Adneter Knollenkalkstein Verwendung.
Gotik In der Gotik, ab etwa 1230, gewann vor allem der „Adneter Scheck“ eine besondere Bedeutung. Ein erster schriftlicher Beleg für das Vorhandensein von Steinbrüchen stammt aus dem Jahre 1420.Franz Kretschmer: Heimatbuch. S. 20 (siehe Lit.) Die Adneter Marmore sind die Träger der gesamten gotischen Österreichisch-bayrischen Grabmalplastik. In den nachfolgenden Zeiten war das Gestein immer nachgefragt.
Barock Nicht nur im barocken Salzburg ist Adneter Marmor der bevorzugte Naturstein aller Repräsentationsbauten. Mariensäulen, Portale, Bodenbeläge, Wandverkleidungen, Türrahmungen, Fensterlaibungen, Gedenktafeln, Bildstöcke, Altarschranken oder Weihwasserbecken, alles nur Erdenkliche wurde aus diesem Stein geschaffen.
19. Jahrhundert Am Beginn des 19. Jahrhunderts, im Jahr 1805 entstand das Marmorwerk Oberalm aus dem stillgelegten erzbischöflichen Messinghüttwerk im Ortsteil Hammer in Oberalm. Dieser Betrieb ist stark mit den Adneter Steinbrüchen verbunden. 1887 übernahm die „Aktiengesellschaft für Marmorindustrie Kiefer“ das Werk. Dies war der Beginn der industriellen Steinbearbeitung, zwischen 1861 und 1887 wurden weitere Adneter Steinbrüche zugekauft (Kirchenbruch, Schwalberbruch - Motzau, Scheck- und Tropfbruch).Franz Kretschmer, Hubert Kretschmer, Franz Zoglmaier: Marmor aus Adnet. Hrsg.: Salzburger Bildungswerk, örtliches Bildungswerk Adnet. Verlag Gemeinde Adnet / Salzburg, Adnet 1986, S. 259 (Heimatbuch Adnet. 1).
Historismus Erwähnenswert ist die Anfertigung der „… 24 monolithischen Säulen aus prachtvollem Adneter Rotgrau-Schnöll-Marmor …“, die das Dach über der Säulenhalle des Parlamentsgebäudes an der Ringstraße in Wien tragen. Die kannelierten Säulenschäfte sind 8,5 Meter hoch und haben einen Durchmesser von 1,10 Meter, sie ruhen auf jeweils auf einer hellen Säulenbasis und sind mit einem 1,5 Meter hohen korinthisierenden Kapitell (Durchmesser 1,65 m) abgeschlossen. Die Kapitelle sind aus Untersberger Marmor gefertigt und vergoldet. Der Transport der Schaftrohlinge vom Schnöllbruch in Adnet zum Bahnhof in Hallein stellte eine große Herausforderung dar. Für einen 18 t schweren Monolithen wurden vor den Wagen, der von den werkseigenen Stellmachern eigens angefertigt wurde, 36 Pferde gespannt, um über den Bergrücken Strub zu kommen. Zwei dieser Säulen wurden 1950 aus dem gleichen Steinbruch (Schnöll) nachgeliefert, da im Zweiten Weltkrieg zwei Peristyl-Säulen durch Fliegerbomben zerstört wurden.Franz Kretschmer, Hubert Kretschmer, Franz Zoglmaier: Marmor aus Adnet. Herausgegeben vom Salzburger Bildungswerk, örtliches Bildungswerk Adnet. Verlag Gemeinde Adnet/Salzburg, Adnet 1986, S. 262 (Heimatbuch Adnet. 1).
Durch die Neuerrichtung der Erzherzogin-Giselabahn (Salzburg-Tiroler-Bahn), als Ersatz für den Steintransport mit Schiffen über die Flusswege, waren die Adneter Steinbrüche ab 1875 mit Europa besser verbunden. Damit begannen vermehrte Lieferungen nicht nur in den mitteleuropäischen Raum, sondern auch über den Kontinent hinaus in den Nahen Osten, in die Türkei, nach Jerusalem und Kairo auch nach Südafrika und bis zur Weltausstellung nach Chicago und auch nach Kanada.Franz Kretschmer, Hubert Kretschmer, Franz Zoglmaier: Marmor aus Adnet. Herausgegeben vom Salzburger Bildungswerk, örtliches Bildungswerk Adnet. Verlag Gemeinde Adnet/Salzburg, Adnet 1986, S. 273 (Heimatbuch Adnet. 1).
Erster Weltkrieg und Zwischenkriegszeit Im Ersten Weltkrieg kam der Marmorabbau beinahe gänzlich zum Erliegen. Nach 1918 wurde anfänglich nur in sehr kleinem Umfang abgebaut, die Zwischenkriegszeit mit der großen Weltwirtschaftskrise war eine wirtschaftlich schwierige Zeit auch in den Adneter Steinbrüchen.
NS-Zeit 1938 stellte den Steinabbau in Adnet vor unlösbar scheinende Probleme. Die NS-Führung entdeckte diesen polierfähigen, bunten Kalkstein für sich. Hitler ließ durch seinen Architekten Albert Speer große Mengen von Adneter Marmor für seine Repräsentationsbauten abbauen und bearbeiten. Die Stammbelegschaft der Marmorindustrie Kiefer konnte die Fülle an Aufträgen nicht mehr bewältigen und so wurden Gastarbeiter geholt, vor allem aus Italien. Bis zu 400 Steinbrucharbeiter sollen damals in den Steinbrüchen tätig gewesen sein.
In diese Zeit fällt auch die Einführung einer maschinellen Abbaumethode, der Loch-an-Loch Abbau. Bis 1938 wurde in Adnet ausschließlich händisch durch Schroten der Marmor gewonnen. Für das gigantische Führerarbeitszimmer in der neuen Reichskanzlei in Berlin wurde als besonderes Prunkstück ein Kartentisch aus Rot-Tropf-Marmor gefertigt, die Platte hat die Maße 500 × 160 × 18 cm und wurde angeblich nach dem Krieg nach Moskau gebracht.Franz Kretschmer, Hubert Kretschmer, Franz Zoglmaier: Marmor aus Adnet. herausgegeben vom Salzburger Bildungswerk, örtliches Bildungswerk Adnet. Verlag Gemeinde Adnet/Salzburg, Adnet 1986, S. 278 (Heimatbuch Adnet. 1).
Nachkriegszeit Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ die Nachfrage zwar stark nach, was sich auch in Schließungen von einigen Steinbrüchen widerspiegelt, aber auch beim Wiederaufbau, z. B. von Bahnhöfen, war Adneter Marmor gefragt. Durch effektivere Abbaumethoden und moderne Maschinen bei der Weiterverarbeitung bleiben die Adneter Marmorbrüche weiter in Betrieb.
Adneter Steinhauer mini|Schrotgänge im historischen Schmiedebruch mini|Zweispitzkopf, solche Schrothämmer waren bis zu 6 kg schwer Über Jahrhunderte hinweg, bis 1938, wurden in den Adneter Steinbrüchen die Rohblöcke von Steinhauern mit einem bis zu 6 kg schweren Schrothammer, einem Zweispitz, freigehauen. Dabei wurden schulterbreite Schrämschlitze, sogenannte Schrotgänge, um den Block herausgearbeitet. Ein tüchtiger Mann schaffte als Tagesleistung etwa 100 cm Länge, 50 cm (Schulter)Breite und 30 cm. Waren alle vier Seiten freigehauen, konnten die Platten mit Hilfe von schlanken Arbeitskeilen in den Lagerfugen gelöst (aufgetrieben) und über Holzwalzen oder Stahlkugeln bewegt, verladen und abtransportiert werden.Franz Kretschmer, Hubert Kretschmer, Franz Zoglmaier: Marmor aus Adnet. Herausgegeben vom Salzburger Bildungswerk, örtliches Bildungswerk Adnet. Verlag Gemeinde Adnet/Salzburg, Adnet 1986, S. 22 (Heimatbuch Adnet. 1). Der Beruf des Steinhauers, der das Marmordorf Adnet über Jahrhunderte geprägt hat, ist heute nur mehr Geschichte. Im Adneter Dorfleben ist der „Steinhauer“ aber weiterhin präsent, und zwar in der „Steinhauer Musikkapelle Adnet“ (SMK).
Geologie und Steinbrüche Für Geologen und Paläontologen ist das Gebiet der Adneter Steinbrüche das „Mekka“ der Gesteinsablagerungen, was die Obere Trias (Riffkalke) und dem Unteren Jura (Rotkalk) betrifft, denn die beinahe ungestörte Lagerung der Schichtabfolge ist hier gut sichtbar dargestellt. Seit ca. 1850 waren die Pioniere der Alpengeologie (Gümbel, Suess u. Mojsisovics, Wähner) und auch Paläontologen (Quenstedt, Hauer, Stur) von der Gesteinsabfolge und vom Fossilinhalt fasziniert. Auch im 20. Jahrhundert haben Wissenschaftler wie Erik Flügl, Harald Lobitzer, Florian Böhm, Alois Kieslinger, Max Schlager zu den Gesteinen von Adnet geforscht.Katrin Hauer, Christian F. Uhlir: Adneter Marmor. Entstehung, Material, Abbau, Geschichte und seine Bedeutung als Kulturerbe. Verlag Books on Demand, Norderstedt 2011, S. 52.
Entstehung mini|Ammonit aus dem Wimberg- oder Plattenbruch Entstanden sind die für den Abbau genutzten Gesteinseinheiten als Ablagerungen in einem Flachmeer am Rande des Tethys-Ozeans im Mesozoikum, in der Zeit der Obertrias (Rhät) bis Unterjura (Lias) aus Kalkschalen und Skeletten abgestorbener Tiere sowie Kalkgerüsten von Pflanzen im Meerwasser, wodurch Riffkalke gebildet wurden. Die dabei entstandenen Gesteinseinheiten werden in Adnet traditionell als Tropfmarmore bezeichnet, weil die vielen, sich weißlich abzeichnenden Korallenbruchstücke nach dem Polieren der Platten als Tupfen in der dunkleren Matrix erscheinen.
Durch großräumiges Absinken der Erdkruste „ertranken“ die Korallenriffe und nach einer Übergangsphase wurden nur mehr tiefseetypische „rote Kalke“ schichtartig abgelagert. Diese sind vor allem im Wimbergbruch, aber auch im Langmoos, Eisenmann und Lienbacher Bruch zu finden.
Geographisch betrachtet lag der Ort des Geschehens vor etwa 200 Millionen Jahren etwa 600 Kilometer südlich von Adnet.
Mineralbestand Die Riffkalke von Adnet (Tropf- und Urbanomarmor) bestehen zu 99 % aus Calciumcarbonat (kohlensaures Calcium CaCO3) mit geringen Mengen an Eisen- und Aluminiumoxid und Magnesiumcarbonat. Schnöll-, Lienbacher-, Motzen-, Scheck. und Wimbergermarmor haben im Durchschnitt etwa 1 % Eisen- und Manganoxide und ca. 1 % Tonminerale in den Brandlagen und um die Knollen als Häutchen.Katrin Hauer, Christian F. Uhlir: Adneter Marmor. Entstehung, Material, Abbau, Geschichte und seine Bedeutung als Kulturerbe. Verlag Books on Demand, Norderstedt 2011, S. 74.
Adneter Steinbrüche mini|Platten- oder Wimbergbruch in Adnet Der Adneter Kalkstein wird ausschließlich im Tagbau gewonnen. Auf ungefähr einem Quadratkilometer können rund 50 Steinbrüche benannt werden.Franz Kretschmer, Hubert Kretschmer, Franz Zoglmaier: Marmor aus Adnet. Herausgegeben vom Salzburger Bildungswerk, örtliches Bildungswerk Adnet. Verlag Gemeinde Adnet/Salzburg, Adnet 1986, S. 20 (Heimatbuch Adnet. 1). Namensgebend für Steinbrüche sind neben regionalen Gesichtspunkten (Wimberg-, Langmoos- und der Kirchenbruch) in Adnet die Besitzverhältnisse.